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Central-Verein-Zeitung · 1926-12-01 · Heft 12 (Dezember 1926) · page 7

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
1926
Issue
Heft 12 (Dezember 1926)
Date
1926-12-01
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Stefan Zweigs neues flmllenbuth Angezeigl von Ernst Liffaucr. „Nuiok" hieß Ltesm, Ziveigs voriger Novellenband; nach den Amokläufern, jene» Besessenen der tropischen Breiten, die, wie von einem inneren Wind geblasen, einherstürmen nnd jeden, der des Wege? kommt, nicderstechen, Aniollänser waren die Nkenschen jene« Buches; geblendet von dein Schein ihrer inneren Flamme, getragen von dem Sturm ihrer eingeborenen Lcidenschajtlichkeit, rasen sie dahin, einem fern dunkelnden Äbgrnnd zu, „Amok" könnte auch Zlveigs letzter Ehmband Heiden, „Ter Kamps mit dem Dämon", der Hölderlin, Kielst, Nietzsche anserlegt ist, gleicht einem Amoklauf, der gegen das Ende hin immer gemalt sanier, nnanshaltsamer, gewaltiger hinrast, „Amok" könnte auch über zivei Novellen dcS »eilen Bandes*) stehen; „Verwirrung der Gesühle" ist er benannt, lind eben dieses Wort miedermn kennzcichnet manche Novellen injenem früheren iind auch m ZwcioS frühestem Band, „Erstes Erlebnis", Ans Klestiichcin Bezirk staimnt das Wort: Alkmene, das Weib des ..Ainphiitrhon". chi.stct: „Vcrivirrc das Gefühl mir nicht", nnd von verwirrtem Gefühl, seiner Ncbcrwindling oder dem Untergang in ihm handelt fast alle Kleistsche Dichtung. Die erste Novelle dev neuen Bandes „Bsternndzwanstg Liiinden au-- den, Leben einer Frau", gibt den Znsan»»enpratl zweier Amotlttufer: eine Dame der englischen Aristokratie verfällt in Nlonteearlo einem inngon Polen!, der selbst unheilbar dem Rausch des Nonlcttcspielü verfallen ist: zwei Lcidcnfthaslen rasen gegen einander, Tie Novelle leidet unter der etwas spießig nnd antiquiert an,nutenden Nalnneuerzählung, in der erörtert wird, ob eine „anständige. «yvm,' binnen Btinuten einem Wildsrcmdcn erliegen kann, 5ie ist die ftdrlfto Lcistmig tie* Buches: jenes Amvktempv, das dein, Blute des Lleijkels innerst ciiimlmntid) p, sein scheint, lebt sich hier völlig nngehenunk nnd wnchlig ans, Tie'c Veheinenz trügt beim ersten Lesen auch über lvnttriiktwo Mängel liiiifort: es überzeugt durchaus nicht, daß die Dame, die den Polen abgereist glaubt, alle Stätten aussnchen loitt. an dencn^sie mit ihn, zusammen gewesen ist: der Dichter muß sie aber in den Lpicl,aa, führen, damit sie ihn wiederum am N'onletteiisch antrint. Die dritte Novelle selbst, „Bernvirrnng der ENsühle" benann!, bcl,nudelt das Thenia des Buches mn klarsten: ein hochstehender '-Neulich, Professor dev Anglistik an einer Universität, leidet notvotl unter feinem ins Geschlechtliche irregeleiteten Triebleben, und sem liebster Schüler wird in der Tiefe erschüttert, als er erkennt daß die Leidenschnst seines Atcistcrs ans ihn selbsr gerichtet ist. Diese „Verwirrung der Gesnhle" wird gesteioert — nnd damit verwirrt sich auch die Problematik der Novelle —, indem der junge Mensch und die Gattin des Lehrers einander znsallen, llns, im Kreise dieser Blätter, interessiert am meisten ü-e zweite Novelle, „Untergang eines Herzens", Ein jüdischer Kommiss,onsrat erkennt daß er siir seine Fra>i nnd seine Tochter nichts bedeutet: sic lieben ihn nicht, achte» ihn nicht, schämen sich scincr ungepflegten Kleidung und uiigesellschaftlichcn Haltung, sie konversieren nnd flirte» mit Kavalieren und Elegants, Als der Vater entdeckt, daß die Tochter die Geliebte des Offiziers ist, beginnt der „Untergang seines Herzens", seine Gefühle verwirren sich nicht — nur eine» Augenblick glaubt man, daß er in verirrter Liebe zu seiner Tochter stürzen würde; glaubt es. gegen die Absicht des Dichters, verführt durch die geladene erotifefje Atmosphäre des Buches —, >m Gegenteil: sie klären, sie lösen sich. >rnd sie lösen sich ans. Wiederum beginnt ein Anioklans: er kümmert fiel) nicht mehr um Frau und Tochier, vernachlässigt sich gänzlich, verabsäumt auch sein Geschäft, er verkommt: der Nntergang des Herzens ist zugleich auch der seines Verstandes, Es ist kein ZnsaU. daß dieser Mnosch eben Jude ist und der Bourgeoisie angchört, I» ihm wiederholt sich das Schicksal jene? , Seligmann Kirsch"" das ein älterer österreichischer Dichter, Ferdinand v. Saar, dargestcllt hat: der ans dem Osten cingewanderte Jude, der Vermögen erwirbt nnd von der zweiten, in Wohlstand und westlicher Bildung ausgewachsenen Generation perleugnet >vird. Diese beiden Männer werden aber so ties getroffen, weil sic, als Inden alten Schlages, durchaus nnd ausschließlich in der Familie wurzeln. Als dieser Boden zerfällt, muß jener Kommissivnsrnt mitergehen. Er „versteht die Welt nicht mehrch eine Welt, in der ein Mädchen, seine Tochier, ein Urbild jener «schäre von Hvldhcit und Lnstigteit, Müßiggang nnd Nansch werden konnte/ die ihm selber nnerreicbbar fern, aber mich verhaßt und für immer srcmd ist. Auch der Zug, daß die Entdeckung der Liebschaft den Later in der Tiefe erschüttert, ist jüdisch eigentümlich, denn alte Patriarchalische VorsteUnngen streng gebundenen Familienlebcns ivirken in ihm nach: er vermag aber auch nicht Zu strafen, zu verstoßen, zu enterben, wie alle die Bitter des bürgerlichen Dramas oder Romans, sondern er selbst unterliegt: die väterliche Liebe das Familiengesühl, wie der Ausdruck der Alltagssprache sagt — ist in ihm so stark, daß er, im konventionellen Sinne schwach, im tiefsten Grunde ein nnrvbnster, nervöser Spätling, ohnmächtig Ziisaminenbricht, und, höchst charakteristisch, keinen Augenblick daran denk!, von seiner eigenen Macht Gebrauch zu machen. Tic Novellen sind mit gestaltender Energie und Vehemenz vorgctrage», im einzelnen voll überzeugender Szene» nnd Züge: iure „Verwirrung dcr Gefühle," Drei Novellen, 3m Znsclverliig (Leipzig). der Vater die Gespräche von Frau nnd Tochter mit den Herren beobachtet, die Hände des Polen, während er dns Springen.der Noulcttckngel verfolgt; seine Trunkenheit, Ertrnnkcnheit im Rausch des Gewinns; der Vortrag des Professors vor den Studenten, das Diktat des Buches nnd die Darlegungen über das clisabcthanische Ein nnfiuerksamcs Gehör wird vernehmen, daß das Element des Willens, das in Zweigs Kunst von Anbeginn stärker war als das triebhafte nnd strömende, sich immer heftiger nusivirkt, was besonders in der ziveitcii und dritten Novelle spürbar wird. Man hat an mehreren «teilen den Eindruck, daß „der Dichter sich jetzt mit besonderer Energie znsammc»rcis;t, um eine besonders meisterliche Schilderung oder Entwicklung zu schreiben, Ueberhnnpt hat man weit »lehr das Gefühl, daß Zwcig schreibt als ^erzählt, im Gegensatz etwa zu Georg H e r in a u u; indes Wilhelm « ch ä s e r beides vereinigt, Alle mehr ans dem Witten als ans strömender Natur stinnniende Knust ist von Gefahr der Forcierung bedroht, lieber diesem vielfältig gekonnten Buche steigt sic heraus. „Warum sind wir Deutsches" Von H. Ster». Sechs Aussätze für Sic deutsch-jüdische Fugend. Philo-Vcrlag I'.)2<>, :',1 S. Tie deutsch-jüdische Fugend steht in schariem Kampf gegen zivei Fronten, gegen Zionismns nnd gegen Antisemitismus, T,e Schrift Sterns bietet ii,r das Rüstzeug für dielen Kampf. Er legt im ersten Teil in tlarer. übernchllicher Weife die geschichtlichen, . „ , ■ , ~ v -■ -- ^entschritt» benden Worten egengrunde gegen die antiseiiiitischen und zionistischen Argn- '' inincusaßt, Tie Schrift, d:e bei dem Mange! an znmdcn TarstcUiliigen des deutsch-indischen Gedankens re Lücke unttullt, tan» unieren deiilich-iüdi'chcn Fnaende anch den Lindentenverbindnngen als ug ihrer Mitglieder dringend empfohl noch auf der Sclmle beiindlichen Fui „ edingl das Büchlein besitzen, weil sie dnrii Antwort stehe» zu leuneii, Tie Orlsgr: .. ... Büchlein in weitgebeudem Biui,e au uuiere kultnretlen und soziale. ttitterrichi. Die Abzeichen der Nachkriegsverbände. I. Nationalsozialistische deutsche Arbeiterpartei. 2. Deutschvölkische F/eikeitstartei.?■ Stahlhelm. 4- Jnngstaldhebn. S- Wehr wo!/. 6. JungdcutsNicr Orden. 7. Wicking. S. Olycnpia. c). Fiontkiiegerbund. 10. Deutscher Offizienbund. //. Nationalverband deutscher Offiziere. T2. Keichsoffizürs~ IntmL;p. Kyffh 'duserbund. 14. Prtitsscnbuud. 13. Vaterländischer Arbeiterverein. Jt6. Deutschnationaler Handlungsgehilfen- Vet band. 17■ Rekhsb..' der Kt iegsbeschädigten. 18. Roter Fmttkämfife SO. Deutscher republikanischer R /(?. Reichsbanner.

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