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Central-Verein-Zeitung · 1926-02-01 · Heft 2 (Februar 1926) · page 4

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
1926
Issue
Heft 2 (Februar 1926)
Date
1926-02-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
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12 Noch eine kurze Bemerkung zu der Zuverlässigkeit der Zahlen. Steuern zahlen ist die Leidenschaft der wenigsten Menschen, und jemand der Steuer gegenüber sein Einkommen hoher angibb, als es in Wirklichkeit ist, soll selten Vorkommen. Eher ist das Gegenteil der Fall, unter uns Inden ebenso wie.bei unseren andersgläubigen Mitbürgern. Aus dieser Erwägung heraus mochte man vielleicht meinen, daß das gezeichnete Bild zu düster sei; aber dem ist entgcgenzuhnlten, daß ja unserer Betrachtung die Zahlen der Reichseinkvmmcnsteuer von 1924 zugrunde gelegt sind. Jnztvischen ist erst die furchtbare Not in ihrer ganzen Schwere über uns gekoinmen. Znhleimiä'gig tonnen wir jetzt »och nicht die Große unseres wirtschaftlichen Zusammenbruchs ersasim; aber wjN wissen alle, daß sich die Verhältnisse seit 1024 bedeutend verschlechtert haben, so daß selbst die vorsichtigsten Angaben der Steuerzahler überA ihr damaliges ISiut'mumeu immer viel zu hoch sind im Vergleich zst» den Ziffern, die ihr Einkvinincn in der jetzigen Krise erreichen kann.U Die Not der Abgebanten. die Verelendung des Mittelstandes, die er^z schreckend ansteigende Zahl der Selbstmorde auch bei Inden, sic zeigen 1 uns bei jedem -schritt, daß wie noch von der Ileberwindnng 1 der Folgen der Jnslntiv» iveit entfernt sind, und daß wir alle W Kräfte anspannen müssen, uz-» ,das große, durch sie hervvrgerufeneH Unglück zu lindern. De. L. 2l. Lacb. mtt Wochen OoK«. Das öeutfthe Köln* Eine wahrhast intftomtfc Tycicv. Zn einer erhebenden Feier, die Hunderttauftnden in ,-öln uivb Tentschland aus Herz gegriffen hat/wurde die Freiheit Kölns dem deulsetien Bolle ivicdergeschentt. Mit Biillionen christlicher Volksgenosse» feiern Hnnderttansende jüdischer Deutscher diesen Tag. Jedermann, der nickst verblendet ist, keimt die uralte Verbundenheit der deutschen Inden am schönen Rhein mit der geliebten Heimaterde. Air sind bei ihnen und bei allen wahrhaften deutschen Volksgenossen in diesen Tagen und freuen uns, daß nach langen, schweren Jahren über Köln wieder die deutsche Flagge tvcht. Gemeinsame Sorge schiniedet alle Volksgenossen jedweden Bekenntnisses zusammen. Möge dieses imnge Zusammenhalten i»! Leide die beste Wehr gegen alle Umtriebe sein, die schon jetzt am Rheine gegen denrsehe Volksgenossen einschcn. Haß ist ein schlechter Vanmeistcr für das Halis, das sich das Deutschland unserer Tage in schwerster 'Not errichten muß. Alle wahren Vaterlandsfreunde mögen am Rhein und anderswo sich vereinigen und gegen Zwietracht uno Demagogie emnintig ihre 'Stimme erheben. Das Rsichsehrenmal. Eine Aussprache beim Reichspräsidenten. Nach Zeitniigsliieldiingen hat der Herr Reichspräsident Vertreter des Kysshäuserbundes, des Stahlhelms, des Reichsbanners Schwarz-Not-Gold und des Neichsbundes jüdischer Frontsoldaten empfangen, um mit diesen Organisationen über die Errichtung eines Rcichsehrenmales für die deutschen Gefallenen im Weltkriege sich nuszusprectzen. Jeder wahrhaft vaterlandsliebende Deutsche, iveleher Pariei und Konfession auch immer, wird sich herzlich sreucn, daß der hehre Wille, oie unzähligen und im Gedächtnis des deutschen BvlkeS ewig lebenden Gefallenen im W-eltkriege durch ein Heldenmal zu ehren, die Gegensätze der Organisationen überbrückt und sie zu gemeinsamem Handeln geführt hat. Eine rechtsstehende Zeitung, die „Braunschweigische L a nd e s z ei t u n g" (Nr. 3V vom 30. Januar 1026), schreibt dazu: „Es geschehen doch noch Wunder in unserem heutigen Deutschland! über ist es nicht eilt wunderbares, ein erhebendes Gefühl, wenn man bedenkt, daß die Führer des Stahlhelms (Bund der Frontsoldaten), des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold und des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten sich au einem Tisch zusamniensetzcn und beraten . - ." Daß der Münchener „Völkische Beobachter" und die „Deutsche Zeitung" lzüinische Bemerkungen und Verunglimpfungen an dieses erfreuliche und Mm erdrückenden Teile des deutschen Volkes lebhaft begrüßte Ereignis knüpfen, sei als selbstverständlich hier nur kurz erwähnt. Mussolinis Beschützer. Die hohe Politik vcs „Völkischen Beobachters". Die Haltung der nationalsozialistischen Kreise in der Südtiroler Frage ist wert, gerade in diesen Tagen einmal unter die Lupe genommen zu werden. Wie man auch politisch eingestellt sein mag, man wird die jüngste Rede des italienischen Ministerpräsidenten als eine bedauerliche Entgleisung und bittere Verletzung der deutsche» Gefühle und unseres Staatswesens ansehen, in dem eine vollkommene Entwaffnung dnrchgefichrt worden ist. Die Nationalsozialisten aber bekommen es tatsächlich fertig, schon bevor Mussolinis Worts gefallen waren, die Schuld an allem — dem Judentum in die Schuhe zu schieben. Der Münchener „Völkische Beobachter" vom 2. Februar 1926 schreibt tatsächlich wörtlich das Folgende: „Und reim beginnt der Doutschsüdtiroler EriSapfcl seine Schuldigkeit zu tun: Die Stimmung zwischen Deutschland und Italien verschlimmert sich zusehends. Lassen wir uns bei der Beurteilung der Lage durch keinerlei Sentimentalitäten beirren, mi-t welchen jetzt so reichlich die Judenpresse wieder einmal die politische Denkfähigkeit des deutschen Volkes zu umnebeln sucht. Zu einem sehr klaren und durchsichtige,, Zwecke; dem als Nationalisten und Freimaurerbekämpfer bestgehaßten Mussolini Schwierigkeiten zu bereiten. Daß wir am Ende dabei leicht die Leidtragenden sein könnten, was kümmert dies weiter das Judentum!" Es würde den nationnlsoZialistifchen Politikern wohl besser anstehen, in dieser Frage fein stillzuschwcigen. Hitler, der einst oft gefeierte Deutsche Mussolini, verlangte am 24. November 1922 den Verzicht Deutschlands aus Südtirot und bezeichnte die Klagen der Deutschen über die Leiden unserer Südtiroter Brüder als Geschwätz. Es kam so weit, daß die sozialdemotraliiehe „Münchener Post" Angriffe gegen die undentsche Hatumg Hitlers in der Südtiroler Frage richten mußte. So sehen die Nationalsozialisten aus, die bei zeder Gelegenheit als Deutschlands Retter sieh großkuu. Jungöo. Die Berliner! Knndgebnng Des Iungdentschen OrVcns. Wie durch die große Presse bekannt geworden ist, schwebt gegen den Hochmeister des Iungdentschen Ordens, Arthur Mnh-rann, wie gegen den Ordenskanzler Otto Born c in a n it ein Verfahren wegen Hochverrats, Es ist nicht Aufgabe dieser Zeitung, dazu Stellung zu nehmen, bevor die Gerichte gesprochen haben. Diesem Verfahren gingen scharfe Auseinandersetzungen im Jungdeutschen Orden voraus, bei denen es zu Austritten einzelner Gruppen gekommen ist, Wie die Dinge sich weiter entwickeln, und ob insbesondere eine wirkliche Spaltung im Jnngdentschen Orden eingetret-en ist — so schreiben nationalistische ^Blätter —, ist bis jetzt noch nicht klar zu ersehen. Diese Vorgänge nahmen der Ordcnsmeister und der Ordenskanzler zum Anlaß, eine programmatische Kundgebung des Ordens in Berlin zu veranstalten. Planche Zeitungsberichte darüber sprechen sich dahingehend aus, als sei durch diese Kundgebung eine Schwenkung des Jnngdentschen Ordens in der Judcnsrage eingetreten. Zur Prüfung für unsere Leser geben wir die in Frage kommenden Stellen aus der offiziellen ausführlichen Mitteilung' über die Kundgebung in der Tageszeitung „Der Jnn gdentsche" (Mittwoch, den 27. Januar 1926, Nr. '22) wieder: , ... So haben auch wir das Fronterlebnis als das Leben für uns gerettet. Wir tragen den Beweis in uns, daß cs eine Kameradschaft gibt zwischen Menschen jeden Glaubensbekenntnisses, zlvischen Mensche» jeden Alters und jeden Ranges. Das nannten wir im Felde Kameradschaft. Und heute, da wir diesen einzigen Kriegsgcwin», den wir nach Hause brachten, zum Untergrund unseres Empfindens mackirn wollen, da nennen es wir: Gemeinschaft . . , . , . Mögen die, welche das Wort „national" heute als gegnerisch aujfaifeii, mit uns übet Ideen diskutieren. Wir wollen uns der Phrasen wegen nicht die Zähne einschlagcn. Es gibt nur ein Volk, das ist das deutsche. Und zu diesen, Volk gehören die. die heute national sind, und die, von denen man behauptet, sie wären international. Zu ihm gehören die, welche sich unter den schwarzweibrvten Fahnen samnlctii, aber auch die, welche dein schwarzrotgoldenen Banner folgen. Es gibt nur eine gemeinsame Front, nämlich die der Idealisten aller Lager, die bereit sind, für ihr Vaterland ihr Leben in die Schanzen zu schlagen. Ich sehe nicht in jedem Demokraten einen, der nicht deutsch ist. . . . Wenn Bruder Vornemann sagte, daß ihm ein anständiger Neichsbamiermann lieber ist als ein unanständiger Nationaler, dann kann ich das mir unterstreichen. Ich behandele auch einen Juden anständig, solange er anständig ist. Die Judcnsrage läht sich nicht so lösen, wie es viele Fanatiker wolle». Wenn man eine Wunde am Körper hat, so nützt es nichts, das Geschmeiß der Fliegen sortjagen zu wollen. Man mutz daslir sorgen, das, die eiternde Wunde heilt, das; der Körper gesundet, dann fliegen die Fliegen allein fort. Wir Jungdeutschen setzen an Stelle des Fanutisnins auch in dieser Frage de» Heroismus, der allein zur Gesundung führen kann . . Die Presseberichte, insbesondere über die Stelle, an der M a h r a u » über die Judcnsrage spricht, weichen von der ofsiziellen Darstellung des Jnngdentschen Ordens erheblich ab, so daß gerade bei dieser wichtigen Stelle entscheidende Unklarheit vor- Händen ist. Wir werden daher die tveitcre Entwicklung des Jnngdentschen Ordens und seine Stellung zu de» Inden abwarten müssen, ehe wirzu entscheide» vermöae», ob in der bisher jndengeguerischen Eill^ stellnng des Ordens eine Aenderung erfolgt ist.;

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