Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 1926
- Issue
- Heft 6 (Juni 1926)
- Date
- 1926-06-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Nonatsausgabe Juni enfrat 1mm PMtzr jWitenifctilnml Dryaooes StaatsdüraeriiWiscden Vlavv unSIuverUum ^IlgsmsIsiS dss Judentums - Oie Standarte / non ot. /nrten toienec Wer heute anbetet, Iva? er gestern verbrannt hat, wirb wicht gerade als vorbildlicher Politischer Charakter in den politischen Handbüchern gefeiert werden. Wer hellte ein Jahrzehnt auf die Inden Donner lind Doria herabgelvünscht hat und im elften Jahre seinen „lieben Brüdern" gerührt an die Brust sinkt und nicht gegen sie, sondern mit ihnen „sein Jahrhundert in die Schranken" fordern lvitt — grosses Vertrauen unter vornehm denkenden Zeitgenossen wird ihm nicht erblühen. Die „jüdischen Svlvjetbanditcn", meist jedoch slawischen Geblüts oder dein Jndentnm feindlich und scharfe Verfolger der jüdischen Religion, werden täglich in der völkischen Presse und in den Bersammlnngen als Ausgeburt der Hölle gemalt. Die Sowjetrepublik und ihr Entstehen in Blut und Tränen soll — so will es völkischer Aberwitz — den heimlichen, unheimlichen Machenschaften der „Weisen von Zion" zu danken sein. Konnte die völkische Losung für alle Ewigkeiten anders lauten als G i f t ri n d V e r d e r b e n d i e s e m Stnatsgebilde? Die politische Welt staunte, als Graf Reventlow, heute einer der Führer der völkischen Belvegnng, der Leiter der „grossen Politik", vor wenigen Jahren dem deutschen Volke anriet, sich schleunigst mit den russische n H e e r e n zu verbünden und siegreich Polen zu schlagen. Das war zur Zeit, wo Rußland das polnische Heer aufs Haupt zu treffen schien. Die politische Welt erstaunte wiederum, als Graf Reventlow damals an keiner anderen Stelle als in der „Roten Fahne" den deutschen Kommunisten Gastvorlesungen hielt. Jetzt wird ein Aufsatz Artur M ah ran ns, des Hochmeisters des Jungdentschen Ordens, im Märzhest der jungdentschen Monatsschrift „Der Meister" zu tvenig beachtet. Mahrann, ersichtlich im Besitze besonderer Kenntnisse, setzt sich dariic mit dem ileuen dentschen und, was das Entscheidende ist, nationalvölkischen Protz o l s ch e w i s m l> s auseinander. „Prvbolschewi steu," schreibt Mahrann, „sind diejenigen D e li t s ch e n, die innerhalb der nationalen Belvegnng von der Theorie ein gefangen w o r d e n sind, daß das b o l s ch e >v i st i f ch e Russland ein Machtfaktvr ist und als solcher ein n e n n e n s >v e r t e r B u n d e s g e n o s s e im Freiheitskgmpfe des deutschen Volkes sein kann.. ." Wir wissen, das; diese Belvegnng keineswegs neu ist oder der letzten Zeit enstanmit, sondern daß schon in früheren Jahren — die amtlichen Berichte über den Küstriner Putsch enthielten die Bezeichnung N a t i o n a lb o I schein i st e n und N a t i o n a l k o m m u n i st e n, und auch des bekannten Obersten Bauer Rnßland-Bnch ist dafür bezeichnend — diese stürmische Liebe zu dem sonst vermaledeiten Bolschewismus in gewissen völkischen Kreisen uneingeschränktes Hausrecht besaß. Daß Mahrann bei der Schilderung der angeblich probolschewistischen Organisation als Nährvater keinen anderen als den in den letzten Wochen genannten Oberst Nicolai, den früheren Chef des richtendienstes im Großen Generalstab, offen anspri" daß er weiter Nicolai in Verbindung mit der Hngenberg» Zentrale bringt, sei beiläufig erwähnt. Reventlow ist schließlich nicht die völkische Bewegung, Nicolai nicht das nationale Deutschland. Sie mögen vielleicht nur aus taktischen Gründen mit Bruder Nuß' durch dick und dünn in der listigen Zuversicht gehen, ihm, hat er seine Schuldigkeit getan, den dankbaren Fnßdcitt zu verabreichen. Weit bemerkenswerter scheint, daß in den letzten Wochen sich eine Gruppe des „neuen Nationalismus", um die Wochenschrift „Standarte" geschart, der deutschen Welt vorstellt, die nicht etwa die Taktik, sondern wesentliche Teile des k o m m u n i st i s ch e n Prinz i p s als Grundsteine für den Alifbau des neuen „nationalen Deutschland" in feurigen Worten, Schriftsteller und Dichter in trautem Vereine, empfiehlt. Und cs sind keine Gevatter Schneider und Handschuhmacher! es sind keine xbeliebigen Meyer, Schulze und Lehmann. Da ist W i l h c l m K l e i n a n, der H a n p t s ch r i f t l e i t e r d e r S t a h l h e l m z e i t u n g, dabei, E r n st I ü n g e r und F r a n z S ch a u w e ck e r, die schon früher ständig am „Stahlhelm" mitgearbeitet haben, und Helmut Franke, der vor wenigen Jahren noch im „Grcuzbvtm" die sozialistische Feder führte. Kauipfsprühcnde Gedichte, flott geschriebene Aussätze, die kein Blatt vor den Mund nehmen, beschert uns allwöchentlich die „Standarte. Mit einer tollkühnen Ausrichtigkeit setzt Ernst Jünger wörtlich das Folgende hin („Standarte", Heft 8 vom 20. Mai 1926): „. . . Der formale Bestand der Vergangenheit ist abgeschlossen, seine Pflege kann den Spießbürgern einerseits und den Müttern vom Schlage der „Weltbühue" anderseits ttberlasseu werden. Die erste, selbstverständliche Pflicht des Nationalismus ist es, diesem auf einer lmtcrgcorducten Ebene liegenden Kampfplatz ohne jedes Ressentiment den Rücken zu kehren. Seine Ausgabe ist eS viel- : mehr, mit allen Mitteln den Kampf gegen den augenblicklichen Bestand zli rüsten, der durchaus der Bestand von 1919 mit einigen für den Spießbürger berechneten Verschönerungen der Fassade ist. Hier darf kein Stein ans dein anderen bleiben. ... Revolution! Revolution! Das ist es, was unaufhörlich gepredigt werde» „ins;, gehässig, systematisch. Aus dem Suhaltr Die Standarte. Äon Dr. Alfred Wiener. Ausnutzung der Arbeitslosigkeit. Äon Dr. Erik Noelting (Frankfurt a. M.). Lieber althebräische Poesie. Von Geheimrat Eduard König (Bonn).