Mannheim
Compact Memory

Central-Verein-Zeitung · 1926-04-01 · Heft 4 (April 1926) · page 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
1926
Issue
Heft 4 (April 1926)
Date
1926-04-01
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2571117-2571118-2571122--035-2571325
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

30 gebend: wie fic ftd) zu un3 ftcllen, und nicht zuletzt auckx w i e wir wünschen, daß sie sich z n uns stellen sollen. Den Antisemitismus, wie er »ns nicht nur vom Schutz- und Trntzbund, sondern auch vom Landbund, dem Alldeutschen Verband und vielen anderen Verbanden cntgegentritt. bekämpfen wir in aller Offenheit und mit aller Echürse. Völlig verfehlt wäre es anderseits. die ans außenpolitische Arbeit eingestellten Organisationen, wie den Verein für das Deutschtum im Ausland, nlS unsere Gegner zu betrachten. Die Losung kann nicht lauten: gegen den V:rein. sondern vielmehr: hinein in den Verein zu ehrlicher Mitarbeit. Schwieriger gestaltet sich das Problem bei manchen Vereinigungen, die zwar durch die Betonung ihres politischen oder christlickM CliarakterS oder durch ihre Zusammenarbeit mit gegnerischen Verbänden gegen uns eingestellt erscheinen, d c r e n Stellung zur Iudensrage jedoch noch schwankt. Der Stahlhelm, ein Frontküinpfcrbund, der die Erhaltung der deutscheir Wehrkraft anstrebt, steht durch seine Ziele mit unserer Arbeit nicht in Widerspruch er betont seinen nbcr- Parteiischen Charakter; einzelne Ortsgruppen nehmen Inden als Mitglieder ans, andere sind geaneinich eingestellt. Der Jungdeiitsche Orden, der die sittliche Wiedergeburt des deutschen Volkes erstrebt, hat durch Erklärung seines Großmeisters abgelehnt, antisemitisch zu sein, wenn auch ans Rücksicht aus die Zeitstimiiluttg die Aufnahme von Inden nicket möglich sei. Oesscntliche Angriffe gegen den C. B. zivangcn unI schon zur scharfen Abwehr; iudcnfcindUch arbeitet der Orden ■ in Bayern unter dem ■ Pfarrer I ohiiscn in Kobnrg; verständiger lautete letzthin eine öffentliche Erklärung des Ordenshochmeistcrs. Das Charakterbild des Ordens schwankt. Man glaubt manche Verbünde an einem Scheideweg zu sehen; der Weg zur Vernunft ist nicht ausgeschlossen. Biele Angehörige dieser Verbände sind von ansrichliger idealer Gesinnung für das Vaterland erfüllt, auch da. wo wir ihren Wegen nicht folgen können. Anbiederung ist entschieden abzulehnen; wir rönnen warten! Fest steht unsere Stellungnahme gegen die Bestrebungen des Hvchschnl r in gs deutscher Art. der das Nassenprinzip an den Hochschulen vertritt. Wir bekäinpfen das jndenleindliche Verhalten des Deutschnationalen Handlungsgehilfen- Verbandes, ohne zu verkennen, daß den einzelnen oft nicht die Geincinschnst der Gesinnnng, sondern der Anteil an den Wohlsahrlscinrichtungen an den Verband fesselt, und daß persönliche schärfe zur Radikalisierung führt. Alles in allein gilt es abzuwägcn und zu scheiden; wo unsere Grundsätze es fordern, fest aufzutreten und zu handeln; aber auch Brücken nicht zu vernichren, die i» rrihigerer Zeit wieder den Weg zur Volksgemeinschaft tragen können. t Wir vertrauen, daß dann das Wort „Vaterländisch" wieder allgemein einen Klang erlangen werde, in den auch wir deutsche Juden freudig einstimmen können." Die Mionalsozialisien in der Pfalz. Verleumdungen über die Pfälzer Anden — „28 Ortsgruppen" — „Der Eisenhammer". . Das hat iins in der Pfalz noch gefehlt! Sehr schwere Zeiten liegen hinter uns. Die Besatzung, der passive Widerstand, die separatistische Bcivcgiing — eine übergroße Last seelischer unb wirtschaftlicher Bedrängnis. Noch jetzt leidet die Pfalz unter besonders schwerer wirtschaftlicher Not. Gerade in den letzten Tagen haben die pfälzischen Abgeordneten aller Parteien im Reichstag ein erschreckliches Bild von der Wirtschaftslage der Pfalz gezeichnet. In allem kam zum Ausdruck, wie die ganzeBevölkerungder Pfalz, wie Landwirtschaft, Industrie, Handel und Gewerbe unter dem Drucke der wirtschaftlichen Verhältnisse leiden. Der Minister für die besetzten Gebiete, Justizminister Dr. Marx, hat mit Recht von der Schicksalsgemeinschaf tderGesamtbevölkerungdeSbesetztenGebiets gesprockpui. und Reichspräsident v. H i n d e n b u r g, den Kölns Oberbürgermeister als den „Herold und Förderer wahrer Vaterlandsliebe, wahrer Volksgemeinschaft" begrüßte, hat bei der Befreiungsfeier in Köln erneut und immer ivieder auf die Notwendigkeit der Einheit n nd Einigkeit gerade am R h e i n h i n g e w i c s e n Die schwere Rot scheint der Nationalsozialistische» deutschen Arbeiterpartei als besonders geeignet, nun auch die Pfalz mit ihren genugsam bekannten Methoden zu bearbeiten und der Pfalz »nd den Pfälzern die Rettung zu bringen. Nunmehr lammen sie aus ihren jenseitigen Lagern zu uns, die wir in den vergangenen Jahren t a n s e n d - fach unser Deutschtum praktisch gelebt haben, um unS wahrhaft „nationale" Gesinnung beizubringen. Schon seit Jahren schüren einige lins bekannte Hinterinänner in verschiedenen Teilen der Pfalz, insbesondere in Pirmasens und Zweibrücken, das Feuer; aber erst seit einigen Monaten arbeitet man offener und mit mehr Hochdruck. Auch der Pfalz sollen die Segnungen Hitlers nicht erspart bleiben. Die Belebung der Agitation und Organisation fällt zeitlich mit der Reise des bayerischen Landtags in die Pfalz zusammen. Jin Oktober 1925 kamen die Abgeordneten in die Pfalz, um ans eigener Wahrnehmung die Lage des Pfälzer Volkes keiiiienzulcrnen und seine Nöte und Wünsche an Ort und Stelle zir sehen unb zu hören. Diese Gelegenheit haben völkische Abgeordnete zur Anknüpsnng und Ausgestaltung von Beziehungen zu hiesigen Gcsiiiniingssrcundcn, zu Sprechabendcit lind Zusaiilinenküliften benutzt. Das tvar ihr gutes Recht; sic hätte» aber bei dieser Gelegenheit sich aiich davon überzciigen dürfen, wie die Psälzer Juden in diesem Lande ihre Pflicht erfüllt habe». Sie haben davon nichts lvissen lvollc». Als der Vorsitzende des Verbandes der israelitischen Kültusgemeiiidcn der Pfalz, unser Vorstandsmitglied Kommerzienrat Joseph (Landau), zu dem bayerischen Landtage über nufere besondere» Sorgen sprach, haben sie den Saal verlassen. Aber als sie in das jenseilige Bayern zurückkamen, hat der sattsam bekannte Herr Streicher (Nürnberg) bei einer Versannnlnug in Würzburg am 11. Oktober 1925 anszusuhren sich erdrcistct: „Das Judentum versteht es aber auch in der Pfalz, die Konjunktur anszunntzen". Und der Beweis für diese Verkenindiing? „Der ehemals in der Separatistenbewcgung tätige Jude Leivi hält heute vor den Landtagsmitgliedern große Reden, in denen er seine trendentsche Gesinnnng beteuert." Mehr hat Herr Streicher über die politische Nnzuvcrlüssigkeit der Psälzischen Juden offenbar nicht erfahren können. Aber auch dies ist n a ch lv e i s b a r unwahr. Ter hier verleumdete Kaufmann Sally Lcwi in Wnldmohr hatte mit der separatistischen Bewegung n i ch t d a s g e r i n g st e zu tun.. In derselben Eigenschaft, in der er auf Wunsch des BezirksamtmanneS vor dem Landtage sprach, nämlich als Vorsitzender des H a ii d e l s g r e m i n m S feines Bezirks, hat er sich in seiner nahe an der Saargrenze liegenden Gemeinde in schweren Tagen hervorragend bewährt. Seine trendentsche Gesinnnng ist kein Schlagwort, sondern ist erprobt. Seit jenen Tagen sehen lvir immer ivieder, wie mit Lügen, abgegriffenen Schlagworten und den übrigen beliebten Methoden, die Pfalz „erneuert" werden soll. 28 Ortsgruppe« der nationalsozialistisch-deutsche« „Arbeitergarde" find inzwischen gegründet. Viele Sprechabende, viele Versammlungen, hauptsächlich aus dem Lande, sind abgehalten worden. Im allgemeinen ohne besonderen Erfolg! Die überwiegende Mehrheit des psälzischen Volkes hat diese Hetzapostct abgelchnt. In Rocken Hausen haben sich die Vertreter aller Bekenntnisse und andere Organisationen an die Bezirksverwnltungsbehörde gewandt, um flammenden Protest gegen die Verhetzung des Volkes einzulcgen. Aber es wird rüstig wcitergearbcitet. Erst vor einigen Wochen hat der völkische Abgeordnete des bayerischen Landtags, Bütt m a n n, ein geborener Pfälzer, in Kaiserslautern Generalappell abgchalten. Die neueste Auswirkung aber ist eine in Pirmasens erscheinende Wochenschrift „Der E ise nhammer". Anscheinend in Nürnberg gedruckt und dem „Stürmer" nicht sehr fernstehend, verspritzt dieses geistlose Blatt wöchentlich Gift und Verleumdung. Die ganze Auflnachung: anssalleuder Druck, Spottbilder, Karikaturen, Nennung von Nanicn jüdischer Bürger, läßt die Absicht klar erkennen: Sensation s m a ch e r c i, 3! e k l a m c s ch l i m m ft e r Sorte! Die ältesten antisemitischen Ladenhüter werden dick und fett nbacdrnckt, jüdische Mitbürger verleumdet, wahre Sachverhalte grob entstellt und snr den Zweck hcrgerichtet »sw. Wenn wirklich einmal ein Mißstand zu rügen wäre, so ist durch maßlose Uebcrtrcibnng und Verdrehung der Tatsachen die Wahrheit zur Lüge gemacht. Sollen wir mit diesen Leuten vor Gericht gehen? In einem Artikel, der von einem Reitklnb in Landau handelt und in dem verblümt aber sehr deutlich von Drückebergerei im Kriege -die Rede ist, erscheint fett gedruckt der Name eines unserer Landauer Freunde, der im Kriege seine beiden Söhne verloren hat. Sollen lvir mit solchen Herren Prozesse ansangen? Wir glauben, daß die pfälzische Bevölkerung von nns jüdischen Mitbürgcrn dies nicht envartct unb nicht verlangt. Hier keimt mau die Netter n In Hitler. Gerade in diesen Tagen hat der pfälzische Landtagsabgeordnetc Gvlkivitzer (Deutsche Vvlksparteij im Haushaltnngsansschuß im bayerischen Landtage erklärt: „Tie Nationalsozialisten haben ausdrücklich gegen die Verzinsung des sogenannten Pfalzhikfsfvnds gestimmt, der doch nur dazu dient, das deutsche Kulturgut in der Pfalz zu erhalten. Für mich ist H i t l c r nur ei;> c B oh c in c - E r s ch e i n n ii g, wie sie nach dem Kriege zn Dutzenden ailsgctnncht sind." Wir können und ivollen ans den geschichtlich bekannten geraden und aesnndcil Sinn des pfälzischen Volkes und auf seine politische. Nrte'lskrast vertrauen.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.