Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 1926
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1926)
- Date
- 1926-12-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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„planmäßige jüdische Berderbertätigkeit?" Von Sr. K E. Liiders, M. d. * ' Die völkische Fraktion des Reichstags hat folgenden Antrag eingebracht: •„». Graese (Mecklenburg), Dr, Frick und Genossen, In den letzten Monaten häufen sich die Fälle, in denen Angchörige der jüdischen Rasse unter Mißbrauch eines Dienst- oder Autoritätsvcchältnisses und ihrer Geldmacht sich schwerer sittlicher Versohlungen gegen deutsche Mädchen und Frauen schuldig machen. So wurden allein in Nürnberg in diesein Jahr nicht nicht weniger als drei reiche Juden (Schloß, Kommerzienrat IGuggenhei'ner, Schäfer) wegen solcher Sittlichkeitsverbrechen zu mehrjährigen Zuchthaus- und Gefängnisstrafen verurteilt. , Typisch an diesen und allen derartigen. Fällen ist die Verachtung des Juden gegenüber der nichtjüdischen Frau, Sie hat ihren tiefen Grund in der den Ausdruck jüdischen Wesens bildenden jüdischen Sittenlehre (Talmud), die den Nichtjudcn, insbesondere die nichtjüdische Frau, als minderwertig dem Vieh gleichstellt. Das zeigt sich vor allem auch darin, daß der Jude (3. B. im Fall Schloß), der sonst keine Schonung keimt, ein ihn, als Opfer zugesührtes jüdisches Mädchen nicht antastete. Sind der Reichsrcgierung diese Tatsachen bekannt? Ist sie bereit, gegen jene planmäßige jüdische Bcrderbertätigkeit, deutsche Mädchen und Frauen zu schänden und physisch und moralisch zugrunde zu richten, nötigenfalls nach Sammlung des Materials in einer Denkschrift, einen erhöhten strafrechtlichen Schutz zu gewähren und entsprechend dem heute noch gültigen Kanonischen Recht Inden das Halten von nichtjüdischen Hausgehilfinnen zu verbieten?" „Typisch an diesem und allen derartigen" Anträgen ist die „Verachtung" der Wahrheit, die allerdings nicht ihren „tiefsten Grund in der den Ausdruck arischen Wesens bildenden germanischen Sittenlehre" hat, sondern eine Spezialität einiger germanischer Schwächlinge zu sein scheint, die offenbar glauben, im Kampf gegen das Judentum nur mit den Mitteln gröbster Unwahrheiten Ersolg erzielen zu können. — Vielleicht lvcrfen die Antragsteller einmal einen Blick in die Statistik des Deutschen Reichs, Band 279, 362, 304, Tabelle III, und in den Band 146, — Sie könnten dort für die Jahre 1915, 1916 und 1917 unter dem Abschnitt 10 „Verbrechen und Vergehen wider die Sittlichkeit" unter den Buchstaben a, e und f Ziffern finden, deren Vergleich den von der völkischen Fraktion angeblich vertretenen germanischen Belangen nicht sonderlich vorteilhaft ist. Nach diesen Ziffern verteilt sich der Anteil der einzelnen Konfessionen in den Jahren 1915, 1918 und 1917 auf die in Frage kommenden Delikte wie folgt: nzncht n nter M i ß b r a u ich des V e r t r a u t v e r I) ii 11 ui j s e s :, Evang, Kath, Juden 1915 . . 1 . * 44 17 — 1916 . . 90 f f * -- 19 — 1917 . . ... 16 8 — Unzucht mit Gewalt an B e w ußtl 0 se Kindern u sw, : Evang, Kath, Juden 1915 . , . . . 1821 1300 23 1916 t . . , . 1374 1025 18 1917 . . ... 741 630 10 f) K u p p e l e i, Zn haltere i; Evang. Kath, Inden 1915 . . . . . 1844 1145 42 1916 » . , . . 1500 920 32 1917 . . ... 921 755 20 Diese Ziffern bckominen aber ihren eigentlichen Wert erst, wenn sie in Verhältnis gesetzt werden zu je 100 000 strnfmündigen Personen derselben Konfession, Rach Band 148 der Statistik des Deutschen Reiches sichen nämlich die Jude» mit 9,5 gegenüber 13,8 den Christen überhaupt und 12,2 bzw. 14,6 gegenüber den Evangelische» und Katholiken zurück. Leider fehlen statistische Angaben für spätere Jahre, da die Ergebnisse der Kriminalstntistik für die Jahre 1918 und 1922 noch nicht veröffentlicht und die Konfessionsstatistiken der Jahre 1921, 1923 und 1924 nicht mit der Kriminalistik verbkliidcn worden sind. Auch bei der Sonderbetrachtimg einiger anderer sittlicher Delikte muh die völkische Anfrage gerade die „Nichtjuden" einigermaßen peinlich berühren. In den Jahren 1915 bis 1917 waren zinn Beispiel an dem Verbrechen der „Blutschande" beteiligt: die Evangelischen lnit insgesamt 475, die Katholiken mit 385, die Juden mit gwei Fällen. — An dem Verbrechen der Begehung widernatürliche.r Unzucht waren beteiligt: 418 evangelische, 352 katholische und fünf jüdische Personen. — Auch die Ziffern über die Begehung der N 0 t z n ch t können von den Völkischen „rassenmäßig" nicht gerade günstig ausgclegt werden. Hierbei kommen aus das Konto der evangelische» strasmündige» Personen 3935 Fälle, auf die katholischen 2954 und ans die jüdischen 58. — Ebenfalls die Rubrik der Erregung von A e r g e r n i s durch unzüchtige Handlungen und die Verbreitung unzüchtiger Schriften ~S",.... — bietet nur eine recht unsichere ÄngkiR, teiligung der Evangelischen 1408, der'«s der Juden 27 beträgt. J Daß cs sich bei diesen für die „Nichtjuden^ ntz Zissern leider nicht nur um ganz vorübergeh..» handelt, muß man annchmen bei Vergleichen' mit^ den Jahren vor dein Kriege, In diesen betrug- Beteiligung an den Verbrechen der Blutschande auf. strafmüncige Personen in den Jahren 1899 bis 190a bei-M 0,8, bei den Juden 0,0 und in den Jahren 1909 bis 1919F. Christen 0,7, bei den Inden wieder 0,0; während die Jahrerls 1916 eine Beteiligung der Christen mit 0,4 bzw, 0,5, der Jude. 0,1 bzw, 0,2 seststellen, — Auch an den Verbrechen der Abtt b li n g sind die Inden in all den genannten Jahren, ausgenow die Zeitspanne von 1899 bis 1902, wo sie um 0,1 die Christen.)! treffen, wesciillich geringer, d. h. mit Differenzen bis au 1 f teiligt,;4 Jin Interesse der Nichtjuden wäre es doch erwünscht, wennE Rasseneiser sich das Glashaus, auf das er Steine zu werseA notivcndig hält, vorher ctivas näher auf seine Insassen hin aßA das Testament ües Primaners. % Wie die „C, V,-Zeitung"*) mittcilte, hat ein Berliner gyinnasiast, der sein Ende herannahen fühlte, in seinem ‘ verboten, daß ein Jude seinem Leichenzug folge. Mit Reü zeichnete sie diesen Fall als außerordentlich beklagenswert.^ klagenswert aber vor allem für die Schule, an der er 1 ist, Im großen Publiknin wird inan vielleicht den Verdacht) daß sie selber an der Verhetzung des christlichen Schülers schuf gciveseu ist. Ich persönlich kann das nicht glaiiben. Aber auch iveiin im Unterricht nicht eine gegen völkische Propaganda konnivente Haltung eingenommen worden ist, bleibt doch der Vor-7 ivurs hasten, daß nicht im entgegengesetzten Sinne gewirkt wurdet' Freilich darf man nicht vergessen, daß die Schule an fr d)l sicherlich nicht den Einfluß hat, den Elternhaus und Umgebung, namentlich im Stadium der En t- Wicklung, auf unsere Schüler besitzen. Die Schule istieben kein Mädchen für alles. Nun wird man gegenüber der Forderung, daß solche Fragen im Unterricht erwähnt werden müssen, - zweifellos erklären, diese Dinge hatten mit Politik etwas zu tun,^ und die Schule müsse entpolitisiert werden. Ganz abgesehen ix aber, daß gerade die völkischen Kreise erkläre», diese Dinge gehör nicht in das Gebiet der Politik, muß inan eben festlegen,! eigentlich unter Entpolitisierung zu verstehen ist. P a r t e i p 0 l i t i f gehört sicherli ch nicht in ch'.s Schule, Dagegen hat die Schule die Pflicht, auf der Oberstü. über Politik im a l l g e in c i n c», ja auch über politische Par») teien, objektiv ihre Schiller zu unterrichten. Diese Dinge gehvreyJ in den staatsbürgerlichen Unterricht, der längst vor dem Krietze^ gefordert worden ist, Tann aber hat meiner Meinung nach die4 Schule auch die Verpflichtung, einmal vom Standpunkt des Sittlichen aus zu dein Probelin der Politik Stellnng zu nehmen. Dabei wird dann festzustelleii sein: Partcipolitik darf niemals das Gefühl im Menschen anslöschen, daß der parteimäßige Gegner Mitmensch ist und daß die sittlichen Pflichten auch ihm gegenüber bestehen bleiben, Was die spezielle Judcufrage betrifft, so dürfte es niemandem schwer fallen, »achzuwcisen, daß es sich hier überhaupt nicht u m Feinde handelt, s v n d c r 11 u m gleichberechtigte M i t b ü r ger, deren 0 c i i 11 n 1111 a 11 ß e r Frage st eh t, und daß es eine Feigheit i st, gerade weil es sich um oine Minderheit handelt, gegen sie Front zu machen. Nützlich ist in diesem Falle der Hinweis aus die deutschen Minoritäten im Anslande, über deren Vergewaltigung wir, zinn Beispiel in Italien, am meisten empört sind, Darüber hinaus wird man die Einstellung, die jener Primaner hatte, als eine Gefühlsroheit ^bezeichnen müssen. Man kann auch hier Berständnis bei den schillern erreichen, wenn man sie darauf aufmerksam macht, daß die parteimäßige Zerrissenheit Deutschlands zu einem großen Teil ans dem Mangel an Bürgergefühl beruht: man darf in dem gesinniingsmäßig anders Eingestellten nicht den Feind oder gar den Lump erblicken. Gerade weil wir von den künftigen Generationen einen Wiederaufbau Dcutschla-nds erwarten, müssen wir ihnen immer iviedcr Vorhalten, daß sich dieser ohne Bcrsittlichnng unseres politischen Getriebes nieumls vollziehen kann. Stunden, in denen derartige Problenie erörtert werden, gehören, zu den fruchtbarsten Erzichnngsmittcln, die die Schule hat, und iverden erfahrungsgemäß von den Schülern am iveiügsten vergessen. Alles dies allerdings vermag nichts gegen die Atmosphäre des Elternhauses: fehlt cs dort an einem wirklich christlichen und vaterländischcii Sinn, der in allen Deutschen gleichberechtigte Mitbürger sieht, so wird auch die beste Schnlzncht letzten Endes nichts aus» richten können. Es muß aber mit aller Entschiedenheit verlangt iverden, daß deshalb die Schule ihre Bemühungen aus gefühlsmäßige Einigung sämtlicher Teile des deutschen Volkes nicht unterläßt, um so mehr, als sehr oft die Schule auf dem Wege über die Schüler auch ans das Elternhaus entscheidenden Einfluß gewinnt, Prof. Dr» Paul Hildevrand«. 0 Vgl. Monawausgabe November 1926,