Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 1926
- Issue
- Heft 8 (August 1926)
- Date
- 1926-08-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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H2 Wi-ersprLiche. Erkläret mir, Graf Oerinvnr. . . lins wird geschrieben: „Nach völkischer Auffassung sichen alle demokratischen Siaalen völlig unter jüdischem Eiiislnß. Aber auch der Bolschewismus, der Todscind (I) des demokratischen Systems, ist nichts als eine Masse des internationalen Judentums, Im März 1917 wurde der Zar gestürzt, Natürlich von der „jüdischen" Demokratie in Rußland mit Hilfe Jildn-Englands, das von den» neuen Systein eine energischere Kriegführung gegen Deutschland erhosstc. Aber im Oktober 1617 vernichtete der „jüdische" Bolschewismus die „jüdische" Demokratie K e r e n s k i s und schloß wider den Willen Jndn-Englands und dessen Verbündeten Frieden mit de» Mittelmächten, woraus der Krieg zwischen dein „jüdischen" England und dein „jüdischen" Bolschewismus entbrannte,^ England und das natürlich gleichfalls vom „jüdischen" internationalen Finanzkapital beherrschte Frankreich suchten rücksichtslos den „jüdischen" Bvlscheivisinus zu vernichten. Sie bcivaffnetcn und besoldeten die Armeen D e n i k i n 8 und Wrang els, die in Siidrustland cindrangen. Ein grauenvoller Bürgerkrieg begann, Hungersnot brach ans, da die Engländer Rußland blockierten, ja auch selbst die Mnrinanküste befehlen. Mehrmals stand der „jüdische" Bolschewismus vor dem völligen Zusammenbruch, vor der Bernichtnng durch Juda-England und Juda-Frankreich. Bon allen heutigen weltpolitischen Gegensätzen ist der bedeutsamste der Zwischen England und Rußland, Der „jüdische" Bolschewismus stachelt alle unterdrückten Böller (Indier, Chinesen nsw.) zum Abfall vom „jüdischen" England ans. Dieses wieder sucht Rußland in jeder Weise zu isolieren und den „jüdischen" Völkerbund in eine wasfcnstarrende Koalition gegen Rußland umzuwandeln. Für alles dieses, überhaupt nicht zu Bcrcinbareude gibt cs jedoch fvci sehr einfache Erklärungen: entweder sind die „Weisen von ion" wahnsinnig geworden oder diejenigen, welche an sie glauben. Die Leser dieser Ausführungen mögen Prüfen, welcher Fall ivvh! wahrscheinlicher ist. Sitgmund Nicdcrmaier. An untere Landsleute. Bon einem angesehenen christlichen Schulmann, einem gebürtigen Pfälzer, erhalten wir folgende Zuschrift: In Friedcnszeitcn wohnte in der Pfalz ein lebensfrohes Völkchen, Nach dem Kriege mußte das schöne Psälzcrland und sein Volk alle Unannehmlichkeiten einer fremden Besatzung ertragen. Da stand dieses treudcutsche Bolk wie ein Mann zusammen, ohne Unterschied von Rang, Stand oder Konfession, Alle hatten ja die gleiche Bedrängnis z» erdulden. Als das unsaubere Gesindel der Separatisten anstanchtc, gab ihm das brave Pfälzer Bürgertum — geschlossen in seinen Reihen — den blutigen Lohn. In letzter Zeit erleichterte sich die Schwere der Besatzung etwas und die Inflation der französischen Währung bewirkt,'daß sich die Besatzung nicht mehr in dem Maße betätigen kann wie srichcr. Nun sind die Verhältnisse für unsere pfälzische Bevölkerung etwas erträglicher geworden, und in diesem Augenblick tritt in unserem schönen Gottesgarten ein neuer Störenfried aus - die Nationalsozialisten, die Streicher-Garde. Auch der „Eisenhammer", ihre Zeitschrift, ist nicht Pfälzer Gewächs. Wie könnte ans dem Boden der schwergeprüften Pfalz, wo in den Leidcnsjahren eine wahre Volksgemeinschaft entstanden ist, auch eine solche Schmähschrift entstehen. Der „Eifenhammcr" erscheint n n r dem Na men nach in Pirmasens, und ist ein bloßer Ableger des „Stürmer" in Nürnberg. Unseren Pfälzer Landsleute» sei cs gesagt und geklagt, daß cs für uns Pfälzer in der Ferne eine betrübende Sache i st, wenn unserer s ch v n e n H e i in a t der Geist eines Streicher aufgezwungen wird, den jeder a u st ä » d i g e M e n s ch in Nürnberg ut) F ü r t h i ii n e r l i ch a b l e h » t. Ich frage euch nun, euch Nationalsozialisten in der Pfalz: Was ist eiicr Ziel? Politisch dürft ihr euch nicht betätigen, sonst steigen euch die Franzosen ans die Haube. Ihr treibt also eine aiidere Arbeit. In den hiesigen Städten heißt man diese Arbeit — Wühlarbeit. Da die eure nur rin Ableger von dieser ist, wird dieser Ausdruck auch ans euch zntrefsen, da ihr in unserem Psälzcrland die Eintracht und den Frieden unterwnhlt. Es ist unerhört! Seit M c n s ch c n g c d e n k e n w n r die gesamte Bevökkerun der Pfalz mit allen Konfessionen in,treue. Arbeit vereint. Wem wäre es ie rn den Sinn gekommen, gegen einen Israeliten ettvas zu unternehmen? Es gab kein paritätischeres Ländchen, als unsere Pfalz, Nun wollen die Nationalsozialisten diesen schönen Frieden stören. Uns Pfälzer, die wir in der Ferne weilen, kränkt es tief, daß dw alte Eintracht in der Pfalz durch vc-rantivortiingslose Menschen vcrlorengehen könnte und uns dadurch die Heimat verleidet werden würde. Gibt cs etwas Traurigeres? Wir haben in unseren Reihen auch brave und tüchtige Israeliten, die ihre Pfalz lieber haben n d treuer an ihrer Heimat hängen als der anze völkische Block in der Pfalz. Liebe Psnlzcr Lnndslcutel Stehet auf und kämpft „ c 0 c n den Nationalsozialismus! Er ist ein Fremdkörper und eine Wiicherpslanze, die von Nürnberg aus in die Pfalz verpflanzt wurde und keinen Segen bringt. Oie falsche Hansa. I» der „Welt am Montag" wird über die Schaffung einet „Deutschen Nvtbrüderschast gegen jüdische Solidarität" berichtet. Diese Mutcilunge» haben großes Aussehen erregt, obwohl c8 sich hierbei um Aorgänge und Bestrebungen handelt, wie wir sie seit langem kennen, und die ausznkläre» wir zwar nicht immer, aber häufig genug m der Lage waren. Allerdings legt dieser Fall wie selten einer die Methode» klar, mit denen eine große Reihe jiidenfeindlicher Organisationen vorzngehen pflegt. Was liegt vor? Alexander Beythien, eine in Berlin zwar polizeilich gemeldete, aber in ihrer Wohnung nie anziitressendc völkische Persönlichkeit, beabsichtigt, eine neue Organisation zu gründen, die mit dem schönen Namen „Hansa, Deutsches Wirtschastsamt" ausgestattet werden soll. Zunächst wird gesammelt unter dem Motto: Wirtschaf t 8k a in p f, das Gebot der Stunde, Der eigentlicyc Zweck, für den gesammelt wird, wird nicht überall angegeben; nniiicittlich da nicht, wo man der Gesinnung dessen, den man um Geld angchcu tvill, noch nicht sicher ist. Zunächst wandte man sich an die Vorsitzenden einer Reihe von Handwerkerinnungen und erhielt von ihnen die Adressen Tausender Handwerker, ging dann zu Anwälten und Aerztcn, die man als besonders Ivichtig ansah, und endlich z» I n d u st r i e und Handel. Das Prinzip dieser falschen „Hansa" sollte daraus beruhen, daß man sich zunächst durch Empfehlung von einem zum anderen möglichst viele Namen nichtjüdischcr Firmcninhaber besorgte. Bevorzugt wurden solche, von denen man erfuhr, daß sie mit jüdischen Lieferantci!, Anwälten ». a. nt. arbeiteten. Diese Firmen werden min einzeln dahin beeinflußt, daß sic ihre Verbindungen mit den Inden lösen und statt dessen neue Verbindungen mit christlichen Lieferanten ankiiüpsen, die ihnen als Mitglieder der „Hansa" bcsonoers enipsohlen werden. Diese werden gleichzeitig über die Lieseruiigsbedingnngen unterrichtet und erhalten die Möglichkeit, vorliegende Angebote z» unterbieten. So hat man versucht, jüdischen Kohlen-, Papier-, Konfektionsfirincn, Banken usw. die Kiin-dcii Ivegziinehmei!, Dieses Prinzip hat man auch entsprechend ans Anwälte, Acrztr »sw, übertragen wollen, zum Teil auch bereits übertragen. Auch i„ Gastwirtschaftskrciscn hat man festen Fuß zu fassen begonnen. Mit der Werbung ging Gcldsammlnng Hand in Hand. Es scheint im wesentlichen, wie wir bereits in der vorigen Nummer erwähnten, sicher zu sein, daß der größte Teil dieser gesammelten Beträge von Herrn Beythien in ganz anderem Sinne verwandt worden ist, als es die Geldgeber gewünscht haben. Zweifellos ist in großem Umfange mit Schwindet vorgegangen worden, und die Geldgeber können sich ihre Beitrüge in den Schornstein schreiben. Ob die S t a a t s a n w a I t s ch n f t deshalb gegen Herrn Beythien einschreiten wird, welche weiteren Folgen die Gründung der „Hansa" überhaupt noch haben wird, kann heute dahingestellt bleiben. Alle diese Fragen sind völlig nebensächlich gegenüber der Tatsache, dasj eine sehr grotze Reihe angesehener Firmen, unter ihnen erste und bekannteste in Berlin, sich mit Herrn Beythien überhaupt eingelasien haben. Leider mutz auch hier festgestellt werden, datz Herr Beythien namentlich dort, wo ehemalige Offiziere Einslutz haben, besonderen Erfolg gehabt hat. Es ist erwiesen, das; Männer, die im Wirtschaftsleben etwas bedeuten, diesen Kamps mitznmachrn gesonnen waren. Und das beweist, wie sehr die politische Verhetzung weiteste Kreise auch im Wirtschaftsleben ersaht hat, und wie stark gefährdet der wirtschaftliche Ausbau dadurch ist. Wir haben die Erfahrung gemacht, daß sich die Beteiligten bei Rücksprachen immer leicht davon haben überzeugen lasten, wie wenig gerechtfertigt, ja. wie leichtfertig die Verbindung mit Herrn Beythien gewesen ist. Der ganze Vorgang beweist aber, wie unbedacht und gedankenlos bei der heutigen Wirtschaftskrise nach jedem Halm gegrissen wird, an dem man sich halten zu können glaubt. Die berusenen Berater unseres Handels und unserer Industrie werden einmal in ihren Kreisen auf die Gefahren, die Bestrebungen wie diese „falsche Hansa" mit sich bringen, ausmerksam zu machen haben. Sie werden cindringlichst daraus hinznweisen haben, daß Geschäftsverbindungen lediglich nach Würdigkeit und LeistungSsähigkeit, nicht aber nach Parteirücksichtcu anzuknüpfen sind, ioenn man für sich und die d e u t s ch e Wirtschaft überhaupt etwaS zu leisten in der Lage sein will. Wir wisten schon lange, daß sowohl im „Stahlhelm" als auch im „Jungdo" Boykottendenzen allerschärfster Art vorhanden sind. Und die falsche „Hansa" des Herrn Beythien ist nichts anderes als der Versuch, die Boykotteilorganisationen in einem Dach verbände aufzunehmen. Denn Herr Beythien hat bereits mit Herren vom „Stahlhelm" über gemeinsame Zusammenarbeit in der neuen „Hansa" beraten. .