Mannheim
Compact Memory

Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1848-05-28 · Heft 22 (28.5.1848) · page 8

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
9 (1848)
Issue
Heft 22 (28.5.1848)
Date
1848-05-28
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2566751-2567071-2567093--3147-2571074
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

MS sucht; wir legen ihm die Wichtigkeit des Gebets, des öffentlichen GedetS. des hebränchen Geb.tS ans Her;, und koch besuchst Du ihn selbst nur selten uns doch ist er nich: so gccigenschaftet, wie er nach Deinem Unterrichte sein sollte; Du lehrst ihn, daß daS zum Genuß für unö erlaubte Flessch nur von jenem blutig schmutzigen Mann mit eincin Messer tüchtig gemacht werden kann, an dem auch ein Schärtchcn. das ein gewöhnliches Gefühl nicht wahrnimm! sich nicht befinden darf, widrigenfalls es dem Aase gleicht re. re. Ist hier nicht schmählicher Zwiespalt? Mußt Du Dich nicht selbst so zu sagen, auf den Munv schlagen? dieselben Verhältnisse tritt mit ver Kanzel an; nur daß hier manches ignorirt werden kann, was bei rem Gesammtuntereicht, bei dem fragenden Kinde, nicht geschehen kann. Dagegen aber Falls rer Rabbiner noch schlimmer m:t den sogenannten Der aufgeklärte Rabbiner muß hiezu rin wahres Janusgesicht haben. Man kann aber auch nicht wie bei andern Confcssionen aussageu: irt eure Ueberzeugung im Widerspruch mit unserer Religion, so scheidet von ihr. Nicht mit dem Dogma, den Grunklchrcn find wir in Widerspruch, wohl aber leben 7/3 der deutschen Rabd.ner unv Lehrer der in unserer Religion selbst begründeten Anficht, daß Vw'.cs nicht mehr zeitgemäß und für andre Verhältnisse und ein aneccs Clima, ein andres Staatsleben gegeben worden sei und daher aufgedört haben die Kraft der Heiligung in sich zu tragen. Ein anderes war vasJnventhum zu MofiSZeiten, ein andres zur Zeit der Propheten, ein andres zur Zeit der Römerherrfchaft und ein andres muß eS zu unsrer Zeit werden. Wie an der Lehre so in seinen heillosen Folgen zeigt sich dieser verkehrte Zustand im Leben und übt die nacdlhc irgsten Einssüsse aus die Moralität deS Volkes. Heute im orthodoxen Iadruthum unterrichtet, tritt ihm der Jüngling morgen schon scharf entgegen. Zwar ist ihm ras Gewissen geschärft, die Heiligkeit der'Speisegcsctze »st i'.-m von den Eltern auf die Seele gebunren, die Roth zwingt ihu zum Ucbertreten, er Dcnäubt sein Gew ssen und lernt eS auch in moralischer,Beziehung übertäubcn. Over besiehe Dir den Kaufmann, der auf Reisen daS Ceremonialgesctz über Bord wirft, aber nach Hause zurückgekehrt auS Buße oder um seiner Frau zu gefallen auS aller Strenge alle Gebräuche beobachtet und von Andern beobachtet wissen will, wie er heute auf das TQILD thut. was er morgen »vieder zu thun gesonnen ist und sage ob vws nicht ein verkehrter unwahrer Zustand sei? Mw »vill cS oft dedüaken, dw sich hin und »viever zeigende Trunksucht, rer Hang zur Wollust, zum Schulvrnmachen rc. habe in dieser frühzeitigeu Betäubung vcS Gewissens seinen Grund mit! — Zu diesem allen gesellt sich noch ein AeußereS. Läugnen wir es nicht, eS ist Verlag der noch manches in unfern alten Vorschriften, daS uns ka der Gemeinnützigkeit hemmt, unsre völlige bürgerliche Annährung erschwere unv unserer Lebensweise und unserem ganzen Gebahren etwa» Eigenthümliches, nicht gerade Empfehlendes giebt. Die Deutsche» sind einmal ein gläubiges Volk. Sie sagen nicht, wie neulich Lord Ruffel: »venn Rothschild einer Ausfchußfltzung im Parlament am Freitag Abend nicht beiwohnen kann, so zahlt er seine Geldstrafe! sondern sie sagen: »vir wollen Niemanden im Staatsdienst, der mit seinem Glauben zerfallen ist. der am Sabbath schreibt rc. der Bürger behandelt den nicht ebenbürtig, der nicht mit ihm ganz leibt und lebt! ver Beamte fragt in streitigen Fällen de» zuständigen Rabbiner und »vaS rer ihm berichtet, das ist ihm das Wahre. Darum der Sieg der Orthodorie in allen streitigen Fällen, wen» es znr Einholung eines Gutachtens kommt. Wie ist diesem Allen abzuhelfen? Rur durch die Radbinerversammlung. Wenn alle ren Fortschritt wollenden deutschen Rabbiner sie besuchen — unv ihrer ist eine große Zahl, wenn sie auch über das Maaß der Reform differirea — wenn eine solche schon durch ihre Anzahl respectable Versammlung jene Frage des CoafliktS der Lehre mit dem Leben in das Reich ihrer Berathnng ziehet; wenn sie sich das Wort giebt die Beschlüsse nach Kräften in Wirksamkeit zu setzen; wenn sie »hre rc,'p. Regierungen davon in Kenntnis setzen, in ihrem Geiste predigen und die ihnen vorkommenden rv>7x*tf darnach entscheiden, »vcnn sie den Lehrern gestattet darnach offen zu lehren: so »virs ein solches Verfahren zlvar hin und »vierer böses Blut machen, aber allmählich »vird eine neue Generation mir dielen gereifter» Ansichten aufwaSlea unv jenen ganzen Cprlus vom Uebertritt eines 337UO bis zum Ge. nuß von ’TUH nicht mehr durchmachen brauchen; die Lehrer werden nicht mehr mit eine,» Janusgesicht zu erscheinen brauchen und alle sich ein gutes Gewissen bcivahren. Bedürfe eS hiezu eines Beweises. so würde ich Dich auf daS kleine Fürstenthum Dirkenfeld verweisen, wo ein einziges Drcenium freier Lehre von Seiten der Rabbiner und der Lehrer einen größer» Fortschritt im Leben ge»virkt hat. als unser ewiges Streiten. Lehren. Ueberzcugungen, Auseinandersetzen unv Aufklären.— Dies meine Ansichten, lieber Freund, die »nich die Meinung gänzlich verwerfe» läßt, als bedürfe eS jene Reformen nicht und das Leben werde von selbst Alles auSgleichen. Weißt Du bessere Gründe, s» theile sie mit. Deinem rc. rc. Druck von Fried. Krätze in Offendach. I. C. Hermanu'schen Buchhandlung La Frantjurt a. -i.i.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.