Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 1926
- Issue
- Heft 8 (August 1926)
- Date
- 1926-08-01
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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ö3 Bei der mündlichen Verhandlung, die Behthien oder seine Mitarbeiter mit den einzelne» Finnen und Persönlichkeiten führten, wunde stets ans die Tatsache hingcwiescn, w e l ch e Männer der Industrie und deS Handels und welche Ossiziere bei der Sache beteiligt seien, und es wurden Briese von im Lande zum Teil sehr geachteten Persönlichkeiten, die angeblich die Begründung dieser „Hansa" billigten und förderten, borgclegt. Der Hinweis aus diese Namen verfehlte seinen Eindruck seilen. Schlugen diese Mittel nicht ein, so wurde den Firme» mehr vdcr weniger deutlich mit Boykott von christlicher Seite gedroht, Im allgemeinen genügte aber schon selbst bei bcrnünstigen Menschen der Hinweis aus die Name» der „Förderer". Der Gedanke daran ist furchtbar, daß allmählich das individuelle B e r a n t w o r t u n g s g e s ü h l mehr und mehr schwindet und man sich nur noch aus angebliche Autoritäten verlaßt. Die Lage ist ernst. Darüber sind wir uns durchaus im klaren. Sie erheischt von uns entsprechende Gegenmaßnahme». lieber sie ist lange beraten tvvrden — zum Teil wurden sie bereits in die Wirklichkeit nmgesetzt. Aber wir sind erst am Ansang. Gerade der Fall Behthien zeigt, wie die falsche „Hansa" letzten Endes nichts anderes will, als d a 8 deutsche W i r t s ch n s t s I e b e n vernichten. So weit werden wir es nicht komnien lassen, Deni Jrrgeist der „falschen Hansa" wird der lvahre Geist der alten, bewährten Hansa entgegengesetzt lvcrden müssen. L. II. Jugenöherbergen unö Mische Jugend. Von Otto Liiivemam«, Leiter der Jugendherberge Lindeuhos-Brieselang. Das I u g e n d h e r b e r g s w, c r k wurde geboren ans dem Geiste des deutschen Wandervogels, der im Streben nach Erneuerung des Menschen an ' Körper und Geist sich abwandte von städtischer Unkultur, von Philistertum, Natnrfreuidheit und behäbiger, selbstzufriedener Bürgerlichkeit, Die Jugend wnnderte hinaus in die freie Natur, Hier bildete sich der neue Gemeinschaftsgeist ini Jungvolk, hier lernte mau die Heimat lvieder lieben, die man vorher gar nicht kannte, hier weitete sich das Blickfeld von Volk zu Volk, Es entstanden die ersten primitiven Nester in Stadttüriuen und romantischen Winkeln, di? Schntzhütten und Lcmdheime als Vorläufer unserer Herbergen, Als sich die Jugend von den blutigen Wunden des Krieges einigermaßen erholt hatte, ging sie wieder mit voller Kraft und Opserfreude an den Neubau des Geiucinschastswerkes. Die Alten förderten es mit ihren Mitteln, So entstand tm§ Jugcndherbergsnetz, das heute mit 2500 Herbergen, Jngendburgcir und Landheiincn alle deutschen Gaue überzieht. In den Herbergen wird der Zusammenschluß gefördert, der unserem zerklüfteten Volke und seiner Jugend bitter nottut. Die Herberge ist neutraler Boden, alle Richtungen der Jugend finden sich ans ihm zusammen, und wer den Gesprächen der Jugend zuhört, wird meist fcststellen, daß sich die Jugend langsam freimacht von Parteipolitik, religiösem Doginatisnms, Nassensanntismus und anderen Vorurteilen, Der Gemeinschastsgeist der Jugend überwindet alle zersetzenden Einflüsse, Auch die jüdische Jugend nahm von Anbeginn an Teil an diesem Werke. Das lvar nicht verwunderlich, denn ihr fehlte noch mehr als der christlichen Jugend die Verbundenheit mit der Natur und die körperliche Betätigung, weil sie, meist irr den größeren Städten znsammengedrängt, besonders unter den Einflüssen der städtischen Unkultur zu leiden hatte. Hinzu kam die Aufhetzung des Volkes gegen alles Jüdische, das Äs Sündenbvck hcrhatten sollte und die jüdische Jugcno in ihrer Bewegungsfreiheit hemmte. Das ist heute besser geworden, und wird weiter besser werden, wenn deutsche und jüdische Jugend sich in den Herbergen kennen und verstehcir lernen. Manche gute Kameradschast ist da bereits geschlossen worden, manches Vorurteil gefallen. Und wenn z, V, in Brieselang Hakenkrcuzwimpel und jüdischeAbzeichcn anftanchcn, so führt das nie zu Reibereien. Man achtet sich gegenseitig, weil man sich verstehen lernt. Der Herbergsvater hilft nach, wo Ausklnrimg nottrit. Auch bas Lesezimmer ist diesem Zwecke dienstbar gemacht. Dort liegen neben völkischen, sozialistischen, religiösen und anderen Zeitungen und Zeitschriften bereits drei jüdische Blättee ans, Ter gemeinsame Tagesraum, die gemeinsame Küche, die Körperpflege im Freien, das Jugcndgelände bieten ein weites Feld, Verständnis, - Achtung, Kameradschaft und Freundschaft zu erwecken. Die, jüdische Jugend braucht nicht abseits zu stehen von der dcntsck-en Jugend, ganz gleich, ob sie sich als deutsch-jüdisch oder als indisch-national betrachtet. Das sind Fragen, die jede jüdische Gruppe vei sich zu entscheiden hat. Beiden Gruppen ist sachlich ruhiger Meinungsaustausch und gegenseitige Toleranz zu wünschen, zu der sich auch die deutsche Jugend erzieht, und die den jüdischen Gruppen entschieden mehr Achtung cinbringt als ihre gegenseitige Anfeindung. Der Führer der Deutsch-Jüdischen Jngciidgcmeinschast Berlin schreibt uns hierzu: Lieber Otto Lind-mannt Möchten alle Herbergsväter von dem Geiste beseelt sein, der Tein Tun und Handeln bestimmt. Du hast aus Deiner Jugendherberge «ine Stätte der Gemeinschaslsarbeit der Jugend aller Richtungen geschossen, ein Neuland, bas uns in unbeirrbarer Liebe einer glücklichen Zukunft rntgegensührt. Mit derselben Ausopserung hast Du am Tage der Sonnenwendseier bei völlig überfüllter Jugendherberge für die Arbeiterjugend, den Pfadfinder und für uns gesorgt; rastlos hast Du Dich für Deine jungen Gäste eingesetzt, ohne nach ihrer Herkunft und ihrer Zugehörigkeit zu Neligion und Partei zu fragen. Wenn auch vielleicht die wehenden Wimpel die Gruppen äubcrlich schieden, innerlich waren sie von dem Geiste der Eintracht und Einigkeit, des Verbnndenseins zu einem Volksganzen beseelt. Soli das Jugendherbergswerk den Grundstein zur heiberschnten Volksgemeinschaft legen — nur die Jugend kann hier Wcgbereiler sein —, dann ist es endlich Zeit, -dich im deutschen Reichsjugcndherbergsvcrzcichnis bei den Jugendherbergen der Zusatz „N u r s ü r Arier" g e st r i sonst wird eines Tages, wenn cs vielleicht schon zu spät is , an das Gemeinschastswcrk vernichtet sein. Nur wenn alle Gruppen in der klaren Erkenntnis der Bedeutsamkeit des Jugendherbcrgswerkcs frei und gleichberechtigt an seiner Ausbreitung und Verwurzelung initarbeilen können, dann werden die Jugendherbergen, so habe ich es in das Gästebuch der Jugcndburg Hohnstein cingezeichnet, ein Bollwerk des sittlichen und kulturellen Ausbaues unseres Vaterlandes sein. HM Martin Sobotker, Deutsch-Jüdische Jugendgemeinschast, Berlin. lvic ficht eslnflmenkaausJ Eine Unterredung mit Dr. Julian Morgenstern. Dr. Julian M o r g c n st e r n, der Direktor der Helirew Union College in Cincinnati, des bekannten amerikanischen Rabbinerseininars, weilte kürzlich in Berlin. Der im Geistesleben des jüdischen Amerika eine bcdccitende Rolle spielende Gelehrte hatte die Liebenswürdigkeit, «nserii 6r.-Mitnrbeiter zu empfangen, und ihm über die Lage der amerikanischen Judenheit wie über deren Stellung zu inncrjüdischen Fragen das Folgende zu sagen: „Die ganze amerikanische Judenheit steht dem jüdischen Kolon i sa ti o n s p ro bl em sympathisch gegenüber; so will die nichtzionistische Joint in diesem Jahre 25 Millionen Dollar für osteuropäische und Palästinensische Kolonifat i o n 8 - und K u l t u r a u f g a b e n sammeln. Es handelt sich dabei mn die Ansiedlung inPole n. L i t a u en, B e ß a r ab i e n, der K r i in und anderen mehr, die von der „Joint" und der Gesellschaft „Ort" ausgchen, und um Kolonisationen in Palästina auf inchtnationnljüdischer Basis. Die Sammlungen für den jüdischen N a t i o n a l f o n d s sind dagegen nur mit süns Millionen Dollar veranschlagt. Die amerikanischen Zionisten rücken das nationalistische Moment sehr wenig in den Vordergrund, legen vielmehr das Hauptgewicht aus die kolonisatorischen Bestrebungen in Palästina. Ans diesem Grunde gibt es in Amerika auch nicht eigentlich Antizionisten, sondern nur entiveder Z i o n i st e n oder N i ch t z i o n i st e n. Den Kolonisationsbestrelmngen in Mexiko steht man in Nordamerika ans den verschiedensten Gründen mit großer Skepsis gegenüber und halt eine Auswanderung dorthin nicht für ratsam. Mehr verspricht man sich von den jüdischen Siedlungen in Argentinien; jedoch gibt es wenig Nordamerikaner, die über die argentinischen Verhältnisse ein objektives Urteil aus eigener Anschauung haben. A u st r a l i e n und Neu - S e e l a n d, die ja erst neuerdings der Einwanderung erschlossen sind, hält man im allgemeinen für aussichtsreiche Ansiedlungsländer; aber Australien ist so weit von Amerika entfernt, daß sich zurzeit vcrhültnisniäßig wenig amerikanische Juden zur Auswanderung dorthin bereit finden werden." Dr. Morgenstern äußerter sich dann über die Lage der Inden in den Vereinigten Staaten. Sie haben, so meinte er/ wenig zu klagen, denn die Lebens- und Entwicklnngsmöglichkeiten für sie sind dort sehr günstig. Der natürliche Egoismus des Mensche» schasst dort wie überall Gegensätzlichkeiten; deshalb gibt es auch dort einen getvisien wirtschaftlichen und auch gesells ch a f t l i ch e n A n t i s e m i t i s in u s. Doch ist es tüchtigen Juden bisher immer möglich gewesen, in Amerika voranzukommen. - Der Antisemitismus, wie er in Deutschland auss i e h t, i st d e n A m e r i k a n e r n g ä n z l i ch sr c m d. Die Amerikaner sind in allem mehr anss PraktiM eingestellt als die Deutschen, und jene pseudowissenschaftlichen Methoden und Theorien, mit denen in Deutschland der Judenhaß arbeitet, sind in Amerika gänzlich unmöglich. Die Amerikaner haben auch lein Verständnis dafür, daß cs in Deutschland derartiges gibt. Der Ku-Kux-Klaii ist eine Angelegenheit der gänzlich Ungebildeten, steht vielleicht Richtungen wie den „Ernsten Bibelforschern" nahe, aber in Amerika spielt er gar keine Rolle. Anderseits ist hervorzuheben, das; unter Führung von evangelischen Geistlichen „The Föderal Council of Churchos of Christ in America“ gegründet worden ist, ein Bund, welcher das Ziel verfolgt, Juden und Christen über die beiderseitigen Religionen auszu kl üreii. Zn diesem Zweck halten Rabbiner Vorträge in ch r i st l i ch - t h e o l o g i s ch e n Seminaren über das Judentum und s p r e che n ch r i stl ich e Theologen in jüdischen Seminaren über das Christentum. Auch diese christliche Vereinigung interessiert sich lebhaft für jüdische Kolonisationsbestrebungen und hat in Aussicht genommen, 15 Millionen Dollar dafür zu sammeln. Ob das gelingen wird, ist eine andere Sache. Zum Schluß betonte Dr. Morgenstern, daß das religiöse Judentum in den letzten Jahrzehnten in Amerika große Stärkung erfahren habe. Das, was die Juden in Amerika eint und am Judentum hält, sei nicht der Zionismus und nicht der Antisemitismus/ sondern d i e j üd i sche R el i gi o n. österreichischen ii. der Glaube