Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 9 (1848)
- Issue
- Heft 26 (25.6.1848)
- Date
- 1848-06-25
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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SOG unserem Siebte Wolken wir denn auch gegen da» Berliner Ra» dmatSgutachtett den unbeschränkten Gebrauch Machen. Politische- und Religiöses. Stavenhagen (Mecklenburg-Schwerin) im Juni. Daß auch in unftrm Mecklenburg die Sonne der Freiheit uns bald bescheincn wird, das werden Sie schon aus den politischen Blätternentnommen haben. Wir fügen nur noch einen Passn» aus dem jüngst erlassenen Wahlgesetze hinzu, in welchem eS unter andern heißt: „Bei der Wahl der Wablmänner sowohl als der Abgeordneten und der Ersatzmänner ist ohne Unterschied der Religion stimmberechtigt, jeder re. Auch hat man hier im Lande schon Gebrauch von dieser Verordnung gemacht, und wurden in vielen Städten wie auch hier geachtete Männer jüdischen Bekenntnisses von ihr n christlichen Landcsgenoffen zu Wahlmännern, Vorstehern, Deputaten für vre in Güstrow am 17. April statfgehabteu großen Vorversammlung gewählt. Unter den Ersatzmännern der für Frankfurt gewählten Dcputirten befindet sich vr. Marcus aus Schwerin, ein im hiesigen Lande wegen feiner Bürgertugcnd geachteter Volksfreund. Ob wir von dem nächstens znfammcntretenden Landtag und der durch dessen Vermittelung zusammeu zu berufenden, auf Urwahlen gegründeten Nationalversammlung unsere vollständige Emancipation Zu erwarte» haben, wird die Zukunft lehren, da viele Städte wie Rostock an ihren Privilegien mit großer spießbürgerlicher Zähigkeit Ksthalten zu wolle» scheinen, unter welchen auch jenes schstla! vo'le fich findet, daß in der alten christlichen Stadt Rostock keine Juden wohnen dürfen. Es wäre komisch, wenn ein nach Frankfurt abgekandter Dcvutirter jüdischen Glaubens nach seiner Rückkunft in der deutschen Stavt Rostock wo einst die Judenfeinde. Thchscn und Hartmann wohnten un" jetzt der h'y'prrfromme Beschneid-ungsriiker Delitzsch residirt, kein HeimathSreckt finden sollte' Aber was laßt sich »ichtAlleS von dem verrotteten Privllegiengetste einer alten Krämerjtadt au dem Ostseestrande erwarten! Hochherziger soll Wc Schwesterstadt Wismar, die in Besitz eines ähnlichen Privilegiums ist, sich freiwillig dessen begeben wollen und zur Ausnahme derJ '.den, von deren BctriebSgcist sie eine Hebung ihres gesunkenen Handels hofft, bereitwillig die Hand bieten. Rur wenn die Privilegien sich selbst rivalisircnd rnrchkreutzen. kann daS Recht zur Geltung kommen wie nach einem Sprichwort, wenn die Diebe sich zanken, der rechtmäßige Eigenthümec in den Besitz feines gestohlenen Gutes gelangen kann. Im ganzen Lande und auch hier nehmen alle waffenfähige Männer und Jünglinge an der Bürgrrwchr lebhaften Aatheil und bleibt Niemand selbst an Sabbatb- und Festtagen zurück, wenn da» Signal gegeben wird. Ob nach talmuvifchra Theorien der gegenwärtige Zustand als ein Kriegsstanv und ob dieser al» NM oder nanbo iTÜH zu betrachten sei, darnach wird meines Wissen» nicht gefragt. Vor ungefähr drei Wochen ist uns folgende» Schreiben vom Oberrath zugefchickt worden. Auf einen durch den vr. AaronS ia Güstrow veranlaßen Vortrag des Oberraths an die Lande»-Regierung, dahin gehend, daß dieselbe erklären möge: Dissidenten konnten nicht zu Gemeindevorstehern gewählt werden, hat die Lande»- Regierung nicht unmittelbaren Bescheid crtheilt, aber dem Ober - rathe eine Abschrift der unten abgedruckten Verfügung an den Vorstand der Gemeinde in Reh na zugehcn lassen, nach welcher Dissidenten zu Vorstehern der Gemeinde nicht gewählt werden können, wa» hiemittelst den Gemeinden zur Kenntnis und Nachachtung mikgelheilt wird. Schwerin den 2. Jnni 1843' Meyer. Affur. Für auswärtige Leser füge ich die Erklärung hinzu, daß unter jüdischen Dissidenten diejenigen Mitglieder unserer Gemriaden verstanden werden, welche angeblich in ihrem religiösen Gewissen mit unserer Synagogen Orenung unzufrieden, die Erlaubniß zur Abhaltung eines Prioatgottesoienstes bei der Regierung für sich erwirkt haben. Die Verweigerung der Veschncidung au neugeborenen Söhnen, deren erstes Vorkommen durch die Polemik Delitzsch'» ft viel Aussehen machte, hat in Schwerin und Worin Nachahmung gefunden, ohne das mindeste Geräusch zu verursachen. Was unsere Religionsschule und den Gottesdienst betrifft, so entfaltet crstere immer segeureichcr ihre Kraft, und befindet sich letzterer noch in demselben Zustande, wie wir ihn km vorigen Jahre unter Leitung de» Herr» Dr. Holdheim emgeführt und später die Sanction deS Oöcrrath» für ihn erhalten haben. Nur eines großen Nebelstande» muß ich hier Erwähnung thun, der darin besteht, daß die gedachte Ordnung, die wir uns gleichsam erobert und als fait accompl» nicht nehmen ließen, sich auf den Sabbath und die drei Jahrcsfeste Pesach, Sabuoth und Succoth bezieht, nicht aber auch die zwei heilig, sten Feste Roschha-Schana und Jsm kipur, wo noch Alle» beim Alten geblieben ist. Welch eia schrecklicher Mkßstanv ist e» I aber für eine Gemeinde die das ganze Jahr hindurch au einen | mit geringer Ausnahme durchweg Deutschen Gottesdienst ge-! wohnt ist, mit einem Male, und noch dazu an den heiligste» j Festtagen, sich in die alte Barbarei des Pijutim.Jargoa« Jozroth,Steppen zurückgeschlesLert zu sehe»; die weiche, «ad an«