Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 9 (1848)
- Issue
- Heft 24 (11.6.1848)
- Date
- 1848-06-11
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/2566751-2567071-2567095--3163-2571092- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
180 gleiches Recht auch für ihre jüvifchrn Brüder anzesprochea. Schon haben deutsche Fürsten ihre Gerecht gkeit beffegeit, indem ste gleiches Recht auch den jüdischen Kindern ihres Reiches zugesprochen. Werden Oesterreichs edle Söhne die Letzten fein? Nicht mrch sofort das Gold ihres erwachten RechtsbrwußtseinS dadurch als acht bewähren, daß ste die Bitte um gleiches Recht auch für den ärmsten Juden vor den Thron unsereerhabenen Kaisers bringen? Und wird dieser Bitte, von Oesterreichs edlen Söhnen vor des edelsten Fürsten Thron gebracht, die Erhörunz fehlen? O. nein! new! Die Majestät auf HabbsurgS hohem Throne hat längst gewiß die Gleichheit aller ihrer Kinder in ihrem erhabenen Herzen entschieden. Die Hohe wartet nur auf den auszusprechenden Wunsch ihrerVölker, um auch diesen daS hohe Werk der Wahrheit und des Rechtes krönenden Wunsch mit Vaterhuld zu gewähren. Darum an Euch, Ihr christlichen Brüder im gemeinsamen Vatrrlande, an Euch richten Eure jüdischen Bruder das Wort! Lasset uns nicht allein hintreten zum Throne des gemeinsamen Vaters! Mit unS, vor uns, für uns sprechet daS Wort! Zei. ge», daß daS Rrcht in Eurer Brust eine Wahrheit geworden zeiget, daß Ihr die Schmach der Jahrhunderte tilgen wollet, nicht nur die Schmach, die Ihr gelitten, nein auch die Schmach, — verzeihet — die Ihr geübt! Zeiget, daß Ihr in uns die Brüver wieder erkennet, wie wir Euch als Brüder erkennen, und daß Ihr Euch des eigenen Rechts nicht zu freuen ver. wöget, so auch nur ein Brudermrnsch neben Euch noch vor Gottes Thron zu klagen hätte, daß ihm auf Gottes Erde vaS Recht versagt, das Recht verkümmert fei, Mensch unter Menschen. Bürger unter Bürgern zu sein." Herr Dr. Ring ein Märtyrer deS IuderrthurnS. Heut zu Tage girbt rS keine Unmöglichkeiten, unv wenn Gott will, haben die geplagten Juden zu jeder beliebigen Zeit ihren Stea Ab, ja! sogar der höchstwürdige Dr. Ring, den die Leser deS Israeliten bereits kennen, kann, so paradox dies bei näherer Bekanntschaft mit demselben auch klingen mag, ein Märtyrer werden. Ja Judensachen können vce loyalen Preußen mit den Franzosen kei. neswezS behaupten: Berlin ist nicht Preußen wie Paris nicht Frankreich. Rein; Rr. 13 deS geschätzten Israeliten bringt uns 'auS der Arbeiterzeitung eine kleine Duodez Judenverfolgung, die in B. im Anzuge war, an die ich mir erlaube die wirklich in Gleiwitz und Umgegend statlgehabte anzureihen. und dadurch vorstehende Behauptung- Berlin ist was Juden betrifft Preußen und umgekehrt — zu erhärten gedenke. Eia Stadtverordneter in Gleiwitz, machte sich in der Stadtverordneten L'rfammlung, durch feinen Vorschlag: die Gleiwitzer Bürger in der jetzt so kriegerisch bewegten Zeiten, mit Stöcken zu bewaffeaen lächerlich, und wurde im dortigen Stadtblarte. gewiß das unschuldigste harmloseste in Deutschland, von einem Anonymus L. von dem man noch gar nicht einmal überzeugt, ob er wirklich Jude ist, ob dieser Zumuthung lächerlich gemacht. Die Presse demachtigte sich bald deS lächerlichen Vorschlages, und Witzbolde richteten sofort in derZeitung mehre naive Fragen an dieCommune Gleiwitz, wie z. B. von Wansen: ob denn diese Art Bewaffnung wirklich iaS Leben treten werde, und in diesem Falle, welche Art von Stöcken hierzu als die geeignetsten gewählt würden? Ferner concurrirten mehre Försterreien rer reichen sächsischen Wildniß um Lieferungen dieser acht Gleiwitzer Waffen. Hierüber man lese, staune und lächele nicht, über den so genannten verunglimpften Talmud, wenn dieser sitzend auf den Trümmern Jerusalems, uns trauernd und klagend: TO* erzählt: rc. stffcü Tina« vw prra zsnn psom xp&x Ist es auch dort zu keiner Verheerung im Allgemeinen ge. kommen, so war diese gewiß beabsichtigt, unv wurde an einigen Gemeinveglievern realrsirt. Denn ein Gleiwitzer beeidigter S:artverordnetcr weiß sinnreich, namentlich wenn er der Meinung »ft von einem Judeabeleidizi zu sein, nicht nur an demselben, sondern wie daS Buch Ester lehrt, an rer gesammtcn Jurenheit sein Much, chen zu kühlen. Trauriges Geschick rer Jurenheit! Das scheinbare Vergehen Einzelner, büßen alle. Ware dies roch auch der Fall, daß die Gesammtheit sich darin theilen könnte! diese Art CommumsmuS ist den Lehrern deffelben noch ga»; fremd» uns rväre cs wünschenSwerth. daß die communistische Lacratur schon der Vollständigkeit halber, diese Abart von CommunismuS aufnähme, ihn voruriherlssrei allseitig behandele, und somit nicht nur ihre Taschen, sondern auch ihre Literatur bereichere. Zur Sache der Gleiwitzer Stadtverordneten wußte sich Raid, scharte sofort einen Hausen Jireirfeinde um sich, waS beiläufig zriazt dort ihm etwa nicht mühevoll war, und ließ dann, er kann nicht selbst, eis so erbärmliches .Pamphlet wie daS:, Rur keine JudenemancipaUon fertigen, drucken ohne Namen deS geistreichen Autors, industriellen Druckers, und die edlen Gleiwitzer Menschenfreunde schicken dasselbe ganz uneigennützig, den friedliche« jüdischen Burgern am Uten April 18V. durch ihre eigenen Kinder inS Haus. WaS Judenfeinde von jeher tiefer ungliickrichen Nation aufgebürdet, findet man in diesem Machwerk vereist, dis auf den vorjährigen Hunger- und diesjährigen TyphuStod, de« natürlich auch die Jaden erwirkt. Die vonkgen Juden, welche wir iw ganzen Preußerstande