Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 1926
- Issue
- Heft 7 (Juli 1926)
- Date
- 1926-07-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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54 Rückgang -er jüdischen Studierenden Preußens. Hauptgrund: Der wirtschaftliche Zusammenbruch des jüdischen Mittelstandes. Einen besonders lehrreichen Aufschluß über den Besuch der Preußischen Hochschulen durch Juden und Jüdinnen und daraus folgernd über die wirtschaftliche Lage des Judentums vor und nach dem Kriege gibt das Quellenwerk des Preußischen Statistischen Landesamtes mit seinem interessanten, ergiebigen Zahlenmaterial. Vor dem Kriege erschien das letzte Heft im Studicnhalbjahr 1911/12. Erst, nachdem in Deutschland die Stabilisierung unserer Währung festen Fuß gefaßt hat, veröffentlicht die amtliche preußische Statistik; in den Bünden 279 und 281 ihres Quellenwrrkes die ersten Hoch- .schulstatistiken nach dem Kriege. Die Aufmachung und Anordnung der Daten ist eine andere als früher, aber um zu Aergleichszahlen zu kominen, laßen wir es bei der alten Bierzahl von Fakultäten, theologische, juristische, medizinische und phisosophische Fakultät, bestehen, trotzdem in der Neuzeit auf einer ganzen Reihe von Universitäten eine Teilung der Fakultäten, be» sonders bei der philosophischen, vorgenommen wurde. Unseren Betrachtungen wollen >vir aber zum besseren Verständnis einige Zusammenstellungen vorausschicken, welche die Auswirkungen des Weltkrieges auf Preußen zum Gegenstände haben. Preußen hat ein Gebiet von 5 bis 6 Millionen Hektar Fläche abgetreten, in dem fast 1% Millionen Evangelische, über 3 Millionen Katholiken und fast 50 000 Juden wohnten. Aber während die früheren Deutschen evangelischer und jüdischer Konfession aus den abgetretenen Gebieten größtenteils nach Preußen übersiedelten, verblieben die Katholiken, die meist polnischer Nationalität waren, in ihren alten Wohnsitzen, und die natürliche Folge davon wird eine prozentuale Verschiebung zugunsten der evangelischen Bevölkerung in Preußen sein. Trotz der grosunr Gebietsverluste, trotz der erheblichen Menschenverluste auf den Schlachtfeldern hat Preußen, nach den Ergebnissen der Volkszählung von 1925, die wir folgen lassen, an Einwohnern nicht verloren. Die Einwohnerzahlen Preußens. darunter Jahr männlich weiblich zusammen Juden v. H. 1910 17 603141 17 969 701 35 572 842 370 348 1.04 1925 18 476315 19 668 255 38 144 570 4 0 0 0 00 1,04 Danach ist die Bevölkerungszahl des größten Freistaates Deutsch. ■ lands von 1910 bis 1925 fast um 3 Millionen gewachsen oder prozentual uni 8 Prozent, die Frauen fast um 2'Millionen, die Männer um noch nicht eine Million. Wie sich die Bevölkerung auf die einzelnen Konfessionen verteilt, darüber sind die Feststellungs- Ziffern der letzten Volkszählung noch nicht veröffentlicht worden aber wir können annehmen, daß infolge der schon ausemandergesektcn Verhältnisse die Evangelischen stärker zugenommen haben als'die Katholiken und der jüdische Teil der Einwohnerschaft entsprechend dem Durchschnitt der ganzen Bevölkerung gestiegen ist so daß wir i n P r e u ß e n m i t r u n d 400 000 I ü d e n a eq e n über 370 348 im Jahre 1910 rechnen können. Auch die Frequenz der preußischen Universitäten hat sich, wie die Statistik lehrt, trotz des Krieges im wesentlichen nicht geändert. Die Gesamtzahl der an den preußischen Universitäten rmmatrikulierten Studierenden betrugim Sommersemcster 1925 27 747 Studenten und 3639 Studentinnen, gegen 26 526 männliche und 3475 weibliche im Wintersemester von 1924/25, während nach den Ergebnissen der letzten Auszählung vor dem Kriege im Wintersemester 1911/12 Studenten 26 550 und Studentinnen 1896 gezählt wurden. Die Zahl der männlichen Studenten ist also, wenn man die Zahlen von heute mit denen der Bvrkriegszeit vergleicht, ziemlich stationär geblieben, während die der weiblichen Studierenden fast auf das Doppelte gestiegen ist. Nicht so gleichmäßig verläuft aber die Entwicklung, wenn wir die Konfession der Studenten in Betracht ziehen, dann treten kleinere oder größere Disscrenzcn aus, wie folgende Zahlenreihen beweisen. Die S/ dentenschaft in den Jahren 191: ch Konfession Evangelisch , Katholisch , Jüdisch , Sonstige - , Evangelisch, Katholisch , Jüdisch . Sonstige , i ßvmnmscmester Zusammen h) Frauer Zusammen . 1658 Lommersemeste« Danach haben sich die Zahlenverhältniffe zugunsten der Kathö, liken verschoben, trotzdem, wie wir schon auseinandergesetzt haberu infolge Abtretung der Ostgebiete an Polen ihre Anteile in PreußeP-» abgenominen Ipwcii werden. Die evangelischen Studenten Habens sich auf der Höhe der Friedcnszeiten gehalten, dagegen treten bei de»W jüdischen Studenten wesentliche Beränderungen4 ein, die man nicht unbachtet lassen darf. Ihre VvrkricgSzalll w im Sommersemcster 1911 ist von 2003 auf 1336 (1925) ge, r fallen, fast uui 40 Prozent und ähnlich liegen die Verhältnisse, it» wenn man die Vergleichszahlkn der Wintersemester von 1911/12 W und 1924/25 heranzieht. Auch bei den Studentinnen zeigt sich eine 11 entsprechende Entwicklung: während die Zahl der katho-^Z l i s ch e n Studentinnen sich s a st vervierfacht h a t. % betrügt bei den evangelischen der Ausstieg noch H n i ch t 9 0 P r o z e n t u n d g e h t beiden Jüdinnen sogar r aus 70 Prozent herunter. Diese sehr beachtliche Ersehetuung läßt sich hauptsächlich daraus erklären, daß der jüdische " Mittelstand verarmt ist und sich infolge seiner Verarmung die Kosten eines akademischen Studiums nicht mehr leisten kann, denn die Konzentrierung der ° Juden in großen Städten hat noch weiter zligenomiilen, und die Möglichkeit des Uiiiversitälsbesuches für die - jüdische Jugend wäre dadurch in erweitertem Maße vorhanden, wenn - nicht die pekuniären Mittel versiegt ivären. Auch der Einwand, daß die Zahl der ReichSausländer an den preußischen Uuiversitäle» zurückgcgangen lind daraus die verringerte Zahl der jüdischen Studierenden sich erklären ließe, kann nicht verfangen, wie folgende Ergebnisse lehren: ReichSausländer unter den Studenten aus den preußischen Universitäten. Sommersemester 1911 , Sommersemcster 1925 . Gesamtzahl der davon darunter Studierenden Misch Ausländer Mesch . 25 843 2003 1862 729 . . 27 747 133 6 2069? Sommersemester 1911 , , 1658 207 160 60 Sommersemester 1925 , , 3 639 3 4 0 271? Daraus ist ersichtlich, daß die Zahl der Neichsausländer, welch« die preußischen Universitäten besuchten, weder absolut noch relativ abgenommen hat, und bei den antisemitischen Strömungen, die in manchen Randländern, die Deutschland bzw. Preußen umgeben, herrschen, und sogar zu dem uumeruo elausus für Juden führten, dürfte auch ein Rückgang der ReichSausländer jüdischer Konsesiion nicht wahrscheinlich sein. Leider bringt aber das preußische Quellenmaterial nach dem Kriege darüber kein Zahlennmterial. so daß wir uns mit Analogieschlüssen behelfen müssen; und diese führen uns zu dem Ergebnis, daß von dem Rückgang deS jüdischen Studenteniums vorzüglich die deutsche Juden schuft betroffen wrrd. Im Anschluß an die Gesamtzahlen bringen wir die Dcsuchsziffern der einzelnen Preußischen Universitüteil, beschränken uns aber aus die Wiedergabe der Durchschnittszahlen für die Studienjahre 191M2 und 1924/25. Mittlere Frequenz der pretißischen lliriversi» täten während der Studienjahre a) männlich b) weiblich 1. Berlin. 7 611 2. Sonn. 31.50 4. ^rcmlsur! a.M. —^ 6. ©reiiälUQli) ... 1050 In den abgetretenen Gebieten lag keine preußische llniversität, deshalb sind in Preußen nicht nur die zehn alten Universitäten erhalten geblieben, sondern, wie die Uebersicht zeigt, sind zu diesen seit 1911/12 die beiden neuen Universitäten Frankfurt a. M. und Köln mit einer starken Zuhörerschaft hinzugckommcn, die den Besuch der alten Hochschulen verringerte. In Berlin senkte sich die Zahl der Studenten von 1911/12 bis 1924/25 fast um ein Fünftel, m B o n n, das unter der Konkurrenz von K v l n besonders litt, sogar um 40 Prozent, wahrend Kiel, Münster und Königsberg sich fast auf Friedenshöhe hielten. Bei den j ü d i« sche,n Studenten, deren absolute Zahl bedeutend herunterging, erhöhen sich noch die Differenzen in verstärktem Maße, zumal Frankfurt a. M- und Köln im Studienjahr 1924/25 größere jüdische Anteile auszuwcisen hatten. In Greifswald z. Bging die jüdische Studentenschaft auf einen zurück gegen 14 im Jahre 1911/12, in Halle von 120 aus 37. rn Kiel von 35 auf 17, in Güttingen von 47 , auf 25, und selbst in Berlin verringerte sich *'" : ZahlderjüdischenStudentenv°n1272aus74S. c von 4 7 ich die J 49, alfa.J