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Central-Verein-Zeitung · 1926-07-01 · Heft 7 (Juli 1926) · page 7

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
1926
Issue
Heft 7 (Juli 1926)
Date
1926-07-01
Page
– (sequence 7)
Language
German
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f fast um die Hälfte. Was die jüdischen Studentinnen anbetriffk, fO' sind sie mit meisten, über die Hülste, in Berlin vertreten, die kleinere Hülste verteilt sich uns die Universitäten BreSlau, Franksurt ü. M., Köln und Königsberg, während die andern nur ganz | wenige Studentinnen jüdischer Konfession auszuwcisen haben, x Dos Lncllcmvcrk gibt auch Anskunst, bei welchen Fakultäten sich I die Studenten haben cinschreiben lassen: n) männlich b) weiblich Fakultnt ign(]2 ig2425 i91];'i2&i924/25 1011)12 1921 25 1 Theologische.... 2 344 I 764 — Jurist, iche. 5 610 12 140 625 ffllein,suiiiiiic.... 4 666 .1422 1040 Philosophische.. 13 517 9812 47» Die thcvlvgische Fakultät kommt für die jüdischen Studenten nicht in Betracht, da aus den preußischen Universitäten keine jüdisch, theologische Fakultät besteht: wir ersehen nur ans dem Endziel des Studiums in den Onclleuiverken, daß 2 9 jüdische Studenten Rabbiner werden wollen. Das Rcchtch'tndium hat gegen 1911/12 sich fast verdoppelt, nur bei den jüdische» Studenten ging cS »l» ein Sechstel zurück, dagegen verringerte sich die Zahl der niedizinisclien Studenten im aUgeineinen um säst ein Drittel, bei dem jüdischen Teil sogar um das T r c i f a eh e, wohl infolge der Warnung vor diesem Studium wegen Neberfüllung. In der philosophischen Fakultät ist im allgemeinen ein Rückgang von fast 55 einem Drittel zu konstatieren: hier bilden die jüdischen Studenten eine- Ausnahme; ihre Zahl ist von 478 auf - 588 von 1911/12 ans 1924/25 gestiegen. Bei den Studentinnen ist in allen Fakultäten die Zahl der Studentinnen in der Vergleichszci! nngestiegen, in der juristischen, nationnlökonomischen fast um das Treißigfacho, bei den Jüdinnen »m das Nennsache; in der Medizin hat sich ihre Zahl säst verdoppelt, bei den jüdischen Studentiiincn blieb ihre Zahl stehen, und in den philosophischen Fächern zählte man 56 Prozent mehr Studierende als 1911/12, ivas auch bei den Jüdinnen zutrifft. - Schließlich teilen wir noch die Zahlen aus den anderen Hochschulen mit. Die Zahl der technischen Hoch schul er hat sich im Jahre 1924/25 im Vergleich zu der Friedcnszcit mehr als verdoppelt, unter über 80 06 Hochschülern bcsinden sich aber nur 286 Juden, 1911/12 gab cS auf ihnen noch keine Siudcntinncn, im lausenden Jahre 80, darunter 7 Jüdinnen. Die Technische Hochschule in Hannover war nur von 17 bis 20 Juden besucht. Ter größte Teil der Hochschüler studierte in Berlin. Jüdische Hörer gab es in den forstlichen Hochschulen überhaupt nicht, aus den landwirtschaftlichen Hochschulen nur 20 bis 40 unter 1200 bis 1400 Studenten, auf den tierärztlichen Hochschulen vier bis sechs unter 880 Hörern, in der Bergakademie ein bis zwei unler^vOO bis 800 Hörern, und schließlich auch nur 200 bis 260 jüdische tetubenten unter rund 1800 bei den Haudelshochschulcu in Berlin und Königsberg. Tr. Julius Rothholz. Vom Talmuö. Von Dr. Bccrmann (Hcilbronii). Ein rechter Landschaftsmaler gibt nicht von dem Stücke Natur, das er darstellen will, Blatt an Blatt oder Stein an Stein mit photographischer Treue, sondern er ringt danach, gleichsam die Seele seines künstlerischen BvrwursS zu uns reden zu lassen: die Wucht der Felsen, die Weite des^ Meeres, die Weihe des Waldes. Ein «rtück vom 'Scelciituin des Talmuds, von dem Geiste und dem Stimmuiigsachalt, der in diesem wichtigen Teiikmnl der jüdischen Religionsgeschichte waltet, soll hier zum Ausdruck gelangen. Wäre der Talmud ein Buch, von einer bestimmtcn Persönlichkeit geschaffen, so wäre cs immerhin leichter, sei» geistiges Gesicht abzukvutcrfcie», als es geschehen kann bei Würdigung der Tatsache, daß der Talmud e i n Archiv ist, an dem Tausende gearbeitet haben, und das fast e i n I a h r t a u s e:: b leidcnschastlichen Ringens um Herausprägung religiöser Eigenart umfaßt. An der Wiege seiner Entwicklung stehen die Pharisäer, jene Virtuosen der »achexilischen jüdischen Frömmigkeit, die, meistens in einer heidnischen Welt mit ihren starken Kiiltnreinflüssen, den Gottcsglaubcn und die Sittlichkcitslehre Israels sichcrsteUen wollten. Sie haben in ihrer religiösen Schöpferkraft die Idee des allgemeinen Priestertums durchgcführt, jedes Haus zu einem Heiligtum, jeden Tisch zu einem Altar geweiht und durch die gesetzliche Regelung alter Lebcnsänßcruiigen starke Linduiigeu geschaffen, die bas Judentum vor Zersetzung und Ncrheidnischmig schützten und eine tiesfromme Gottbezvgeiihcit und ideale Weihe dem ganzen Dasein gaben. Sie haben in den Synagogen und Lchrhänscrn eine bildlvse geistige Gottcsvcrehrung nusgebildet und der Menschheit vermittelt. Ihr Lehrgut hat um 200 nach der übliche» Zcitrcehming Juda, der Heilige, nach den Ilebcrliefcrungcn der palästinischen Hochschulen gesaiumelt und nach sachlichen Gesichtspunkten, etwa Agrargesetze, Ehcgesetzc, F e st g c s e tz e je in einer Ordnung, zusammengestellt, und im S ch a d e n r e ch t sehr bezeichnend auch der Ethik als Sondergcbiet in Form von Kcrnspriichen alter Schulhänptcr ihre Stelle gegeben, während freilich das Ganze von sozialethischen Antrieben durchpulst ist und Arbeiterrecht und Armenpflege besonders markant zur Geltung gelangen. Dieses Sainmclwcrk. M i s ch n n h — das zu Lernende — genannt, wurde nun in den Lehrhäusern Palästinas und Babels nusgelegt, im einzelnen biblisch begründet und mit zahlreichen Sammlungen verglichen, es wurden die leitenden Gesichtspunkte hcrausgcstellt und für die Praxis des Lebens notwendig gewordene Bcstimmungcn getroffen. Diese Erörterungen in Form freier Diskussion mit Abschweifungen aller Art, erbaulichen, geschichtlichen, allgemein-wissenschaftlichen Inhalts wurden in knappem Lapidarstil schriftlich festgehalten, Aus den jahrhundertelang festgesetzten Sammlungen solcher Protokolle über Debatten zu den einzelnen Mischnahstücken entstand die G e in a r a — Erläuterung, In Palästina legte N. I o ch a n a n im dritten Jahrhundert zu einer solchen Protokollsammlung den Grundstein, aus der der j e r u - s a l e m i s ch e Talmud erwuchs. Für Jvchannns Denkart ist ein Prcdigtstück bezeichnend: Als die Aegyptcr auf ihrer Verfolgung der eben befreiten Israeliten im Meere den Tod fanden, wollten die Engel ein Loblied ans den Untergang der Sklavenhalter singen, doch Gott wehrte es ihnen: Meiner Hände Werk sinkt ins Meer und ihr wollet jubeln! t _ Babels Lehrstlmlen haben Nab und Samuel begonnen, das Studium der Mischnah zur Blüte zu bringen und dadurch eine Entwicklung einzulciten. die ctwn im sechsten Jahrhundert zum endgültigen Abschlüsse des b a b y I o führ! ' ■- scho n I m uds gea b, ein Gcbctsdichter von hohem Schwung — „mögen alle Mensche» einen Baud ylstießen, Gottes 'Willen zu tun in Wahrheit" betete er tu» Reuiahrsscite —, Samuel, ein Arzt und Astronom, der als Rechtslehrer den Grundsatz ausstellte: „Das Recht des Staates ist für die Juden verbindlich", 'sollen noch jeder durch einen kleinen Einzelzug charakterisiert werden. Zu Nab kamen Arbeiter, denen beim Transport Weinfässer zerbrachen. Man wollte sich an ihren Kleidern schadlos halten und ihnen die Lohnauszahlung verweigern. Unter Hinweis auf den 4-christvers: „Damit du gehst den Weg der Gütigen und die Pfade der Gerechten beschreitest", veranlaßte Rab den Arbeitgeber zur Entlohnung und zum Verzicht auf «Lchadcuersah. Taumel lehrte, man darf auch einem Heiden gegenüber nicht falschen Anschein wecken, »ud verlangte demgemäß, als ein Jünger einen Fährmann mit einem zum Genuß für Juden ungeeignet gewordenen Huhn entlohnen wollte, daß man diesen Rcbcnuinstand, daß für Inden die Gabe aus ritualen Gründen unbrauchbar geworden sei, dem Nichtjudcn mitteile. So waren es viele Jahrhunderte, in denen der Talmud ward und wuchs. Für sein Wesen blieb alle Zeit von Belang die energische Abwehr alles Heidnischen. Ter Abgötterei sollte ein Damm eiitgegengeworseu werden. Daher sollte alles, was irgendwie mit Vielgötterei zusainmcnhing, der Handel mit Eöttercniblemc», der Besuch der Theater und Zirkusse, letztere auch wegen der in ihnen sich oft darbictenden Szenen der Unzucht und Grausamkeit (Gladiatorengefechtc, Tierkämpfe) den Juden verwehrt sein. Dem Schutze des jüdischen Eingottglaubeus und der Abwehr heidnischer Einflüsse diente das Leben in Gesctzestrcue; diese artete aber nicht in Gesetzesstarrheit aus: Vor Lebensgefahr tritt die Gcbolssorderuug zurück — größer ist die Rücksicht aus daS menschliche Ehrgefühl, als ein Verbot in der Thora. Das Entscheidende blieb die fromme Gesinnung: Es ist etwas Herrlicheres um die Uebcrtretung eines Gesetzes aus edler Gesinnung als. um die Erfüllung eines Gesetzes aus unreiner Gesinumig. In einem so buntbewegte», durch mannigfache Stimmen und Stimmungen durchtöntcn Sprechsaal, wie es der Talnmd ist, wird uns auch hie und da ein Wort begegnen, daS nicht die Höhenlage zudiwer Lebcnsmischauung erreicht. Wie es ungerecht wäre, aus den Kirchenväterschristen alle engherzigen und unduldsamen Amberpngen.ru. sammeln und zu sagen, das ist das Christentum, so gilt das lll<nche dem Talmud gegenüber. Mau hat abeK oft auch Stellen,.aus dem Zusammenhang gerissen und sie in feindlicher Absicht musgebeutet. So wird mitgeteilt: Man habe einmal ein Kind am Msttuge zum Feste geschlachtet. Und damit gilt nun dem Gegner t«r „Rltzial-nord als historisch belegt. In Wirklichkeit steht au der scl-embar verfangliehen Stelle, daß man bei der Unterbringung vonWatsenkmdcrn Vorsicht walten lassen soll, weil einmal Pflegeeltern, um ein Kind zu beerben, es ermordet herben, und zwar vor dem Feste, weil dann bei der Bestattung keine große Beteiligung zu befürchten war, und das Verbrechen also leichter unentdeckt bleiben könnte. - In dunkeln Zeiten der Bersolgimg war der Talmud ein Heilsborn, der den Geist frisch und klar erhielt und die Seelen davor schützte, in Tiefen des Hasses und der Rache zu versinken. Der Talmud hat nicht n«r im Einklang mit der Bibel die Einheit des Menschengeschlechtes gelehrt, als Kastengeist und Feindschaft die Völker zerklüftete, sondern auch das herrliche Wort gepredigt: „Laßt euch kränken/ kränkt nicht wieder, hört euren Schimpf und.erwidert nichts, tut alles aus Liebe, bleibt unter Schmerzen fröhlich, dann seid ihr Gottesfrcunde und strahlend wie die Sonne, wenn fie auf», geht in ihrer Pracht/

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