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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1848-06-25 · Heft 26 (25.6.1848) · page 4

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
9 (1848)
Issue
Heft 26 (25.6.1848)
Date
1848-06-25
Page
– (sequence 4)
Language
German
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£04 könnte leicht entweder nur ln einem Mangel an gewissenhaftem * Nachdenken über die Cache, oder kn einem bewußten JndifferenliSmuS ihren Grund haben, jene Frage sei aber so ernster religiöser Natur, daß ihre Entscheidung weder der Leichtfertigkeit, noch dem religiösen Jndifferentismus überlassen werden dürfe." Nach dieser Einleitung wäre man—sollte ich glauben—zu dem Schlüsse berechtigt, daß derjenige Jude, welcher hierin die Grundsäße seiner Religion gewissenhaft und streng befolgt, in den Augen der kön. Consistoriums höher zu achten sei, als der, welcher sich' in seinem Gewissen von derselben entbunden hält und sich ihnen entfremdet, und zwar um so mehr, als eS die letztere Sinnesart sogar mit den unglimpslichsten Namen der Leichtfertigkeit und des JndifferentismuS bezeichnet. Und doch, sieht man sich die Grundsatz: des JudenthumS, welche das Gutachten in seinem Verlaufe entwickelt, näher an, so sind sie keinesweges von solcher Beschaffenheit, daß sie demjenigen, der ihnen treu und starr anhängt, eine höhere Achtung und Würde in den Augen deS Eonsistoriums zu verleihen geeignet sein könnten. Ja, es sind solche Grundsätze, die das Gutachten mit der tiefsten Verachtung verfolgt und bekämpft. Es ist daS krasseste und starrste Jfolirungsprincip, das in seinen Folgen Menschenhaß und Menschenverachtung zu erzeugen im Stande ist — und nach der Ansicht des ConfistoriumS wirklich erzeugt hat — welche» daS Gutachten als den innersten und obersten Grundsatz der jüdischen Religion bezeichnet, und wenn es nicht umhin kann einzugestehen, daß diese böseWur. zel weniger Verderben erzeugte, als sie ihrer Natur nach hätte thun müssen, so weiß er sich diese Erscheinung nicht anders zu erklären, als dadurch, daß rer nulde und versöhnende Geist deS Christenthums veredelnd auch auf die Juden einwirkte und jene unheilschwangere Folgen res bösen PrincipS nicht ganz zum AuS» bruch hatte kommen lassen. „Die ganze Geschichte des jüdischen Volkes," sagt es S. 56, „beweist es, daß dieses Volk, was es in der Weltgeschichte zu werden bestimmt war, nur in der Absonderung von den übrigen Völkern werden konnte. .... Zwar ließ sich das Priucip der äußeren Absonderung nicht länger festhalten als seine äußere politische Selbstständigkeit; seine nationale Eigenthümlichkeit aber sofern sich dieselbe auf die von den Vätern überlieferte Religion stützte, hat cS dadurch so wenig eingebüßt, daß eS nur desto eifriger bestrebt gewesen ist, sich in derselben immer mehr festzusetzen, was freilich unter solchen Umständen nur so geschehen konnte, daß dadurch seinem volksthümlichen Charakter immer mehr die schroffe Einseitigkeit und abstoßende Härte ausgeprägt wurdet „ES ist eine ausgemachte Sache, daß der Talmud die bitterste, schmähsüchtigste Polenuk gegen das Christenthum enthalte." S. 58. „Was aber hierbei besonders ins Auge gefaßt werden muß. ist der Umstand, daß alle diese und ähnliche talmudifche Aussprüche nicht etwas Zufälliges, sondern nur Eruptionen eines Princips sind, welches, wenn eS auch später durch die zunehmende Macht des christlichen HumanitätSgeisteS in seiner ursprünglichen Kraft sehr geschwächt, doch nicht als völlig auszetilgt betrachtet werden darf." ,,Dre Ehe", heißt eS gegen den Schluß S. 6t, „ist aber eine solche Form der menschlichen Lebensgemeinschaft." Würde daher ein Jude mit einer Chnstm die eheliche Verbindung cingchen, so würde schon auS dem bisher erörterten allgemeinen Gesichtspunkte eine solche Verbindung deswegen als unangänglich bezeichnet werden müssen, weil sie wider das von dem Juden unzertrennliche Priacip der innern Jsolirung und Abschließung gegen den Nichtjuden streitet, oder, weil sie, waS dasselbe ist, ..mit den Grundsätzen seiner Religion streitet. Hier haben wir das Resultat mit den Motiven. Dasselbe Gutachten, welches in vea Motiven die innere Jsolirung als das Neligioasprincrp veS Zudeathums aufstcllt, und weil dieses Princip eben so sehr in seiner Wurzel ein menschenfeindliches ist, als es in seinen Früchten Menschenhaß und Menschenverachtung hervorbringt, dasselbe der Ber» achtung preisgiebt und aus ihm die schroffe Einseitigkeit und abstoßende Härte der Juden zu erklären sucht, dasselbe Gutachten bezichtigt im Eingänge denjenigen Juden, welcher in seiner Treue gegen dieses Princip wankend geworden, welcher, eS deSavouirenv, mit einer Christin eine eheliche Lebensgemeinschaft eiagehen will, der Leichtfertigkeit, des Mangels an gewissenhaftem Nachdenken. deS bewußten Indifferent»-, m uö. DaS Gutachten verlangt also, daß der Jude eia treuer und gewissenhafter Anhänger seines Religions-, d. h. JsolirungspriucipS fei und eine eheliche Lebensgemeinschaft mit einer Christin als ächtreligiöser Jude verabscheue. Nichts scheint ihm verächtlicher, alS eine Bereitwilligkeit, die entweder nur in einem Mangel an ge» wiffenhastem Nachdenken über die Sache, d. h. über daS religiöse Hindernis, oder in einem bewußten Jndifferentismus ihren Grund haben könnte. ES mußte also der über die Religion mit Ernst nachdenkenve und ihre Vorschriften treu befolgende Jude nach vem Gutachten ein geachteter oder wenigstens ein achtunzswürdiger Jude fein. Allein zum Unglück deS Juden kann sich das Gutachten mit dem Menschenhaß unvMenschenverachtungzeugenvenReligwuSuns Ji'olirungsprincip des religiösen Juden denn doch auch nicht befreunden, eS vermag nicht den Widerwillen zu besiege», den „die schroffe Ernseitigkeit unv die abstoßenve Harte" eines solchen religiösen, d. h. seinem Relizioaspriucrp Irr« aahängeuden Juden rhm einstößt. WaS soll nun der Jude thun i Ist er religiös und erkennet er das Jsolirungsprincip, gemäß dem

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