Mannheim
Compact Memory

Central-Verein-Zeitung · 1926-12-01 · Heft 12 (Dezember 1926) · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
1926
Issue
Heft 12 (Dezember 1926)
Date
1926-12-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/2571117-2571118-2571130--105-2571403
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

92 Kein „amüsanter Sport"! Lärmen de Burgos und Jos£ Maria Salaverria. Die spanische Zeitung „liovlsia de la Kaza" bringt die folgende Nerlcidigung der Juden aus der Feder der hervorragenden Cchriststclleri» Carmen de Burgos gegen die Angriffe des Kunsthistorikers JostS Mails Salaverria, Die Äussührungen sind deshalb von besonderem Interesse, weil die spanische Regierung >M Augenblick bestrebt ist, jüdische Bevoitecung nach Spanien zu ziehen, „Das Suchen nach Gegenständen ans der Reise, die unsere Bewunderung erwecken, muß ein großes Vergnügen darstellen, Aus andere Weise kann ich mir nicht erklären, wie ein Schriftsteller von der Bedeutung Jose Maria S a 1 a v e r r i a s während seines Aufenthaltes in Paris „einen ainüsanteu Sport" darin finden kan», „unter der allgemeinen Kleidung >md dem ani Hoteltisch, auf der Straße, im Knnstlerease und in der Theaterlvgc üblichen Gebaren den Juden zu entdecken". Durch diese Worte läßt er uns an seinem Erstaunen teiluehmen, Sic erwecken den Anschein, als sei der Jude ein so seltsames Ding ivie ein als Mensch gekleideter Orang-Utan: denn nicht einmal die Reger und Indianer, mit deren Anblick wir uns während deS Krieges vertrant gemacht haben, erregen in unS solche Verwunderung, Herr Salaverria bedauert beinahe, daß es im Land der Inquisition keinen AntisemitisnuiS gibt. Er versichert, „daß der gebildete Spanier den Juden nicht kennt, ihn weder haßt noch schätzt, und daß für den ungebildeten Spanier der Jude ein legendäres Monstrum ist, Sohn bej'fcii, der Jesus für eine Hand voll Münzen verkaufte". Mir scheint, mein gelehrter Freund ist nicht ivohk mitcrrichtet. Ter gebildete Spanier kennt den Inden, S p a n i c » i ft voll von ihnen, n n d in a n s ch ätzt sie v d e r s ch ä tz t sie nicht, je nach Benehmen eines jede n einzelne n unter i h n c n, W i r h c g e n keine Bi affe n s 0 m Pathie n, 11 o ch nicht ei n in a l s ü r d e u n ü ch st e n N a ch b a m; g c - s ch w e i g c de n n R a s s c n v c r a ch t u n g. Kein Mensch, es sei denn im Gebiet der Höhleiiwohmuigcn, glaubt me h r an d e n I u ö c n m i t H ö r n e r n n n d Schweif, Aber Herr Salaverria erblickt ein weit schlimmeres Monstrum: das moralische. Er leugnet, daß die Juden Ehrgefühl haben, gibt ihnen die Schuld au der bolschewistischen Revolution in Rußland, an der neuen Politik und Wirtschaft in Deutschland, wenn auch nur durch Beeinflussung — und teilt ihnen sogar „den Zynismus zu, der in Kunst und Wissenschaft von heute vorherrscht". So scheint cs, als ob der bedeutende Schriftsteller cS bedaure, daß man sie aus dem Ghetto hcrausließ und daß sie frei in der Welt hcrumlaufen. Mit gewisser Verständnislosigkeit beklagt er den Kurs, den die Kunst der modernen Welt cinschlägt. Für Salaverria ist die Kämst entehrt (sein eigener Ausdruck), und die Ehrlosen, die sie entehrt haben, sind die Juden, Hier zitiert er als Juden oder „solche, die cs zu sein verdienten", drei Namen von Ansehen: Apolinaires und Morands in der Literatur und Picassos in der Malerei, Wenn man das liest, muß man — und hier liegt das Kölnischste — glauben, die Juden seien gerade dabei, den Bleistift in die Hand zu nehmen und die ersten Striche zu machen, Herr Salaverria weiß, vor wieviel Jahrhunderten die Juden Bibel und Evangelien schrieben, seit welcher Zeit sie die Wissenschaft kultivieren, Bildhauerei, Malerei und Komposition — mit wahrem Genie, Herr Salaverria wird wohl die Namen der großen jüdischen Künstler und Philosophen kennen, die weder Kunst nocl) Wissenschaft entehren, Mit dein klassischen Sem Tob de Carrion beginnend, kommen mir Namen berühmter Juden aller Gebiete ins Gedächtnis: Halevy, Mendelssohn, Spinoza, G a m b e t t a , Hausmann, Hein e, Selbst die jüdische Frau ivnr beispiellose Schriftstellerin: Maclame de Slael und Severine können als Beispiele genügen, Ter unglückliche Zufall will, daß der Artikel des Herrn Salaverria in dem Augenblick erscheint, ioo der spanische Staat die Inden aller Länder durch den Völkerbund einlädt, nach Spanien zu kommen und sich hier niederzulassen: und daß Dr, Cohn (Paris) sowie Koinmissioncu ans Argentinien und anderen amerikanischen Staaten hier sind, um den Sachverhalt zu studieren; es wäre bedauerlich, wenn sic glauben könnten, jene Ausführungen des Feuilletonistcn drückten den Stand der Meinung Spaniens aus. Ich bin keine Jüdin, Unter alten Papieren bcivahre ich noch das absurde Dokument der „Nassenreinheit", das mein Vater benötigte, da noch in der zivcitcu Hälfte des vergangenen Jahrhunderts — lim die Militärkarriere einschlagen zu können — ein Zertifikat verlangt wurde, daß mau weder von Juden noch von Mauren abstammte. Ich bin keine Jüdin, aber cs ivürde mir nichts ausmacheu, Jüdin zu sein. Ich betone cs hiek als Beweis meiner Uninteressiertheit. Ich habe die Inden oft verteidigt, und ich glaube, sie haben cs mir nie gedankt. Das gleidje passierte mir mit den Clpristen, für die meine Feder immer liebenswürdig war. Im Augenblick ivird sie iveder von Interesse nock) von persönlicher Leidenschaft geführt, sondern vom Geist der Gerechtigkeit. Von etwas Achnlichem, das die Feder der -VerfasseM« Hütte hat in Bewegung sehen ntMlm-iS^MI Dieses Volk, das die Aristokratie seines MeiLZh handelt, immer verfolgt, zu Unrecht gelästert' hrä Ffn: iionen, die es marterten, zu verfluchen, sie liebt OtL; dieses Volk, das friedliebend ist (welch' wunderbare^,,) fmip ohfi'u ^rnhiHmum an Hinhvnn - HU - dieses -ouu, uns» i uivuiutiiu i|i viucici) wunverbäMÄÄ seine edlen Traditionen zu wahren weiß, kann gewissen^ beleidigt werden, die ihr Knie vor dem Altar.'(WscffiS der von einer Jungfrau aus dem Hause David agcbMW aber es kann nicht von denen verleumdet werden diewrder Schönheit knien und die Strophen des Intermezzos kmM A ns dem Spanischen v:o n Ad. Hp Des „Hammers" Preisfrage. Der „H a m m e r" hat 300 Mark ausgcsetzt für drei erste Pr» Sic erhält, wer ihm, oder ist es Herr Theodor Fritsch seMt-r besten begreiflich macht, warum niemand sich die Mühe gibt ll auf seine diversen Zuschriften zu antworten. Ans eine speziE Da hat er unter großem Kostenaufwand eine achtsertige. schrift verfaßt, sic in 60 000 Ereinplnrcn drucken lassen und iversi Sie richtet sich „An alle Bernntwvrtlichen" und wurde (wieH. uns in der Rümmer vom 15. Nebelung erzählt) außerdem mite sönlichem Schreiben an 36 führende Politiker aller Parteien^ Reichstags geschickt mit der Bitte um Stellungnahme, lind nicinand von den 60 000, und keiner von den dreißig hat „Steilung genoinmen"! Warum l Tic Antwortsth dem „Hammer" dreimal je hundert Mark wert. Schön, ist mich — liors concours natürlich — an diesem Preisausschre beteiligen. Wie liegt dieser Spczialfall? Das Flugblatt „An alle 8 wörtlichen" enthält sieben Zeiten Fritschsche Polemik. Sieben r acht Zeiten. Ans die kann man gar nicht antworten. Zu der haben' „alle Verantwortlichen" schon längst Stellung genoinmen. Diese ■ Stellung auch noch Herrn Fritsch mitznteilen, scheint nicht mehr? nötig, wird nur noch manchmal von den Gerichten besorgt. Bleibt die eine Seite. Sie ist fett gedruckt. Da wird ein Dr, Jakob K l a tz k i n zitiert. Der hat, im Jahre 1016 in .einer Zeitschrift „Der Jude" sich zu dem Problem „Grundlagen des Natioiiciljudentums" geäußert. Ich habe die fettgedruckte Seite durchgelesen. Mehrere Male sogar, (Das haben die 36 führenden Politiker wahrscheinlich micht. getan,) Und ich habe in dieser Seite nichts gefunden, was ich nichkjüngst aus meiner k a t h o l i s ch e n R c l i g i o n s st u n d e geioyß hätte, Daß das Gesetz für die jüdische Gcmeinjchast nicht nur.je Bindung, sondern ein starker, notwendiger und gewollter i<Sijf ***** föitttfiit) imvmhf imiPVlMI Hffnff hnS des Judciitnms auch im Weltcril für den dciikcndcii Bevbachter.- darstellt, soll das neu sein? , «' Soll mau deshalb an Herrn F r i t f ch Briefe schreiben? Br-' sonders da Tr, K l a tz k i n, ivenigstens soweit man es ans -bem*f Abdruck im „Hammer" ersehen kann, einen historischen Dtikfblick über das in kompakten Siedlungen in Osteuropa lebende Judentum gibt, deren frühere gesetzliche Ausnahmestellung er als einen der Gründe für Arterhnltung preist. Dessen Emanzipation er offenbar bedauert, da sie das einzelne Gemcindemitglicd der Gerichtsbarkeit des eigenen Volkes entzogen hat. Ja, lieber Herr Fritsch, haben Sie denn eigentlich gar nicht gemerkt, daß dieser Tr, Klatzkin Ihr Bnndesgenosse ist? Sie sind für Aussonderung. Er ist für Absondennig. Für Ghetto, Für Mauern. Aeußcrc und jedenfalls innere. Ich will nicht mit ihm streiten, Sic dürften nicht niit ihm streiten,. Dian kann gegen Klatzkin Stellung nehmen, geiviß, aber dann istmmt man auch 'Stellung gegen Sie und Ihren „Hammer", Mit denselben Argumenten, gegen die gleichen Argnmente, Aber ich vergesse die Preisfrage, Es hat Ihnen niemand geantivortet, Herr Fritsch, weil man Sie zwar nicht hindern kann, Ihre eigenen Sorgen zu haben, auch leider nicht, andere Menschen mit Ihren Sorgen zu belästigen, weil man aber auch niemand zuinuten kann, sich mit Ihren Sorgen zu beschäftigen. Die nicht Ihre und nicht unsere, sondern die Sorgen der Glaubensgenossen Dr. Klatzkins ausschließlich sein sollten, Tr. Gras Montgelaö. Gegen die Not im Osten! In Amerika hat das Christliche Komitee fü« Ausbau!,ilse zugunsten der Indenschast in Osteuropa in der Kathedrale 8t, 1oM> Uv divine eine SBaffcnocrtammumg abgehaitcn. Das Ziel des Komitees ist, einen Fonds von 25 Millionen Dollarr ' i> r den j ü b i f dj cot Wieder« nsbau in 0 ft c u t o t> a zu schassen. Unter dem Borsitz eines Bischofs sprachen u. a. General Pershing, der Befehlshaber der amerilanischc» Armee im Kriege, der die Vaieriandslicbe der Juden riihmte, der Präsident des föderative» Rates der christlichen Kirche», Dr, Parke-S, C a d m a i>, ein Katholik, und der Präsident des ameritanisch-iiidischcn Komitees, Louis Marsh«!!, Die christlichen Redner bciouleu, das; die Versammlung eine neue Bewegung sllr <5 a) a f f u ii g eines besseren gegenseitige» V « r st a » »■ u i s s c g zwischen Christen und Juden in Amerika cinlciie und der Welt zotgen werde, daß der Amerikaner keinerlei nutisemitischea Vorurieil habe, An.anr Kirchen wurde ein Aufruf erlassen, in weichem gesagt wird, die L«ge,oc Juden in Osteuropa sei nicht menschenwürdig, Tauienoe sterben vor Hunger und Käite, fünf Millionen Juden gehen langsam Mgrunor Es sei die Pflicht der Christenheit Amerikas, ihren jüdischen Mitburgern.lm. Erreichung des Zieles zu Helsen, das darin besteht, diesen grotzeu Arctc^ Judenheit zu retten.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.