Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 1927
- Issue
- Heft 2 (Februar 1927)
- Date
- 1927-02-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2571117-2571131-2571133--124-2571423- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
12 Mt und Unart -er Parteien. Ein Aufsatz Professor Niebergalls (Marburg). Im neuesten Hefte des „Z » s n in me 11 [ d) l u ff, beipolitischen Monatsschrift zur Pflege bcr deutsche» Eintracht, die schon mefjmc 5.1'lnle in diese» Blatter» lebend genannt wurde und um deren Herausgabe sich die Herren Tr. Friedrich Thimma und Eduard Heiumerle ein vaterländisches Verdienst erwmb-n haben, schreibt der bekannte Theologe der Marbnrger Nniversitnk, Prvseiior I>. Friedrich Nicberqnll, in geistvoller Weise und mit edler Grnndrinstellnng über „Art und Unart der Parteien". Wir geben anS dem Aufsatz, den wir wie die az'samlc Zcnsehrist jedem zum Lesen ivarm empsehtm können, weniges vier wieder-. „Wer selber weih. Hm8 eine Ueberzengnug bedeutet, ist mul, nirfjt imstande, anderen die ihre zu verleiden, indem er il)»c:i g-schäftliche -'{ortjtcitc znsügt oder sie gesellseliaftlieh dnuh Anoscl;lnj; ans der sogenannten guten Gesellsehost boykottiert. TaS sind alles Ausläufer inittelalterlieher Methoden wie Jnguisitivu und Tragonnden, die sieh für heutige Bildung nicht mehr ziemen." Tas Folgende sollten besonders die V v l l i f eh e n nicht überlesen, wenn es auch für alle Parteien gilt. „Denn die Beschränktheit lebt vom Hag. Es gibt »nzählig viele, die es krampfhaft vermeiden, mit Vertretern anderer Parteien znsammcuzulommcn, tveil sie das Gefühl haben, diese konnten besser und vernünftiger sei», als ihr Haß es bisher angenommen hat, so das; sic dieses ihr Schoßkind nnfgeben mttstten. Darum rührt diese Beschränktheit auch keine andere Zeitung als das geliebte Leibblatt an, das doch allein alles richtig bringt; widerlegt es doch so sicher mit Gründen und mit Asfclten, >vas die anderen rechts und linkS zu sagen pflegen. ES gehört schon eiwnS größere Einsicht als die des gewöhnlichen Parteiinenschen dazu, um zu tvissen, daß die Zeilmig als Ausdruck eines bestimmten Willens uns auch dann „gerichtete" Mitteilungen bringt, wenn sie einsachTntsnchliches zu bringen scheint. Was sie uns verschweigt, das merken wir nicht. Die tägliche Lektüre infiltriert uns so, daß wir es — nur an anderen merken. Humoristisch wirkt es immer, wenn man einem Stammtisch zuhvrt, wo anscheinend die persönlichen Meinungen widereinander stehen, während doch tatsächlich im kleinen Kreise auch hier die Geister der Zeitungen nufciuandcrplatzcu. Wer »litrcden will oder sich entscheide» soll, der muß — falls er den Anspruch auf Bildung macht — zwei Zeitungen lese», jedenfalls aber unterwegs oder in der Sommerfrische etwa gerade einmal die entgegengesetzte Zeitung lesen. So allein entspricht es der Würde einer persönlichen Haltung des gebildeten Menschen; er soll kein Echo, sondern eine Stimme fein." ♦. verträgt stch nicht mit -er Ehre -er Studenten." Ans der Neve des Münchener llniversitätsrektors. I» der Sammlung „Münchener Universitätsreden", herausgegeben von Rektor und Senat, Heft 8, hat Karl Boßler der Oessentlichkeit vier seiner Ansprachen übergeben, unter denen sieh auch die viel beachtete Festrede „Politik und Geist" befindet. — Als die im Korporationsnnsschns; vereinigten studentischen Verbindungen Dezember 1926 den jüdischen Korporationen die Teilnahme an der Jahrhundertfeier verweigertem hielt Boßler vor dem Korporntionsansschnsj eine Rede, ans der die solgenden Sätze sich mit der ft n b c li 11 f eh e n Ehre und de in R a s s e n p r, n zi P vcschäftigen: „Ich komme zmn Kern der Sache: Nämlich, ob cs sich mit der Ehre eines Studenten verträgt, die jüdischen Kommilitonen auf die Seite zu drangen, und zwar von den jüdischen Kominilitonen gerade diejenigen, die sich als deutsche Inden fühle», den Lebensstil des deutschen Studenten anstreven, mitinachen und bei unseren Festen mit Fahne, Schläger und Wichs dabei sein möchten. In den Satzungen der von Ihnen ausgeschlossenen sreischlagevden Berbindnng Thnringia heißt § 1: „Die Verbindung hat den Zweck, studentische Sitten und wissenschaftlichen Gosst, denisehc - Gesinnung und konfessionelle Toleranz unter ihren Mitgliedern z» pflegen." . . . Mir fallen dabei jene tapferen Inden von 1914 ein, die mit Nils hinanszogen und für Deutschland gefallen sind. Eine der von Ihnen ausgeschlossene» Verbindungen hat 22 Tote zu verzeichnen. Wir haben imS diese Opfer und diese Hilfe gefallen lassen, wie wir es mis im Frieden gefallen lassen, daß z. B. unser Pshchiatrischcs Forschungsinstitut z» einem sehr großen Teil von einem Inden sinnnziert wird, daß hervorragende Forscher und Denker, um nur unseren Richard Millstätter zu nennen, eine führende Rolle in der deutschen Wissenschaft übernehmen. Ja, wir haben es uns gefallen lassen müssen, denn diese und ähnliche Dienste werden dem deutschen Volke zuteil, ungebeten, wie Sonne und Regen. Die ganze deutsche Kultur östlich nuferer Rcichsgrenzen wäre vielleicht längst zusainuiengesunken und vom Slawentum Überschwemmt worden, wenn nicht das Indent»,,» für deutsche Sprache und deutsche Gciftcsart dort einst«,idc. Sie werden nun einwenden, meine Herren, daß trotz alldem der Jude ein Fremder sei für den Deutschen: fremde Rasse, sreindes Volk. Von der Rasse lassen Sie mich schn'eigeu, den» dies ist ein zoologisches, kein humanes Argument,, und wer sieh im menschlichen Tierreich zu bewegen wünscht, der mag immerhin sieh vor den Juden verschließe», »Is vor einer Tiergattnng, die seiner Tiergattnng schädlich ist. Aber eine Universität ist keine Menagerie." G. Gegen -ie Magöeburger öeschlnffe. Erneute scharfe Kampfansage Der Deutschen Gtuveuteuschast. Ncbcr de» Verlauf des Magdeburger Stndentenlages wurde in der „E. B.-Zeitung" bereits kurz berichtet und die dort angenommene Entsehließnng wurde fast in der ganzen Tngespresse verossentlieht. Konnte »nd mußte man damals noch über die endgültige Beantwortung des bekannten Ministerbriefes im Zweifel fein, fo schien »ach de» persönlichen Berhandtnngen im Ministerium am ir>. Februar l'largeworden, daß die Studentenschaften den Forderungen des Ministeriums mH der gangen Linie iinrl-zegebe» hatten. Diese Tatsache wurde von der Tagespresse als ein Zeichen der Gesundung der heutigen Studentengeneration begrüßt. Kanin ist aber die Erklärung des Preußischen Pressedienstes über den Ausfall der Berhandlungen veröffentlicht worden, so hat der Vorstand per Teutsche» Studentenschaft in einer in der Geschichte der Studentenschaft nicht ganz unbekannte,, Weise die studentische» Vertreter in ver Verhandlung mit dem Minister völlig desavouiert. Man hat den amtlichen Bericht als eine Irreführung bezeichnet, den „kampflosen" Verzieht ans die großen deutsehen Ziele der Sindenienschaft aufs schärfste mißbilligt und sich alle weitere» Scheitle Vorbehalten. Ter Kamps, der also beendet schien, ist jetzt erst in voller Schürfe entbrannk. Es ist also nötig, nach wie vor die Studentenschaft sorgfältig im Auge zu behalten. Bei dieser Sachlage seien einige Aeußerungen nntgeteilt, die in Magdeburg gefallen sind und die ans dem Munde von Führern der Tentsrhen Stndentenschast i» W i e n -- die bekanntlich nur ans arische» Mitgliedern besteht — stammen. Pia» hat nämlich folgendes Ammenmärchen in einer Versammlung von Akademikern — also dochwohl gebildeten Leuten — erzählt: In der Inflationszeit sind die bösen Ostjnden in Hellen Hansen nach Wien gekommen, haben sieh dort einbürgern lassen »nd mit dem vielen Gelde, was sie hatten, die Presse angetanst, lind in dieser Presse haben sie Aussätze erscheinen fassen, die vom Studium abrieten und alten jungen Leuten empfahlen, ein Handwerk zn lernen. Warum? Nur mir die Arier von den akademische» Bernsen fernzrihalten und diese mit ihrer großen Maeht den Inden freizmnaeheii. Pinn weiß nicht, ob es trauriger ist, daß so etwas erzählt, als daß es anscheinend geglaubt worden ist; wenigstens hat sich seitens der Mehrheit niemand derartiges Geschwätz verbeten. Nicht unerwähnt niagferner bleiben, daß man de» n n s l a » d sd c n t sch enIndo n vorwarf, sie wollten nur um der finanziellen Verteile willen in die deutschen Studentenschaften. Es half nichts, daß man die deutschen Inden Prags nnführto, die um ihres Bekenntnisses zmn Tentschtinn willen schweren Benachteiligungen unterliegen — eine leicht hingeworfene Bemerkung: von Nachteilen könne durch da? Bekenntnis zum Deutschtum keine Rede sein, bei den Juden handele es sich nun einmal nur um das Erstreben von Vorteilen, — und die Sache war erledigt. Ob man in de» deutsche» Kreisen Prags genau so denke» wird, muß füglich bezweifelt werde». Das K n l t u r a m t der Deutschen Studentenschaft in Wien führt in seinem Wappen das Hakenkreuz. Wie ein Herr aus Wie» zugestand, bewußt als Zeichen antisemitischer Gesinnung. Aber, meinte er, das K n l t u r a m t müsse d o eh der w a h re Vertreter deutschen Geistes und deutscher Kultur in Wien sein, denn sonst hätte sich doch außer Vertretern der österreichischen Negierung nicht auch die deutsche Gesandtschaft an der NcichsgrÜndnngSseier dieses Amtes beteiligt. Ob die deutsche Gcsaudtschast in Wien sich klar gewesen ist, was sie damit getan hat? Und ob ihr der preußische Kultus»,im'ster dafür sehr dankbar war? Fragen, deren Beantwortung immerhin recht interessant erscheint. Die endgültige Entscheidung über die Verfassnngsfrnae wird der Allgemeine deutsche S t n d c n t e n ta g, der spätestens rat Sommersemcster stattsindet, zu fällen haben. Sein Ergebnis ist von ungeheurer Wichtigkeit. Für die studierende Jugend muß mit besonderer Schürfe gelten: „Hinein in die studentische Selbstverwaltung!" Und Altakademiker und „Philister" müssen der Jugend helfen, den Abwehrkampf in der Studentenschaft dnrchznsühren!