Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 1926
- Issue
- Heft 2 (Februar 1926)
- Date
- 1926-02-01
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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aller Innigkeit., das; cs der Menschheit Bestimmung sein mutz, den H a ß z u überwinden. Sie lehrt, daß es eines jeden Wesens sittliche Aufgabe ist, in solchem Sinne zu wirken. Sv glaubt die jüdische Religion an ein Ende des Judenhasses und legt dem Menschen die Pflicht aus, an seiner Stelle mit seiner Kraft, sei sie noch so gering, gegen ihn, zu kämpfen. Die jüdische Religion ist in alle» ihren Äorausschungen, Wegen und Zielen vvn einein unbedingten Optimismus geleitet. Gerade beim Antisemitismus eine Ausnahme zn machen, wäre ein unsinniges Streben gegen den Sinn des eigenen Seins. Dem Menschen und der Menschheit Freiheit des Wollens und Kraft des Handelns ziigestehen, für das engbegrenste Gebiet des Judenhasses aber eine diirch nichts begründete AiiSliahine zu machen und hier düsteren Fatalismus zu Predigen, wäre ein Aitentat auf die gesunden Triebe der Seele und auf das logische Denken. Tie jüdische Religion kennt keine Resignation, und >ver aus religiösem Boden steht, wird gewiß die Schwierigkeiten des Kampfes schmerzlich einpsinden, wird bedauern, das; die Fortschritte oft unsagbar kleine sind. Aber vvn einer Danaidmarbeit kann er nie und nimmer reden. ES mutz überdies — da'S ist von größter Wichtigkeit — beachtet ivcrden, das; der Kampf g e g e n d e n Antise - m i t i s m u s auch eine n a ch .innen s i ch richtende Wirkung hat. Wer aktiv an ihm teilnimmt, mehrt seine innere Festigkeit und seine Würde. Hierin liegt übrigens auch die ivichtige Bedeutung d e r K l e i n a r b e i t, über die sich ja der nationaljüdische Spott sonst so hemmungslos ergießt. Wohl ist auch richtig, das; jeder nur »ach seinen Kräften Taten vollbringen kann, und daß demnach, da große und großzügige Menschen nicht io oft Vorkommen, die Kleinarbeit meist das Gegebene ist! Wohl ist auch ferner richtig, daß Geringes sich;»m Geringen fügt und allmählich Großes ausmacht, während die lauten Künder der Großzügigkeit um jeden Preis es meist aus Mangel an Kräften über Redensarten nicht hinausbringen! Aber wesentlich ist, daß der Kampf gegen den Antisemitismus eine ivirklichc Aktivierung des einzelnen bedeutet' Jeder wird in die Arbeit hineingezogeii, jedem wird Verantwortung aufgcbürdct, jeder freut sich seines Erfolges, sei er — am Ganzen gemessen — auch noch so klein. Und damit wird jedem eine Mehrung seines Selbstbewusstseins, seiner inneren Kraft zuteil. Keiviß bedeutet sie an sich noch keinen Zuwachs an positiver jüdischer Gesinnung, aber sie ist auf dem Boden eines Kampfes ul» jüdische Stellung erworben, sic wirkt sich darum in jüdischem Sinne aus, und der wirtliche Ansschivung aller auf positives Judentum gerichtete!, Bereinignugen und Institute in Deutschland datiert erst seit der Zeit, da die G e n t r a l v c r e i n s e r z i e h u n g größeren Teilen der deutschen Jude n das Bewußtsein für W ü r d e und eigene Kraft zurückgegebeu und damit den Boden für weitere jüdische Arbeit geebnet hatte. Wer die Erfolge de s K a m p f e s um die ©fei ch - berechtig u n g geschichtlich erkenuen will, muß schon weitere Zeiträume überblicken. Wer sie sofort erfassen mochte, schaue in die jüdische Seele und in das jüdische Leben! Auf die Gewalt des Antisemitismus haben ivir keinen immittelbaren Einfluß, sie hängt von politischen Ereignissen ab, Wellenberge wechseln mit Wellentälern ab, und die Wirkung unseres MühenZ aus seine Wucht kann erst in langen Jahrhunderten kuudwerden. Aber es ist nicht gleichgültig, ob man durch den tobenden Strom auf schwachem, leckem Boot oder auf stattlichem Ozeandampfer fährt. Es ist nicht dasselbe, ob der Jude in Schwäche und bangem Zagen oder mit innerlicher Festigkeit und dem Bewußtsein seiner Kvast und Würde dem Haß entgcgentrikt. Diese innerliche Stärke verleiht der Kampf, den der Centralverein führt, und sein Verdienst um die Erziehung der deutschen Juden in diesen letzten schweren drei Jahrzehnten ist darum u n e r m e ß l i ch. In einem freilich haben unsere Gegner recht. Halbes Hoffen ist schlimmer als ganzes Zagen! Ganzes Hoffen und g a n z e Arbeit sind v v u nöte u! Noch hat die I u d e n h e i t Deutschlands d e n E r n st der L a g e n i ch t e r k a n n t, noch ist die Arbeit spärlich, lind nur stockend fließen die Mittels Wirklich hoffen darf aber nur, wer strebt und lvirkt. Und ein inneres Recht, den Pessimismus i>nd die Resignation zu brandmarken, hat mir der Jude, dessen Hoffen getragen wird vvn freudiger Tat. Das; der Ceutralverein d e n r e ch t e n Weg des Optimismus g e h k, 'i in U eberein st immung mit der jüdischen Lehre - ii n d d er jüdi sch en Gesch i ch te. ist gew i ß. Daß aber noch nicht alle deutschen Juden ihm Gefolgschaft leisten, daß auch unter seinen Anhängern Lauheit und Zaghaftigkeit zuweilen herrschen, ist eine bittere Wahrheit, die für zukunsts- , frohe Arbeit die Wege weist, die alle überzeugten und tatwilligen Glieder zu immer größerer Leistung anspornen muß. der 9unö öes Geistes mit öem Leben. Eine Ansprache von Dr. Ludwig Holländer. Im groben Saal der „Gesellschaft der Freund o" drängte }id, nm Donnerstag, dem N.Fedrnar, ein andächtig lauschendes Publikum, >>»i Irene Triesch ju fjßteu. Tie gottbegnadete Künstlerin trug vor vielen Hunderten Grob-Berliner E. A.cr aus der Bibel und aus Klassikern vor. Tic gesamte Presse ist mit ans einig, das; dieser Abend für den grvften Zichörcrkreis eine unauslöschliche Erinnerung gewesen ist, and da» der einleitende Vortrag Holl ä n - ders die Herren empfänglich für die Kunst der Frau Triesch gemacht hat. Wir geben in folgendem einen Ausschnitt aus Holländers A »spräche: Wenn Irene Triesch am heutigen Abend den Wunsch ausgesprochen hat, die Darbietung ihrer genialen Kunst durch eine Ansprache über die Gedanken des Centralvereins eingelcitet zu sehen, so hat sic dies „ntcu dem Gesichtspunkte getan, daß die sittliche Forderung in der Bewegung deS Ccntralvercins in allen seinen Acußcruugcu an die erste Stelle gesetzt werden soll. Irene Triesch wird Misere Herzen weihen. Indem sie°unser Gemüt, unseren Verstand und unseren Willen durch die ewigen Gedanken der Bibel und der großen deutschen Gcistcshclde» läutert, ivilt sie einer Forderung genügen, die ivir alle im C. B. als das höchste Leitmotiv unseres Daseins empfinden, eine Forderung, die Steinthal einmal in die herrlichen Worte kleidete, mau müsse den Bund des Geistes mit dem Leben schließen. Das ist der Weg, den wir die jüdischen Tciitschcn führen wollen und müssen. Das Leben bietet „ns als Inden u n d ' a l s Deutsche eine doppelte Nachtseite. Als Deutsche sind mir in die Not unseres Landes h i n e i n g e - stellt. Wir scheu, ivie die Unschuldigen leiden, wie unser Vaterland, das durch die Trefflichkeit seiner Bürger bei allen ihren Fehler» ruhig den Konkurrciizkainpf mit allen Völkern ausnehmeu kann, mißachtet wird. Als Juden aber haben wir doppelt zu leiden. Tenn wer einen großen Teil unserer männlichen und weiblichen Jugend beobachtet, wer sieht, wie sich zahlreiche Unternehmungen weigern, jüdische Angestellte einzusteUe». wie ivir aus dem lauten Judenhaß in eine Periode lei - s-r. aber verbissener I u d en geg ne r sch a s t im Begriffe sind hinein',ngcheu. wer das alles beobachtet, wird als betrüblichste Erscheinung unserer Zeit feststclleu, daß sich zwar in der Form demokratische Gedanken durchgesetzt haben, daß wir aber tatsächlich weit, weit entfernt von jeder Demokratie sind! Gewiß ist L i b c r a l i s m u s und Demokratie nicht dasselbe. Es gibt eine Form der Demokratie, die keineswegs liberal ist. Aber im großen und ganzen muß eine wahrhafte Demokratie in ihrer Gesinnung wahrhaft liberal sei». Keine Zeit ist weniger l ,b ern l gewesen, als die unsere. Das muß uns schmerzen. Wir leben in dem Gedanken der nationalen M h t h c n. Es ist ein hohes Verdienst des französischen Denkers Francis Delaisi, der in seinem vor wenigen Wochen erschienenen Werk „I-os contradictions du mondc moderne“ einen Abschnitt der Bedeutung des nationalen Mythus gewidmet hat. Er weist darauf hin, ivie zunächst in rein politischer Beziehung der Bcgriis deS geheiligten Bodens, der Begriff der Nasse, der Begrisf des nationalen Geistes tmü der moralischen Auserwähltheit in allen einzelnen Völkern sich lediglich aus gewissen Machtmstinktcn solcher Gruppen heraus, die andere aus dem Felde schlagen wollten, entivickelt hat: und wie durch alle diese Mhthcn, die eine innere Begründung nach keiner Richtung hin vertragen, nicht nur Gejchichts-, sondern U e b e r z e u g u n g s 's ä l s ch u n g e n im schlimmsten Sinne des Wortes eiitstandeu sind. Fast jeden Tag erscheinen neue Bücher, in denen der Nachweis geführt wird, wie hochwertig die „germanische", wie minderwertig die „jüdische Rasse" ist. Wir sehen, wie auch bei uns von einem nationale» Genius des dcutschcii Volkes nicht nur im Sinne der Bewahrung seines Idealismus geredet wird, sondern wie dieser Genius auch heute noch in vielen Kreisen, wenn auch versteckt, zu nichts anderem dienen soll, als: Maßnahmen der Diktatur, der Unterdrückung und insbesondere der Unterdrückung der Juden zu schassen. Wir sehen, wie das Leben hart auf uns lastet. Aber wir sehen in unserer Geschichte, wie es der jüdische Idealismus von jeher gewesen ist, der derartige Perioden , häufigdurchlebt, aber stets überwunden h a t. weil er uns immer wieder darauf hinwcist, daß wir Kinder eines; Vaters sind, und daß ein Gott uns geschossen hat. , Ter gleiche Idealismus lehrt uns, daß wir an diesem Tage, wie j stets, eine Mission haben: für das Wohl nicht nur vwntz uns Juden, sondern aller Menschen zu leben: erpzeigW