Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 1926
- Issue
- Heft 5 (Mai 1926)
- Date
- 1926-05-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Für und wider den völkischen Geist. Internationale der Friedhofsschänder — Oie Edda-Gesellschaft in Oinleksbühl - Professor Carl Maria Kaufmann über unseren Kampf — ttniversitätSprofeffor Or. Richter (Tübingen) über die Bibel - Das Alte Testament als Erzieher. Synagoge und Frievhof in Pommerellen beschädigt. j Der Ehrgeiz, hinter den deutschen Gesinnungsgenossen nicht zujr ii ckzu bleiben, hat die polnischen Antisemiten nicht ruhen lassen, jÖn Sch vn eck haben diese Herren die Shnagoge und den Fried-!hvs zum Gegenstand ihrer bübisckxn Betätigung gemacht. Der V o r > jhof der Shnagoge ist mit alten Pferde-, Ziegen-, a m inelfüsten. Lknochen und altem Eisen und Ge- 'i-rümpel belegt worden. Dann verschassten sich die llebeltälrr durch Zerschlagen, der unteren Fenster Eingang in das Innere der ISyuagoge und trieben dort ihr Unwesen, indem sie unter andere m!de n A l t a r m i t M e »s ch e»k v t besudelte n, Auch B e r -!»v «st n n g e n auf dem F r i e d h o s d u r ch tt m st ü r z e n von Grabsteinen und Beschädigung von Grab- Platten sind vo r g e k o in in e n. Die'Angelegenheit ist der Polizei tibergeben worden, dock) sind die Täter bisher noch nicht ermittelt, Diesseits ivie jenseits der Grenzen -- pur nobile krulruni! Driedl)o,sschändung »« Kallies. 1 Am zweiten Osterseiertage wurde dem Vorsitzende,i der Knlin?- siemeinde in Kallies (Pommern) gemeldet, daß ans dem jüdischen Friedhofe verschiedene Grabdenkmäler zerstört und von ihrem Standorte entfernt worden seien. Die Besichtigung ergab, das! eine starke hölzerne Denltasel herausgcrissen und etwa sechs Meter weit so rtge schleift und drei zum Teil schon beschädigte Sniidskeiiideiiklimlec völlig zertrümmerl waren, Bruchstücke waren sogar bis ansterlM, des Fricdhoses verschleppt worden. Einige Erdhügel criveckten den Eindruck, alz hätten der »der die Täter versucht, ihr Zerstöriiugslverk an ihnen fortznsetzen. Die rohe Tat hat sich in der Frühe des ersten christlichen Ostertages, etwa gegen |j5 Uhr morgens, ereigneh wie ein in der Nähe des Friedhofes ivohneudcr Arbeiter dem Borstande nach einigem Zöger» belimdete. Es wurde Anzeige erstattet und ztvei junge Männer (Musiker) im Atter von etwa 20 bis 22 Jahren wurden verhaftet. Der eine von ihnen mustte aber nach eintägiger Haft entlassen werde», da er offenbar an der rohe» Tat nicht beteiligt war. Der zweite, ein prominentes Mitglied der Stahlhelmgrnppe Kallies. Willi Fritz, hat die Tat eingestaiiden -und wurde vom Sck)öfse»gericht Stargard zu vier Monaten Gefängnis unter Ablehnung der Strafanssetzmig verurteilt. Die „echten Arier". ' Der bekannte westdeutsche Dramatiker >md Schriftsteller Karl sRöttger teilt «ns folgendes Erlebnis mit, da er hofft, dnrch seine l'Veröffentlichung gegen die Verhetzung dnrch Rassensanatisiims, der ja ebenso schlimm ist wie religiöser Fanatismus, zu wirke». I „Die Edda-Gesellschast in Dinlelsbühl ist ein rein „arisckes" Unter«!nehmen. Sie sandte mir ein paarmal Probennmmerii ihrer Zeitlfcl)rlft; und höflich, wie ich bin, schrieb ich der Gesellschaft, ich «ite ergebenst, keine Prvbenmninern mehr z» senden, da ich mit dem JnlM des Blattes nicht übcvcinstimme, (Das Blatt ist antisemitisch und liest aus der Edda eine, meines Erachtens unmögliche Phantastik und „Weisheit", die im nwsenttichen Gebräu ihrer Interpreten ist). Ick) deutete an, das; ich C hr ist sei »nd mit be m Antiseinitis in us - iiicht sympathisiere. Da das Blatt von mir nicht bestellt war, Ivar ich zu einer Abbestellung nicht verpflichtet-, ich bestellte aber gleichwohl ab, mit der Gesellschaft unnötige Kosten zu ersparen. Nim ermesse man die Höflichkeit und Bornehmheit dieser -Menschen ans der nachstehenden ossenen Postkarte, die als Anltzvort auf meine Höflichkeitshandlimg mir, ohne Anrede, ins Haus gesandt wurde und wohl als eine mich anrempelnde Maß- >regelimg betrachtet werden iimfi: ) „Dinkelsbühl (Mittelsranken), M, ll, Li>, Sic befinden firfi im Irr- >tum, Wir sind keine Antisemiten, sondern deutsche Girier und d a - .-durch? e! bstverständIi ch unterschieden vom Juden, der der Feind jedes a „ st ä nd i g e n Menschen. Sofern Sie das t>iSt>er noch nicht erkannt habe», sind Sie Ivcder Ehrist noch Antisemit," ) Das unterschreibt Frau ober Fräulein Annelies b. B ü low: »mit anderen Worten: jeder Jude ist ein Schurke, jeder „Arier" selbstredend davon „imterschiodcn" und also ein vornehmer Mensch, cklnd da ich daS nicht einzusehen vermag, bi» ich natürlich ein Idiot chder nimdestens ein Döskopp, DaS -ist schon nicht mehr grotesk rlächerlich. das ist gemeingefährlich. Es ist eine nieder- .träch tige Lehre, von einem Bolle z» sagen, es sei in alle» seinen IBertretern gemein und imanftiindig — >v!e es gemeingesährlich und -schwachsinnig ist, von einem anderen Botte zu'sagen, es sei in allen seinen Aeriretern gut, edel oder vollkommen. Mit derlei kann man schlechterdings nicht diskutieren. Gemeingefährlich ist es auch desivegen, weil solches ebenso hochmütige wie schwachsinnige Denken nicht aus dem Wege deS Deutschen liegen darf, denn-sonst, weist Gott, kann er sich .-begrabe» lassen". Es ist eiiie zu niedrige Ethik, die ans solchen Worten spricht. Ich bin Christ und als solcher gegen allen nationalen Hochmut. Ich habe mir erlaubt, Frau oder Fräulein Annelies b. Bülow zu ont* Worten, nicht aus offener Postkarte, sondern im Brief, wie folgt: „Frau oder Fräulein Annelies von Bülow, Dinkelsbühl. Sehr geehrte Dame! Wenn alle „Arier" Ihrer Richtung so wenig gute Form lial>en, so Null ich erst recht nicht mit ihnen »nd Ihnen zz, tun haben. Ich hatte Ihne» höflich mitgeteilt, daß ich mit dem Inhalt Ihrer Blätter nicht Ubereinstinime und bäte, von weiterer Zusendung abzusehe». Der Zweck einer solchen Mitteilnng war klar: Sie vor weiteren unnötigen Ausgaben zu bewahren, die Ihnen durch die Zusendung der von mir nicht bestellten Blätter entstanden. Das konnten Sie stillschweigend zur Kenntnis nehmen und die Sache erledigt sein lassen. Statt dessen rempeln Sie mich auf ossener Postkarte an und mabrcgeln mich. Ich lehne das entschieden ab, Ihre Behauptung, das; alle Jude» oo ips» die Feinde aller anständigen Menschen seien, ist zu wahnwitzig, um sie 311 diskutiere». Aber natürlich, wer Ihrer Ansicht nichtsolgt, ist-bösloillig oder dmmn: schon gut! schon gntl dergleichen grenzt ans Monomanische, Es ist anch darüber nicht zn diskutieren. Ohne Ihren „arischen Grus;" erwidern zu können hochachteud Karl R ö l t g e r," Unser Kamps. Proseffor Carl Maria K a u s in a » » , der belannie katholische Theologe, vcrö-senilichi >» dein sorben erschienene» Iuuideft der von Professor Julius © o I b ft c i n (Darmftad 0 herausgegebenen gweiiiwuatsfchrlll „Der Morgen" eine Besprechung des Buches „Die jüdisch« Internationale" von Dr, Bruno Weil, von der wir ihrer Bedruirmg wegen den ersten Absatz in diesem Blatl zum Abdruck bringen möchten. ,Der Aerleumdtingsfeldziig gegen die Juden hat seit dem Kriege groteske Formen angenommen. Der Jude ist a» allem schuld, a» allein politischen, ivirtschgstlichen, sozialeii. religiösen Elend.- Er ist halt Prügelknabe, ans den die urteilslose, von unwissenden und boshaften Demagogen verführte Masse immer wieder einhaut. Wir Katholiken kennen diesen Haß, diese Berleiiiildimgen, diese Berseiiiiing, diese aus der ganzen Welt und auS allen Zeiten znsammengetragenen Mätzchen und Skaiidalgeschichten, wir kennen sie ans der Kulliirkampszcit, und wir haben immer noch darunter zn leiden. Wir haben uiiS gewehrt, und wir konnten es, denn wir hatten nicht nur das Recht ans unserer Seite, sondern Millionen katholischer Männer, die sich um die Zentriinissahnen scharten, und hinter uns stand die ungeheure Macht der katholischen Kirche, Es gibt aber nur 15 Millionen Juden in der Welt und nur etwa 600 000 in Deuischlniid, Ihnen fehlt also die Macht der Zahl, die in der Demolratie ausschlaggebend ist, ihnen steht nur das gute Recht zur Seite, llnd man uiiist es den deutschen Juden lassen, besonders denjenigen, die im „Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens" organisiert sind: den harten Kampf um ihr Recht und ihre Ehre führen sie tapfer, geschickt und in vornehmer Weise," Aus Israels heiligen Duellen. Rektor Weinmann (Wangen i. Algiiii), ein Leser unserer MonatsanSgabe. schreibt uns: Der Artikel „Rener Kamps um das Alte Testament" in der Aprilnimimer 1926 regt mich an, einige Zeilen für die Blätter für JDeUtschtum und Judentum" zu schreiben. Wer das Alte Testament gründlich und mit der erforderlichen Stimmung durchlieft, kann einem Marcivn und Harnack u, a. zu ihren Anschaumigeii nicht beistimmen, Die Sätze: ,/Ter katholischen Kirche gilt das Alte Testament als eine genau so göttlich inspirierte Schrift wie das Neue", und „der rcligivse Gehalt der Bibel aber ist absolut wahr und für den Katholiken verpstichteud" bedürsen keines weiteren Koniiiientars, Ja: die-Bibel ist kein Vorwerk, sondern sie ist ein moii umentales Werk von eigener Geschlossenheit. Hierzu einige Gedanken, die Universitätsprofeffor Dr. Richter (Tübingen) anlätzlich des theologisch-philosophischen Hochschulturses in Ulm (Mai 1926) vorgetragen hat, -Ans seinem stilfeinen Referat sei für die Leser der „C, B.-Zeitung" angefügt: „Rom wurde die unsterbliche Macht der Gesetzgebung der Menschheit, Hellas die Muitcr der Philosophie, Judäa und Jerusalem das Land höchster Kultur, das Land „des Begriffs vom Schöpfergott, der nicht bloß Macht, sondern anch Recht, Gerechtigkeit und Liebe kennt. Das Alte T e st a m e n t t ft das klassische Buch, d a S h i in in e l h o ch über aller Welt- Weisheit st e h t; e§ liefert uns sozusagen das Charakterbild Gottes, dem keine Sünde zu gvos; ist, als daß er nicht mit uncndlick>er Liebe die Geschöpfe an sich zöge, der gleichsam nicht ohne den Menschemsein kann, dessen Leidenschaft es ist, die MmsckM lieben zn müssen. Genesis und Pentateuch sind die Erfüllung der Verheißung