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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1848-06-18 · Heft 25 (18.6.1848) · page 5

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
9 (1848)
Issue
Heft 25 (18.6.1848)
Date
1848-06-18
Page
– (sequence 5)
Language
German
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sich -er orthodoxe RabdimSmuS zur Wiederherstellung des Opfer« diensteS ia Jerusalem vor Ankunft deS MelsiaS verhalte? zu erinnern wissen, den wir ihnen als einen Auszug auS dev ungarischen Briefen in der A. Z. v. I. mittheilten und einige Bemerkungen daran knüpften. Wir äußerten besonders, daß wir die Redaktion um einen so gelehrten und zugleich so gewandten und heiteren Corrcspondenten beneiden. Der Verfasser dieser Briefe hat an den Mitrcdakteur nachfolgendes Schreiben gerichtet, daS an sich schon manches Interessante enthalt unfernere Mittheilungc» in Aussicht stellt. Der Verfasser der ungarischen Briefe ist kein anderer, als der auch in Deutschland J wegen seiner Gelehrsamkeit sowohl als wegen seiner praktische» I Verdienste um die Reform ia Ungarn sehr geschätzte Ober- I rabbincr kocw, früher zu Lanischa jetzt in Papa. DaS Schreiben lautet: ,,Ehrwürdiger Herr Bruder! Soeben habe ich die zuletzt angckommenen füdischea Journale durchgelesen und zu memcr nicht geringen lleberraschung gefunden, daß Sie einen meiner Preßdurger Briefe Ihres Beifallgewürdigt haben. Ich freue mich dessen um so mehr, da ich Sie, trotz meiner einstmaligen Gegenbemerkungen im „Orient" seit Ihrem entschiedenen reformatorischen Auftreten als Dcnfcnigen achte und verehre, der vom RabbiniSmus eine objektive Kenntniß bat, und daher mit vollem Rechte jede TranSaction mit demselben zurückzuweisrn bemühet ist. Sie werden in Deutschland von vielen unserer Collcgen nicht gehörig verstanden, weil diese, wie ich glaube, zu wenig rr-.2Z gelernt haben. Ich habe mich wirklich schon im Jahre 1839 in die Einleitung zu ChorknS in Ihrem Sinne ausgesprochen. Daß mir in den letzten Jahren manche Erscheinungen auf dem Gebiete der jüdischen Theologie entgingen, ist kein Wunder, ' da ich in zwei Sprachen amrire und dafür auch die Bewegungen! der ungarischen Literatur mit Aufmerksamkeit verfolge. Zudem! hatte ich in den letzten zwei Jahren eine ungemein gehässige Verfolgung zu Lberstehen. Ich selbst muß bekennen, daß in Uns garn, wo noch nicht von Reform, sondern von Civilisation die! Rede sein kann, cm romantischer Halbling vielleiLt mehr auöi richten würde, wenn er kein solcher DJ? wären, wie eS ’ Ihre deutschen Romantiker sind. Ihnen für den Israeliten Beiträge zu liefern, möge der Zukunft — Gott gebe, daß eS eine ruhigere fei — Vorbehalten bleiben. Meiner Meinung nach wäre es übrigens sehr nützlich, ein vollständiges Spstcm der talmudischcn Glaubens- und Sittcnlchre hcrauSzugeben. Ich habe für ein solches Werk Einiges vorgearbeitct. Falls Sie und Geiger zu einer solchen Arbeit sich verbinden wollten, so wäre ich mit Vergnügen im Bunde der Dritte. Manchen vorläusige» Erörterungen könnte der Israelit zum Organ dienen. Jedenfalls bitte ich Sie, mir hierüber gefälligst ihre Meinung sagen z* wollm. Außerdem bitte ich Sie. mir mit der Post Ihre Bor-» schlage eines neuen EhcgesetzeS zvkommea zu kaffen, da ich. dessen durch den Buchhandel nicht habhaft werden kann. Ich will dieselben in einer Denkschrift über jüdische Angelegenheiten benützen und Ihren Namen bei dieser Gelegenheit mit eben so herzlicher Achtung nennen, wie ich dieß vor einigen Monaten in meinen Anmerkungen zu der treuen Uebersetzung der Pariser Spnedrialbeschlüffe (dieselbe ist in ungarischer Sprache erschie. nen) gethan habe. Gott segne Ihre Gemeinde und lasse §e auS de» Sturme» der Zeit mit erneuerter Kraft und ungestörter Gmgkeit her« Vorgehen. Ihr Leopold Löw, Oberrabivcr. Papa in Ungarn, 25. Mat 1848. Die Juden frage. Wien im Mai. — Unser Prediger Mannheimer ist durchaus nicht dafür, daß die Juden jetzt noch besonders ihre Rechtsansprüche geltend machen, sondern vielmehr, daß sie dem großen Umschwuag rer Ideen vertrauen möchten, welche jetzt ganz Deutschland bewegen und die höchste und heiligste Idee: Dir Freiheit für Xllef schon in sich selbst entfalten. In diesem Sinne äußerte er sich schon in der Predigt zum Andenken der in der hiesige» Revolution Gefallenen, und va seine Worte mir ganz vaS Recht zu ireffen scheinen, so theile ich sie Ihnen wörtlich mit: „Was nun zu thun sei für uns? für unS? Nichts! Alles für Volk und Vaterland, wie Jhr'S kn den letzten Tagen gerhan. Unter den Ersten, die daS Wort ergriffen und geführt in den mischen Tagen, waren die Juden! Unter den Ersten, die gefallet» dort au° der blutigen Stätte, vor dem Hause, wo die Stande des Reiches ras He,l berathen werden — die Juden! Rur zu! immcrfoel I Jetzt nichts für uns! Kein Wort von „Judknrmancipa. tion. »wenn es Andere nicht sprechen für uns! Kein Wort, kein Swritt für uns! Keine Petitionen, keine Bittschriften, keine Bitte» uns Klagen um unser Recht. Wir haben genug 30 Jahre lang ge.'kten, fußfällig mit emporgehobrnen Händen gebeten um Recht und — Menschlichkeit. Nichts mebr da. Wir nehmen und hegest in Geduld und Ruhe unser Geschick, erheben nicht eine Hand für unser Recht, bewegen nicht einen Fuß für uuker Recht. Erst das Recht reS Menschen, zu leben, zu athmea, zu denken, zu sprechen; erst raS Recht des Burgers, veS edel», frei«! Sä gers tu feiner Berechtigung; — nachver kommt der Jude! Man soll «ns

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