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Central-Verein-Zeitung · 1926-03-01 · Heft 3 (März 1926) · page 4

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
1926
Issue
Heft 3 (März 1926)
Date
1926-03-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
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hin, nun hoben sie den Türken. Rom und lateinisch Land hat ihn auch gehabt: hin ist hin. Und ihr Deutschen dürst nicht denken, daß ihr ihn ewig haben rverdct; denn der Undank und Verachtung wird ihn nicht lassen bleiben." Wir wollen diese Zeit nützen, denn sie ist die Notzeit des Anf- VarreS, »vir »vollen im Centralberei» diese .Kulturpolitik. Wir wolle« eine Liga für de« inneren Friede»» mitschaffe« helfen auf der hier c>»t>vickclte>» Grundlage. Wir fordern unsere «ichtjttdische« Mitbürger jeder politischen und Religiöse» Auffassung aus, eine solche Liga »nitveg, ünden zu helfen, weil »vir es eben an» besten wissen, wie der innere Frieden he»»te und aus lange Zeit in ganz a,»deren» Matze» als es bisher der Fall »var, gc»vahrt und gefördert »verde»» »nutz. Bisher waren wir die Rufer in der Wüste. Wir sind nicht die allein Ängrgrifsene», solidem die. weil sehr stark angegrissen, vielleicht ain besten merken, wie stark das Unglück der inneren Zerspaltung und Zersetzung ist. Darum ans Werk!" „Im bewußten Gegensatz zum Deutschtum"... Die Statuten des Deutsch,rationalen Krankenversichernngsvereins. Bor nicht langer Zeit ist vom Deutschnationalen Handlungsgchilfenberband der Deutschnationale Krankenversicherungs- Verein a. ®. (Hamburg 36, Holstcnwall 35) ins Leben gerufen worden. Dieser Krankenversicherungsverein verschickt ein Werbeschreiben, in dem sich folgender Satz befindet: „Juden und Angehörige von Nationen, die in bewußtem Gegensatz zum Deutschtum stehen, können die Mitgliedschaft nicht erwerben." Durch diese Form der Propaganda einer angeblichen Mittelst a n d s v c r s i ch e r u n g müssen sich die deutschen Juden schwer verletzt fühlen. Die Gegenüberstellung von Deutschen und Juden und ihre Znsanimenstcllnng mit „Angehörigen von Nationen, die in bewußtem Gegensatz zum Deutschtuin stehen", stellt eine unerhörte Beleidigung dar. Aus eine Beschwerde bei dem Reichsaufsichtsamt für Privatversicherungcn wurdederBescheiderteilt,daß dieser verletzende Satz allerdings bereits in dem Entwurf der Satzungen gestanden habe, die dem R e i ch s a u f s i ch t s a m t zur Genehmigung v o r g e l e g t wurden, daß das ReichSamt den Passus aber als „nicht genehmigungsfähig" bezeichnet habe. Auf eine Eingabe des Deutschnationalen Krankenversicherungsvereins hin habe das Reichsaufsichtsamt verlangt, daß Prospekte und andere Werbeschriften nicht die beanstandeten Worte enthalten dürfen. Daraufhin habe der Vorstand des Deutschnationalen Krankenversicherungsvercins erklärt, daß die beanstandete Werbeschrift bereits vor der endgültigen Genehmigung der Satzungen in Druck gegeben war, um sofort nach Eingang der Genehmigung versandt zu werden, daß aber die nach der Genehmigung der Statuten herausgegebenen Druckschriften die beanstandete Stelle nicht mehr enthalten werden. Sie werde auch in Zukunft nicht mehr in die Drucksachen des Vereins ausgenommen werden. Das Rcichsaufsichtsamt hat dem Deutschnationalen Krankenversicherungsverein dann aufgegeben, die beanstandete Werbeschrift nicht weiter zu verwenden. Es ist nun streng darauf zu achten, ob der Deutschnationale Krankenversichcrungsvercin dieser Weisung des Neichsaufsichtsamtes auch wirklich nachkommt. pogromhetzerpuüorzuGefängms verurteilt. Dr. Pudor, der Führer des Deutschen Volks rates, dessen Handzettel „Macht ganze Arbeit mit den Juden" und „Best ien reizt man nicht, man tötet sie" seinerzeit große Erregung verursachten, ohne allerdings die gebührende gerichtliche Beachtung zu sinken, hatte sich vor wenigen Tagen vor dem S t a a t s g e r i ch t 8 h o s zum Schutze der Republik zu verantworten. Dein Angeklagten wurde zur Last gelegt, in den Nummern 12 lind 13 der Zeitschrift „Hakenkreuz" mehrere Artikel geschrieben zu haben, die. zur Ermordungdes Außen in inist e r s und zu Gewalttaten gegen Juden ausfordert c n. Gleichzeitig wurde in einem anderen Artikel Reichspräsident v. Hindenburg auss schwerste verleumdet und beleidigt. Pudor »vurde wegen Vergehens gegen §§ 7 und 8 des Nepublikschutzgesetzes zu 1 Jahr 3 Wonaten G esängnjs und 100 Mark Geldstrafe verurteilt, sowie zur Tragung der Prozeßkosten.?tu0 -ein Zcankenlanöe. Völkische Wühlarbeit auf vem Lande. Zwischen Donau und Main liegt ein Stück Bayernland, das mii Ausnahme Nürnbergs wenig bekannt ist. da8 protestantisch« Franken. Diese Landschast nimmt sich aus »vie aus einem Bilderbuch herausgeschnitten, Accker und Wiesen, ein bißchen Wald und ein bißchen Berge, Dörfer mit Fachiverkbauten, kleine Städte mit Ummauerung, Türmen und gotisck)en Kirchen. Sie macht einen sehr gemütlichen und friedlichen Eindruck, und doch ist dieses Land heute der Herd der völkischen Bewegung. Der Fremde, der in die kleinen Städte und Dörfer kommt, wird jede Woche große rote Plakate mit Hakenkreuzen finden, mit dem bekannten Zusatz: „Juden haben keinen Zutritt". Hier reisen die völkisclM ReiüMagsabgeordneten Dietrich und Strasser und die Nürnberger S t n d t r ä t e Holz und Streicher Von Ort zu Ort und versuchen, den Kleinbürgern und Bauern weiszumachen, daß die Juden an all' ihrem Elend schuld seien. Sie bestreiten ihre Vorträge mit dem „jübifdjen Dawes-Plan", der auf völkisch „Davibsplon" heißt, behaupten, daß die Juden an den hohen Steuern schuld seien und daran, daß der Bauer heute seine Produkte so schlecht absetzen kann. Sie erzählen Schauermärchen von den Inden, und vor allem Streicher kann sich nicht genug daran tun, die schlechten Instinkte seiner Hörer auf sexuellem Gebiete aufzupeitschen. Sie werden unterstützt von dem Schmutzblatt Streichers, dem „Stürmer", und ersindeir immer neue Gloriolen für ihre eigenen Häupter. So bezeichnet sich Streicher jetzt als „Frankensührer", ein Wort, das für den Kenner der Verhältnisse nicht unbedenklich ist; denn es gibt nicht nur einen bayerischen Parti ku larismus, cs gibt auch einen fränkischen. Tie Zeiten sind noch nicht fern, wo man von linksradikaler Seite das Wort von der „freien Republik Franken" hörte. Wer Deutschland liebt, wird einem solche» Spiel mit dem L o k a l p a r t i k u l a r i s m u s nicht ohne Sorge ,Zusehen können. Bielleicht denken die Jünger Streichers bei dein Wort „Frankensührer" auch an die fränkisckM StammeMmge oder an Gestalten >vie Florian Geyer, die den Bauernkrieg in Franken führten. Aber was Hot mit solchen Vorstellungen her'Heine, dunkeläugige Streicher mit seiner „Nationaltracht", Lodcnjacke, Reitstieseln und Hundepeitsche, zu tun? Diese Agitation hat bereits ihre Auswirkung gesunden. In vielen Orten werden in den Wirtschaften wüste Reden geführt, die Fahrräder zieren sich mit Hakenkreuzfähnchen, rmd wer nicht mittut. St vor der Gefahr des Boykotts. In dem kleinen fränkischen dtchen Neustadt, wo seit alters her Christen und Juden in friedlichem, bürgerlichem Einvernehmen miteinander lebten, zu kukrurellen und geselligen Zwecken immer zusammenkamen, wurden bereits zweimal die Fenster der Synagoge ein. geschlagen . . . Wie läßt sich das nun bei der Beruhigung, die allgemein und auch in Bayern seit dem Jahre 1923 eingetrcten ist. erklären? Tie völkische Bewegung dieser Zeit hat sich nicht nur gegen d i e Juden, sondern ebenso gegen die Katholiken gerichtet. Ter Katholizismus konnte ihrer Herr werden aus Grund der Disziplinierung seiner Massen, des höheren zwingenden Einflusses der Kirche aus jeden einzelnen. Dem Protestantismus mit seiner individualistischen Gestalt sehlt die breite Organisation außerhalb der kirchlichen Gemeinde, der starke Einfluß auf die Masse seiner Anhänger' und er hat bei seinem Grundsatz der Selbstverantwortlichkeit des Mensclzen nicht die Möglichkeit des Zwanges aus den einzelnen. Dazu kommt, daß die Not der Landwirtschaft, die den mittleren und kleinbnuerliä-en Besitz in Franken besonders hart trifft, ein g ü n st i g e r Boden für jede Art von Aufhetzung ist. Ter fränkische Bauer war vor dem Krieg stark verschuldet, und es ist ihm dann während der Inflation gelungen, seine Hypotheken abzutragen. Nun sollen diese Hypotheken, wenn auch nur zu eine»! niederen Prozentsatz, ausgewertet werden, und selbst diese kleinen Beträge fürchtet er bei den schlechten Zukunstsaussichten der Landwirtschaft späier nicht nufbringen zu können. Ter Bauer in Not sucht das Idol irgendeines Feindes, der an seinem Elend schuld ist. Die SCöififd>en üben einen weiteren Reiz aus: Obwohl auch sie längst in den Hasen des Parteiwesens cingelausen sind, arbeiten sie immer nock) mit den Schlagworien „Bewegung". „Gefolgschaft" usiv. Hier kommen sie gerade init ihrer Lust am Hauen und Stechen der vom Geistigen unberührten Romantik vom Landsknechtswesen entgegen, die in jeder notleidenden Bevölkerung leicht Wurzel schlügt und für die besonders die Jungbauern, die der Krieg zum erstenmal aus der Enge der Heimat und weg von ihrer Arbeitslast führte, empfänglich sind. Was kann gesäzehen? In erster Linie wird es Ausgabe des C.B. sein, aus Grund seines besseren Rechtes Aufklärung zu schaffen. Auch der Staat und seine Behörden werden ihre Autorität gegen die Unruhestifter wahren müssen. Stärker aber als Agitation und Staatsgewalt ist der gesunde Geist des Volkes, der sich immer wieder durchringt und aus den Zeiten des Chaos wieder zu einem friedlichen Bürger- und Bauerntum führt. Krieg und Revolution haben es erschüttert; die Zeit liegt noch kurz hinter uns und die Entwicklung zu festen, sicheren Verhältnissen geht in den verschiedenen Schichten und Stämme» des deutschen Volkes nicht im gleichen Schritt vor sich. Das ländliche Franken braucht besonders lange; aber wir dürfen mit Sicherheit hoffen, daß wieder einmal die Stimmung der Natur unseres Lcmdes, sein friedliche und deutsä-e Art, in Einklang komint mit den Menscher», die e8 bebauen. . . .m.

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