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Central-Verein-Zeitung · 1926-10-01 · Heft 10 (Oktober 1926) · page 3

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
1926
Issue
Heft 10 (Oktober 1926)
Date
1926-10-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
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75 staatlichen und der Gesunderen polnischen Nevvlution —, es in ganz Posen anfangs nur ein kleines Fähnlein Aufrechter war, das der nnsichvv gewordenen Masse der deutschen Bevölkerung allmählich erst wieder ihren Halt gab. Das war der Boden, ans dein der Indische Bolksrat eine kurze Zeit einen gewissen Einfluß ansnben konnte ans Menschen, die sich, wenn man sie danach fragte, empört gegen die Zumutung wehrten, als seien sie nativnaljüdisch gesinnt. Hierauf dieBchantzlniig zu gründen, das; auch nur ein ncimcnsivcrtcr Teil der Pvscner Inden für die Idee einer nationaljudischen Autonomie gewonnen worden sei, ist eine unverantwortliche Irreführung der Ocfsentlichkeit. Der Erfolg hat ja auch gezeigt, das; sieh die in gefahrvollen Zeiten durch die falschen Versprechungen des Jüdischen und deS Polnischen Volksrates Irregeleiteten bald wieder von den Verführern abwandten. Kvllcnscher nnis; eingestehen, das; die Politik des Jüdischen Bolksrates zusannnengebrochen ist, iveil die Menschen, die er führen wollte, ihm die Gefolgschaft versagt haben. 9ti chts tun n bc ntl i ch er be w ei sen , -d a s; d er vom I üd c s ch e n Bolksrat v e r t r e t c ne Ge d a n k e einer jüdischen nationalen A n t o n o in i c bei d e n P o s e i; e r I u d e ii n b c r h a n p t keine M n r z e l n geschlagen hat. Der Jüdische Bolksrat war'ein Spuk, der schnell, wie er gekommen war, wieder verschwunden ist. Bestehen blieb der Dentsche Bolksrat, dessen Schuh sich dann auch die ohne Armee übrig gebliebenen Führer des Jüdischen Bvlksrales anverlranl haben. Bestehen bleibt die Tatsache, das; die Posener Juden in ihrer Masse die deutsche Bvtks- und Schicksalsgemeinschast innerlich und äußerlich gelcilt haben. Wenn dies noch eines weitere» Beweises bedürfte, so genügt der Hinweis ans die Zahl derjenigen, die lediglich aus diesem deutschen Bolksgesühl ihre Heimat verließen und für Deutschland optierten, vbivohl ihnen in den abgetretenen Gebieten die günstigsten Existenzmöglichkeiten winkten, und sie in dem zusalnmeiigebrochenen, vvi; Feinden umgebenen deutschen Batcrlande schwerster ivirlschaftlicher Not entgegengingen. Diese Tatsache ist für das Urteil entscheidend. IV. Um die Bedeutung der Posener Inden iw Kampfe für das Deutschtum richtig zu würdigen, nnis; man die Zahl und die Tätigkeit derjenigen jüdischen Persönlichkeiten ins Auge fassen, die führend cmd richtunggebend in den deutschen Organisationen gewirkt haben. Die Bedentniig von Führern ist niemals stärker als in Zeiten der Umwälzung, in denen die Grundlagen eines geordneten Zusammenlebens erschüttert sind und die Masse in ihrer Unsicherheit nicht iveiß, ivohin sie sich wenden soll. In Posen gehörte in jener Zeit, in der die gesamten Machtmittel in dem Bests; der aufständischen Polen waren, für jeden Deutschen ein besonderer Mut dazu, sich als Deutscheiiführcr zu exponieren und die persönliche Verantwortung auch »ach außen zu übernehmen. Für die jüdischen Deutschen war eine öffentliche Tätigkeit für daS Deutschtum besonders gefährlich, iveil sie neben der Deutsch- | feindlichkeit der Pvlen auch mit deren Antisemitismus zu rechnen hatten. Wenn trvs; alledem die Zahl der jüdischen Führer und Mitarbeiter im Deutschen Bolksrat eine im Verhältnis zu der übrigen Bevölkerung besonders große ivnr. so würde schon diese Tatsache allein die Feststellung rechtfertige», das; sich die Juden Pvsens in dem schweren deutschen Bolkskampf bewährt haben. Von der seelischen Ueberwindnng der Verbitterung, die der deutsche Antiseinitisinns in ihnen naturgemäß aiige'sainmelt hatte, braucht nicht gesprochen zu werden. Uber es ist doch als Zeichen tiefen und starken Baterlandsgefühls bemcrkensivcrt, wie schnell die deutschen Inden in den Zeiten nationaler Gefahr diese Heininnnge» zu überivinden vermögen. Zn den Gründern des Deutschen Bolksrates gehörten neben dem Verfasser dieser Zeilen G e v r g I a f f 6 und G d in u n d Pictrkowski. Die Tätigkeit d e r P o s e n e r I n d e n in dem Deutschen B o l k s r a t bestand in stiller, sachlicher Arbeit für die deutschen Bolksrechte, nicht in lauter Propaganda in Zeitungsartikeln und Bollsvcrsammlnngcn, in denen die Führer und Mitarbeiter des Jüdische» Bolksrates nicht laut genug ihre Vcdentimg nach außen verkündeten. Es ist bereits gesagt, daß der Anteil der Posener Juden an der Verteidigung des Dentschtnms in allen Einzelheiten erst gewürdigt iverden kann, wenn die Geschichte des Deutschen Bolksrates geschrieben sein wird. Nur zur Wicdcrlegnng der irreführenden Behauptungen Kollenschers seien folgende Tatsachen angeführt: Die Haupttätigkeitsgebiete des Deutschen Bolksrates umfaßten die großen politischen Fragen, die außenpolitischen Auseinandersetzungen sowie das Verhältnis zwischen den durch den polnischen Ausstand von Deutschland tatsächlich abgetrennten Teilen der Provinz Posen zu dem übrigen Preußen und Dcnlschland, die Vorbereitung des Friedens- Vertrages und die Geltendmachung der Wünsche dev deutschen Bevölkerung Pvsens für den Friedcnsvertrag, die Rechtsfragen, die durch de» Nmstnrz nnfgewvrfen nmrdcn sowie den Rechtsschutz der Deutschen, den wirtschastlichen Schutz der Deutschen innerhalb des von den Polen tatsächlich verwalteten Teiles der Provinz Posen, die Fürsorge für die durch polnische Geivaltakte geschädigten und vertriebenen Deutschen. Auf all diesen Gebieten umreu im harmonischen Einvernehmen mit den anderen deutschen Führern und Mitarbeitern wich die jüdischen Mitglieder erfolgreich tätig. Zn den Leitern des Wirtschaftsausschusses "gehörten Georg Jas sä und Edmund P i e t r k v w s k i. Der Verfasser dieser Zeilen war der Borsitzende des R e ch t s a » s s ch n s f e s , dem insbesondere auch die Bearbeitung der staatsrechtlichen Fragen oblag. Es handelte sich um Rechtsfragen von größter Tragweite, um die Stellung, die der deutschen Minderheit in einem künftigen polnischen Staate eingeränint werden sollte, uw die Fragen, die mit den; StaatsangehvrigkcitSwechsel verknüpft waren, insbesondere »in das Optivnsrxcht, über das der Verfasser die Denkschrift des Deutschen Bolksrates ansgearbeitet hat, deren Vorschläge zn einer Verbesserung des Fricdcnsvertragsenbvnrfes der Alliierten geführt haben. Zn dem Bereich des Rechtsansschnsscs gehörte ferner die Mahrung der Rechtsgarantien für die dentsche Bevölkerung während der Polnischen Ucbergangsherrschaft, die eine eigene Gerichtsbarkeit in Strafsachen für sich in Anspruch nahmen, endlich die Mitarbeit bei der Ucberkeitnng der Rechtspflege, für die der Verfasser dieser Zeilen die persönlichen Verhandlungen mit dem preußischen Jnstizininisterium geführt hat. Aber auch in der Bearbcitnng der für das gesamte dentsche Vaterland wichtigsten Frage, in ivelchem Ilm» fange die Provinz Posen bei Deutschland verbleiben nmsse, waren die Posener Juden anfopfernngsvoll nnd unermüdlich für'die deutschen Ansprüche tätig. Ans den Vorschlag des Deutschen Bolksrates ist Moritz" Ja ff 6, der die deutschen GebietSanspruche auch literarisch vertreten hatte, als Sachverständiger für Ostfragen in die von dem Grafen B r o cl d o r f f -R a n t; a u geführte dentsche Delegation berufen worden, die die Verhandlungen in Versailles führte. Er hat diese nndankbare und schivrerige Aufgabe in einer Weise erfüllt, die ihm die uneingeschränkte Anerkennung cintrng. Moritz Jaffa war auch der Wortführer der von dem Deutschen Bolksrat abgevrdneten Deputation an die internationale Kommission, die im März 1919 unter Vorsitz des französischen Botschafters N o >> l e » s tagte, mit die Verhältnisse in Posen an Ort und Stelle ,zn prüfen. Der dcnlschen Abordnung gehörte auch der Verfasser dieser Zeilen an. In der charilativen Fürsorge für die notleidenden Familien und in der Flüchtlingsfürsorge des Deutschen Bolksrates hat sich neben anderen die ans diesem Gebiete sachverständige nnd erfahrene Fran Dr. Martha E v a P r v ch v w n i k bewährt. Es bedarf kanm der Hervorhebung der selbstverständlichen Tatsache, daß der wirtschaftliche, rechtliche nnd charitative Schutz des Denlschen Bolksrates der jüdischen Bevölkerung in der gleichen Weise zuteil wurde ivie den Angehörigen der anderen Bekenntnisse. Der Umstand, das; der Vorsitzende des Eentralvcrciris in Posen zugleich einer der führenden Mitarbeiter deS Deutschen Bolksrates gewesen ist. hat sich als überaus fruchtbar erwiesen. Reben der Wahrnng der besonderen jüdischen Interessen war er in dieser Eigenschaft in der Lage, auch die deutschen Vvlksinteressen wirksam zu vertreten. Als die Gefahr polnischer Ausschreitungen gegen die Inden drohte, verhandelte er mit dem Polnischen Volksrat. Insbesondere gelang cs ihm wi einer Unterredung, die er am 1. Januar 19l9 m.it dem Volkskommissar Podzwinski und dem damals allinächligon Volkskommissar Korfanty hatte, von ihnen die Zusicherung zu erlangen, daß sie sich persönlich unbedingt für den, Schutz des Lebens nnd des Eigentums der Juden einsctzc» würden. Dies geschah bereits vor dem berüchtigten geineinschastlichen Aufruf des Polnischeil und Jüdischen Bolksrates vom 5. Januar 1919, zu dem sich der Jüdische Volksrat utwer-

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