Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 1926
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1926)
- Date
- 1926-10-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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7$ Lehre a „ z „ g r c i f e n! Es ist nur nötig, diese Frage überhaupt zn stcllcii, „in sofort zn begreifen, welche unübersehbare Folgen solche Untat im deutschen Lnterlande hcrborrnsen würde. Ter „Völkische Beobachter" und der Verfasser des Artikels täuschen sich gründlich, falls sie meinen, »ns im Kamps »m unser Recht durch solche Anssührangen cinzuschüchtern. Wir haben selbstverständlich gegen diese Horanssvrdcrnngcn alle notwendigen Mahn ah inen, insbesondere juristischer Art, ergriffen. Zum Schlüsse stellen wir nur nochmals fest: Sv etwas wie der Aussatz des „Völkischen Beobachters" ist in Deutschland l92tt möglich. Herrn Pastor I». Wind fuhr (Hamburg) haben wir gebeten, sich zn einigen der im „Völkischen Beobachter" ungezogenen Talmi,dstellrm und sonstigen Behauptungen zn äußern. Ter Gelehrte schreibt solgcndermafzen: Immer wieder der Talmud. Wie eine verheerende Krankheit geht der Judenhaß unter uns nm, ergreift de» einen so, daß er eS kaum selbst bemerkt, und läßt die Krankheit bei dcnr anderen in tvildcs Gebaren ansartcn, daß er selbst nicht mehr tvciß, was er int. Ein erschreckendes Beispiel letzterer Art findet sich in dein Leitartikel des Münchener „Volk if ch e n B e o b a ch t c r s" vorn 19. Oktober 1928. Veranlaßt durch ein schwebendes Gerichtsverfahren, gießt er über die Inden eine solche Fülle von Gehässigkeit ans, daß einen, gebildeten Menschen schon wegen der Form das Herz fast im Leibe erstarrt. Daraus im einzelnen cinzngchcu, würde uns Gcdankengängc nnsnötigen, die rnn der Sanl'crkeit willen nicht in unsere Seele dringen dürfen. Und dem Gegner werden seine Umgangsformcn auch nicht durch Zeitungsartikel vermittelt. Wir wollen uns daher beschränken ans einige Borwllrfe, welche den, Inden!,!!!, wieder einmal ans Grund des Talini,d gemacht werden. Die Untaten eines fränkischen Juden, von dein berichtet wird, er habe Mädchen und Frauen geschändet, werden dadurch verständlich zn „inchei, gesucht, daß in, Traktate Laniwckrin fol. 52b ein Gebot (!) sich fände: „D i e S ch ü n düng der n i ch t j ü d! s ch e l, Frauen i ft keine S ü n d c". Wir schlagen entsetzt das angegebene Matt des Talinnd ans. lind was finden wir? Es ist dort die Rede von dem Ehebrecher, der, falls er seine Tat mit einer jüdischen Frau begangen hat, mit den, Tode durch Erdrosselung bestraft wird. Ausgenommen von dieser Strafe wird ausdrücklich derjenige, der mit einer nichtjüdischen Frau die Tat begeht. Das ist juristisch — und nur juristische Dinge handelt es sich dort — völlig in Ordnung. Tenn ein derartiger Fall gehört überhaupt nicht vor das jüdische Gericht, sondern vor dasjenige, welches für den benachteiligten Ehemann zuständig ist, und muß nach dem von diesem z» handhabenden Gesetz bestraft werden. Ans alledem ein sittliches Gebot nbleiten zn wollen, welches den Ehebruch mit „ichljüdischen Frauen zur Pflicht macht, ist vollendeter Unsinn »nd gehört in das Gebiet b e d a >, erlich st e r Verdrehung. Nun war der fränkische Indo nach Angabe unseres Geivährsinaimes noch obendrein ein „recht typischer, häßlicher Jude". Abgesehen von der dann vorliegenden Geschinacksvcrirrniig der fränkischen Mädchen, ist cs denn doch ein starkes Stück, wenn aus Traktat Taanitli fol. 7b das „Gebot" herausqekcsen wird: „Je häßlicher ein Jude ist. desto besser versteht er den Talmud". Zunächst einmal kann man diesen Satz kaum ein Gebot nennen. Er stellt höchstens eine Sentenz dar, und freilich keine schmeichelhafte, wenn er sich rechtfertigen ließe. Aber damit ist es mm freilich wieder nichts. Das läßt sich nm besten darlnn, indem »vir die angezogene Stelle in wörtlicher Ucbcrsctzniig hier verführen unter Hinznsügung einiger erläuternder Bemerkungen, die sich durch die Klammern als solche kenntlich machen. „Die Tochter des Kaisers sagte z» (denr häßlichen, aber gelehrten) Rabbi Josiia bei Cbananja: ,Oh! Welch herrliche Weisheit in häßlichem Gesäß!' Er antwortete: ,OH Tochter eines Mannes, der seinen (köstlichen,) Wein in (unansehnliche») Tongefäßen nnsbeivahrt (ivie kannst du so sprechen?).' Sie sagte: .Worin denn sollte er sonst ansbcwahrt werden?' Tnranf er: .Ihr angesehenen (reichen) Leute solltet ihn in goldenen und silbernen Gesäßen ansbewahren." Darauf ging sie hin und sagte das ihrem Vater. Ter ließ >>»>, seinen Wein in goldenen und silbernen Gesäßen ansbewahren. worin er sauer wurde. Als man ihm das meldete, fragteer seine Tochter: .Wer hat dir da? geraten?' Sie erwiderte: ,Rabbi .losna ben diammjn.' Er ließ ihn kommen und fragte ihn: .Warum hast du ihr das geraten?' Er antwortete: ,A»f Grund dessen, Ivas sic mir sagte.' — Dagegen läßt sich aber doch eimvendc», daß cs auch schöne Männer gibt, die hochgelehrt find. — (Freilich;) aber wenn sic häßlich waren, würden sie noch gelehrter sein, (ivcil sie dn„„, ans ihr Aenßeres „och weniger arhlhabcn würden)." Aus dieser schöne» und psychologisch so überaus fein beobachtenden Geschichte leitet man beim „Völkischen Beobachter" das oben zitierte „Gebot" ab. Wer sehen will, der sehe!" Im weitere,, Verlauf des Artikels steht dann die nicht mehr ganz neue, aber immer» noch grausliche Behauptung: „ES ist eine bekannte Tatsache, daß das Judentum und seine Vertreter die Gehe! m hakt u ii 0 der jüdischen N cl i g i o „ sg e s c tz e durch Lüge, Leugnen u n d B e r d r e h c n d c r e i n z e l n e n „S ii tz c" ängstlich wahrt". Das sind Worte, die zu einer leeren Phrase zusammensinken, sobald man aiifiingt, ans ihnen einen konkreten Sinn abzuleiten. Man vergegenwärtige sich! Fest formulierte Neligionsgcsetze der Inden sind vorhanden. Das stellt man nicht in> Abrede. Aber die 1,'l Millionen Inden in der Welt sollen es durch die gcnminlen unsittlichen Mittel zuwege bringen, daß wir alle über den wahren Sinn jener Gesetze im unllarcn bleiben. Ter „Völkische Beobachter" muß an ein ziemlich geringes Ausmaß der Intelligenz bei Nichtjndcn gewöhnt sein, wem» er das für möglich halt. Wir können ihm da nicht folgen, möchten vielmehr wenigstens für die „edle arische Nasse" fortrcrn, daß sie nicht für geistig so minderwertig „nd tölpelhaft angesehen werde. In Wahrheit ist es mit jener schier »nausrottbaren Behanplimg etwa so, als wen» jemand den Bauern in Oberbaycrn erzählt, die Nordsee bestände ans roter Tinte. Bon denen, die das glauben, wird kaum jemand hinfahren, nm sich z» überzeugen. Aber die Leute an der Küste wissen, was sie von solcher Behauptung zu halten haben. In unsere,, deutschen Bibliotheken und U n t rs e r) i täten stehen neben den anderen Büchern auch die gesamten Werke der jüdischen Literatur in Reih „nd Glied. Wer sich mit ihr beschäftigen will, findet Anlcitmig und Unterweisung, soweit solche menschenmöglich sind. Was gibt es da z» verbergen? In unserem papierenen Zeitalter lassen sich einmal gedruckte Gedanken überhaupt nicht mehr gcheiinhaltcn. Der „Völkische Beobachter" könnte der Wissenschaft wahrlich keinen größeren Gefallen tun, als einmal ein jüdisches G e h e i in b » ch anzugebr». Er würde sich wundern über den Eifer, mit dem man sich eines so seltenen Bissens dann annähme. Nur dürfen cs natürlich nicht Produkte wie die „W eilen von Z i o n" sein, die bei näherem Zusehen als übler Schmindcl sich entpuppten, so daß man die Inden für sie nicht verantwortlich machen kan». Was aber das Verhalten dcS einzelnen Inden auf diesem Gebiete betrisst, so kann ich aus meiner jahrzehntelangen Erfahrimg heraus bekenne,,, daß mir von den vielen, vielen Juden aller Vildimgs- und Bolkskrcise, mit denen ich znsammentraf, stets bereitwillig Antwort und Belehrung zuteil geworden ist ans Fragen, die ich stellte. Und ich habe mich bei meinem Frage» keineswegs unkontrollierte Wege von jenen führen lassen. Kanin anders als mir ist es wohl alle» gegangen, die sich ernsthast und ohne verrannte Boreingciiomiiieiiheit in jüdischen Dingen an Juden wandten, lind daß sie alle sollten übertölpelt sei», ist zu lächerlich, um es zn denken. Bis soweit erweisen sich die Behauptungen des „Völkischen Beobachters" für jeden Einsichtigen sonnenklar als daS, lvas sie sind. Etivas komplizierter gestaltet sich die Widerlegung eines alten, auch hier zum Schluß nicht vergessenen Bvrivnrss, der sich an das Ikol-Mckro hcslct. Nach dieser, in der Liturgie des Versöhnnngstages sich findenden Formel werden alle innerhalb de? kommenden Jahres ansgesprochenen Gelübde »nd Cchivüre im voraus für nngüliig erklärt. Daraus wird gefolgert, das; „das Idol-düclro-Gebet die Inden von allen a„8 ihren Schwüren und Eiden erstehenden Pflichten frei macht"; mit anderen Worten: Ein von einem Juden geleisteter Eid habe für ihn keinerlei ethisch ihn bindende Kraft. Demgegenüber besteht nun freilich die Möglichkeit, daß von böswilliger Seite dem bloßen Wortlaut der Formel eine derartige Dcntmig gegeben wird. Indessen sollte gegen diese Deutung doch schon die einfache Ucberlegmig bedenklich machen, das;, da schlechthin von allen Gelübden „Nd Schwüre» die Rede ist, ohne Rücksicht auf den, dem sie geleistet werden, die Juden damit auch nntercinnnder ihre Eide völlig entiverlen würden. Und es ist kaum anznnchmcn, daß ein Volk etwas Derartiges zum geltenden Grundsatz macht. I» der Tat kennt denn auch die jüdische Prnris eine Aushebung von Gelübde» »sw. nur in der feierlichen Form, daß sie vor drei Mänuer,, in der Synagoge von Fall zn Fall geschieht. Daher haben sich dem, auch innerhalb des Judentums von den ältesten Zeile,, an viele gewichtige Stimmen gegen den Gebrauch jener mißverständlichen Formel erhoben. Ja, einzelnen Gemeinden Deutschlands ist sie sogar in der synngvanlcn Liturgie gestrichen. Damit ist allerdings ihr Wesen noch nicht erklärt. Will man sie verstehen, so »ms; man sich vcrgcgcinv,trügen, das; der Orientale selbst heul,zutage viel leichter geneigt ist, seiner Rede durch schwurartige Formeln Nachdruck zn geben, als nur das im Abcndlnnde zn ln» gewohnt sind. Derartige Verschwörungen werden auch von dem, an den sic gerichtet sind, gar nicht ernst genommen. Allein sie sind nnsgesprochen. lind da verlangt das eigentümliche religiös-juristische Empfinden de? Juden, daß sie mich in solchem Falle irgendwie gelöst werden. Diesem Gefühle gerecht zu iverdcn, ist die Ausgabe der l(vI-b>'!ckro-Fvrmel. Sie stellt also letzten Endes nichts anderes dar, als das Peinliche, von Selbsterkenntnis eingeacbenc Bekenntnis einer Unsitte, Alan sollte demnach mit jener allen Beschuldigung solange znrückhallcn, bis man an der Lcbenspraxiz der Juden den Nachweis ihrer Wahrheit zn bringen vermag. Das aber dürfte wohl keinem gelingen.