Mannheim
Compact Memory

Central-Verein-Zeitung · 1926-10-01 · Heft 10 (Oktober 1926) · page 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
1926
Issue
Heft 10 (Oktober 1926)
Date
1926-10-01
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
83% known words query
IRI
…/2571117-2571118-2571128--090-2571386
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

79 Das „jüdische U —' ~ Von Dr. RickMv Lcwinsohtt. Hmidertiindstebzig führende Männer der Wirtschaft n»S fiiufzchn europäischen Länder» und ein § den Bereinigte» Staaten von Nordamerika haben sich zusnim»engcfnndcii, »in einen Wirtschafis° appcU n„ die Welt zu richte». Sie fordern die Staaten und die Menschen auf, sich auch wirtschaftlich nicht durch Grenzsperre», die nieinandei» etivns nützen, das Leben zu erschwere», durch Zollbarricren, Eiusnhrverbvte und Trnnsporlschilnne den Güteraustausch zu behindern und künstlich die Preise hvch,)»hnlten und den Konsum zu schmälern. Das Manifest ist in seiner Fassung nicht sehr präzis, die Gcdankengänge sind nicht neuartig; es gibt nur in allgemeinen Umrissen ivicder, ivas die klassische 'Nationalökonomie seit Adam Smith, d. h. seit hnndertfnuszig Jahren, fordert, und was im heutigen Deutschland von Gelehrte» >vie Brentano, Dietzel, Aercboe mit Nachdruck vertreten wird. Der Erfolg des Aufrufes war nicht so groß, wir manche es erwartet haben. Bon den Vernulivvrlliche» Staatsmännern meldeten sich nur die Amerikaner. Der Präsident der Bereinigten Staaten, Coolidge, und sein Staatssekretär Mettvn, die beide der hochschutzzöllncrischcn Republikanischen Partei angehörc», hielten sich für verpflichtet, nuseinanderzuschc», das; die Grundgedanke» des Wirtschastsmanifestcs für das zerstückelte, buntscheckige Enrvpn vietteicht nütztich und Praktisch aussührbar seien, für das geeinigte Wirtschcistsgrbict der U. i. Ll. aber nicht in Frage lämen. Ferner soll sich der General-Diktator Prima de River» gegen das Wirtschaftsinniiisest ausgesprochen haben, »ms nicht nberrasicht, denn als einzige der größeren europäischen Länder, mit Ausnahme des sozialistischen Rußlands „nlürlich, hat sich die künstlich hochgepäppelte spanische Wirtschaft an dein Mnnisest nicht beteiligt. Merkwürdiger >var die Haltung Italiens, denn gerade von italienischer Seite haben die. namhaftesten Industriellen und Grvßbaukeulciter das Manifest »»terschricben nud, da ja das neue Italien allezeit „schneidig" anstritt, eine Extrakundgebniig erlassen, in der sie betonen, das; ihnen das Manifest in seinen Forderungen rricht scharf genug sei. Zweisettvs geschah das nrii Kennt-, nis und stiller Znstinimniig der snscistischc» Regierung. Drvtzdenc setzte ein Paar Tage darauf in dem offiziöse» Blatt Mnssvlinid eine Kampagne gegen das Atanifest ein, iveit es den „nationalen Belangen" der italienischen Wirtschast znwiderlanse. Das übliche Doppelspiel der italienischen Nationalisten: Einlenken gegenüber dem Ausland, zumal wenn England dabei ist, aber kraftvolle Sprache Das ist der obsettivc Tntbestnnd. Nun kommt der subjektive: das Wirtschnstsinnnisest, wie die Antisemiten cs sehen. Danach ist das Manifest eine jüdische Erfindung, mit deren Hilfe die „Internationale der Händler" die Weltwirtschaft unterjochen will. Bewkist Das völkische „Deutsche Tageblatt" erbringt ihn: ' „tknter den lliiterwichnern des Anscuis bemerkt man den jüdischen Finnnzminister in Belgien, Francani: aus Tänemark babcu ». a. die Bauklcute Hertz und Ätcvcr unter,icichnct. Aas Teutschlund ist die Banljudcnschnst durch die PImneu Teuticb, Warburg und Atendeisvtzn Vertrelcn. Enalaud bat seine RotlitrliUds lOionei de Rvtbschild, in Firma I!. M. Rvtbschild & Sons' nrbft Hein, Aämtague -'Norman (srühcr Atvntag nebeiücai vorgeschickt. Ans Frankreich sind natürlich die anderen Nvtbjchitds, dazu noch der Fi»a».;j»dc Finnin und die „Ursranzosen" Lacderich und Lewandoivski. dabei. Aas der Tschechvslvwnkci lasch sich ein Bankdireltor Feilcbeuseid, ans Oesterreich nocti ein Stück der Nothschitd-Thnastie und aus Italien der gerissene Fiaanzjndc Tvcplitz vernchmca." Abgesehen davon, dnh weder Frau c g n i »och M o » t a g n e - Norman Juden sind und das; der sranzvsischc Unterzeichner Lacderich zwar nicht »rsraiizosischcr, aber flämisch-christlicher Abstammnng ist, ist diese Liste durchaus richtig. Es stehen für mehrere Länder auch, jüdisclic Unterzeichner unter dem Mirtschastsmnnisest oder doch Männer halbjüdischer Abstainniung; und zu den neun „Finanzjndcn", die das „Deutsche Tageblatt" entdeckt hat, könnten wir den völkischen Forschern noch vier bis fünf weitere Unterschriften als jüdisch diagnostizieren. Der Besnnd iväre also: dreizehn oder vierzehn, vietteicht sogar fünfzehn Inden unter hundcrtsiebzig Finanziers und Grvßiiidnstrietlen, die das Manifest unterzeichnet haben. Wir möchten den Rastenfvrschern »och gleich einige weitere Hinweise für die statistische Ansivertnug dieser Zahl geben. Dia» könnte znm Beispiel sagen: Unter der gesamten Bevölkerung der Erde bilden die Inden nur ein Prozent, unter dem Wirtschaftsmanifest nnnähernd zehn Prozent. Oder: In den, arbeitssnme», ausgepowerten Ehinn bilde» die Inden »nr 0,001 Prozent der Bevölternng, unter den 'JJitiUhiullioiuucii des internationalen Wirtschaftsmamsestes sind sie zehiitansendnial so stark vertreten. Tns tonnte n»n, altes sagen, und ivir ivürdc» uns freue», diese Berechnungen demnächst in der völkische» Presse anfianchen zn sehen. Aber mn» könnte auch etivns anderes sagen, ivas nicht mir den Vorteil hat, daß cs zahlenmäßig exakt ist, sondern nnch der Wahrheit entspricht: Tns internativnalc Wirtschnstsmnnifest ist, ivie inzwischen von dem Nichtjndcn L »eien!>i v m i c r in dem nichtjüdischen, eher aiitijndischcn Pariser „Figaro“ nnividersprochen sestgestellt worden ist, von dem nichtjndischcn Engländer Sir George Pnish angeregt worden. Bon den Vorarbeiten war in Frankreich der nichtjüdische Präsident der Bank von Frankreich, Nobincnn, in Dentschland der nichtjüdische Rcichsbankprüsident, Hjnlmar Schacht, unterrichtet. Die Unterzeichner des Manifestes fetze» sich natiirgemäst n»8 denjenigen Wirtschastskreisen zusammen, die an einem regeren weltwirtschaftlichen Güteraustausch interessiert sind, und nicht anS denjenigen, die durch ZivnngSmittel der staatlichen Gesetzgel»,ng, durch Zollbeamte und Grenzpolizei ihre Produkte gegen die nnÄniidischc Koiikiirrcnz „schützen" lassen, anstntt durch Bcrvvllkvmmnniig ihrer Prodnltion ans eigener Kraft die ausländische .Konkurrenz abznlvehren. Dement sprechend findet sich unter den deutschen Unterzeichnern lein Vertreter ded Ncichslaiidbniides, aber mehrere «jüdische und nichtjüdische Vertreter der verarbeitenden Industrie und, ivas besonders heworgehobcn werden muß, die Generaldirektoren der beiden größten dcntschen Industriennkeriichmungen, Dr. Karl Bosch vom Farbrntrnst kJ. G. Fnrbcnindnstric) und Albert Bögler vom Stahltrnst (Bereinigte Stahlwerke). Durch den Rainen Albert Böglers ist die bisher politisch mächtigste und zugleich votlkomme» „jndcnreinc" Gruppe der dcntschen Industrie, die rheinisch-westfälische Schweriiidiistrie, mit dem internationalen WirtschaftSmanifcst verbunden, d. h. derjenige Teil der deutschen Grvßwirtschnst, der noch am ehesten vor den Augen der Dentsclivölkischen Gnade findet und bis vor nicht zu langer Zeit nnch z» den Geldgeber» der crtreni-nntionalistischeil Beivcgung gehörte. Dieses offene Bekenntnis Albert Böglers ist so nienig eine Lvnderaltivn, ivie es die Dresdener Rede des Schiverindiistriellen Silverberg >var. Niemand anders als der Geschäftsführer des extreni-rrchtSsiehenden Vereins der Deutschen Stahlmid Eisenindnstrielleii, der deutschnntivnale hteichstagsnbgeordnete Dr. Reichert, hat in den letzten Wochen immer wieder öffentlich für das internationale Rvhstnhlkartell, für die wirtschaftliche Zusammenarbeit mit Frankreich nud Belgien, Propa- Das alles stad leine indischen Erfindungen, sonder» Tatsachen, wenn auch ivir glauben es gern -- >veuig angenehme Tatsachen für den „völkischen Gedanken" des „Deutschen Tageblatts" und der „Deutschen Zeitung". Die'überwältigende Mehrheit des deutschen Volkes stel)t heute in der wirtschaftlichen Znsnmmcnarbeit mit dem Ausland, sage» ivir rnlsig: in der internationalen Znsaninieunrbeik, den einzige» Weg z» Deutschlands Aufstieg. Daß die Völkischen das nicht sehen. liegt nicht nur an ihrer Blindheit, sondern bornehmtich daran, das; ein Teil von ihnen, die Bernfsnntiscmitei,, aus dieser Blindheit ein Geschäft gemacht haben, von dem ihre materielle und geistige Existenz abhängt. ßritsch zu 4 Monaten Gefängnis verurteilt. Revision eingelegt. Am 20. und 22. d. M. fand der W a r b n r g - F r i t sch - Prozeß vor der Hamburger Straskammer seine Fortsetzung und sein vorläufiges Ende. In der (Paten Abendstunde des Freitag erging das Urteil, dessen niiindliche Begründung ungefähr lautete: DaS Gericht hat sestgestellt, daß M a x W a r b n r g dem D e u t - s ch hi R eiche Herr, v r ragende Die n st c g c l c i st e t und die Interessen des dcntschen Volkes wahrgenvininen hat. Die in den inkriminievtr» Aussätzen enthnltenr» Beleidigungen sind unter Heranziehung der übrigen im „Hammer" erschienenen Aufsätze geeignet) Max War bürg verächtlich zn innrhm und ihn in der öffentlichen Meinung herabzinvürdige». D e r W n h r h c i t s b c w e i s k o n n t d n i ch t g e s n h r t >v erde n. W o c r v c r s n ch t wurde, ist er m i ß - glückt, veni» aUes, was sich an Behauptungen nachprttfen liest, hat sich als unrichtig erwiesen. Der Schutz des Z198 musste dem Angeklagten versagt bleibe», wenn er mich Vertreter der Presse ist... Das schwerste, ivas Warbnrg unter 8 186StGB, vorgeworfen lvcrden tonnte, ist B a t e r l a n d s v e r r a t nur des At n 111 m o n 8 wegen. Ties ist der schtimmsie Vorwurf, den man überhaupt erheben kann, und er bedeutet einen Undank für Marburgs Lebensarbeit und eine große K rank n n g. Erschwerend kommt »vcch Hinz», daß der Kampf mit dem Hanse Marburg seit 192 1 dauert. Mildernd kommt in Betracht, daß der Angeklagte sagt. m,ch er werde oft beleidigt, und daß er 74 Jahre alt und mehr oder weniger ein Märtyrer seiner Ucberzeugnng ist. Ter Tenor des Urteils lautet: Tie Berufung des Privatb ekln gen Fritsch gegen das Urteil des Schöffengerichts wird verworfen. Der Privatbcklagte ivird ans den §§ 186, 194, 78 SiGB. und § 20 des Prcßgesctzes wegen fortgesetzter übler Nachrede, begangen durch in den Monaten Mai bis Juni in der periodischen Druckschrift „Ter Hammer" erschienene Artikel, zu c i n e r Gesa „ n,, i § ft v n f c o o ii vier »tonnten v ernrteil t. Der Privntbeklngte trägt fünf Sechstel, der Privntkläger ein Sechstel der Kesten. Der Privatbcklagte hat dem Privntkläger die notwendigen Auslagen zu ersetzen. Dem Privatklngcr ist nns Kosten des Privatbeklngtc» eine llrtcilsansscrtigung ansziistcllcn. Innerhalb eines Monats nach Nechlskraft ist das ganze Urteil im „Hamm er" an der Spitze des redaktionellen Teiles und der Tenor in den „Leipziger Neuesten Nachrichten", der „Bvssischcn Zeitung", der „Rhcinifch-Westsülischen Zeitung", der „Deutschen Allgemeinen Zeitung", dem „Hamburger Fremdcnblatt", den „Hamburger Nachrichten", dem „Hambnrgischci! Evrrespvndcnten" z» veröffentlichen. Der Prozeß tvird durch die von Fritsch eingelegte Revision noch einmal aufgerollt werden, 0595789964

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.