Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 9 (1848)
- Issue
- Heft 24 (11.6.1848)
- Date
- 1848-06-11
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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im auch "btt reiche» Berliner Geweürde bcvorstehen, werden Sie er. fahre», Laß der Vorsehung gar vielerlei Mittel zu Gebote stehen, überflüssige. nicht von dem geschichtlichen Geiste der Gegenwart getragene Institute zu beseitigen. — Roch hört mau nicht, daß Diesterweg in seine Stelle als Scminarvirektor so wie David Schulze in sein Amt als Confistorialrath in Breslau restituirt worden sei, nnb steht zu erwartru. daß er im Ministerium des Un. terrichts eine passende Verwendung staden werde. So viel ist gewiß. daß jüdischen Lehrern am christlichen Seminarien letzt keiner, lei Beschränkungen entgegeastehea und daß eine Anstalt, für dis ausschlirstlich jüdischen Fächer vollkommen genügen dürfte. Die gemischten Ehe«. Iraunfchwcig, im Mai. — Hier herrscht bei allen Höhcrgcfinntea große Freude darüber, raß unsere Gesetzgebung, da auch der Landtag seine Zustimmung hiezu gegeben, nun demnächst die civilc Ehe zwischen Juden und Christen gestatten und die kirchliche Einsegnung selbst den Belheiligtea überlassen wird. Hicmit ist j die letzte Spur eines christlichen Staates verschwunden; hie. mit hat die Staatsregierung es auf das Bestimmteste ausge° sp-ochen. Daß sie das religiöse Bedürfniß ganz und gar der freien Selbstbestimmung überlassen und es nicht wehren wolle, wenn dasselbe bei einzelnen von so höherer, edler Natur ist. daß man trotz der cons-'jronkllrn Verschiedenheit die innigste, heiligste Lebens gemeinschaft einzugchen kein Bedenken findet. Möchte das Beispiel von Draunschweig bald Nachahmung finden und überall im deutschen Vatcrlandc die große Irre rer Religionsfreiheit zur Wahr, heit werden. Relrgiöse Bewegung. Darmstadt, im Mai. — Sie wissen, vaß Herr Rabiner Auerbach uns grwisscrmaaßeu durch den Einfluß eines auswärtigen Danquierhaufts aufzcdrungcn (?) worden; denn ein großer Thei^ rer Gemeinde ist rem Talumdisch.pharisäischen Standpunkte des. selbe» durchaus nicht zugcthan. Das ging nun bis jetzt so hin. Aber die neue Zeit wird auch hier Manches verändern. Man ist cs von Seiten der Aufgeklärten nachgerade müde, die gemäß ig. sieu Ansprüche auf. eine Reform immer und ewig unbesrikdigt zu sehen. And so wird man, wenn es nicht gelingen sollte, unse. reu Rabbiaen und iheilweisc den Vorstand auf «ine bessere Bahn zu lenken, von der großen Errangevschast rer neuen Zeit Gebrauch machen und sich Seitens der Fsrgefch reitenden zu einer besondere« NeformgeMeispr ronstituiren. Dann wird aber auch Größeres und Entschiedeneres verlangt vad resp.. auSgeführl werden. und unserem Herr Rabbiner Nichts übrig: bleiben. als in seinem Zionswächter sein betrübtes Herz über den freventlichen Abfall seiner Pflegbekohkenea auszuschöttr«.— Hirsch und Sie neue Zeit. Aus Oesterreich.— Das ist doch im höchsten Grade erfreulich und zeugt so laut für die Wahrheit der neuen Bewegungen, daß Alle, mögen sie auch in religiösen Dingen noch zu den angst» lichcn Naturen gehören, sich ihr anschlicßrn; jeder ihnen seine Huldigung bringt. Wenigstens ist ras bei den Rabbinern der Fall, und Samson Raphael Hirsch, der mährische Obcrlandrsrabbiner, der gläubigste und gemülhrrjchste Anhänger deS Rabbinismus, auch er ist bewältigt von dem kühnen Flügelschlage der Zeit, auch er redet auf staatlichem Gebiete, rem Rechte und rer Freihei.1 daS Wort; und folgendes find die Worte, die er in dieser Beziehung öffentlich geäußert, und die als die Scinigen wohl verdienen, auch von Ihren Lesern gehört zu werden: ,. „Mit welchen Gefühlen der Anbetung und der Begeisterung haben die Söhne jenes allergrauen und ewiggrünende» Jakobstammes die in Wehen gebornen Gaben der jüngsten Wochen auf weiter Erdenrunde begrüßt, mit welcher Botschaft der Hoffnung und des Heiles ist die Kunde von den Errungenschaften des Vaterlandes auch in Oesterreichs jütische Hütten getreten!. Von Jahrhundert zu Jahrhundert haben sie den göttlichen Brief gleicher Berechtigung den Völkern überreicht: man hat den Brief ihnen zerrissen, hat ihren Anspruch gehöhnt, hat ihrer Klagen gelächelt» hat ihr Recht mit Füßen getreten. — DaS neue Jahrhundert trat ein. Ei» Strahl von dem ewigen Lichte göttlicher Wahrheit drang in die Brust der Menschen, und begann den Kampf mit der Lüge und dem Wahne, mit dem Hasse und der Verblendung — mit immer steigender Kraft kämpfte daS Licht mit dem Dunkel, die Nacht begann zu weichen; aber nicht vollständig war der 'Lieg. Rechte wurden verliehen; aber daS Recht, daS göttlichrinige Recht, das Recht ward nicht gewährt. Buntscheckig wie das Gewand des Wahnes gestalteten sich die Geschicke der Zakobösöhne. Es war daS alte Unrecht, mit hier größeren, dort kleineren Spuren des ßegendea kommenden Rechts. Daö Recht war eS nicht. Eine neue Zeit ist eingetreten. Mit allmächtigem Schritt schreitet das göttliche Licht in der Mcnschenbrust seinem end-, lichcn Siege entgegen. Schon habe» deutsche Völker.sich _ selber und ihren Rechissicg geadelt, daß sie unvrrküa>mert