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Central-Verein-Zeitung · 1926-04-01 · Heft 4 (April 1926) · page 5

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
1926
Issue
Heft 4 (April 1926)
Date
1926-04-01
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Das positive in öer C. V..Mbeit Vortrag, gehalten auf der Hauptversammlung des C. V. an, 8. März 192« von Rabbiner Tr. Lewin (Königsberg). z „Die jüdisch» Gegner des C.V. behaupten, das; nur bei ihnen Positives vorhanden "sei, während der C. P. nichts Positives iin Programm habe. Sogar in unseren eigenen Reihen glaubt inan, daß der C. V. nur zur Abtvehr da sei, da er bisher stets davon abgelechn hat, ihnen daS Bejahende seines Zieles zuzurnscn. .Das Praktische der C.V.-Arbeit kann jedoch nicht dnrchgesühr c werden, wenn nicht sortan starker aus daS Ideelle und Positive hingewiesen wird. In den Schriften Gabriel Ri cs; er s. die vvn einer tiefen, heiligen Empfindung durchdrungen sind, merkt man, daß dieser Mann nicht das Bcwnsstiein hatte, nur nbzinvehren und zu verteidigen, sondern das; er hiermit einer gebieterischen Pflicht seiner jüdischen Seele genügen Ivolltc: wenn unsere Führer späterhin davon nbsahcn, diesen PVsitivismns in den Mittelpunkt ihres Programms zu stellen, so unterblieb dies nur, weil es ihnen zu selbstverständlich erschien. Spater verhinderte dann die Kleinarbeit die Männer, die in den Zeiten des schweren Antisemitismus am Ruder standen, darüber nachzndenlcn und auszusprcchen, welchen Zielen sie uns znsühren wollten. Ans die Tuner können wir aber vor den Schädigungen, die hieraus entspringen, unsere Augen nicht verschliesien. Ala» muß den Elan betvnndern, mit dem die Zionisten ihre Sache verfechten. Sie haben Erfolge, weil dortimmer wieder den Leuten gepredigt wird! Es ist etwas Positives, der Ausbau der Znknnst. der euch anvertranr ist. Es ist lein Zweifel darüber, daß der Zionnt materieller Spier im Turchschnitt weit mehr fähig ist, als man »n aUgeineinen unseren Anhängern nachsagen kann. Will der C.V. leine Geldmittel steigern, so »ms; er darangchcn, die; udi; eh c n Mensche» in Deutschland seelisch zu erwberm Den» wichtiger und nnciitbel>rlicher als Geld sind die Soldaten, die Menschen, die daraus ivarten. in Reil, und Glied cingrnppicrt zu tverden. Ala» weist ja rvur Weltkrieg, den Tcut'ch- Innb leider verloren hat, oast cs sich letzicn Endes nicht um die silbernen Kugeln handelte, voll denen Llovd George sprach, iondcr:: daß wir nicht mehr imstande geivescn lind, nn>ere R'erventrntt bis zum letzten Augenblick nusrecht,nierhalten. Auch das deutsche Judentum »ins; seine Nerven- und Scclekrast z u s a in in c n n e h m c n n n c> z n n a ch,t c: n m a l v e r i u ch c n , d i c Me nsch en i m gn uze n zu ge winnen, vor alle m die Seelen unserer Fügend. Tic Fugend will envas haben/ was ihre Phantasie bcsrnaitet, was ihr irgendein Bild der Zukunft, ein kräftiges, starkes, ivirksames Ideal vor die Seele bann:, und hierauf muß die C.V.-Arbeit, io sehr sie auch alles andere weiter im Auge behalten muß, ihre Anfmcrlsamkeit lenken. Die Frage, was sich an Positive!» unmittelbar aus unserer Arbeit ergibt, läßt sich zunächst sehr leicht beantwortendurch den Hinweis auf die positive Stellung, die der «.53. zu allem T c u t s ch e n einnimmt nach der ideellen und praktischen Seite: auf seine Steilung zur dcut schen Kultur, zur deutschen Volksumd Staatsgemcinschaft, z n deutscher Gegenwart und deutscher Zukunft, alles höchst positive Aufgaben. Nun ton» der Ei »wand erhoben iverdcn, das;, ivcun Juden sich zn'ainmenschließen, sie nrich ein jüdisches Programm haben müsiten. Darauf ist zu sagen: Hat der C.V. die deutschen Inden auigernscn, sich s c l b st ihrer Rechte a n z u n c h m c n u n d s i ch s e l b st in die Bresche zu stellen, so hat,er damit schon etwas in, jüdischen Sinne unbedingt Positives angestrebt und vollbracht. Was er damit erreicht hat, kann man ermessen, wenn man versucht, den Juden früherer Zeiten mit dem heutigen zu vergleiche». Ter C.V. ist es gewesen, der beivirkle, dag nicht mehr das Tichtcrwort gilt, dag Dulden und Leiden das Merkmal der Inden ist. D c r C.V/ hat makkabäischen Geist in die Herzen der Inden getragen und sie gelehrt, sich nicht nur immer als Ambos; zu betrachten, sondern auch einmal den Hummer zu ergreifen und sich zur Wehr zu scheu. Wenn man dies schlagivortartig erfassen will, so braucht man mir die beiden Begriffe „-chntzjude : — Trntzjude" zu nennen, um zu erkennen, was in dieser Hinsicht tzelcistet wurde. Hieraus folgt ein anderes. Ta man angcgrisfc» wurdc. war man genötigt, sich lernend, forschend, studierend mit alledem zu beschäftigen, was plötzlich von der anderen aus finsterer Vergangenheit hcrausgeholt und ans Licht des Tages gezerrt wurde. Tie Antisemiten haben dadurch eine gewisse Erziehungsarbeit an uns vollbracht. Namen, die unseren Vätern vorkamcu. als hätten sie sie Nie gehört, Talmud, Schulchan Aruch usw.. sind heute Begriffe ge- .Worden, die überall austauchen. Mau sucht sie nicht nur oberflächlich SU erfassen, sondern dringt in die Tinge ein, beschastigt, sich mit .jüdischem Wesen, erforscht und studiert den jüdischen Menschen und die Mische Geschichte. Dies geschah bald um der Tinge selbst willen, .die, je mehr man sic ivicdcr kcnnenlerntc, um so lieber gewonnen. Um so höher geschätzt wurden. ,, Diese beiden positive» Leistungen: die Schass n n g des N c u e n jüdischen T h p n s in unserem d e n t s ch e n l Heimatlande u n d die Vermehrung und Vcsrnchtung des jüdischen Wissens wird man dem C. V. '"'niemals bestreiten können. Tarüber hinaus wird irnm Ober die Forderung erheben niüssen, daß doch noch, etwas anderes in das Zentrum unserer jüdischen Wirksamkeit im positivsten Sinne hincinzustcllcn sei. Während noch aus der Schrift Rafael Löwenfcls' hervorgeht, das; uns nur die Religion von den anderen Deutschen unterscheide, und das; für einen deutschen Juden ein Jude jenseits der Grenze nichts anderes darstelle, als was einem deutschen Katholiken ein Katholik im Ausland sei, ist man heute in der Beweisführung des C. P. zn dem neuen Begriff der „Schicksalsgemeinschast" übcrgcgnngen, die »ns mit Inden, wo sie auch wohnen, schern sie als Inden handeln oder leiden, zusammenbindet. lieber diese Schicksalsgeincinschast ist man dann in der Arbeit des C. V. zum Begriff des „jüdischen Menschen" gekommen. Man hat erkannt, daß Angriffe von der anderes Seite nicht diesem oder jenem von uns gelten, sondern einen Generalangriff gegen uns in unserer Totalität darstellcn. Um den; zn begegnen, muß inan dem Generalangriff eine Gencralposition, also der Befehdung des jüdischen Menschentums schlechthin eben dies jüdische Menschenii,m entgegenstelleii. Will man dies jüdische Menschentum finden, so kann man ans der Vergangenheit entwickeln, das; von den Ansangsgrüiiden der Geschichte an bis heute der Griindzng des jüdischen Menschen sein ausgeprägter Idealismus und seine ausgeprägte Geistigkeit sind. Hätten unsere. Väter, die in Kanaan ein,zogen, durch ihren Gottcsbegrisf nicht etwas Geistiges an sich gch a b t, worin sie s i ch vvn d e n U m w o h n e r n. u n t e r i ch i c d c n , durch ihren Monotheismus allein wäre es ihnen nicht niöglich gewesen, sich zn erhalten. Tie Groszen unserer Geschichtc waren nicht Feldherr» und Könige, sondern 'JJl ii n net der ttrfjrift, des ©eifteS und der R c d c. Und ist cs nicht Tat ein :>iuhm, das; auch heute noch unser Tnreblchnitt immer inr sich in 'Anipruch miimim darf, zu wissen, ivas dem Ge-ste ec bühnt Ter Raine 'Walther Rathen an mag das zur G> brzenaen. Und \o kann man wohl unbestritten als den Gn.m jndiiclien Meiisthentnms die vertiefte geistige 'Präg! ng st'ststelle», deren Jdcglisnnis den Glauben an das Gute an: der Welt Rur diele Grniidnnitellimg des Jndeiitnnis beslügelt und bekräftigt die Arbeit des C. V., die sonst vor der Ueberinacht der Gegner znsamnienbrechcn musste. Wie könnte» wir, eine verschwindende Minderheit in der deutschen Wett, heute daran denken, uns crsatgrcich zur Wehr zu sehen, wenn nicht die U c b c r z c u g u n g unveränderlich in uns wäre, das; das R c ch t auf IfScn s i ch d n r chic h c n m u s;, »nd wie könnte man von einer Verschmelzung der deutschen Jndeneinhcit mit ihren Vol-önud Ltaatsgcnosscn träumen, wenn nicht »chtcn Endes das Messias-Ideal über uns leuchtete'? .Hier ist d i e B r ir ckc, die vom jüdischen ja d cm Jdcalthpus des deutschen M c » scheu l, i n ü b c r l c i t c t. Wenn >vir uns den deutschen Menschen vvrstellen. io lassen wir uns oft durch das Gespenst irreführen, das aus der einen Seite die Nniivnaljüdischc!! und auf der anderen Seite die Tcntichvölkischen Umrissen haben. Wesenhaft für den Jdealihp ist doch nicht so sehr Friedrich der Große und Bisniarck, wenngleich beide etwas für deutsches Weicn Lnpenhastes an sich tragen, man muß vielmehr stärker an den G e i st v o n W e i in a r n n d >r ö » i g s b e r g , an Goethe und Kant, denken. Hiervon mns; man ansgehen. Begreist man den indischen Mcnschn so, wie er der C. B.-Arbeit .zugrunde liegt, so ist es keine Phantasie, zn glauben, das; die Arbeit des C. 33., kämpfend und aufbauend zu gleicher Zeit, sich durchsetzen wird zu jüdischer Wohlfahrt und denischem Heile." „Unsere Steilung zu öen vateriänüischen verbänden". Rusgcsührt aus der Hauptversammlung des C. B. am 8. März 1826 von Justizrat Gallingcr (Nürnberg). „Cs >var ein Zeichen großer Organisationsknnst, Ivic man in den Jahren »ach dem Krieg verstanden hat, neben den politischen Parteien eine Reihe großer gesinnnngsvcrwandter Organisationen zu schassen und die alten und neuen Vereinigungen dieser Art verbunden als „Vaterländische Verbände" in den Kampf zu stellen, wobei das Wort Vaterländisch besonders aus unpolitische Kreise wirken mußte. Diese Vereinigte» 'Vaterländischen Verbände umfassen über 130 Einzelverbände. und ivenn man die außerhalb stehenden hinznzählt, so ist die Zahl 200 nicht zu hoch gegriffen. Es gehören hierzu ausg e s p r v ch c n p o l i t i s ch c B crbänd c: Teutschvölkischr Schutznnd Trntzbnnd, Alldeutscher Verband! berufliche und wirtschaftliche mit stark politischem Einschlag: Landbund, Tcutschnationalc Bcrussverbände verschiedener Art. die großen Wehrverbände, Stahlhelm und andere: Verbände mit kulturellem Arbeitsgebiet, wie der Jungdeutsche Orden, die bekannten bayerischen Vaterländischen Verbünde, Bayer» und Reich »sw.: und endlich mehr an der Peripherie der Beivegnng stehend, die ans außenpolitische Arbeit hinzielenden Organisarivncn ivic Lstmarkenverein und Verein für das Deutschtum im 'Ausland. Es ist Sache der politischen Parteien und Faktoren, sich mit der politischen Seite der sogenannten vaterländischen Bewegung zu bcsassen. Für die Frage, ivic wir als Inden und als jüdische L v g a »i j n t i o n zu diesen Verbänden uns stellen, ist vorweg maß-

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