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Central-Verein-Zeitung · 1926-07-01 · Heft 7 (Juli 1926) · page 3

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
1926
Issue
Heft 7 (Juli 1926)
Date
1926-07-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
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51 Igroße Nähe schließen, aus der der Schuß abgegeben ist. Der Schuß sitzt direkt über dem Herzen. Er hat einwandfrei ausgesagt, daß ein Nationalsozialist der Täter sei, und damit die Behauptungen der Rechtspresse, vor allem Artur D i n t e r s, haß ein Kommunist der Täter sei, widerlegt. Das beste Beweisdvkument für die „deutschen Taten", die die Hitler-Leute in Weimar sich leisteten, ist ein Beschluß, den der Magistrat in Empörung über die nachweisbaren Beleidigungen der Bürgerschaft, des Stadtrats, des Bürgermeisters 5. und der städtischen Polizei am 5. Juli angenommen hat. und z der am 8. Juli an allen Anschlagsäulen Weimars angeschlagen war. Dieser Beschluß, der mit 15 Stimmen gegen nur drei Stimmen bei sechs Enthaltungen — zu diesen gehörte der einzige nationalsozialistische Vertreter, Buchhändler Fink — angenommen wurde, heißt: „Zum zweiten Male hat Der Parteitag Der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei in Weimar getagt, nnv wieverun» haben Angehörige Vieser Partei sich unerhörte Uebergrisfe nnv Gewalttätigkeiten gegen frieDliebende Bürger und auch gegen unsere Durchaus korrekte Polizei herarrsgeriommen. Die Uebergrisfe und Gewalttätigkeiten in Worte» nnv Taten stnD so zahlreich gewesen. Das; sie einen Entrüstungssturm beim überwiegenden Teil der Bürgerschaft hervorgerufen haben, nnv Diese das Verlangen geltenv macht, die Stavtverwaltung möge vieserhalb bei Der Lanvesregiernng vorstellig werven. Der Stadtrat von Weimar sieht keine andere Möglichkeit, nachvem er sich bereits in seiner Sitzung vorn 11. September 1824 gegen Die Ausschreitungen Der Nationalsozialisten wenven mnszte, als Den StaDtvirektor zu beauftragen, bei Der thüringischen Regierung vorstellig zu werden nnv Diese zu ersuchen, Der Nationalsozialistischen Arbeiterpartei in Zukunft die Abhaltung von Parteitagen in Weimar zu verbieten. Der Stadtrat ist der Ansicht, Daß durch Abhalten solcher Tagungen mit solchen Auswirkungen Das Kulturnivean Weimars anszerorDentlich sinken mutz, was weiter eine schwere Schädigung nnserer Geschäftswelt nach sich zieht." Diese Erklärung bedeutet den besten Abschluß des Berichtes. Derpapstüber-enIuöenhaß Laut einer Meldung der „Wiener Morgenzeitung" hat der Papst in diesen Tagen Monsignore van Aseldonk, den Gründer der katholischen „Gefellschaft der Freunde Israels" in Audienz empfangen. Der Papst erklärte, daß er den K a m p f gegen den Antisemitismus, die in den katholischen Ländern gefährlich angewachsene Bewegung, unterstütze. Er sagte wörtlich: „Es ist g eg e n bn§ katholische Prinzip. bie Juden zu verfolgen. Die Juden sind ein göttliches Volk, obwohl ihre höhere Intelligenz zu rationalistisch ist." Der Papst erinnerte dann, daß er seinerzeit bei dem Rabbiner P a n a Hebräisch gelernt hatte und daß er wahrend seiner Anwesenheit in. Polen mehrmals jüdische Synagogen besucht hat. Er schloß seine Rede mit den Worten: „Ich und einige Kardinale s i n d I n d e n f r e u n d e und wir unterstützen die Gesellschaft der Freunde Israels und den Kampf gegen den Antisemitismus." ‘ Von a nges e h e n e r katholischer Seite wird uns .dazu geschrieben: Vor kurzem las man in den Zeitungen die Nachricht von der Gründung der „Amici d’Israele" in Rom, einer Bereinigung angesehener katholischer Geistlichen und Laien, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, den nnchristlichen modernen Antisemitismus zu bekämpfen und Katholiken und Juden einander näher zu bringen. Nein kommt die Meldung, daß der Heilige Vater den Präsidenten der Vereinigung empfing, die Bestrebungen derselben lobte und sich selbst sowie einige Kardinale als Freund der Juden bezeichnest. Eine Bestätigung dieser Meldung muß natürlich abgewartet werden. Aber wenn sie sich auch nicht in allen Teilen als zutreffend erweisen sollte, so dürste sie doch die in den maßgebenden vatikanischen Kreisen vorherrschende Gesinnung wiedergcbcn. Sie entspricht auch vollkommen der konzilianten Art des regierenden Papstes, Pius XI., der übrigens als guter Kenner der hebräischen Sprache gilt; er hatte in Polen wiederholt Gelegenheit, mit jüdischen Kreisen Fühlung zu nehmen. Auch sein mittelbarer Vorgänger Pius X. hat sich gegen den Antisemitismus entschieden ausgesprochen. Bekannt ist das angenehme Verhältnis, welches in Deutschland zwischen amtlichen katholischkirchlichen Stellen und dem Judentum besteht. '' Die Einstellung der Zentralleitung der Kirche und der katholischen Welt im allgemeinen zum Judentum beruht auf Momenten vorwiegend religiöser Art: Wir Katholiken sehen in unseren jüdischen Mitbürgern Nachkommen des Volkes .Gottes, wir achten ihren Sinn für Tradition und ihre religiöse Orientierung, die gegen den Atheisinus und die kulturkämpferischeu Tendenzen einflußreicher Elemente im Antisemitismus vorteilhaft absticht; wir empfinden den engen Nationalismus-, der dem modernen Antisemitismus vielfach zugrunde liegt, als etwas Unkatholisches, und wir wissen, daß die Leidensgeschichte der Juden manche ausfallende Parallele mit unserer Leidensgeschichte anstveist. Darum findet der heutige Antiicmitiömuy unter Katholiken und in katholischen Ländern — von vorübergehenden Erscheinungen abgesehen — keinen rechten Nährboden. Darum auch entsprechen die Worte, die von Pius XI. berichtet werden, der im Katholizismus, besonders in dessen führenden Kreisen, vorwiegenden Einstellung zmn Jndmtmn. Dr. thcol. Carl Maria Kaufmann. der Haß gegen öre Religion. So arbeitet Der „jüdische" Bolschewismus. Der Haß des Bolschewismus gegen alles, was Religion heißt, liegt in seiner Natur begründet. Er würde seine eigene Auflösung fördern, wenn er das Volk dem Einflüsse kirchlicher Glaubenslehren überließe. Der Bolschewismus macht hierbei keine Ausnahmen, so unangenehm es auch den Verfechtern der Idee einer inneren Verbundenheit von BvlschciviSinns und Judentum sei,, mag. soweit die jüdische Religion in Frage kommt. In diesen Blättern ist schon wiederholt, vornehmlich im Zusmainenhang mit den sogenannten C h e d e r p r o z e ss e n in Charkow, auf diese Erscheinung hingewiescn worden. In jüngster Zeit hat das Zcntralorgan für das orthodoxe Judentum, „Der Israeli t", Gelegenheit genommen (Rr. 28 vom 8. Juli 1926), sich mit der traurigen Lage der jüdischen Religion in Rußland zu beschäftigen. Wir lesen dort: „Sehen wir zunächst für einen Augenblick von unseren religiösen Aspirationen ab und betrachten wir die Leistungen der großen Bolksbeglückcr für das, Inas sie selbst, die Männer Wie Priluhki, „Kultur" nennen, Ter ganze Büchcrvcrtricb in Rußland -ist monopolisiert, liegt in der Hand von beamteten Wächtern des .Knltnrniveaus und des literarischen Geschmackes des Volkes. Das Niveau wird wie mit einer Sprungfeder nach Bedarf hinauf, oder hinnntcrgeschrnubt, der Geschmack gezüchtet unter dem Gesichtspunkte der Staatsraison. In den letzten acht Jahren durfteaver . kein ei nz i ges hebräisches Buch, egal welcher Art, ili Rußland erscheinen, ebenso ist die Einfuhr von hebräischen Büchern und Zeitschriften strengstens verboten. Das Volk des Buches sott dem Buche, seiner Lebensquelle, entzogen werden. Dabei zeigt sich die Sowjctrcgicrung rech! entgegenkommend gegen die sogenannten Kulturbedürsmsse der anderen Minoritäten. In tatarischem, in ukrainischem und allen anderen Idiomen von zu in größten Teile analphabetischen Böllern erscheinen Bücher und Zeitungen, die sich der weitestgehenden Unterstützung der Regierung erfreuen. Der ukrainischen Judenheit ist von der Kicwer Regierung zur Pflicht gemacht, die ukrainische Presse zu unterstützen. Das Zcitungs- und Schristenvorbot für Hebräisch besteht nach wie vor, trotz mancher Vers uche zur Abschaffung oder Milderung. Alle Bibliotheken, des früheren „Vereins zur Verbreitung von Bildung unter den Juden in Rußland" sind von der Regierung beschlagnahmt, die Bücher schlummern in -den

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