Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 9 (1848)
- Issue
- Heft 25 (18.6.1848)
- Date
- 1848-06-18
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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199 stände und ahmen wir nicht den französischen Israeliten nach, welche nach drr im Jahre 1793 erlangten Freiheit eine Stagnation beobachteten, die jeden wahren Israeliten mit Unwillen erfüllte. Durch die jüngste politische. Errungenschaft gestärkt muffen wir uns auf eine religiöse Höhe schwingen, welche eine Freude Gottes und eine Lust der Menschen werde. Wenn wir jetzt nicht Hand an's Werk legen, so möchte auch daS.trop turä bei uns zur Wahrheit werden. Darum, Ihr lieben Glaubensbrudcr Westphalens, weg mit aller Lauheit, weg mit der starren , unvernünftigen Orthodoxie! Laßt uns ein Gebäude aufführen dessen Spitze in den Himmel reiche! Das häusliche und gesellschaftliche Leben Israels muß den, auf veraltenden Gebräuchen ruhenden Separatismus endlich ganz verbannen. Unsere Synagoge muß sich neu gestalten, das Gebet in deutscher Sprache *) verständlich für Jeden-, der CultuS einfach und erhebend organisirt werden. A bas mit den tobten« starren, nichtssagenden Formen, die längst zu Mumien geworden, auch unser häusliches und gesellschaftliches Leben verknöchern! Fürchten wir nicht ferner die Ignoranten, welche aufgebläht und selbstsüchtig vielleicht auf ihre pecuniäre Macht sich stützend, jedem Fortschritt hindernd in den Weg treten. In unferm Westphaleo vorzüglich (besonders kn den Regier.- Bezirken Arnsberg und Minden) kann sich recht bald die Spnagoge herrlich gestalten, indem fast die ganze jüngere Generation der alten Gennd Mißbräuche von Herzen satt ist und die neue religiöse Aera mit Jubel begrüßen würde. Wir hoffen daher, wenn die neuen, preußischen Staatsformen und mit ihnen unsere Verhältnisse consolidirt fein werden über die Veränderungen in unseren westphälifchen Gemeinden, erfreulichen Bericht abstatten zu können. Verschiedene Nachrichten und Gedanken. Aus Bayern. — Der alte deutsche Zopf! wenn man meint er sei abgrschnitten gleich wächst er wieder nach und wenn cs wirklich einmal den Anschein hat, als sei das alte Vorurtheil gänzlich überwunden, so muß man sich gleich feiner Leichtgläubigkeit schämen und zu seiner eigenen Beschämung gestehen, man habe sich arg getäuscht. So las ich unlängst, die Stadt Erlangen habe den Juden ihr Thor geöffnet und ich gestehe, ich war freudig überrascht, denn ist es auch nicht mehr alS billig, so ist cs schon Glück genug, wenn man uns Juden ge- *) Bei dieser Gelegenheit können wir unS die Fr.ude nicht versagen. zu erwähnen, daß schon in vielen Gemeinden West. Phalens z. B. in Paderborn, Minden, Bielefeld, Menden, Soest rc. deutsche Gesänge eingerührt sind, welche in letzterem Orte durch herzerhcbende Töne begleitet werden. Anmerk. d. Eins. ..währt, was rechts und .billig ist. Aber Feh da. (ich-hatte z» früh grjubelt.. De» Judendie.Thore.ExlangenS offenen! fcia Gedanke; dem Gel.de der Juden,.,sol lst<,eS gemeint.^ Wer 20,000 Gulden besitzt und ein eigene- HauS kaust, genießt i» Erlangen eia solches Vertrauen, paß man von feinem Religionsbekenntnisse adstrahirt. Respektvor einer solchen Deutsche» Freiheit! — Erlangen ist eine protestantische Stadt, gut prote» stautisch, mystisch und Pictistisch. Es ist daher ganz in der Ordnung ein katholisches Seitcnstückcheu brizufügen, vielleicht fühlen die Protestanten es denn eher, wie eSthut, feines Glaubensbekenntnisses halber in seinen politischen. Renten beschränkt zn werden. In Untcrfranken, wo bekanntlich der Uliramontanjsmus in der Geistlichkeit stark vertreten ist, habe« mehrere Geistlichen von der Kanzel nnd im Beichtstühle, auf..die katholischen Wähler einzuwirkea gesucht, daß, ste ja keine, Protestanten als Wahlmänner wählen sollten, während sie selbst als solche auftraten. Hiedurch gab es in manchen - Orten . Reibungen .und nicht unbedeutende Exzesse.. Daß die Juden nicht ungeschlagen davon kamen, können Sie Sich leicht.denken. In Schonungen bei Schweinkurt wurden einige Juden förmlich geplündert, weil sie dem dortigen Pfarrer ihre Stimmen.nicht, gaben,. Dennoch haben wir Ursache im Ganzen zufrieden zu fern, denn eS ist zuviel gefordert, daß mit.einem. Male her Judenhaß gänzlich verfchwundeu feyn soll und. wenn einige wenige .Beispiele Vorkommen, wo er sich kund gibt, waS sind diese gegen die vielen Beispielewo man den Juden freudig als einen Gleichberechtigte» begrüßte? — Auch unser Wahlgesetz für die bayerischen Ständcwahlen ist nun erschienen nnd in ter Kammer der Abgeordneten berathen und angenommen worden. Wir hatten uns nicht getäuscht , wenn wir darin gleichgestellt zu werden hoffte». Der Regierungs-Entwurf sprach sich hierüber nicht so klar auS, aber die Kammer beschloß auf Antrag deS Reerente« Dr. Bauer und ersten Sekretär Stocktnger, einen besondcreu $. einzuschalten, „rvcdcr das aktive noch daö pofsive. Wahlrecht fei, an einem Glaubensbekenntnisse geknüpft. Der letztere stellte auch den Antrag , den Eid abzuändera rsp. die Worte „und sein h. Evangelium« zu streichen. änderte feine Modifkcation aber dahin, für Nichtchristen solle dieser Schlußsatz wegbleiben. Christen aber den Eid'leisten, wie bis jetzt.- n •*,, . Dr. Berlin aus Fürth ist als Advokat m Untersrankea angestellt, also doch ein Schritt vorwärts. Darüber sollte man sich doch wohl freuen? nicht wahr? o ich wollte eS gerne, so winzig cs auch in einer Zeit, wie die jetzige ist, ich wollte e< gerne, so sehr.der Landtag unsere Erwartung getäuscht hat, unS' trotz mehrmaligen Verheißungen nicht einmal ein Gesetz»