Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 9 (1848)
- Issue
- Heft 24 (11.6.1848)
- Date
- 1848-06-11
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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i m che«: Erkenne den Herrn! denn Alle werden mich erkennen von Klein bis Groß. Auch dieses soll das Zeichen des neuen Bundes sein, such hieran die Erneuerung unseres Glaubens und unseres Lebens erkannt werden, daß Keiner mehr sich erhebe über den Andern, Keiner wahne, im Besitze größerer Gettes-Erkenntniß, höherer Frömmigkeit zu sein. — Wie, hören wir da unsere Gegner rufen. Das könntest du von der neuen Zeit rühmen? Bescheidenheit und Demuth waren mit ihr gekommen? Hat sie nicht vielmehr diese Tugenden verm'chtet, diese Güter prcisgegebcn? Hat sie nicht Streit und Hader in Israels Lager hervorgerufcn, wo sonst Friede, tiefer, inniger Friede herrschte, wo Alles sich einigte in dem einen überkommenen Gesetz; Alles seine Befriedigung, seine Beseligung fand in ihm, währeud jetzt die Gemeinde Israels in Parteien zerspaltet und zerklüftet ist und jener crzväkerliche Spruch, aber in einem anderen und traurigen Sinne, wahr an uns wird: rnsno ’JKÖ -,"w nnyi ppvi ns *m5y 'bpn5: Mit dem einen Stab des Gesetzes wanderle ich durch den Jordan, kam ich durch die lobenden Flutden, überwand ich Verfolgung und Tyrannei, und nun bin ich in mir selbst zerfallen, zu zwei feindlichen Lagern geworden. Meine Brüder! Auch hier gilt cs, was der Prophet spricht: iv? mn cyn nvs' VD -mp nesn Vs: „Nennet das nicht Empörung und Entzweiung, was dieses Volk so nennt. War das ein Friede, wo Alles sklavisch sich unter das Joch des Ueberkommcnrn beugte und Zwang und Bann dem Uebertretcr desselben droheten? Oder war das ein Friede, wo die Einen dumpf und blindlings dem Ucberkommcnen folgten, während die Anderen insgeheim und vffcutlich es überrrateu. Keiner aber eine höhere Uebcrzeugung hatte, von Keinem Der Glaube Israels in seiner Tiefe, in seiner weltbeglückenden Wahrheit erkannt worden war. Nein! nein! psi DiVt? oft» nosV 'vy ns iycn jjröi iy DiVar« Man täuscht nur immer Das arm e Volk, indem man ihm zuruft: Friede, Friede! und ist doch kein Friede! nwno kV nVso döid vn mwinn v'w nnsn kdj? nsa röss. Und wenn du sprichst: die früher«« Tage wäre« besser als diese, so hat nicht die Weisheit aus dir gesprochen. (Pred.) Wohl ist unser« Zeit eine Zeit des Kampfes und des Streite-, aber in dem Kampfe selbst lebt ei« hoher, lebt eia Gottesgcdanke. Man kämpft nicht gegeu die Person, sondern gegen die Sache; nicht gegen den Irrenden, sondern gegen den Jrrthum. Man kämpft weniger mit und gegen die Anderen, sondern mit und gegen sich selbst; gegen das Vorurtheil, gegen die Trägheit, gegen den Unglauben, gegen die Gleichgültigkeit, gegen das Mißtrauen, gegen den Urrmuth, gegen die Verzweiflung an jedem Bcfferwerden, an jeder Wredererhebung und Erneuerung unseres Glaubens, wie sie vor noch nicht langer Zeit vorwaltete unter uns und am Marke unseres Lebens zehrte und Alles den Heuchelnden und Frömmelnden überließ, auf die der Herr zürnt und Rechenschaft fordert über die Heerde, die sie weiden. Ja, meine Geliebten, man kämpft in den Reiben der Fortschreitenden gerade um des Friedens willen, des Friedens, der nur da herrschet, wo die Religion nicht ein Acußcreö und Sklavisches, sondern die höchste und heiligste Errungenschaft unseres GcisteS und unseres Herzens ist und man einem Jeden sein Recht dabei läßt und Jedwedem de« Umkreis und die Form gestattet, die ihm Bedürfniß ist, ihm zur Befriedigung und Beseligung gereicht; des Fricdeus, wo man nicht nach Acußcrcm und Zufälligem, sondern nach dem Inneren und Wahrhaften den Werth des Mitbruders mißt, und trotz der Verschiedenheit der Meinungen und Ansichten sich mit dem Rufe begegnet: sctuj «N'D D’iws ’jms D’ns duws o -p'It '2'd: Laß deßhalb kein Hader sein zwischen uns, denn wir sind doch verwandt und verbrüdert in dem Höchsten und Heiligsten; des Friedens endlich, m. And.! wo da wieder geheilt wird die Entzweiung, wieder versöhnt wird der Widerspruch und der Streit; der Widerspruch zwischen der Lehre und dem Lebe«, zwischen dem äußeren Gesetz und der inneren Religion, zwischen der Vergangenheit und der Gegenwart, zwischen dem, was erstorben, und zwischen dem, was da lebt und lebendig bleiben soll in uns und unfern Kindern; damit Keiner sich erhebe über den Anderen und Keiner zu dem Anderen spreche: Erkenne du den Herrn, da Alle ihn erkennen von Klein bis Groß." lSchlrrK folgt.)