Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 9 (1848)
- Issue
- Heft 22 (28.5.1848)
- Date
- 1848-05-28
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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1?5 und bitten in diesem Falle, daß diefrlbrn zn gemeinschaftlicher Wirksamkcit mit unS in Verbindung treten. Brüderlichen Gruß an alle Mitglieder aller Rrligionöde. kenntruffel Leipzig, den 30. April 1848. Der einstweilige Ausschuß deS kirchlichen Vereins für alle Religionsbekenntnisse zu Leipzig." Der kirchliche Verein für alle Religionsbekenntnisse. Leipzig. DaS Abendblatt enthält folgenden Aufsatz über den „kirchlichen Verern für alle Religionsbekenntnisse": „Man hat vielfache Bedenken gegen die Bildung eines kirchli. chen Vereins in unserer Zeit ausgesprochen. Man meint, ein sol. cheS Unternehmen sei nicht zeitgemäß, es fehle die Thcilnahmc veS Volkes. Wäre dem in der Tbat also, fehlte wirklich die Theil. nähme deS Volkes für vre kirchlichen Angelegenheiten: so wäre eben dies die dringendste Nötbigung zur Gründung emcS solchen Vereins. Eden weil keine Theilnahme vorhanden ist, muß ein Verein gegründet werden, welcher die Theilnahme für die Kirche wieder erweckt. Oder sollten wir keinen Versuch machen, die kirch. Uche Theilnahmlosigkeit zu beseitigen? Wäre eS nicht ein Schade noch weniger eme Schande, die kirchtichen Angelegenheiten in den kalten Herzen vollends ab- und ausstcrben zu lasseo? — Wer wäre so hölzern und steinern, wessen Seele wäre so ganz zur ausge. glühten Kohle und zum verdorrten Blatte geworden, daß es ihm eben recht und erwünscht wäre, wenn die himmelanstrcbcnden Dome verfielen gleich den Ritterdurgen drö Mittelalters, und wenn in riesen geisterhebenden Räumen nicht mehr die Worte heiligender Wahrheit, nicht mehr die Ecgenssprüche scelenvoller Weiht, nicht mehr die Töne tausendstimmiger Gesänge erschallten, sondern daS Gestöhn und Geschrei der Eulen und Fledermäuse? . Wir wissen wohl, die Kirche trägt zum größten Theil die Schuld der Theilnahmlosigkeit in tausend Gcmüthern. Die Kirche ist zerfallen in viele sich anfcindrnde Parteien und Confessionen; riese feindlichen Parteien schleudern ihre Feuelbrände in daS Heilig, thum der Häuser unv lehren und reden von Dingen, die dem ge» sundcn Sinne widerstreben und das Herz veröden. Aber ist die Kirche die Hüterin und Pflegerin der Religion unv Sittlichkeit, lo liegt eS ja gewiß nicht in dem Wesen der Kirche, ia solcher Er. scheinungSsorm an das Tageslicht zu treten; es ist nicht ihr Wesen, eS ist ihre Erscheinung. Ihr urkräftigcs, urgesundeS Wesen muß sich in neuer Form und Gestaltung lebendig erweisen. Diese» urkräftige und nrgesunve Wesen der Kirche scheint unS in dem „kirch. Men Verein für alle Religionsbekenntnisse* offenbar werden zu können. Die Fcindsrligkriten der kirchkichrn Parteien innerhalb der Christenheit unv die feindselige Stellung rer Ehrtfleu gegen die Israeliten will man beseitigen und darauf dringen, was allezeit, aller Orten für alte Menschen heilsam und noth. wendig ist, auf Rcligicsitä! und Sittlichkeit. Ohne Religiosität und Sittlichkeit kann das Gemeinwohl nicht wachsen und gedeihen — es fehlt ja der Keim. eS fehlen die Wurzeln. Demgemäß aber ist die Gründung eine» derartigen Vereins eine in unserer Zeit hoch, wichtige unv nothwcndige, eine wahrhaft zeitgemäße Sache. Und es wäre in der Thal ein großer Scharr, eine große Schande, wollte man gar keinen Versuch machen, die («emulier wieder mit lebendiger Theilnahine für Kirche und Religion zu ersüllen. (Schluß folgt.) Theilnahme für den allgemeinen kirchlichen Verein. Dresden. Die Kuuve von der Bildung rcS „kirchlichen Vereins für alle Religionsbekenntuissc" wurde hier mit der größten Theilnahme begrüßt. Mau hält riesen Verein für die schönste Errungenschaft der Neuzeit und für die sicherste Bürgschaft des religiösen Friedens. Gesondert unv vereinzelt wirkten sonst Protestanten, Katholiken. Israeliten u. s. w. für daS gemeinsame Ziel aller und jeder Religion; durch diesen Verein treten die Confessionen mit vereinten Kräften und jede mit ihren Vorzügen an daS Werk des Friedens, der Liebe und des Rechts. DaS Beisp el Leipzigs wirkte auch auf die Schwesterstadt Dresden. Denn auch in unfern Mauern arbeiten bereits die Freunde des Friedens und der Aufklärung — unter diesen besonders der Oberrabbiner llr.Z. Frankel. — einen solchen Verein hier inS Leben zu rufen. Wir hoffen, daß die Geistlichen aller Confessionen sich brüderlich die Hände reichen werden, um ein unserer Zeit würdiges Werk auSzuführen. Mit Freuden sehen wir dem Moment entgegen, wo die gleichberechtigten Zsraelilea daS Werk der Aufklärung mit ihren christlichen Brüdern fördern werden. Roch ein Wort über die Ausgleichung deS ConfliktS deS Lebens mit der Lehre durch die Rabbiner» Versammlung. (In einem Brief.) (Schluß.) Nun wohlani wir sagen unserm Schüler: Du darfst Deinen Bart nicht durch das Scheermrsser wegnehmen lassen und er merkt an unferm glatten Kinn, daß der Nafeur feine daran ver.