Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 9 (1848)
- Issue
- Heft 26 (25.6.1848)
- Date
- 1848-06-25
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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307 ^schtsvvlle Stimmung, di? sonst tiefe L^hra Fest, im Grmuthe «rregten, kann nunmehr, ra sic &14 die Träger und Erhalter sonst überwundener Mißbräuche crschcmco, durch sic nicht per. vorgerufta werden, und indem sie selbst ohne Weihe qn uns vorübcrgchen: werfen sic rinco verdächtigenden Schatten auf die goticsdicnßUchc Weihe des ganzen Jahres. Unser voriger Landesrabbiner, unter dessen Leitung wur den gegenwärtigen deut» schca Gottesdienst entrichteten, wer durch fcinco Abgang verhindert, uns mit rer Anordnung desselben für die genannten Festtage an die Hand zu gehen. Eden so wenig konnten wir unfern neuen Landesrabbincr unmittelbar nach feinem Amtsantritt um eure solche Anordnung angchen. Nunmehr dürfen wir. aber dtnem solchen Dienst von ihm beanspruchen und oa wir ihn sohgld in unserer Stadt zu dcgrüZrn hoffen, zweifeln winicht, daß er vuseru Gottesdienst vou diesem Aedelstanr-c tefrcicn und durch eine entsprechende Anordnung des Fesizottcsv'.enürs, dem Feste seine verlorene Weihe wiedergedea werde. Möge cs ihm gelingen, sich recht dato decsis Bertieust um unsere Synagoge zu erwerben. Hannover. ' An unsere christlichen Mitbürger.' - Der Wrckruf zur Freiheit, rer in ganz Deutschland erschallt,- ist auch in unserer Mitte vernommen worden. Hannovers Bürgerschaft bat auf friedlichem, gesetzlichem Wege von der Weisheit ihres Monarchen das erhalten, waS anderswo mit Strömen Bür» gcrblutes erkauft werden mußte.; Das aber ist das Wesen rer wahren Freiheit, daß sie kein Vorrecht, kein Privilegium für sich begehrr. -sondern die köstlichen Güter dieser Erve, das Recht und d'e Ehre Alten in gleichem Maaße zukommen lassen will. Von diesem hockber; gen Gciübl durchdrungen dab' inch Ihr) theure Mitbürger, unter die Zahl Eurer Wünsche den um gleiche xoliti''chr Berechtigung aller Religionen ausgenommen. Zn rem heutigen Erlasse des M nistcriu.ms ist die Erfüllung alp Eurer gerechten Wünsche und Forderungen in Aussicht gestellt — nur der gleichen politischen Berechtigung aller Rclig-cnen ist mtt keiner Silbe erwähnt. Sollte das Ministerium im Beginne seiner Laufbahn so sehr seine Aufgabe und den Geist rer Zeit, auS dem es doch hcrvorge. gongen, verkennen, daß cs glaubt diesen Wunsch, der in allen Forderungen Hannovers. Deutschlands w ederkehn, nm Srillschwew gen übergehen zu dürfen? Sollte cS diese Frage für minder wichtig halten, weil nicht die Maste Himer ihr ßevt, weil unmittelbar nur Wenige, die christlichen Drlirsen>'cn, Deutfchkatholikcn und Juden davon betreffen werden? Sollte es so alle seine Dewilligun. stka in Frage stellen, als feicu sie «icht aus Ucbcrzruguug, au< redlichem unv aufrichtigem.Anschluß 411 die Bewegung der Zeit, sondern aus leidiger Furcht hervorgrgangfn? Oder sollte eS gar dem Wahne sich bingeben, daß Männer sich gaiMln lassen wie Kmvcr.daS Männer das was sic einmal, gewünsi^t und gefordert, als ihre und des Landes Ue beczeugung ausgesprochen, ohne Weiteres wieder fallen lassen würden, weil der Wunsch keiufgostiichrr war. . GUlebte Mitbürger.! Wir vertrauen aus Euchs Zudsm Zhr veu Wunsch um Gleichstellung aller Religionen ausgesprochen, habt Zhr Euch selbst geehrt, paß Zhrvon dem vollen,mächtigen Strome vxr Freiheit durchdruilgen seid, der alle kleinliche Dk)bstsucht,. wcgspült --- Zhr stabt auch uns geehrt, indcmZhr vor gay^ Deutschland das ^eugniß qbaelcgt, daß die Schmach MdZusüst. setzung, unter der wir noch.schmachten, nichs.von uns verschuldet ist. Wir danken Euch dasür auS voller ^stele — a.bfr^wir .erwarten auch, daß.Zhr beharrlich un^ Entschieden/.optfahrea werdet, uustr Recht zu fordern, bis c.s ganz uny, vMMndjg gewährt ist.. . . , - , . .. . ...*,;ir, j-... Theure Brüder! Nicht unsrer selbst .Zillen. ,fillei^ richten wir diese herzliche Bitte an Euch; wir .wissen KS-,/7-. die ®°|/n der Zeit gehen so hoch, daß sic bald auch den letzten Damm, per von unserm Rechte uns trennt, durchbrechen werden — hast unsre Gleichstellung in kurzes Zeit durch ganz Deutschland eine Tbatsache sein rvcrd, Ader schmerzen würde cS uoS, wenn Hannover, das feste, entschiedene und beharrliche Hannover, in tiefer Frage hinter der Zeit zurückbliebe; schmerzen chürds eS UNS, lvenn wir erst im Gefolge der Beschlüsse des allgemeinen deutschen Vaterlandes daS erhielten, was wir so gern unserm cngcrn geliebten Hrimathlaude verdankten. Laßt diese Schmach nicht auf uns, auf Euch, aus dag theure Vaterland kommen. Kein Recht ist vollständig, wenn noch ein Unrecht daneben geduldet wird; keine Freiheit ist sicher, wenn Unfreiheit neben ihr besteht. Was uns heute noch fehlt, — man könnte eS Euch morgen wiedtl n-.stmcn. . . ' ' Um uns her, in Ost und West, drohen Gewitterwolken wer weiß, wie bald sie sich entladend Sorgt, o sorgt bei Zeiten, daß der Kampf alle, alle Kinder des Vaterlandes vercmt finde, durch gleiches Recht, durch gleiche Ehre, durch ' gleiche Freiheit; vereint au? Leben und Tov; bereit, den letzlesi Blutstropfen für daS Vaterland und die hohenGütr, die eS gewährt, herzugcben. Sorgt, daß auch wir frerrdfg . jigfet Blut vergießen können! Wir reiche« Euch die Bruderhand.—.werdet Zhr sie zurückwciscn? . . , ... ■: . --, /. ...... . Hannover stc«, 22. WärZ 1848. . Mehrere jüdische Bürger: