Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 1926
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1926)
- Date
- 1926-12-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Atixupiei Lärm um Ford. Ber Antrag Bloom im amerikanischen Kongress. — Nathan Strauss’ Appell an Ford. - Wer hat den „Internationalen Juden1 * geschrieben? — Ford kneift. - Der amerikanische Bon Quichotte. — Ein bezeichnendes Interview. Von C. A. B rat t er. Im Unterhause des amerikanischen Kongresses hat der Abgcordnete Bloom in diesen Tagen eine Resolution eingebracht, die sich eingehend mit der pnblizistis ch c n Hetztätigkei t H e n r y Fords besaßt. Der Beschlußnntrag verlangt, daß der Kongreß einen Ausschuß einsetze, der die von Ford gegen die Juden im allgemeinen und die jüdische Finanzwelt im besonderen erhobenen Beschuldigungen prüfen soll, Es ist bekannt, daß Ford u. a, behauptet hat, die „n e u e n G c l d m e t h o d e n" seien von Juden erdacht worden, um die amerikanische Volkswirtschaft in Abhängigkeit von den Inden zu bringen. Der Antrag ist einem Kongrcßausschuß zur Beschlußfassung überwiesen worden. Eine weitere Meldung aus New Park besagt, daß der greise Philanthrop Nathan Strauß, ein von Inden wie Christen hoch, verehrter Mann, den „Antvmvbiltönig" öffentlich anfgefvrdert habe, seine Anwürfe gegen das Judentum'durch eine unparteiische Kommission prüfen zu lasse», daß Ford aber — begreiflicherwcise! — diese Aufforderung a b g e l e h n t habe. Beide Schritte-zur Verteidigung des Judentums-. der des jüdischen Kongreßabgeordneten und der Nathan Strauß', sind an sich verständlich, sind aber — der Schreiber dieser Zeilen spricht a»8 seiner Kenntnis der amerikanischen Einstellung zu solche» Dingen — taktisch ganz überflüssig. Sie sind sogar s ch ä d t i ch; denn sie sind geeignet, dem Ford eine Wichtigkeit n u ß e r h a l b s e i n e s W a g c n - fnbrikberufs zu verleihe», die ihm in feiner Weise zukvmmt. Es heißt vffeue^Türen eiureuue», wen» man immer wieder daran erinnert, daß Ford, von seiner vcruflichen Begabung abgesehen, ein — nun, sage» wir einmal, e in » i ch t e r n st z u n e h m e n d e r Mensch ist. Man entgegne iiirf»: das wißen wir Jude», aber Ford ist ein immens reicher '.Wen kl) imö hat als solcher einen gewichtigen Einfluß auf die öfscniliche Meinung seines Sandes. Das ist nämlich g v ii n dfat j ch. Henry Ford ist drüben nicht mehr »ud nicht weniger als eine komische Figur. Plan har eine ganze Literatur über sei» bernilichcs Genie geschrieben, bezahlte Literaten blasen seinen Ruhin aus vollen Backen; aber Leute, die es „gottlob nicht nötig haben" und die daher ihre Nteimingchrei äußern können, haben ganz anders gesprochen und geschrieben, Lote haben sich über seine „Tel b st b i o g raphie" lustig gemacht (die nberilüssigerweise auch in deutscher Ausgabe erschie- »cn ist), die natürlich nicht er. sonder» ein Berufsschriststclicr. Samuel Crowthcr, kritiklos versaßt hat; mau spottet über die zahllosen grotesken Dummheiten, die er aus allen Gebieten außerhalb der Automvbilerzeugung begehr: über seine der Lächerlichkeit versallene „ F r i e de n s in i s s i o n " vom Dezember 1915; Uber die Hunderte von verschrobenen pvtitisthen Aeußerungeu, die er in Interviews und in seinem Leiborgau, dem ..»earboru Independent“, von sich gegeben hak; über feine „Präsidemschaftskandidatur" l!i20/2-f, die von jedem halbwegs ernsten Politiker mit Entsetzen abgelehnt wurde; über seine Absicht, eine dritte Partei zu gründen icr hm beides, die Kandidatur lvie die Absicht bezüglich einer dritte» Partei bczeichneuderiveise ebenso oft dementiert wie bestätigt!: über seine äußerst mangelhafte Bildung, einen Mangel, der bewirkt, daß er alles glaubt, was skrupellose Politiker und Demagogen ihm einreden, wenn sie es nur geschickt tun. Ein Ausfluß dieses für einen Alaun von seiner wirtschaftlichen Bedeutung geradezu n u b e g r c i f l i ch e n B i l d n n g s in n n g e l s i st unter vielen anderen Dingen auch fei n A nti - s e in i tis mu §. OsWald Ga r r i f o n Billard, der Herausgeber der angesehenen New Parker Wochenschrift „The Nation", der Sohn des verstorbenen Eisenbahnmagnaten Henry Billard (eines Deutschen), einer der Führer der amerikanischen Intelligenz, schreibt der „unglaublichen Ignoranz" Henry Fords seine Abneigung gegen die Juden zu; und in der Tat steht Ford in diesem Punkt geistig nicht um einen Zoll höher, als etwa die deutschen „Hepp-Hepp"-Nuser früherer Jahre, Billard ist überzeugt: wenn Ford nicht au Ritualmvrde glauben sollte (was übrigens keineswegs seststeht), so hätte das seinen Grund nur darin, daß er zufällig nichts davon gehört hat. Alles dies wissen in Amerika mehr Mensche», als man bei uns ahnt, Ford _alS „Politiker", Ford als „Sozinlphilosvph" ist drüben ein Gegenstand des Gespöttes. Aber auch der Aken sch Henry Ford ist ganz offen als „verächtlich" gebrandmarkt worden. Mau erzählt von den zahllosen Versprechungen, die er macht, ohne auch nur einen Augenblick an ihre Erfüllung zu denken; mnn schildert die empörend rücksichtslose Art, nicht nur seine Mitarbeiter, sonder» auch solche Männer zu behandeln, die — wie z. V. die Brüder Dodge — eigentlich erst seinen Ausstieg ermöglicht haben. Noch ein bezeichnender Zug seines Wesens; er hat es fertiggebracht, die Autorschaft seines berüchtigten Buches „The International Jew“, das 1920 in Dearborn erschien und das ungeheueres Aufsehen erregte, abznstrciten. Nicht etwa ojsen. geradeheraus, sondern ans Schleichlvegcn und indem er die Autorschaft seiner Zeitschrift „The DoarboVn Independent“ in die Schuhe schieben wollte. Ein Berner Prediger, I. M e s s i n g e r, der nicht glauben mochte, daß ein Mann von dem Ruse Fords sich zur Abfassmig eines solchen Hctzwerkcs herabgelvürdigt habe, richtete an Ford 1924 eine „rekommandierte (d. h. eingeschriebene) sachliche und höfliche Frage" hinsichtlich seiner Antvrschast. Ford ließ ihm durch die Redaktion des „Independent“ antworten, daß die Redaktion, die in dem Ford-Buche verossenttichten Artikel, die zuvor im „tndepemlent" erschienen seien, gesammelt und in Buchform herausgegeben habe; Ford sei nicht „der Autor" des Buches. Bedarf es erst einer näheren Beleuchtung dieser Art von „Dementi") Daß Ford weder die Artikel, noch das Buch selbst geschrieben Hai, ist ohne weiteres glaubhaft; dazu fehlen ihm die Ansangsgründe der Bildung. Aber daß der „Dear-- born I n d o p o n de n t“, ein von Ford sonteniertes. von ihm inspiriertes Blatt ist, das der Verbreitung seiner..Ansichten" dient, ist weltbekannt, ebenso, daß i» jenem Blatte ganz selbstverständlich keine Tendenzen vertreten werde», die nicht die ausdrückliche Billigung des Sollte,icnrs gesunden haben, ja, die er nidjf mic-Dvt'ufftdj vertreten Den Deutschen, die es »och nicht wißen iuiltoii. mochte ich eine Äineitniig machen. Die sie vielleicht interemen: iMinürfi das; Ford drüben im großen Publikum als der „a »i e r i t a » i s che Ion £ n i d) d 11 o" bekannt und berühmt ist. Ter New Porter ztorrespondent des „Berliner Tageblatts", der vor etwa einem Jahre eine Unterredung mit Ford palte, eine Unterredung, die eine geradezu »iigtanbliche — Ahnmigslongteit des Interviewten bloß.! legte, idjru'b am Schliche seines Berichts fei)v zutreffend: „Gute Kenntnisse im Autvmobilba» reichen ossenbnr docli nicht ganz aus,! um den große» internationalen Provlenie» zu Leibe zu rüden. Und , dasietbe gilt auch fuv verschiedene andere Gebiete des inenschlichen i Geisteslevens, mit denen Henry Ford sich besaßt hat." So hat er j einmal die Weltgeschichte in offener Gerichtsverhandlung als „Wuatsch' bezeichnet; ein andermal hat er sich gegen die Einführung des metrischen Systems auSgeiprocheu, weit „man sich mit solchen : ausländischen 'UlcUnüH'u nicht abgeben füll": und noch ein andermal : >>st er gegen das „überflüssige" Studium sremder Sprache» ausgetreten, iveil man doch „d i c ho h e n I deal e d e r M e n s ch -! heit a ui b e st e n auf E n g l i s ch a » s d r >i ck e >i k ö » n c". (!) Habe irf) nun unrecht mit meiner Behauptung, daß ein Mann von dem Ansehen, von de» Verdiensten Nathan Strauß', ein Mann, gegen den Henry Ford ethisch eine blanke Null iif, es nicht nötig bat, mit Kanonen mii — Ford ,\u schießen k Und ivas die Resolution des Abgeordneten Bloom betrifft: dergleichen Anträge, einem Ansschniie zur Beschlußfassung überwiesen, verlause» ersahrnngsgemäs; geivohnliry im Sande. In dem Alnsschnß ivird solchen Resolutionen fast nnmer ein Begräbnis erster Klasse bereitet. Schon gar, nunui es fict) um io heikle Dinge handelt wie den Antisemitismus, a» den viele Politiker ebensowenig rühren wollen >vie an die Prohibitionsfrage. Im Kongreß sitzen soundso viele Abgeordnete, die es ans diesen oder jenen Gründen nicht mit Ford verderben möchten, sowie andere, die Visen oder insgeheim , mit dem judenieindlichen Kn Klar Klan sympathisieren. Aus alledem erhellt, daß eine etwaige Plenarabstiinmung im Kongreß (falls es doch zu einer solchen kommen sollte) am Ende g e ge u die Resolution Bloom ausfalleii und dem Ford zu einem billigen Triumph verhelfen könnte. n Selbstbesinnung. Eine Vrttnrruig Vor Hochschulgruppe Ver D. B. P. I» der letzten Nummer dieses Blattes berichteten wir llhLttdie Kämpfe, die die „Deutsche Studentenschaft" gegen den Preußischen Nnterriehtsminister und das preußische Parlament mm ihre .Völkische Bersassnng führt. Hierbei hatte der H o ch sch ir l r l ng 'den t - s ch e r A r t. die führende völkische Gruppe, eine in Form rmd Inhalt äußerst scharfe Erklärung erlassen. Die H o ch sch ulg ru pp e d e r D e n t s ch e n B o l k s P a r t e i nahm „zu ihr .in folgender Form Stellung: „Der Deutsche^ Hochschnlring hat in Der „Deutschen Zeitung" und in anderen wageszeitnugen eine scharfe Erklärung gegen die vom Preußischen Kultusministerium geplante Abänderung des Stndentenrechts veröffentlicht, ohne die angeschlossenen O.rganisationen zu hören. Der Vorstand der Hvchschnlbewegung.der Deutschen Vvtkspartei, die als außerordentliches Mitglied dem Deutschen Hochschnlring angehört, erklärt hierzu, daß er sich-mit dem Schritt des Deutschen Hochschnlrings weder in der Hach« noch in der Form identifizieren kann."