Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 1926
- Issue
- Heft 6 (Juni 1926)
- Date
- 1926-06-01
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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42.. unerbittlich, nnd sollte dieses Predigest zehn Jahre lang dauern. Noch haben wenige diese Forderung in ihre« ganzen Schärfe erkannt, noch steht das sentimentalische Gefasel von Berbrtidernng und Einigung durch alle möglichen und unmöglichen Arten von Geist in voller Blüte. Zum Henker damit oder in die Parlamente, wo das an» Platze fein mag. Es gibt in der endlichen Welt keine Verbrüderung von Gegensätzen, cs gibt nichts als Kampf. Die nationalistische Revolution braucht keine Predige« von Ruhe und Ordnung, sie braucht Verkünder dcö Satzes: „Der Herr wird über euch kommen niit der Schärfe des Schwerts!" Tie soll den Namen der Revolution von jene« Lächerlichkeit befreien, mit der er in Deutschland seit fast 100 Jahren behaftet ist. Im grasten Kriege hat sich ein neuer gefährlicher Menschenschlag entwickelt, bringen wt« diesen Schlag znr Aktion! . . . (Von uns fett gesetzt. Die Schriftleitung.) Alle Hochachtung! Solche Sprache und solche Woge waren wir bisher von dieser Seite nicht gewohnt. Solche ©ebnnifemjomje, solche Sähe entsprechen fast genau den F o r d e r u n g e n und G r u n d s ä I; e u des Bvls ch c - wismus. Ja, sie würden einem Nihilisten wie B a k u u i n alle Ehre machen. Nevolutionsluft weht durch die „Standarie". Hans Schwarz, der Poet, schreit hinaus: „Fort mit dem Schacher nnd her mit dem Recht, Feinde sind Feinde, und Knecht ist Knecht! Arbeit ist Herzblut und wird nicht verschenkt! Volksvcrräter, wer anders denkt! Revolution! Trommler, wirble mit jedem Schritt: Revolution! Die Maste «nutz mit! Trommle die Strotzen so lang wie breit, Schlage'den Takt, bis die Menge schreit: Revolution! . . ." „Dcr Tag" nicht sehen wollen, welche gefährlichen Bahnen hier begangen werden und lediglich die „S ta n>da rke" als einen Bundesgenossen in der nationalen Ausklärung bewillkommnen? Wir wißen keine Antwort aus diese Fragen, aber das eine wissen wir: Wer heute in Deutschland die Revolution systematisch nach dem Borbilde eines Lenin nnd nach den Lehren eines Bakunin fordert und fördert; wer dadurch glaubt, ein neues Deutschland und gar auf nationaler Grundlage errichten zu können, dem ist nicht zu raten nnd nicht zu Helsen. Das neue Deutschland kann groß und mächtig werden, >venn alle Kräfte, der Kaufmann und der Fabrikant, der Arbeiter und >der Bauer, der Studierte und der Unstudierte, jedweder politischen Partei, jedweder Religion sich znsammenfinden in den: Willen, uneigennützig Volk und Vaterland in stiller und zäher Arbeit zu dienen, sich gegenseitig zu achten und das Wort national nicht durch politischen Mißbrauch entwerten zu lassen. Das; diese tiefe Sehnsucht in allen einsichtigen Teilen des deutschen Volkes blühend lebt, erweist das Stichen und Mühen, eine neue Reichsfahne der Einigung herzu stellen. i Wer B ürge rk ri eg wünscht, wer den Kameraden von draußen und wer den Volksgenossen als Todfeind mit Feuer nnd Schwert angreifen und vernichten will, wem noch näht genug deutsche Leben getötet, deutsche Familien in Elend nnd Unheil gestürzt sind, der schreie nur laut nach der neuen Revolution. Das den tsche Volk wird diesem ein gerechter, aber sehr, sehr strenger Richter sein. Der Zusammenschluß. Ist nicht dagegen Georg Herweghs Vers; „Mann der Arbeit aufgcwachi! Und erkenne deine Macht! A l l e R ä d e r st e h e n st i 11, wenn dein starker Arm es w i I l!"• stur süße Limonade; denn er legt dem Arbeiter nur nahe, keine Macht in der Wirtschaft für sich einzusetzen. Die neuen Nationalisten aber fordern Revolution, bei der „kein Stein auf dein anderen bleiben soll". lieber das Programm des neuen ans den Trümmern des alten Deutschlands errichteten Staates hier sich zu unterhalten, ist nicht der Platz. Der Feind steht für die Nationalisteit links, von den Demokraten an gerechnet, die sie besonders aufs Korn genommen haben. Jedenfalls erblühen ihren Feinden nette Aussichten. Von der großen Abrechnung, voir Andte-Wand-Stellen und dergleichen moralischen Haudlungeu wird gern und offen gesprochen. Uns jüdische Deutsche behandeln sie sozusagen nur im Feuilleton. An grundsätzlichen Aufsätzen über die Judenfrage fehlt es vorläufig. Aber hinten wird unserer in bissigen Randbemerkungen und schon etwas abgebrauchten Wortprägungen wie „rassenmäßig begründeter Kenntnis" „blutmäßigen Bindungen", „lälmudisch weisem Rat", „rassischvölkischer Eigenart" verständnisvoll gedacht. Und der berüchtigte 8 13 der „Notverfassung, der „das gesamte bewegliche und unbewegliche Vermögen der in Deutschland aufhältlichen Angehörigen des jüdischen Volkstums beschlagnahm t", wird, wie die „Notverfassung" überhaupt im großen und ganzen, „für durchaus notwendig gehalten". Woraus will das alles hinaus? Ist es nur rein zufällig, daß im „T a g, dem Organ der Deutschnationalen Bolkspartei (Nr. 29 vom 30. Mai 1926), Herr v. Me dem feststellt, die Verhältnisse wevden in den politischen Parteien immer verworrener, und rechts und links formieren, sich die Massen der Verbände. Je weniger es ersichtlich sei, wie die politischen Parteien der aufgepcitschten Volksleidenschaften Herr bleiben sollen, um so stärker ballen sich die Ogani tati onen der graue n Windjackenträger zusammen. Ja, wörtlich heißt es: „Man kann es .nicht mehr übersehen, daß sich hier Kreise bilden, die eines Tages für den B e st a n d des Staates entscheidend werden können." Ist es nur zufällig, daß die so überlegte Stahlhelmleitung den Herausgeber ihrer Wochenzeitung diese wilden Pläne gutheißen läßt? Ist es zufällig, .' daß die „Deutsche Tageszeitung", die „Deutsche ZeÄuntz^,- Eine neue politische Monatsschrift. „Zur Pflege der deutschen Eintracht" geben Friedrich Thimme, der konscrvntive Publizist und Archivar deS Preußischen Landtages, und Eduard Hemmerle, Zentrumspolitiker und Kandidat für den Posten des Staatssekretärs in der Reichskanzlei, eine neue Zeitschrift heraus, die sie „Z n s a m m e n - s ch l u ß" nennen. Aus den: Vorwort der Herausgeber mögen folgende Sähe ihres überaus billigen swcrtcn Inhalts wegen hier Abdruck finden: „Wir wollen in unserer Monatsschrift eine Arena bieten für die sachliche' und vornehme Austragung innerer Gegensätze und Meinungsverschiedenheiten aus allen Gebieten . . . Die vornehmste Sorge der Herausgeber wird sein, alle Richtungen gleichmäßig unter der Voraussetzung, daß die sachliche Form gewahrt wird, zu Worte kommen zu lassen . . . hassen wir ein Vorbild zu schassen für die Art, wie geistige und politische Kämpfe auszutragen sind, in innerer Freiheit von Schlagwvrtern jeder Art, in Achtung vor fremder lleberzeugung, in ernster Würdigung der Motive des Gegners, in ritterlicher, stets den Volksgenossen ehrender Kainpsform. Wer immer bereit ist, io diesem Sinne zu helfen, daß Brücke» geschlagen werden zwischen den Parteien, den Ständen, den Konfessionen und sonstigen Gruppen im deutschen Volke, ohne datz der Neberzeugung dcr einzelnen zu nahe getreten wird, der sei «ns willkommen. Unser Ruf geht an alle Parteien, an alle Richtungen im deutschen Volke ohne Ausnahme: Helft den inneren deutschen Hader bekämpfen, helft den deutsche» Frieden ausrichten ..." Das reichhaltige Heft enthält unter anderem Aussätze von R a d e» macher „Die Tragik der Wahrheit", Minister Dr. Brauns „Zur sozialen Verständigung", Dr. Eduard Hemmerle „Parteien und Parlamentarismus", Baumgarten „lieber Notwendigkeit und praktische Bedingungen des konsessiouellen Friedens", Oberst Schwerdtfeger „Der Kamps mn den .Dolchstoß'".. Dr. Luther, der zur Zeit der Herausgabe des 1. Heftes noch Reichskanzler war, gibt dem Unternehmen ein Geleitwort mit, das folgendermaßen schließt: „Ich wünsche den Herausgebern zu ihrem neuen literarischen Unternehmen, zu ihrem Kamps für die innere Geschlossenheit des deutschen Volkes, die wir heute nötiger brauchen denn je, von Herzen Glück. Möge ihrem Wirken Erfolg beschiedcn sein!" Wir können die Wünsche Dr. Luthers aufs herzlichste von uns aus unterschreiben. Denn dcr „Zusammenschluß" will ja das erstreben, was auch wir in unserer vaterländischen Arbeit zu erreichen