Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 9 (1848)
- Issue
- Heft 24 (11.6.1848)
- Date
- 1848-06-11
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Geschichte bed TageS. Die neue« Ereignisse und die Juden. Stfter wird noch immer der goldene Morgen der Freiheit, der über die Völker aufgegangen, durch die Mißachtung, ja Derj solgunZ denen geraubt, welche keine andere Waffe für ihr Recht haben, als dieses, als die heilige Kraft der Wahrheit selbst. Schrecklicy, dem grauen Mittelalter ähnlich, sind die Verfolgungen, welche die Juden Ungarns in neuester Zeit erlitten. Ja Prrßburg wurden ihnen die Häuser demolirt, das Schulgebäude erstürmt, ja selbst der Friedhof durchwühlt und die Denksteine umgcworfcn. Man berechnet den angerichtctcn Schaden auf 600,000 ff. C.-M. — In Pesth waren sie gleichfalls von blutigen Demonstrationen bedrobt, und in Neustadt an der Waag sind alle Judcnhäuser ausgeplündrrt und so zerstört worden, daß sie unbewolnbar find. 2400 Menschen, Greise, Kranke, Sterbende mußten auf freiem Felde zubrknzcn. — In Prag sind sie noch durch die Bnrgergarde und Studenten der den wüthcndcn Angriffen des Pöbels geschützt worden, aber unbeschreiblich waren die Furcht und der Schrecken, welchen siemehrere Tage ausgesetzt waren. Gottlob, daß in Deutschland, in Hessen, Baden, Baiern, die Judenverfolgungen lange nicht so bedrohlicher Natur gewe'en und auch nur auf wenige Orte sich beschränkten. Aölr dafür ist d um so betrübender, daß die Frage der rechtlichen Gleichstellung der Israeliten noch lange nicht aller Orken in dem Sinne gelöst worden ist, welcher der neuen Zeit und ihrer hochffammenden Begeisterung für die Einheit und das Recht würdig wäre. Sogar einige kleine Länder: Hessen-Homburg, Dessau, Bernburg u. a. haben damit den Anfang gemacht, und Preußen, das früher so fromme, staarschriüiiche Preußen ist bald in die Reihe getreten, und hat die Gleichheit der Rechte für alle seine Bürger proclamirt und diese nun auch in dem neuen Dcrfassungscntwurf ausgesprochen. Aber viele andere Staaten sind noch damit zurückgeblieben. Oesterreich hat sie auf die erste Crändeversammlunz verwiesen, Baden, Dürtemberg und das Ereßherzogthum Hessen, sie noch nicht förmlich ausgesprochen, Daicrn und Sachsen nur eine Verbesserung verheißen, und Hamburg und Frankfurt a. M. sich ihr entschieden entgegengezngt. Dessen urige«- achtet hoffen 'wir noch Alles, und hoffen eS schon von der nächsten Zukunft. Mögen immerhin die einzelnen deutschen Staaten zaudern; sie wollen ,' vielleicht kn Rücksicht auf einen Thcik ihr»r Dcvökerung, nicht selbst das Defreiungswcrk beginnen. Aber gewiß, daS ganze Deutschland, die eS vertretende National- Bersammlung in Frankfurt a: A. wird eS chmr, hat e« getha» dadurch, daß sie die Juden deS höchstes Rechtes eines freien Bürgers, der Thcilnahme an der Vertretung vom ganze« deutsches Vaterlande gewürdigt hat. Nnd ihr hat auch daS Volk, daS deutsche Volk selbst zugestimmt, indem es vier Juden in das Parlament gesendet hat. Wer aber im Rechte schon daS Höckße gewährt, kann nicht Kleineres versagen, wenn er nicht sich uav jene selbst blosstellen will. — ES müßte denn fein, daß die Mehrheit der Nationalversammlung dieses und ihren eigenen hohen Beruf selbst verkennt, was wir wohl nicht fürchtea dürfen. Die religiösen und politischen Interesse». Berlin. Mai. — Es ist kerne geringe Umgäbe für Ihren hiesigen sonst so fleißigen Corresponrenres in diesem Augenblick von Berlin aus. vem Heerde der poliisschen Bewegungen. Demonstrationen, Protestationen ic. Ihnen Mittheilungen über für sich »religiöse Zustande zu machen. Es geschieht sactisch nichts auf diesem Gebiete und wenn etwas geschieht, erfährt man'S nutzt. Es spricht kein 'Mcn''ch von dergleichen und was sonst als eine interessante Tagesbegrdenbrit von Mund zu Mund gegangen wäre, wie z. D. daß Dr. Sachs mit seiner Consirmation total durchgrfallea. daß er sein prakmä-cs Ungeschick ans das Zwcsselloseste au den Tag gelegt, auch rarnm kümmert sich kein Ren''ch, als wäre eS etwas, ras sich oon selbst verstärke. Daß viele MitgUcrer rer Rcsormgeuossenschast rer doppelten Beiträge zur Gemcinrckaffe und zur Genossenschaft endlich müde geworden und zur erstern ihre Zahlung nunmehr verweigern, daß riese rckormatorssHc Bewegung j auch in crthororrn Kressen Anhang gesunden und trotz ihres negativen Ebarakters von orthodorrn Mitgliedern und Anhänger» des positiv-diffonf.len JurenthumS sonder Scheu und Furcht gegen r.pn nachgeahmt worden ist, würde in ruhigen Zei-; ten gewiß als eine lehr interessante Novität gegolten haben, jetzt dagegen spricht kein Mensch davon. Es sollten jedoch diese aas. lehnenden die Eristenz der Gemeinde bedrohenden Schritte zu ernsten Besprechungen und zu beschleunigenden Maßregeln, die friedliche Convention mit der Genossenschaft abzuschließen, veranlaßt haben. Co hat der auflösende Geist der Revolution den Bestand aller Verhältnisse in Frage gestellt und die Lenker de- Gemeinde» schiffeS werden ihre Kräfte asstrengen müssen, um dasselbe aa de» anarchischen Klippen vorüber zu führen. - - : i Ich will mich nächstens^ erkundigen, ob das hiesige jüdische Seminar noch cristirt, und ttzcnn dies der Fall ist, über die Bedingungen seiner Eristenz für die Zukunft Ihnen etwas mitzuthei» len suche». AuS obigem Notizea über die sinauzrellen Krisen, di«