Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 1926
- Issue
- Heft 5 (Mai 1926)
- Date
- 1926-05-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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mit dein praktischen Zweck, zn festem Gotivrrlrancii jpi mahnen. Die Geschick tsbücher, mit ewigen Lapidarstil geschrieben, zeigen, daß die Sünde die Völker elend macht. Makkabäer und Judith sind wiederum ein überzeugendes Bild festen Gottvertrauens im Leben des einzelnen. In überaus klaren und einfachen Begriffen gehen die prophetischen Bücher ans das Handeln gegenüber (Sott, dem Nächste» und sich selbst ein. Das Blich Job crscheilit als die tiefsinnigste Dichtung aller Zeiten, wobei in erster Linie nicht die rechte Einstellung zum Leiden, als vielmehr der rechte Gvttesbcgriss gelehrt'werden so». Auch in diesem Bnckic ivird ausgesprochen, daß dem Menschen in ollcit Lagen nichts anderes übrig bleibe, als sich Gott, dem sorgende» Vater, in die Arine zn lvcrscn. Aller Weisheit Schluß sei der Klaube. Die Sprnüsdichtnngm Snlomotz geben eine praktische Sittrnlehre ans religiöser Grundlage. Das Buch Iesn Sirach sei ein Handbuch guten Benchnlens in allen Lagen. Höchste Lebenskunst sei, fromm zu leben. Das Buch Jesu Sirach sei gewisserinaßen der Katechismus unter den alttestmnentlichen Büchrn. Esthcr, Judith und Daniel sprechen srendig von Gottes Hilse in nationaler Drangsal. Immer kmnmt nach kurzer Notzeit die Wende, eine Wahrheit, die heute noch gilt. Ter Höhepunkt des nlttestamenllichen Schristlums sind die Bücher der Propheten, die sich bis zur höchsten Stufe der Gvttnuschauung erheben, aber nur, mn ihren Mitmenschen Lehrer und Führer zu sein. Nicht mnsviist haben sie gearbeitet; nach dem Exil gab es leinen Abfall mehr. Tie Einzclschristcn silid typisch und für alle Zeiten von Bedeutung. Sie tragen alle lehrhaften Charakter. Immer steckt hinter den merkwürdigsten Forderungen ein wertvoller, tiefer Sinn. Kein Buch dringt in das Lebenso lies ein wie das Alte Testament, und keines zeigt uns so schr das Suchen und Werben Gottes »in die Liebe der Mcnschcnseele. Wir schon gesagt, die schönste Blüte des Alten Testaments sind die S ch r i s t e» der P r o p h e t c n. Tie ausgeprägteste Gestalt unter diesen Gvttesbvten ist Jercniias, In warmen Worten treten sie für die Nut der ausgebentetc» Volksklassrn, der Witwen und Waisen ein; denn das Recht selbst stand im Dienste der Habsucht. Ost hören wir bei den Propheten bittere Klage über unschuldig vergossenes Blut. „Nur wer Gott allein anbetct, bleibt Herr seines Lebens." Das ist die Grnndlchre der alttestamenlliclie» Propheten, eine Weisheit, die noch heute n„verringerte Gültigkeit hat," Und Bücher und Urschriften solchen Inhalts mochte» „Weltverbesserer" vernichtet wissen! Sie ldie Bücher) werden den Krieg, der gegen sie geführt Ivird, siegreich überdauern. Leider lesen eben viele die Heilige Schrift, namentlich das Alte Testament, nicht oder nicht mit rechter Gesinnung Für staatsbürgerliche Bildung. Immer heftiger betreiben die Völkischen und die an ihrer „Wissenschaft" leidenden „Fachkreise" die Ausscheidung des alttestamentarischen Geistes vom Religionsunterricht, Sie habe» es versäumt, den tiefsittlichen Geist der Bibel rechtzeitig zum allein beglückenden Ausfluß der arischen Seele rinzustempcln. Nun will, ihrem Treiben zum Troß, die übergroße Zahl der unbcsniigencn Männer in Erziehungswissenschaft und praktischer Erziehnngsgestaltung aus die Auswertung des BibclgehattcS nicht verzichten — nicht allein für die religiöse Unterweisung, sonder», wie hier an einem Einzelsall dargctan wird, auch nicht für die staatSbürgerliche G e f i n n n n g s b i l d n n g. Am 5, Mai waren in Krefeld die Mitglieder des Katholischen L e h r e r v e r e i n 8 Kreseld - Land zu einer Besprechung über „die Praktische Gestaltung der staatsbürgerlichen Erziehung in der Volksschule" znsamiiiengckommcn, In einem ei», leitenden Vortrag bot der Lehrer Giesen aus M.-Gladbach seine Gedanken über den Gegenstand, Dem Auszug der „Nicderrhcinischen Vvlkszeitung" vom 8, Mai (Nr. 316) flick die nachstehenden Echlnßäubernngen entnommen: „Im Unterricht in der Hauptsache dem Gcschichtsuntcrricht zugezählt, vermittelt dieser die wichtigsten Kcnntiiiflc über Ctaatslcben, Elaatseinrichtnngen; bildet aber keineswegs die stärkste Seite der staatsbürgerlichen Bildung, besteht doch diese nicht in dem Erwerb von Missen, s o n d c r n i n d c r P I l c g e d c r sozialen Tugenden, wie der Tatkraft, des Arbeitswillens, in der Stärkung des Vcrantwortlichkeitsgesühls, i» der Bekämpfung der Ich-Sucht. Durch die ganze Schutzeit in säst allen Fächern gcpsiegt, erfährt die staatsbürgerliche Bildung ihre größte Stärkung im Religionsunterricht, weil Vieser besonders im Alten Testamente gute Anknüpfungspunkte biete« und sich besonders an die Gesinnung der Jugendlichen wendet. Mit Recht sagt man doch, daß ein guter Christ auch ein guter Staatsbürger ist." Im Sinn des Redners darf man sein Wort wohl auswritcn: Jeder echt religiöse Mensch ist auch ein guter Staatsbürger, Und der Geist des Alten Testaments ist in seinen Gestaltungen nach vorbildlicher wie abschreckender Richtung ein vorzügliches Mittel, Gcmeinschastsgeist zu wecken und zn fördern, zu läutern. Den Bölkischeu aber wäre zn ihrer Gesundung zu empfehlen, sich recht tief in diesen verketzerten, aber weder erkannten noch gekannten Geist zu versenken. Und sollten sie bei ihrer angestrengten wissenschaftlichen und anderweitigen Tätigkeit keine Zeit finden, bin ich gern bereit, ihnen die aufschlußreichsten BibetsteUen anzumerken. S. Mn-prq (Krefeld), vom ölut-Merglauben. Don Dr. Paul Nathan. Die antisemitische „Neue Zeitung" vom 4. April d. I. brachte folgende Notiz unter der nämlichen Uebcrschrift, die auch diesen Ausführungen vorangesetzt ist: „Aus Tcschen in Pole» wird uns berichtet, daß der jüdische Agent Schönberg sein christliches Dienstmädchen betäubt und alsdann durch Schnittwunden an Händen und Füßen erheblich verletzt hat. Die Angelegenheit kam dadurch an die Ocssentlichkcit, daß sich das durch den Bintverlnst geschwächte Mädchen in die Behandlung eines Arztes begeben muhte. Er erstottele Anzeige bei der Staatsanwaltschast. Trvtzdein die dem berüchtigten jüdischen Mcrcy-Konzern gehörenden Lokalblätter die Sache totschlvicgen, soll die Erregung der Bevölkerung so groß sein, daß der Jndenschast der Boden unter den Füße» zu heiß wird. Auch der Agent Schönberg wandert> ab, angeblich nach Krakau. Einen anderen Fall, der in Litauen spielt, berichtete die polnisch« parteilose Tageszeitung „Rvzwoj" unterm 7. Dezember v. I. Danach habe ein jüdisches Schulmädchen in Linkvw ln der Nähe von Kvwnv ihren eigenen Baier bezichtigt, ein Christcnlind in seine Wohnung gelockt, dort ermordet und das durch Nadelstiche dem Körper abgczapsie Blut unirr feierlichen Zeremonien gcirunkcn zn haben, wobei fünf Glaubensgenossen, darunter der Rabbiner des Ories, ihm Beistand geleistet hätten. Wir verzeichnen diese Dinge einfach, denn wir sind nicht in der Lage, sie aus ihre Wahrheit hin z» prüsen. Befremdlich bleibt das regelmäßige Austauchcn solcher Nachrichten vor dem jüdischen Osterfest. Gcivisse Züge, wie die Blnigelvinnnng, haben diese Meldungen mit vielen Dutzenden gerichtlich belegter Fälle gemein. Aber noch nie ist in neuerer Zeit ein Jude dasiir gerichtet worden; immer haben die dem Gefamijiidentuni der Erde zu Gebote stehenden Mittel an Kapital und Bceiiislussnng der öffentlichen Meinung hingcrcicht, den Verbrecher dem Arm der Gerechtigkeit zn entziehen. Die Falle von Skurz, Xanten, Könitz und Kiew sind noch in Erinncrnng. Wer sich über diese Tinge näher unterrichten will, greise zu der Hammerschrist Nr. 22: A, Fern, „Jüdische Moral und Bluimhsterium". Preis 50 Pfennig," Sprechen wir von dem Fall in Linkow zuerst. Angeblich hnt sich der Vorgang vor dem 7. Dezember vergangenen Jahres — so zu lesen in der „Neuen Zeitung" — abgespielt. Und die „Neue Zeitung" schreibt dazu: „Befremdlich bleibt das regelmäßige Anftauchen solcher Nachrichten vor dem jüdischen O st e r s e st." Wir sehen hierbei durchaus nichts Befremdliches, nick was kann die Antiscmilen denn an diesen Ostcrbotschnsten befremden? Der gewissenlose Antisemitismus verbreitet solche hetzerischen Nachrichten natürlich a b s i ch t l i ch vor den, Osterfeste, und alsdann glaubt er auch noch die Berechtigung zu haben, sich über das Nustauchen solcher Erzählungen in der Zeit vor Ostern zu wundern. Hier ist die Berleumdung so plump arrangiert, daß selbst stupide Leser sie erkennen müsse». Ein angebliches Ereignis, das sich vor dem 7. Dezember vergangenen Jahres ereignet haben soll, tischt die antisemitische Zeitung am 4. April d. I., also vier Monate später, ihren Lesern ans um sich dann heuchlerisch darüber erregen ^i, dürfen, daß diese Angaben gerade vor Ostern in die Ossentklchkeit komme». llnd ivclche Zuverlässigkeit haben die Angaben selbst? Die „Jta'-Korrespondenz hat sich mit dem Vorgang zur Zeit beschäftigt und ihrerseits folgendes scstgestcllt: „Es ist in der Tat vorgekoinmen, daß ein hysterisches jüdisches Mädchen unter dem Terror der antisemitischen Lehrerschaft, insbesondere der Schulleiterin, seinen eigenen Vater bezichtigt hat, daß er einem djriftlidjen Mädchen in seinem Hause Blut abgezapft und es getötet hat. Die antisemitischen Agitatoren bemächtigten sich des Falles, so daß die Jndcnschast in Linkotv mehrere Tage hindurch in großer Gefahr schwebte. Die behördlichen Nachforschungen ergeben aber, daß in diesen Tagen nirgends ein christliches M ä d ch e n als vermißt gemeldet w u r d e. die Aerzte erklärten, das jüdische Schiilmüdchcn sei schwer hysterisch und psychisch miiiderwertig und darum leicht beeinslußbar. Auch wurde fcstgestellt, daß die ungeschickte Erzählung des Mädchens in der Ähnle über die Schlachtung eines Huhns im Eltcrnhause von der Schnlleitcrin mißbraucht und umgedeutet worden war; unter denr Terror der Schulleiterin sprach das Mädchen die Beschuldigung aus. Rach dieser Aufklärung beruhigte sich die Stimmung der Bevölke- Also ein krankhaftes jüdisches Kind erzählt eine Schmicrmär über die BInlabzapsnng, die an einem christlich!! Mädchen vorgenommen worden sei; das christliche Mädchen aber, dem Blut abgezapst wurde, ist in der kleinen Ortschaft überhaupt nickt zu ermitteln gewesen, weder lebend noch tot; noch wurde ein christliches Mädchen auch nur vermißt. Tut nichts; die antisemitische „Nene Zeitung" unterbreitet diesen Vorgang ihren Lesern, um dann hinznzufügcn: „Wir verzeichnen diese Dinge einfach, denn wir sind nicht in der Lage, sie auf ihre Wahrheit zn prüfen." Nach solchen Klarstellungen sind wir unsrerseits freilich in der Lage, uns über den Charakter der Redaktion der „Neuen Zeitung" ein zutreffendes Urteil zu bilden, und jeder anständige Leser ebenfalls, gleichgültig, ob er Jude oder Christ ist, wenn er nur zu den anständigen Menschen gehört,