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Central-Verein-Zeitung · 1926-02-01 · Heft 2 (Februar 1926) · page 3

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
1926
Issue
Heft 2 (Februar 1926)
Date
1926-02-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
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UNS. daß wir die edelsten Deutschen sein können, indem wir dem Prophetengebot folgen, für das Wohl der Stadt und der deutschen /Gemeinschaft zu leben und zu opfern. Nnd wenn wir heute einen kritischen Blick in uns selbst tun, so geschieht dies, weil nach unserer Auffassung alles Leiden nicht zu mystischen Betrachtungen, sondern zur Besserung dienen soll. Gerade weil weiten Kreisen innerhalb unserer Mitbürger die Selbstkritik verloren gegangen ist, wollen wir sie betreiben und wellen an unserer Selbstvollkommenheit arbeiten. Damit erfüllen wir ein jüdisches Gebot, ersüllen die Forderung der Pro, pheten, die in foldjet Lage stets in schärfster Form Selb stein« kehr verlangt haben. lind ivcnn Irene T r i c s ch aus dem 90. Psalm uns nachher Worte Vorträgen wird: „Erfreue uns, soviel Tage Du uns gebeugt, soviel Jahre wir Unglück sahen", so wissen wir, daß uns der Wunsch nach Frieden ersüllen wird, wenn wir eines in uns täglich und stündlich zu erfüllen suchen: Das Bündnis des Geistes mit dem L e b e n z u schließen. Und das tut der Ccutralverein. Bo ist der Wische Bohlsland geblieben? Sic SkeuerskaWk bet Berliner Wischen Gemeinde. Zu den Grunddogmen des richtigen Rutisemitcu gehört die Lehre, daß die Juden die Inflation hervorgcrufcn hatten, um die Aussaugung ihrer Mitbürger in beschleunigtem Tempo vornehmen zu können. — In Wirklichkeit tritt immer deutlicher zutage, daß die Verfehlungen in nuferer Finanzpolitik im Kriege die direkte Ursache unseres Währungsverfalls waren. ES wurde in der Finanzpolitik ebenso va banque gespielt wie in der Außenpolitik; wurde der Krieg gewonnen, mußte der Feind alles zahle», ging der Krieg verloren, war alleS verloren. Daß das „alles verloren" letzten Endes nichts weiter ist alS eine Phrase, daß ein 60-Millwncn-Aolk auch nach einem verlorenen Krieg weitcrleben muß und darf, incrkte man erst, als man die Folgen dieser Politik zu spüren begann. Diese wahren Ursachen der Inflation treten durch die Untersuchung der Verhältnisse in der Kriegsnnd Nachkriegszeit immer deutlicher zutage, und die Verdächtigung der deutschen Juden als UrlMcr der Inflation kann heute wirklich nur noch von denen ausrechterhalten werden, die sich nicht eines Besseren belehren lassen wollen. Wie ist cs nun mit den Vorteilen, die die Juden angeblich durch die Inflation gehabt haben sollen, in Wahrheit bestellt? An und für sich hätte es im deutschen nationalen Interesse gelegen, wenn möglichst tveite Schichten der Bevölkerung verstanden hätten, ihre Vermögcnstvcrte trotz des Währungszusanunenbruchs zu erhalten und die Verschleuderung bedeutender Werte ins Ausland zu verhindern. Ehrlos gehandelt haben mir die Kreise, die sich mit Hilfe der Inflation ans Kosten der Volksgenossen bereicherten. Aber wir Inden gehören nicht zu denjenigen, die von der Inflation profitiert haben, noch nicht einmal zu denen, die ihre Vermögenswerte bewahrt haben. Im Gegenteil, die finanzielle Lage, in der sich die Mehrzahl der deutschen Juden befindet, ist überaus traurig, und die Verhältnisse verschlechtern sich von Tag zu Tag. — Außerordentlich lehrreiche Aufschlüsse über die Einkommensvcrhältnisse der Berliner Juden bringt die Znsaniinenstcllung der Jüdischen Gemeinde zu Berlin über die Gruppierung ihrer Zenstten nach dem Einkommen. Zahlen, die wir, in Ermangelung anderer llnterlagen, ohne Bedenken als symptomatisch für ganz Deutschland annchmen können, da Berlin init einer jüdischen Bevölkerung von rund 250 000 Seelen etwa 40 v. H. der deutschen Inden in seinen Maliern beherbergt. Die Einlommenszisfer der Berliner Jliden lvar vor dem Krieg im Durchschnitt immer höher als die ihrer Glaubensgenosse» im übrigen Deutschland, so daß. sollten durch die Zusammenfassung der EinkominenSverhältnisse aller deutschen Inden die Berliner Ziffern eine Korrektur erfahren, diese nur eine Verschlechterung aufiveiscn würden. Zunächst eine Zusammenstellung über die Gruppierung der Zenfiten nach dem Einkommen in absoluten Zahlen: Zur Stcucr hemttgeMcnc Einkc e i Steuerliche Einlonimcr /Unter 1200 M. 782 - über 1200— 2 400M. 11272 r „ 2 400- 3 600 9)1. 7 534 -i. „ 3 000- 5 000 9)}. 4 797 „ 5 000— 8 000 9)}. 5 507 L 8 OOO- 12 000 9)1. 3 686 ' .. 12 000— 18 000 M. 2 391 18 OOO- 25 000 M. 1 422 u 25 000— 50 000 9)1. 1967 :T 50 OOO—75 OOO 9R. 672 75 000—100 000 9)1. 308 '** 100 OOO 9)1. 579 pflichtigen Eint., das der Reichseinkvmmensteuer Januar biSJnni 1021 entsprechen i,' Sur ajeiuertimo dieser Zahlen ist zunächst zu beachicn, daß, zum von heute, vor dem Krieg die Einkommen unter WsO,Goldmark im allgemeinen von der Besteuerung durch die ^Mlch.e Gemeinde Berliir befreit blieben. Zieht man aber die Zahl derer, die heute ein Einkommen unter 1200 Goldmark versteuern, von der Gesamtzahl der Steuerzahler ab, so sieht man, daß trotz wesentlich verschärfter Veranlagung gegen die Vorkriegszeit, trotz der bedeutend lvciteren Fassung des Einkommensbcgriffcs durch die Reichs einkominensteuer gegenüber der früheren preußischen Einkommensteuer, sich die Zahl der Steuerzahler nicht wesentlich geändert hat. Ein Einkommen von 1200 Mart auswärts versteuerten in Berlin im Jahre 1925 4 1 3 7 9 jüdische Steuerzahler, gegen 40 135 in den Jahren 1913/14. In dieser Zeitspanne ist aber die jüdische Bevölkerung Grotz-BcrlinS in erster Linie durch den Zuzug aus den abgetrennteu Provinzen im Osten, besonders anö Posen, Westprruße» und Oberschlesic», um etwa zwei Drittel ihres Borkriegsbestandes gewachsen. In Prozentzahlen, berechnet auf die jctveilige BevölkernngSzisfer, ergibt sich also folgendes Bild: Nach {Jinfommoi: Nach Ciütomme» N i ch t zur Staatssteucr herangezogen. bzw. unter 1200 Nt. Einkommen 73,3 %d.Bev. 83,8 %d.Bev. 2 400 M. Einkommen 8 000 M. 18 000 M.!, 50 000 in. „ 0,4 % 75 OOO M. „ 0,1 % 75 000—100 OOO M. „ 0,04% 100 OOO M . Einkommen Leider ist es nicht möglich, diese Ziffern mit den entsprechenden Zahlen für die Gesaintbevvlkerung zn vergleichen, da aus dem Ausweis der Reichseinkouunenstencr die Verteilung aus die verschiedenen Einkoimnenschichten nicht ersichtlich ist. Ebenfalls wurde in der Aufstellung der Tatsache nicht Rechnung getragen, das; die Kaufkraft des Geldes gegen die Vorkriegszeit bedeutend gesunken ist. Wir sehen auch so, daß es leider nicht übertrieben ist, von einer w n ch send e » P r ölet a r i f i c r n n g der jüdischen Bevölkerung zu sprechen. Wir sehen, daß die Zahl derer, die die großen Eiiikvmme» beziehen, und auf die hingewiesen wird, wenn von dem jüdischen Großkapital die Rede ist, außerordentlich gesunken ist. Die dünne Oberschicht ist so zart geworden. Vaß man kaum mehr von einer Schicht sprechen kann. Die Männer mit den großen Einkouimen sind säst Eiuzelerscheimmgeu geworden. K a um mehr als ein Drittel des Prozentsatzes der Bezieher von E i » k o m m e n über 1 2 0 0 0 9)1 a r k ist i m B c r h ä l t» i 8 zur Vorkriegszeit geblieben; nur der weitaus kleinere Teil der Steuerlast wird von starken Schultern getragen. Zur Deckung ihrer Ausgaben ist die Gemeinde in erster Linie ans die Besteuerung der kleineren und kleinsten Einkommen angewiesen. •1 - Außer durch den Rückgang der Steuereinnahmen tritt aber auch die Abnahme der großen Einkommen durch das fast völlig« ,Ausbleiben von neuen Stiftungen naturgemäß stark in Erscheinung. Vor dcni Krieg befaßen die wohltätigen Anstalten der Indischen Gemeinde zu Berlin ein Stistnngsvermögen von etwa 25 Millionen Goldmark, aus dessen Zinsen die Waisenhäuser, Alters- Heime usw. zum großen Teil erhalten werden konnten. Dieses Kapital war selbstverständlich mündelsicher angelegt, und im Krieg betrachtete es die Gemeindeverwaltung als Ehrenpflicht, für einen großen Teil dieses Betrages Kriegsanleihen zu zeichnen, so daß dieses einst so stolze Vermögen heute säst zu nichts geworden ist: nnd ebenso >vie der JüdisckM Gemeinde zu Berlin ist es dm Gemeinden im Reich mit ihrem Vermögen ergangen. Alles in allein steht man, daß von Vorteilen, die die Juden durch die Inflation gehabt haben, keine Rede sein kann; im Gegenteil: wir leiden unter den Folgen des Währungszusammenbrut^ mindestens ebenso stark wie die nichtjüdische Bevölkerung, und leiden jeden Tag stärker. . - ' ■

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