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Central-Verein-Zeitung · 1926-09-01 · Heft 9 (September 1926) · page 3

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
1926
Issue
Heft 9 (September 1926)
Date
1926-09-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
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H7 „Gleicher Schutz allen Staatsbürgern." Der Reichsjiustizminister auf Vem Jnristentag. Hg. Die Vertrauenskrise, die die dcutsche Justiz dnrchmacht, ist auf dom Punkt augelangt, dast man über die bloße kritiscl)e Betrachtung hinaus zu positiven Forderungen und Vorschlägen gelangen muß. Der N e : ch s s u st i z m i n i st e r 3)r. Bell hat den Zeitpunkt richtig erkannt und, noch schärfer als in seiner Begrüßungsrede an die Beamten des Rcichsiustizministeriums, vor dem deutschen Juristcntag in Köln ausgesührt. „Verhängnisvolle Ungerechtigkeit würde es vor ollem sein, den beutfdfjcn Richterstand für Verschlungen und Mißgriffe einzelner, die uns mit ernster Sorge erfüllen, verantwortlich zu machen . . . Tenn wir wissen alle, daß den deutschen Richtern ihre Unabtängiakeit nicht als einseitiges Vorrecht gewährt ist, sondern als Wittel zur Erfüllung ihrer höchsten richterlichen Anfgabe, nämlich des.gleichmätzigen SchntzeS aller Staatsbürger und der unparteiischen «nd gerechten Rechtspflege. Treue Hingabe zum Staat und zur Reichsverfassung muß den Richter, der im Namen des Staates Recht spricht, an erster Stelle aus^eichnen und ihm die Staatsverbundenheit zur Gewissenspslicht Das mangelnde Vertrauen weiter Volkskreise zur deutschen Rechtsprechung erfüllt in ganz besonders starkem »nd mehr als irgendwo berechtigtem Maße die deutschen Juden. Wer die Artikel in den Spalten dieses Blattes aufmerksam verfolgt, wird nichts Neues hören, wenn die Behauptung aufgestellt wird, daß das Empfinden der deutschen Juden, in einer Ueberzahl von Fallen nicht ihr Recht gesunden zu haben, den Grad erreicht hat, daß sie sich ausgesprochen rechtlos fühlen. Kaum irgendwo lassen sich die psychologischen Erscheinungen des „Ressentiments", die der Leitartikel der letzten Nunnnrr darlegte, so deutlich verfolgen, wie in der Stellungnahme der Richter zu Fragen, die das deutsche Judentum angehen. Aus der Fülle der Tag für Tag uns zur Bearbeitung kommenden Angelegenheiten sei heute eine kleine Auswahl der Oessentlichlrit vorgeführr. Es handelt sich in einzelnen Fällen um Angelegenheiten, die noch unentschieden sind, teilweise auch um solcl)e, die eine unseren A u s p r ü ch e u R e ch n u 11 g tragend« Beurteilung gesunden haben. Was aber aus allen Belegen mit erbitternder Deutlichkeit zum Ausdruck kommt, ist die Beobachtung, daß oftmals jene Kreise, die ihre Kübel über »ms ausgießen, sich fast völlig vor Strafe sicher oder sogar geschützt durch die zur Sühnung berufenen Stellen dünken, weil man sonst eine solche Tonart als A c u ß c r u n g * " von Geisteskranken zu werten geneigt wäre. Der Weltboxmeister. Wirklich Vas erschütterndste Ereignis? Nein,, wahrlich keiG böses Wort gegen einen vernünftigen Sport-1 Das AiMj'oes guten Deutschen leuchtet auf, wenn frohe Jugend den Fußball Durch die Lüste schlägt, sich im Wettlause mißt, das Wasser durch kräftige Ruderschläge teilt, den Boxhandschuh führt. Wir jüdischen D e u i s ch e n sind stolz, daß unsere jüdische Jugend dabei nicht michsteht und sich schon in vorzüglichen Leistungen, die in diesen Blätiern oftmals angeführt wurden, bewährt hat. Und nun hat der Tunney den Dempseh blutig k. o. geschlagen. Eine Tatsache, der der Bvxfrcund seine hohe Aufmerksam, feit znwenden wird und die der „unzeitgemäße" Mitmensch mit einem ausführlichen Fnnkspruch ans Amerika abgetan wähnte. Großer, größter Irrtum! Es geschah etwas, was in der deutschen Presse bisher nicht zu verzeichnen »var. Eine Reihe großer und angesehener Tageszeitungen berichtete über den Wettkampf seitenlang und tagelang. Leitartikel (im politischen Teil!) wurden daruber"geschrieben. Der heftige Kampf in den kleinsten Einzelheiten dargestellt. Ein geachtetes rechtsst ehe »des Leipziger Blatt widmet dem Weltmcisterschaftskamps eine volle Seite. In einer ganzen Spalte wird jede der zehn Kampfrunden noch einmal dem Leser lebendig gemacht. Jeder Schlag wird mit unheimlicher anatomischer Gründlichkeit beschrieben, jeder Schritt der Gegner photographisch getreu vorgeführt. Ein Beispiel genüge: 4. Runde. Wieder stürmt Dempsey mit furchtbarer Geichwindigkeit aus seiner Ecke bcrvor und wirst T n n n e y b e i m A n p r a l l b c i n a h e a u s d e m 91 in o, triffb dann Tunney mit harten Körpcrschlägen. Tunney jieht etwas überrascht drein, erholt sich aber rasch und landet eine Serie von Rechten und Linken aus Dempseys Kinnlade. Dempseh schlägt vorbei. Die Menge lacht darüber laut aus. Diesen Augenblick benutzt Tunney, um einen schweren Linken g e g en Dempseys Kops zu landen. Dempsey blutet stark unter den furchtbaren Schlägen Tunneys. In seiner Bedrängnis schlägt Dempsey wild um sich. Tunney setzt mit einem Schauer von Schlägen aus die Kinnlade Dempseys ein. Die vierte R u n d e g ° h ö r t w i e d e r T u n n e Y. Schon fragt ein Leser: Warum steht das in der „C. B.-Zeitung"? Warum? Wir meinen nämlich, in vaterländischer Hinsicht bedeutet es kaum Erziehung am Volke, um die sich die Presse doch schon oft verdient gemacht hat, wenn gerade dieses Tagesereignis so breit und blutrünstig dem Leser vorgcsctzt wird, lind »vas uns nun besonders betrisst: m wäre nicht gerecht, zu behaupten, die maßgebende deutsche Presse gehe an unserer Bewegung vorüber oder verwerte nicht unser Material. Aber wie wär's? Etwas weniger Knockouts und Kinnhaken und beschädigte Augen und dafür m e h r A r t i k e l ü b e r I n n e r e n F r i e d c n n n d Z u s a m m e ns ch l u ß aller Gutwilligen, über den Ausgleich z wisch e u d e n K o n f e s s i o n e n , hier und d a a u ch e i i» m a l Ansklärung über das Judentum und seine Schris. t e n, nicht zuletzt über den Talmud, den S ch » l ch a n A r u ch. Etwas mehr sich der PH i l o-Sch r i ft e n publizistisch nnnehmcn. , Bei aller Hochachtung vor dem Körper —der alte Meister in Israel hat doch recht: „Nicht durch Macht und nicht durch Kraft, sondern rchdei » e » Gei st." — ll'iiiittnuicrßifiiic MW fjeiöcn. Von Oberstleutnant a. D. Max Brunzkow. Unter dem Titel „JüdischeFrontsoldatenauSWürt-, t e in b e r g und H o h e n z o l l e r n" ist neuerdings eine Schrift von dem Vorsitzenden des württembergischen Lanbesau s s ch u s s e s des Centralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, 0r. weck. Gustav Feldmann, herausgegebcn worden. Diese stellt eine wertvolle Ergänzung eigener Art zu der im Jahre 1922 veröffentlichten Statistik „Die deutschen Juden als Soldaten im Kriege 1914-1918" von Dr. Jakob S e g a 11 dar. Die Schrift widerlegt zahlenmäßig das antisemitische Märchen, daß die Inden in erheblich geringerem Grade ihre Knochen den scindlichen Geschossen dargeboten haben als Angehörige anderer Konfessionen. Packend sind die kurzen Einführungsworte der Schrift. Sie verraten — mit Recht — einen tiefen Schmerz über die Ungerechtigkeit, die sinnloser Haß deutschen Männern nur deswegen zugesügt hat, weil es Juden sind, um die es sich handelt. Die knappen Erklärungen zu den namentlichen Listen der Kriegsteilnehmer sind besonders deshalb von Wert, weil sie darauf Hinweisen, daß tu den Listen mir diejenigen aufgeführt sind, die in der Front gestanden haben. Die gerade hierdurch beredten Zahlen führe» einen schlagenden Beweis gegen die Behauptung, alle von jüdischer Seite ausgestellten Nachweise über die militärische Be» tatigimg der Juden im Kriege seien stets deshalb irreführend, weil ein unverhältnismäßig hoher Prozentsatz jüdischer Soldaten sich In gesicherter Stellung, d. h. in der Heimat, in der Etappe, aus Schreibstuben usw., befunden hätte. Wenn, wie aus Seite 7 der Schrift zusammeustellend angegeben. von nicht einmal 11000 jüdischen Einwohnern 1874 Männer tatsächlich in der Front gestanden habe», wenn von Viesen 270 (16 Prozent) gefallen, 533 (fast 32 Prozent) verwundet sind, dann sollten rechtlich denkende Menschen nicht onstehen, iveuigstens den" im Weltkriege sin Felde gestandenen jüdischen Soldaten gerade so wie denen anderer Konfessionen dieselbe Würdigung und Dankbarkeit für ihr Wirken um das Vaterland zuzuerkennen. Dr. Segalls Statistik aus dem Jahre 1922 hat damals im Lager der Antisemiten viel Unruhe hervorgerusen, zumal da sie der Nachprüfung einer so namhaften Persönlichkeit wie des Direktors des Statistischen Amtes der Stadt Berlin unterlegen hatte. Die Schrift ist für die Ehrenrettung der jüdischen Soldaten ni. E. n o ch w e r t v o l l e r, weil sie in der Lage iss, durch Namensnennung jeden Zweifel und somit jeden Angrissspunkt zu beseitigen. Welch enorme Arbeit der Herausgeber durch Beschaffung und Zusammenstellung der Unterlagen geleistet hat, das beweisen die Nameuslisten nebst ihren erklärenden Angaben an sich schon. Ihre scheinbar trockenen und doch so vielsagenden Aufzählungen müßten für die Folge j c d e n A n g r i f f g e g e n d i e deutschen Juden , alsSoldaten imWeltkriege verstummen machen. Es ist nicht meine Aufgabe und noch weniger meine Absicht, den jüdischen Kriegsteilnehmern vor denen anderer Glaubensbekenntnisse besondere Hochachtung cntgegenzubringen. Weil aber nur so wenige Offiziere den Mut ausgebracht haben, ihre jüdischen ehemaligen Untergebenen gegem ungerechte Verunglimpsungen in Schutz zu nehmen, wollte ich es mir nicht versagen, auf die Bedeutung der vorliegenden Schrift hinzmvcise», eine Bedeutung, die weniger an die Juden, als an ihre Gegner gerichtet ist. Mag jemand noch so antisemitisch eingestellt sein, der Wahrheit muß er die Ehre geben! Um dieser Wahrheit willen wünsche ich der Schrift weiteste Verbreitung und glaube der Hoffnung Ausdruck geben zu können, daß ihr Inhalt auch im seindlichcn Lager Erkenntnis zeitigen wird. Wir Mitkämpfer im Weltkriege'haben, ob Christ oder Jude, alle in vollem Maße unsere Pflicht getan, und niemand kann es uns anrechnen, daß unsere Hingabe nicht den gewünschten Erfolg hat bringen können.

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