Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 9 (1848)
- Issue
- Heft 25 (18.6.1848)
- Date
- 1848-06-18
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2566751-2567071-2567096--3172-2571102- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
tm nicht Vorwerken, wir denken immer ssv überall asr aa uns. zu. nächst an unS. Wir find die Stfrenfes» in frrem Falle. Wo die roheGcmalt einbricht, bricht sie gegen WS ein; wo die Gewalt der Herrschaft rragirt, reagirt sie gegen WS. Alle Beschränkung über unS! alle Ausschließung Mer uns? THnt WchtS. unsere Zen die kommt, und bleibt nicht aus! LaDet die Geister gewähren schließet Euch den Edleren und Bessere» im Bolle an.» CulLrrsfreiheit in der Schweiz. ÄuS der Schweiz, 26. Mai' — Die Tagkatzung hat die Artikel 42 und 43 des BundeSeulwurss, welche die LultuS - und Preßfreiheit gewährleisten, genommen. Die Garantie der Kultusfreihcit ist freilich/ eine beschränkte. Artikel 42 lautet: die freie Ausübung der anerkannten christlichen LoufeKoueu im ganzen Umfange der Eidgenossenschaft ist gewährleistet. Den Kantone», sowie dem Bunde bleibt Vorbehalten, für Handhabung der öffentlichen Ordnung und deS Friedens unter den Confeffionea die geeigneten Maßnahmen zu treffen.— Zu den arMkannten christlichen Con. fessionen gehören bloß die resormirte, römisch-katholische und calvinistische Confesston. Es find also nicht blos die Juden, sondern auch die Deutsch-Katholiken, die LichlsreunLe, die Pietisten rc. kurz Alle, welche nicht auf die vom Staate anerkannte Confesston schwören, von der Äultusfreiheit ausgeschlossen. Bern wollte Kultus, freibeit für alle, unv bemerkte sogar, der türkische Sultan sei in dieser Beziehung toleranter als gewisse SHweizerkantone. Waadt unv Solothurn erblickten aber in einer solchen Ausdehnung der Kutiuss.eideit große Gefahr .für die Schweiz und drangen energisch auf Beibehaltung des Wortes „anerksnutes". (Waadt hat bekanntlich vieMomierS unterdrückt und SMlhsmdenDeutfchkatholischcn Pater Ammann über die Grenze gewiesen.) — Man ist also in Deutschland. auf welches manche unserer Republikaner so stolz herabsehen, in Bezug auf KultuSfrecheS viel weiter als in der „freien Schweiz", und bei einem Vergleich mit Nordamerika müssen wir fchamroth werden. Der Art. 42 leidet aber auch noch an einem andern Gebrechen, indem er Mht sur dem Bunde, sondern auch den Kantonen daS Recht vsrbrhält, für Handhabung der öffentlichen Ordnung und des Friedas unter des Konfessionen die geeigneten Maßnahmen zu treffen. ES ist voraaSzuschen, daß der Bund hier mit den Kantor»» in Consiict geraihrn wird; besser und consequrnter wäre eS daher gewesen, am nur dem Bunde dieses Recht Vorbehalten worden wäre. (O. P. A. Z.) Politisches urrd MrchLcheS. L. Soest in WestphsLr» isa Zum. — Wenn wir feit langer Zeit aus der hiesigen Prvstrz keine Berichte gaben, so lag dieses nicht an nnferm WLn, stALera aa den Zustäudea unserer Gemeinden. in denen sich durchaus nichts Erhebliche-, zur Aufnahme in dieses Blatt Würdiges, ereignete. Die im verflossenen Jahre zu Berlin verfaßte Organisation der Israeliten, womit (wie die der O--L.-G.-Assessor Gande zu Anklam in Pommern so treffend sagt) das Land heimgefucht worden war, weil die intoleranten Herren des Glaubens den Staat als einen christlichen proclamirten — hatte nämlich in allen Gemeinden für einen Augenblick eine gewisse Apathie in Gemeinde« und Cultusverbefferungen erzeugt, man verschob Alles am eie spätere Zeit und hoffte wenn die Synagogen-Bezirke constituirt feiere wolle man mit erneuter Energie ans Werk gehen. Jeder der nun den Gang unserer srühcrn preußischen Provinzial Regierungen und deren verrostete, von dem Er-Cultus-Minister Eichhorn ihnen eiugeflößte, Prinzipien kannte, durste versichert sein , daß noch eine geraume Zeit hingchen wnrre, bevor die neuen Gesetze der Juden zur Ausführung kämen. Wir haben unS nicht getäuscht! Sieben Monate waren verflossen und noch hatten kaum die Regierungen der einzelnen Provinzen Anstalten getroffen, die Gemeinde-Constituirung in Angriff zu nehmen. Da erscholl daS Donnerwort: Frankreich ist eine Republik!! zu unS herüber. Die auf faulem Fundamente ruhenden sogenannten christlichen Staaten brachen zusammen und die Dunkelmänner mußten redlichern Ministern daS Feld räumen. Auch unser preußisches Vaterland ward, trotz feiner Reactionsmänner, mit fortgerissen, die Berliner Ereignisse mußten auch für uns einfluß. reich werden. Die Ketten find nun zerschlagen , welche falsche Räthe zu Berlin selbst im Jahre 1847, also inmitten des Ist. Jahrhunderts, unfern Händen anlegtcn; wir athmen frei auf! un" wenn auch hier und da der alte Judenhaß austaucht, wenn man die augenblickliche Crifis benutzend, zu Pekelsbeim, Briloa, Ncukirchen, Dorsten rc. die Juden überfiel, so steht doch zu hoffen, daß nimmer die Zeit wiederkehren werde, in welcher man den Israeliten als einen Fremdling oder Paria betrachten könne. Freilich erhebt die alte Rückschritts Partei ', welche so gern noch länger auf Kosten der übrigen Staatsbürger im Trüben fischen möchte, wieder das Haupt und strengt alle Kräfte aa, die alte behagliche Lage vor dem-18. März zurückzuführrn. Vertrauen wir aber dem Herrn und der Macht deS freigegedeneu Wortes! Israel hat stets mit dieser Waffe seine Feinde besiegt und da sie nun neugeschärst in unfern Händen ruht, wer wird eS wagen, gegen unS aufzustehen? Welcher Bösewicht will noch ferner ungestraft über unsere gerechten Ansprüche herfallea und unS gleisnerisch der geheiligten Menschenrechte unwürdig erklären? Aber vergessen wir über die neue Phase der israelitischen Verhältnisse vor Allem auch nicht unsere religiösen Ja-