Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 1926
- Issue
- Heft 3 (März 1926)
- Date
- 1926-03-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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22 MMM größere SIn3aI) [ von Waffen, in Sückenverpackt, gefunden. Trotzdem ist Zech nach der Vernehmung sofort freigelasien worden. Der Wiking-Bund ist nach dem Verbot der Organisation Consul in Thüringen gegründet ivorden und ist in elf Abteilungsbezirke cingeteilt, deren Bezirksleitung in Erfurt ihren Sitz hat. Aus den Aussagen beteiligter Personen geht hervor, dass in der Organisation auch eine Feine besteht. Sie hat die Aufgabe, den Gehcimcharakter der Organisation und ihrer Unternehmungen mit den schärfsten Mitteln nufrcchtzuerhaltcn. Wir Juden, die wir ständigen Verallgemeinerungen ausgesetzt find, wollen in den völkischen Fehler der Verallgemeinerung nicht verfallen. Wie ist cs aber möglich, daß ein Bund, der sich der besonderen G u n st c i n c s F ü r st e n, des ehemaligen Herzogs v on K 0 b u r g - G 0 t ha, erfreut, be st ra f te Verbrecher nicht nur in seinen Reihen duldet, sondern ihnen sogar die höchsten Ehren zumeist, die ein Verein zu vergeben hat. Bei allen möglichen und unmöglichen Gelegenheiten sind diese Verbrecher die Bannerträger und Fahnenbegleiter des Wiking-Bundes. Sie haben dadurch den Wiking- Bund zu dem gestempelt. was er heute ist. zu einem Unterschlupf von Verbrechern. Wir erwarten, daß die veraniioortlichen Stellen nun endlich denr Treiben dieser gemeingefährlichen Gesellen daz Handwerk legen und diese Schandtaten mit verdienter schärfster Justiz ahnden werden. Denn die bisherige allzu milde Justiz hat die völkischen Helden in ihrem Tiin immer weiter angespornt. L. K. Unter d c iii f r i s ch e n E i n d r u cf von der Meldung dieses g r a u e 11 v 0 l l e n B u b e n st ii cf e 8 sendet n n 3 L e n k a v. K 0 e r b e r folgenden Aufruf: Deutsche Frauen, wendet euch gegen die antisemitische Verhetzung. Ein politischer Noheitsakt furchtbarster Art hat sich in Erfurt ereignet und »ns wieder einmal mit krasser Deutlichkeit gezeigt, wohin die antisemitische Hetze führt und welche Erfahr sie unserer Jugend bringt. Die Unterscheidungsfähigkeil für Recht und Unrecht, Mut und Feigheit wird durch die völkische Propaganda verhängnisvoll verdunkelt, denn wir lesen in der Tagesprcsse, daß die beiden Halunken bereits vor zwei Jahren einen Einbruch im Erfurter Polizeipräsidium verübten, um politische Akten zu stehlen, und ihre Tat so milde beurteilt wurde, daß sie nicht nur die geringe Freiheitsstrafe von drei Monaten, sondern sogar noch Strafaufschub und B e - w ä h ri> n gs fr i st bekamen. Man kann sich wohl denken, wie diese Helden von ihrem Wiking-Bund dann für ihre mutige Tat gestiert wurden und nun weiter ihre heldenhafte Gesinnung bezeugen ivollten. Die kommenden Tage werden noch eine Reihe von Enthüllungen bringen, denn es nimmt ja wunder, wie wenig die Nachbarn von der grauenhaften Verwüstung gehört haben ivollen. RitcksichtSlose Aufdeckung müssen wir unbedingt fordern, uut endlich solch schandbaren Auswirkungen antisemitischer Hetze die Spitze abzubrechen. In den letzten Monaten schien es überall ruhiger zu werden und die Vernunft ein wenig die Oberhand zu gewinnen. Die furchtbare K u l t u r s ch a n d e. die der Antisemitismus m! t der Zerstörung des alten israelitischen Fried- Hofes in Erfurt arrfzcigt, sollte die deutschen Mütter aufrütteln. um geineinsain gegen die antisemitische Verhetzung vorzugehen. Denn hier zeigen sich ja erbarmungslos deutlich die Früchte des ans. niedrigsten Regungen erwachsenen Judenhasses. Die bodenlose Unwissenheit, auf der die völkische Verseuchung gedeiht, muh durch Aufklärung in den Schulen, du^ch vorurteilsloses Aufzeigen der sittlichen Kraft jüdischer Kultur entgegengetretcn werden. Heute sind positive Maßnahmen notwendig, damit sich nicht das antisemitische Gift in alle Turnvereine und Sportgruppcn einschleicht, so daß wir unsere eigenen Kinder nicht mehr ausreichend schützen können. Die furchtbare Tat von Erfurt muß uns alle, Juden und Cliristen, aufrütteln, um Deutschland wieder von diesen, Makel zu befreien. Die grauenvolle Nachricht von der Friedhof 3 s ch ü n du 11 g in Erfurt war noch nicht völlig verklungen und schon kam aus diesem Mittelpunkt tvüstester bölkischer Agitation eine neue empörende Kunde: In der Nacht vom Sonnabend, den 20., znm Sonnlag, den 21. März, gegen W rrhr nachts find vier Fenster der Erfurter Synagoge von Bubenhand zertrümmert worden. Die Polizei hat in diesem Fall die Täter leider noch nicht ergreifen können. Es ist nur zu hoffen, daß Ermittlungen nach dieser Richtung zu Ergebnissen führen, und daß die gerichtliche Ahndung auch dieser Schandtat die jungen Burschen dieser Art nicht nur in Erfurt belehrt, daß derartige Bubenstück in einem geordneten Staatswesen und unter zivilisierten Mensche» nicht vollführt iverden dürfen. Die städtischen Behörden Erfurts haben ihre Entrüstung über die den Namen Erfurts beschmutzende „Schandtat" znm Ansdruck gebracht. Vor Beginn der Stadtvcrordnetensitzung am 19. März drückte der Sta dtver0rdn et env 0r steher im Namen der Stadtverordneten sein Bedauern über die F ried h0fS schün dnnge n aus. Erst jetzt ivird bekannt, daß ungefähr gleichzeitig mit dem Verbrechen in Erfurt der jüdische Friedhof in Löwenberg i» Schlesien von rohen Händen verwüstet wnrde. Dort haben die Täter als „Visitenkarte" Hakenkreuze auf die Grabsteint r ü in m e r gemalt. Die Täter, anscheinend Gymnasiasten, sind leider noch nicht ermittelt. Klarer als die tiefgründigste Whandlnng über die völkische Bewegung zeigen diese Vorkommnisse, in welch erschreckendem Umsange Moral und Sittlichkeit in dc ii jungen, irregeleitetes völkischen P a rtei j N n g ern e r s chü t t er t w 0 r de n si ndH