Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 9 (1848)
- Issue
- Heft 24 (11.6.1848)
- Date
- 1848-06-11
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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101 durch die Neuen Ereigmffe. sich des so lang ersehnten Aufganges jener Sonne der Freiheit und. Glnchheit. der Anerkennung deS Menschen nicht der Glaubensgenosse» is Staate, — so nahe ge. rückt fühlen, und mit reo srierlühstea patriotischsten Ideen, dem Tage der Urwahleu entgegen gingen, Kotzten nicht wenig, als sie auf einmal ihr so für des Vsterümreswohl heiß schlagendes Herz, von rer eisigen Hand des schmutzigsten Haffes und Neides ergriffen fühlten. Doch diese frmmrüche Curleituag zu den Urwahlen genügte noch nicht. Ihr Patriottsmss. der sie fast 2000 Jahre eia Vaterland beweinen läßt, weil die christliche Liebe ihnen dis jetzt noch keines gewährt,— mußte noch cwpfinrlichcr verletzt Werren. Fühlen sollten sie. daß trotz rer ewigen Wüstenwanrerung. sic noch nicht ins gelobte Land der Menschheit cinziehen, daß überhaupt wir gegenwärtig noch nicht jenen Hellen Morgen strahlen sehen, von dem cS heißt, dir Sonne der Gerechtigkeit und Tugend wird euch strahlen. Es konnte mcht ausbleibeo, daß Herr Dr. Ring, ein genialer menschenfreundlicher Lrzt, welcher seine so sanfte und spitzige Zeder, wo es gilt ppchelogischen Leiden der Menschheit zu begegnen. ebenso wenig vorrnihalt» als seine hrilspendcndc Kunst oem physischen, in der lie No. res in Gleiwitz am 1. Mai ins Leben gcrretenen ..Gegenwart"' ein constituironküks Bürgerblatt, folgende Abfertigung cinrücken ließ. „Nur keine Zudevemancipction." So lautet der Titel eines Auftmes. der ohne Namen des Verfassers und Druckers hier erschicoen und schlechte Hände genug zu seiner Verbreitung gesunden. Die Niedcrträchtigkct hat sich mit rer Feigheit verbunden und überfällt gesichert durch die Nacht und Dunkelheit, die jede M:ssc;hat verbirgt, den harmlosen Wanderer. Könnte das weiße Blatt für euch rrröthen, es würde roth werden, ob euerer Feigheit; roch jeder Buchstabe euerer Schmähschrift ruft euch schon entgegen: Lügner, Vcrläumder! und brandmarkt eure freche Stirne. Aus heimlichem Versteck spritzt ihr euer Gift, pfui über riese Schurren. Euer Machwerk zu widerlege», heiße sich versündigen, versündigen an dem guten Geist, der nufere christliche Mtibürger dis jetzt beseelte, versündigen an der Geschichte, welche Religionshaß unv Fanatismus vergangener Jahrhunderte längst gerichtet. Solches Gesindel wie ihr, gehört nicht vor das Forum der Kritik, sondern fällt dem strafendes Arme der Crimmal. Justiz anheim. „Dr. Ring." Nicht nur die Liebe, sondern auch der Haß bländet der Stadtverordneter mit feiner Lliqne, der freilich wenig oder gar kein Deutsch versteht, sah in dorsiehevdcr Abfertigung nicht nur seinen wohl verdientmLch», sondern sah «nv ficht die gesammte resp. Christenheit, und sogar das hehre Christenthu«, welches Rings Judcnthum ist — vou demselben arg beschimpft. Zur nähern Charakteristik desselben füge ich hinzu, daß derselbe eia erklärter Feind — aller und jeder geoffenbarten Religion ist. Derselbe ist weder Christ, noch Mahumedaner, am Allerwenigsten aber, bis auf seine Geburt Jude. Nur Menschen, Ebenbilder GotteS und keine Glaubensgenossen, die anstatt von der göttlichen Liebe umschlossen und vereint, vom confcssioocllea Hasse ewig entzweit sind, will Herr Dr. Ring wie alle wahrhaft gebildeten Juden — und diesem Manne wird von Glriwitzer Fanatikern zugcschricben, daß er die Christenheit und Christenthum be- Nach den vollzogenen Urwahlen wußte diese Klique einen Troß Lehr/ungen, lüderlkche Frauenzimmer, die den Segen Gleiwitz bilden, und einige entmenschte Fleischer, durch einige Flaschen Fusel unv gleißnerische Salbadereien zu fanatiffren, machte diesem unwissenden Häuflein weiß, raß Dr. Ring die Kirche, die Religion, und wer weiß was geschändet. Dieses leichtgläubige unwissende Häuflein, mit der „Gegenwart" in der Hand, sammelte sich vor dem Rathhause, forderte vom Bürgermeister daß derselbe ihnen diesen Lästerer hcrausgebe, um von ihnen des Ausdruckes, der Religion der Liebe thrilhastig zu werden. Unv in der Thal entging Herr Dr. Ring jener ihm zugedachtcn Volksjustiz nur durch menschenfreundliche Fürsorge seinrc christlichen Freunvr, die ihn wie man behauptet verkleidet aus ver Stadt, wo er vom Pöbel ernstlich gesucht wurde, brachten und ihn wefl.er beförderten. In Ermangelung des Dr. R. . . mußten wie gewöhnlich alle Juden herhallen, uns es ging lustigtragifch unv stürmisch über die unschuldigen Judenfenster her, wahrscheinlich weil sie einer jüdischen Glashütte entsprossen. An l000 Schei. bcn mögen wohl unter den rohesten empörendsten Verwünschungen gegen die Juden, von dieser Horde vor der in der Lhat, die resp. Christenheit, wenn wir mit gleichem Maaße messen würden, erröthen könnte eine solche Sippe als Christen cnerkennen zn müssen —zertrümmert, und ein jüdischer Mitbürger wurde sogar vom souverainen Volke geplündert, dessen Gewölkunv andere Habseligkeitra auf einen Wagen geladen und fortge'chafft. Dies geschah in Gleiwitz am Ilten Mai 1843 in einer Commune, die sich eines höchst schonungevollen vorsichtigen Bürgermeisters und eines menschenfreundlichen stocklicbenvrn Stadtverordneten erfreut. Allgemein versichert man, daß 30 Stockbürger diesen Pöbelhausen auseinander gejagt haben würden, was aber von Seiten der bewaffneten Dü'rger nicht geschah; vcrmurhlich weil diese eigene Art politischer Demonstration, doch nur den Juvea galt. Erst die Requirirung der dort garnisonirenden Nhlanen, was freilich etwas,spät geschah