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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1848-06-04 · Heft 23 (4.6.1848) · page 4

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
9 (1848)
Issue
Heft 23 (4.6.1848)
Date
1848-06-04
Page
– (sequence 4)
Language
German
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i@o diese sucht er unS durch ein paar süße schmeichelhafte Worte, die allenfalls eine Predigt vor einem unwissenschaftlichen Publikum zieren würden, zu verzuckern, die eisernen fesseln in Lie besb ande, die sklavischen Ketten in Rosengewinde zu verwandeln. Tie „Gemeinschaft meiner Bekenner," antwortet das Audcntbum, sei die böchste Wohlthat für alle aus dem Hause Zakobs." Und wenn ich aber dennoch auf diese Wohlthat verzichten will, darf sie mir meiner Freiheit zum Trotz aufgebürdet werden? Kann sie auch dann noch als eine Wohlthat für mich sich anküudigen, wenn ich gegen meinen Willen zu ihrer Annahme gezwungen werde, wenn sie gegen meine Ueberzengung, daß sie eine Wohltbat sei, mich zur Ehrfurcht gegen ibre Gesetze verpflichtet und die Uebertretung an mir strenge ahndet? Sie hält mich fest, sagt Einhorn, und liebend umschlungen, wenn ich mich ihrer Gemeinschaft entziehen will. Das kann jeder Tyrann sagen, das hat auch die heilige Inquisition gesagt; aber wenn Gewissens- und Glaubensfreiheit, wenn innere Ueberzengung und eigene Erkenntm'ß kein leerer Namensschall ist, so hat Niemand das Recht, mich liebend umschlungen zu halten, wenn ich mich seinen Armen, seinen Liebkosungen entziehen will. Di*. Einhorn ist bedauerlicher Weise bei aller gründlichen Kcnntniß des historischen Zudenthums nicht bis zur Einsicht vorgedrungen, daß dasselbe die Kehrseite, die offenste Kriegserklärung der Gewissensfreiheit sei, daß man, sobald man sein Grundwesen wie er in Wahrheit erkennt, dagegen pretestiren, ans allen Kräften protcstiren müsse. Delitzsch hat das währe Zudcnthum nicht erkannt, aber er bat gegen dasselbe im Namen der Freiheit sich entschieden erklärt. Einhorn hat cS erkannt und mißachtet den Ruf der Freiheit, die laut dagegen sich erhebt. Das ist der unverzeihliche Grundfehler Einhorns in dieser ganzen Angelegenheit, daß er nicht cingesehen, wie das wahrhafte historische Judenthum von dem Gedanken der Glaubt ns- und Gewissensfreiheit überwunden worden ist, wie eine Ctammesreligion, die mit ihrer Lehre nur an einen bestimmten Volksstamm sich richtet, und die ganze Menschheit von der Theilnabme an der specififch jüdisch-religiösen Aufgabe ausschließt, schon durch die messianischcn Gedanken der Propheten einen Riß bekommen, den das reiormatorische Bewußtsein der Gegenwart, welches zum Gegensatz des historischen, in einem partikulären Bündniß wurzelnden Judenthums an den prophetischen UniverfalismuS anknüpft, immer mehr erweitert. Wäre Einhorn nicht auffallender Weise auf halbem Wege stehen geblieben, batte er die Augen gegen das leuchtende Bild der Gewissensfreiheit nicht verschlossen, so hätte er bei seiner gründlichen Erkenntniß des historischen Judenthums gegen die Beschneidung einfach im Namen der Gewissensfreiheit protestirt. Weil die Beschneidung nicht die Gliedschaft bedingt, sondern Folge der angebornen allgemeinen Verpflichtung, Ausfluß des zwischen Gott und Israel bestehenden Bundes ist, deshalb bat die für unser Religionsbewußtsein, das nur eine Glaubensgenossenschaft. mit einer freien Ueberzeugnng, aber keine geborene Religionsgenossenschaft kennt, alle Bedeutung verloren. Einhorn beruft sich in seiner ersten Entgegnung auf unsere Principien. Hätte er diese gründlicher beachtet, würde er vor solchen großen Fehlgriffen bewahrt worden sein. Denn unsere Principien kämpfen im Interesse und im Name» der freien Ueberzengung gegen die Stammcsreligion, gegen die angeborene und unveräußerliche Pflichrigkeit, mir einem Worte gegen die Fessel und die Tyrannei des alten historischen Judcntbums, über das wir uns so wenig 'wie Einborn die mindeste Illusion machen, auf das Entschiedenste an. Wir achten Einborn als einen der gründlichsten Kenner des talmudisch-historischen Judenrhums unter den gegenwärtigen Rabbinen und jüdischen Gelehrten, dcsbalb zweifeln wir nicht, daß er bald die Grenze, die er seiner Erkenntniß wie einen Riegel vorgeschoben, überschreiten und zur vollen Freiheit durchdringen wird. Daun erst wird die ganze Reform in ihm einen der tüchtigsten und wackersten Vorkämpfer gewonnen baben, zu dem sie sich mit vollem Recht wird Glück wünschen können. Hold de im. Geschichte des Tages. Veränderte Zeitrichtung. / Frankfurt a. M. im Mai. Eine Zeit ist zu rede» und eine Zeit zu schweigen; mit der Redefreiheit ist nicht für Jede» auch die Redezeit gekommen, für Manchen umgekehrt die Schweigezeit. Von den Retrograden versteht sich das von selbst; aber auch Männer des Fortschritts, welche von den Ereignissen überrascht worden, sollten sich sammeln unv ihnen beobachtend und — schweigeud folgen. Um heute ohne Notwendigkeit öffentlich

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