Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 1926
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1926)
- Date
- 1926-10-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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antwortlicherweise nur ans Prestigegründen von den Polen hat mischraiichen lassen. Mehr aber noch als diese Zusicherung, deren Bedeutung von den klarsehcnden Pvsener Inden niemals überschätzt worden ist, wirkte eine Unterredung, die der Verfasser dieses Artikels iu seiner Eigenschaft als Vorsitzender des Eentralbereins gemeinschaftlich mit dem Vorsteher der jüdischen Gemeinde in Posen, Stadt rat Elkeles, am W. Dezember 1918 mit dein diplomatischen Vertreter der englischen Regierung, Ob e r stl e n t u a u t Wade, gehabt hat. Die in ihrer Vorbereitung und in ihren Zusammenhängen noch nicht aufgetlarte plötzliche Ankunft PadereivskiS in Posen hatte den Anstalt zu dem polnischen Aufstand gegeben. Bor den- Augen der in seiner Begleitung erschienenen! englischen, französischen und amerikanischen Diplomaten und Ossiziere vollzog sich der Kamps, iu dem die aufständischen Polen die Stadt und die Festung besetzten. Auf den Straßen uuirdc geschossen. Die zur Gluthitze gesteigerte nationale Leidenschaft der Polen liest schwere Ausschreitungen gegen die Juden befürchten, zumal angesichis der Nachrichten über die in Lemberg verübte» Pogrome. Iu dieser Situation begab sich der Verfasser dieser Zeilen zusammen mit dem Stadtrat Elkeles in das Hotel Bazar, das Hauptquartier der Aufständischen, vor dem die schustbereiten Kanonen aufgcpsianzt waren, um mit dein englischen diplomatischen Vertreter die Lage der Inden in Polen und insbesondere auch in Posen zu besprechen. Wir richteten an ihn den dringenden Appell, seinen Einflust auf die polnischen führenden.Kreise für die Verhütung von Pogromen, ausznnbcn. Wir inachten daraus aufmerksam, das zurzeit die polnischen Führer die Massen noch in der Hand hätten, und das; die Verantwortung für etwaige Pogrome auf den politischen Führern rnhen bleibe. Wenn die polnischen Führer in der Tat beruhigend ans die Masse cingewirkt haben und die gröbsten Ausschreitungen verhütet worden sind, so wird diese Unterredung hieraus nicht ohne Einslust gewesen sein. Der Vorsitzende des Eentralvereins hatte die Gelegenheit auch benutzt, um dem euglischeu Vertreter, der sich über die Stimmung der Bevölkerung unterrichten wollte, den Standpunkt der Pvsener Juden dahin zu präzisieren, das; sie si ch> als » irlösli che Teile der deutschen Volk s g e in e i n s ch a f t fühlte n und das; d e r G e d a n k e e i n e r j ü d i s ch n a t i v u a l e n Autonomie, die für die in Kougrestpolen- und Galizien ivvhnendcn Ostjuden diskutiert ivnrde, für die Pvsener Inden n i ch t i n F r a g c k v in in e n k v » n e. Ich hatte Gelegenheit, diesen Standpunkt in noch ivirksainerer Weise darzulegen, als int Mürz 191!) die interalliierte Kommission zur Vorbereitung des Friedcnsvertrages in Posen tagte. Es bedurfte für diesen Empfang nicht erst der Vermittlung des Polnischen Vvlksrates, dessen sich der Führer des Indischen Volksrales bedienen »uistte, um eine Unterredung zu erlangen. In einer inehr als cinstündigen Besprechung, zu der als Vertreter der Pvsener Inden der Vorsitzende des Vorstandes und der Rkpräscniaiitenvtrsamnilmig der jüdischen Gemeinde, Stadtrat Elkeles, ferner Stadt rat Schleper und ich als Vorsitzeuder des E. V. geladen ivnrdeii, und in der ich der Wortführer war, wurden die gesamten die deutschen Juden der Provinz Posen betreffende» Fragen nach der grundsätzlichen Seite und in alle» Einzelheiten eingehend erörtert. Wir hatten die Gcnngtluiiig, das; der Botschafter Ai o n t a g n a, der Referent der Judcnsrage, mit dem die Verhandlimgen geführt ivnrden, der grnudsätzlichen Einstellimg der Pvsener Juden, als Angehörige des dentscheii! Volkes, nicht nur vollstes Verständnis entgegenbrachle, sondern das; er auch seine ausdrückliche Zustinuiuing mit de» vorgetrageuei; Gcdankengängeii erklärte. Es ivar interessant, das; in diesem Zusammenhang die Erwähnung hervorragender jüdischer italienischer Staatsmänner und Generäle, >vie des Finanzministers L u z a t t o und deS Kriegsministers O t t v l e n g h i, sichtlichen .Eindruck machte. Ans Veranlassung des Botschafters Niontagna hat der Verfasser dieser Zeilen eine anssührliche Dciikschrist an die interalliierte Kommission eiugereicht, die sich auch mit der Ausgestaltung der deutschen kulturellen Autonomie befnstte. Es ist vielleicht wertvoll, scstzilstellen, das; der Staatsvertrag vvii; 28. Juni >919 zwischen den Haupteilteiitemächtei; und Polen R e ch t s g a r a n t i e n z u m S chntzede v M i n - der heilen enthält, die mit diesen Vorschlägen ubereinstimmcn. In der Tenkschrist ist ebenso wie in bei; persönlichen Verhandlungen mit besvndercm Nachdruck betont worden, dast die Posener Juden ihren Platz nur iuncrhalb der deutschen Minderheit hätten, und es ihnen lediglich darauf aiikomme, die Forderungeil der Deutschen für ihre kulturelle Autonomie erfüllt zu setzen.^ Der Anteil der Posener Jude» an der Verteidigung des Teutschtnms würde jedoch nicht erschöpfend dargestellt sein, wenn inan nicht der Tätigkeit gedenken würde, die sie auch außerhalb des Deutschen Volksrales iu der Oesfeutlichkeit entwickelt haben. Den; jüdischen Stadtverordnetenvorsteher Justizrat Placzek lvar es Vorbehalten, die Verfassungsrechte der deutsche!; Stadtgemeinde gegen polnische Ansprüche zu wahren und als Vertrauensmann der gesamten deutschen Bürger der Stadt Posen dem dcutschen Staatsgedanken Geltung zi; verschaffen. Der selbstverständliche Mut, mit dem er diese seiner HerzenSüberzciiguiig entsprechende Aufgabe erfüllte, hat vorbildlich gcivirkt. Als die neue Stadtverordnetenversainmliilig nntcr pvlnischcr Herrschaft gewählt war, waren cs die beiden jüdischen Stadtverordneten Salh Oelsner und D v. 'W a r L a n d S b e r g. die als Wortführer der Deutschen furchtlos ihre Stimme gegen das dem Deutschtum zugesügie Unrecht erhoben n»d mit den Interessen der übrigen Deutschen auch die ihrer jüdischen Mitbürger verteidigten. Wie anders Dr. Kollcnschcr! Ihm war cs genug, den „theoretischen" Erfolg erzielt zu haben, als er als einziger ein Mandat für die Siadtvcrordnctenvcrsammlmig erlangte. Der sonst so beredte Führer des Jüdischen Vvlksrates blieb stumm. Er hat nieinals in der Stadtverordnetenversammlung das Wort ergriffen, obwohl die schutzbedürstigeil Jiüeressen der jüdischen Mitbürger ivahrlich eine Erörterung erforderten, lind doch hatte er cs als den Zweck der Wahl bezeichnet, „von einer öffentlichen Tribünc a»s die jüdischen Sorgen und Wünsche zu vertreten". Er blieb schliestlich von der Versammlung fern. Einsam und einfliistlvs ivnstte er mit dem von ihm so lebhaft erstrebten und durch eine verwirrende Aaitation erlangte» Mandat nichts anznfangen. V. DerD entsche B v l k s r a t hat eine groste, dauernde Arbeit für das deutsche Volkstum geleistet unter eifriger mid erfolgreicher Mitarbeit der Pvsener Juden, die dort auch die Gelegenheit fanden, die besonderen jüdischen Interessen zu verirete». Was hat dagegen der Indische Volksrat erreicht? Man braucht nur das Buch von Kvllenscher zu lesen, um die Frage dahin zu beantivorten: Er hat nichts erreicht. Alles, was er zur Erlangung seiner Fiele uiitcrnvminen hat, ist jämmerlich zusainmeugebrvchen. Die in einer maßlosen Propaganda in Aussicht gestellten Erfolge sind ansgebliebcii. Tie Darstellung Köllenschers ist ei» Katalog von Mißerfolgen. „Die Anfrichliiiig des jüdischen Volkes" und die jndifchnativnale Alitvnvmic, also das groste Ziel der nationaljüdischen Politik — ein vollkommenes Fiasko. Das mit so vielen Eingaben, Denkschriften, Gutachten und Volksversammlungen vorbereitete jüdisch-nationale Schulwerk, dessen Schaffung als ein Erfolg sondergleichen verkündet worden ift: — ein vollkommenes Fiasko. „Leider", so heißt es bei Kollenscher, „mußte das Jnstilnt in der Entivicklnng stehen bleiben und konnte späterhin nur kümmerlich als Volksschule aufrecht erhalten bleiben." Das groste national-jüdische, in Stockwerken anfgebaute Schulwerk endigte bescheiden in einer konfessionellen! Volksschule, die den Polen gerade recht war, da sie die in deutscher Zeit blühenden Simultanschnlen ohnedies abgeschasft Hallen. Ter i» lauter Agitation versprochene Schutz der Posener Inden durch deu Jüdischen Volks rat — wiederum ein Fiasko tragischer Art. Als die Polen den Vorspann des Jüdischen Volksrales für ihre Zwecke nicht mehr brauchten, zeigten sie ihr wahres Gesicht und verfolgten die Angehörigen des Jüdischen Volksrales schvuungslvS und mit besonderer Schärfe und Gehässigkeit. Der Jüdische Volksrat erschien den Polen ulmmehr gefährlicher als der Deutsche Volksrat, da der Gedanke einer jüdisch-nationalen Autonomie bei der Bedeutung der Judcnsrage für den! gesa inten polnischen Staat von den Nationalpvlcn mit besonderer Leidenschaft bekämpft wurde. Auch in der Einzeltätigkeit — Fiasko ans Fiasko. Die Juden in Kougrestpolen, mit denen der Jüdische Volksrat in Posen eine Verbindung anknüpfen will, lehnen kühl ab. Der amerikanische jüdische Staatsmann Morgenthau, von dem Jüdischen Vvlksrat mit großen Erwartungen empfangen, zeigt für die nationaljüdische Autonomie.nicht das geringste Verständnis und enttäuscht bitter die itt ihn gesetzten Hoffnungen.