Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 9 (1848)
- Issue
- Heft 24 (11.6.1848)
- Date
- 1848-06-11
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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im machte diesem Unfug durch'S bloße Erscheinen ein Ende. Die Gleiwitzer Juden haben eine Untersuchung beim Oberpräsidenten Pinder, sowohl gegen die Urheber und Verbreiter jenes Plakates, alS gegen die dortige Polizei eingeleitet, und werde ich zur Zeit, das Resultat, das, weil Zudensache, lange aus sich warten lassen dürste, zur Zeit im Zsraelitcn mittheilen. De» Nachbarstädten Nicolai und PeiSkrcischam, gab Gleiwitz lewer ein döseS Beispiel. Denn nicht nur dcmsnstrirten die dortigen christlichen Bürger, den Juden auf Gleiwitzer Weise, ihre erlangt: Souverainetät, sondern in Peiskretscham wäre eS bald zur blutigen Scene gekommen. Ein Bagabond, der die ganze Nacht mit Zertrümmerung der Judenfenster rc. zubrachte, ermüdete endlich, und zollte der Natur durch ein erquickendes Schläfchen aus einem Heuboden ihren Tribut bis in den NachmittagSstuden des andern Tages. Natürlich wurde er vermißt und von seinem Gelichter nicht nur gesucht, sondern von ven Juden allen Ernstes gefordert. Kurz wir würden leicht eine Damaskaser Scene erlebt, eines Montcstore und Cremieur bedurft haben, wäre jener Vagabund vom Lärme seiner Horde nicht erwacht unv auf dem Tummelplätze erschienen. Im schwarzen Gleiwitz findet dw Intelligenz überhaupt, und die jüdische insbesondere keinen fruchtbaren Bovcn zu ihrer Entfaltung. Innerhalb sechs Wochen schied auch aus jener Gemeine der intelligente Ring. Buchdrucker Pleßner und Buchhändler Landsberger. Freunde der politischen und religiösen Reform werden gewiß mit dem Referenten inniglich wünschen, daß eben diese Männer, welche ihr Oomjcil iu Hauptstädten Preußens zu nehmen gedenken, dort einen ergiebiger» Boden für ihre Thätigkeit finden mögen, und der Hoffnung leben, daß die vberfchlefische Christenheit nicht das Juvenihum mit einem 20.Siyan bereichere, und so schließe ich mein Referat mit einer sranzöfischen praktischen Wahrheit: oü force doinine, raison n’« point de lieu. Die Iudenfrage. (Schluß.) Die raS an ihm verschuldet, die haben e» zu sühnen, und ich stehe für meine Glaubensgenossen mit Leib uud Seele ein, daß fic der Gna dcnga be, die keine ist, fich werth und würdig zeige» werden. Ihre Mängel, ihre Fehler, ihre Untugenden kenne ich — und wer hätte deren nicht? Sie sind die Ergebnisse vorangegange- »er Jahre und Jahrhunderte; und eS hat wohl schwerlich Einer in der Art „seinem Volke vorgehaNen seine Sünde» und dem Hanse Jakobs seine Schuld" wie ich. Aber Zhr. die Ihr z« den Drängern zählet, und nicht zu den Gedrückte», Ihr habt kein Recht, feine Sünden ihm vorzahalten". „Da ist Einer, der hat ein sogenanntes ,.rnhizeS" Wort gesprochcn gegen die ZuLrirrmLNzipalios, das an allen Ecken angehängt und auSgeboken wird". ,.Er spricht vom «Urbermuth der Reichen und Angesehenen." Wie dentüthig find die Euren? Nrbngcns möge ihn das weiter nicht kümmern, eS ist auS mit dem Ucbermuthe und aus mit dem Reichthume. Der Wohlstand uud Reichrhum der Juden, da» heißt, der wenigen Juden—denn die Masse lebt und lebte von jeher in Armuth und Dürftigkeit und aß in Kümmerlichkeit Ihr Brod; — der Reichthum und Wohlstand der Juden war nie von Dauer, hielt nie den Sturm der Zeiten auS. Ausgeschlossen vom Besitz, von Grund und Boden, ohne feste Habe, allen Wechselfällen hingegeben. find sie eS immer. die zuerst verbluten. Er möge fich trösten! die Herrlichkeit Israels ist verblichen. Ec spricht von „der Unverschämtheit ihrer Literaten undJoarnalisten." Sie haben daS Lied gesuuzen. das ihnen ward sorgepfiffen; und in der Regel mit Geist und Talent. Daß gar^ viele Geister und Kräfte sich dahin gewendet, die dazu nicht berufen waren, liegt wieder in der unseligen Beschränkung und Ausschließung, die sie dahin trieb, wo sie freien Raum gefunden." „Was das „Strebet betrifft „den öffentlichen Kredit zu erschüttern," so ging meines Wissens ihr Bestreben dahin, für ihre» Theil den „öffentlichen Kredit" zu heben unv zu Hulken; und meines Wissens, ich bin in dem Purrktr so ziemlich unterrichtet, ist eben der gerühmte Wohlstand und Rrfththum iu und bei dem Bestreben auf und untergegangen. ES muß der Herr ganz eigene, kuriose Begriffe vom Slaatskrerit und Haushalt haben, und von re«! Kredit eines so großen uud mächtigen Reiches, wie daS österreichi-; fchc ist, wenn er in der That glaubt, daß daS Ausun^Aufgebot ' eines Einzelnen den Staatskredit nach Willkühr, Lust und Laune halten oder fallen lassen könne. Die Jureu warcn eben die Gläubigen , der Staatskrerit ihr Evangelium. und sic sind in dem Punkte wie in so manchem anderen die Märtyrer ihres Glauben» ' geworden."! ' - _____ •-! BerrchBgasg.; Zn Nr. 21 muß es in dem Schreibe» aus Ara» fub. 3 heil ßen: „durch eine Rcducirung aller Feiertage uud Abschaffung aller! Fasttage mit Ausnahme de» *SJ Dl*.“ Bcrlaz der I. C. Hermanu'schea Buchhandlung iu Frankfurt a. M. — Druck von Fried. Krähe iu Offeadach.