Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 1926
- Issue
- Heft 2 (Februar 1926)
- Date
- 1926-02-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Blätter für-eotsclrtum^AM0ryair öes fentrol-Vmins üeutwker, unSIuoeMum.«E W EtaatÄckryeriüWckenowvden^Ä» 2Ul£$emeine Zeitung des Oudentums Wirklich Danaidenarbeit? Von Or. Felix Goldmann (Leipzig), Der Centralverein beschäftigt sich bereits seit drei unddreißig Jahren mit der Bckn m Pfung des A n t i s e - m itis m u §, und selbst der Gegner muß anerkennen, daß seine Leiter und Führer in dieser Zeitspanne unendlich viel an materiellen und geistigen Kräften, an Eifer und Energie a n f g e w c n d c t haben. Es drängt sich damit ganz von selbst die Frage ans, ob so großer Mühe auch rechter Lohn bcschjeden war, ob es sich gelohnt hat, den Kampf aufznnehmen, vb Ergebnisse sichtbar geworden sind, ob die Verhältnisse sich in dieser recht langen Periode gebessert haben. Daß der A n t i} e m i t i § m 11 § etwa auZgervttct sei, wird in unseren Tagen gewiß kein Mensch behaupten. Aus der Tatsache aber, daß wir heute mehr als je unter den Ausbrüchen und Quälereien des Judenhasses leiden, ziehen die Gegner des Centralvereins den Schluß, daß seine Ziele unerreichbar, seine Methoden falsch und verderblich seien. Besonders aus nationaljüdischer Seite kämpft man mit dem Argument, daß die Unsummen an Mitteln und Kraft, die der Feldzug gegen den Antisemitismus verschlingt, viel besser im Sinne „positiver" j ü d i s ch e r Aufgaben v e r w e n d e t werden müßten, und je nach Temperament und Laune berennt man den Turm unserer Ideologie mit den Sturmbvcken tiefgründiger Philosophie, dem ätzenden Sarkasmus der Alleswisser oder der ehrlichen Grobheit, die nun einmal von jeher charakieristische Ausdrucksform der Unwissenheit war und ist. Eine Zeitlaug war es freilich damit still, denn auch die Nationaljuden empfanden angesichts der Fülle der feindlichen Erscheinungen und ihrer Tiefe, unter dem Eindruck der Pogromgesahr und der greifbaren Bedrohung des jüdischen Rechts das Bedürfnis, im Antisemitismus eine bekämpfenswerke Gefahr zu erblicken. Nun aber, da der auf den Gassen sich auSivbende Judenhaß hier und da zurücktritt, erklingt wieder das alte Lied. Und eine n a t i o n a l j ü d i s ch orientierte Zeitung kann es sich sogar tvieder leisten, den A n ti sem it is m u 8 als „e i n S ch i ck s a l d e s j ü d i s ch e n B o l k e s" zu charakterisieren und die Widerlegung des Judenhasses eine Da nai den a rb e i t zu nennen. Wäre dem so, daß talsächlich der Judenhaß ewiges .jüdisches Schicksal ist, so m ü ß te n iv i r d i e Arbeit ein stellen! Aber es ist zunächst einmal eine falsche Ausdeutung der Geschichte, wenn man — ans engem Gesichtswinkel urteilend — Erscheinungen, die sich in Jahrhunderten vollziehen, nach den Anslvirknngen von Jahren begreifen will. Daß der Antisemitismus eine ungewöhnlich tiefgehende und andauernde Wirkung auf die Geschichte gehabt hat, kann kein ehrlicher Kenner ihrer verschlungenen Pfade bestreiten. Daß sernerhin der Tag, da er überwunden sein wird, noch lange nicht?■ dämmern kann, ist jedem politisch geschulten Auge klar. Wohl rübe? ist der Fortschritt unverkennbar! Das neunzehnte Jahrhundert hat den Juden das bürgerliche Recht gebracht, und dieses hat in Tagen, da Haß und Verleumdung ihre Wellen über die halbe Welt sandte», sich behauptet. Abgesehen von dem gewiß furchtbaren „mnnonis clausus" in Ungarn, ist das bürgerliche und staaisbürgerlichc Recht der Juden in den K u l t u r ft a a t c n n i ch t a n g e t a st e t worden, und ein Vergleich der europäischen Juden von 1750 mit denen von 1925 beweist auf das deutlichste, wieviel sich zum Guten geändert hat. Nun denkt der Durchschnittsmensch genüß nicht historisch, und jeder suhlt das Leid seiner Zeit. ES kann aber nicht bestritten werden, daß wir — sofern mau die große Linie im Auge behält — vorwärts gekommen sind. Und -venu das geschehen ist, obwohl die Juden selber bis in die neue Zeit hinein eine recht passive Nolle spielten und sich nur auf den Sieg des Rechts und der Vernunft wie aus gute Freunde außerhalb des jüdischen Kreises verließen, so darf man der Hoffnung sein, daß sie als bewußte Träger des Kampfes um ihr Schicksal zur Beschleuninigung der Entwicklung erheblich beitragen werden. Manchem mag gewiß der Fortschritt zu langsam reisen, aber einen Grund zum absoluten Pessimismus und zur Resignation bietet die Betrachtung der Geschichte nicht! In Wahrheit aber würde solcher Pessimismus auch den Grundprinzipien der jüdischen Religion glatt widersprechen. Wir sind keineswegs geneigt, den I » d e n h a ß l e i ch t z u n e h m c n und ihn lediglich als eine Folge von Mißverständnissen und Böswilligkeiten zu betrachten. Wir wissen, daß er tief in der Bulker und der Menschen Seelen wurzelt. Darum ist er aber keineswegs unabwendbares Schicksal! Denn Haß bleibt Haß, und die jüdische Religion glaubt mit kusöemSnkartr Wirklich Danaidenarbeit? Von Dr. Felix Goldmann (Leipzig). Seite 9. Wo ist der jüdische Wohlstand geblieben? Seite n. Der Hamburger Prozeß. Von nudolfMchael, M. d. 25. (Hamburg). Seite 14. Wahrend des Dreißigjährigen Krieges. Von 25. Vosmthal (Mannheim). Seite 16.