Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 9 (1848)
- Issue
- Heft 22 (28.5.1848)
- Date
- 1848-05-28
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Zetten, als den schwachen AuSdruck unsres tief gefühlten DankeS an Sie zu richten. Als Sie vor zwei Jahren zum ersten Male als LandcSdcputirter in unserer Ständeverfammlung auftraken, fühlten Sie den -eiligen Beruf, für die Sache der Gewissens, sreiheit, dir uns gegenüber so viele Jahrhunderte hindurch auf LaS schmählichste verletzt ward, mit jugendlicher Begeisterung in die Schranken zu treten. Sie waren der Erste, der in Rassau'S Ständevcrsammlung auf völlige Emanzipation der Jude» den Antrag stellte und rciteteu dadurch die Ehre Rassau'S, die Ehre seiner Vertreter in de» Äugen aller Vernünftigen und Gerechten. Wohl vermochte eS der erste, wenn auch noch so kühne Angriff nicht, daS Bollwerk zu durchbrechen, hinter welchem daS überm üthigc Vorurtheil geborgen war und bedurfte eS eines welterschütternden SturmeS. um cS in feinem Felfeuneste besiegend zu vernichten; wir fühlen uns aber darum nicht minder gedrungen, in unserm Namen sowohl wie iv dem Namen unserer Rrligionsgcnosscn des HerzogthumS Ihrer hochherzigen Ge. tinnung, die sich durch das begeisterte Wort wie durch ein unverdrossenes Wirken für unsere gute gerechte Sache auf eine unS io wodlthuende Weife manifestirte, den wohiverdienken Tribut vcs DankcS hierdurch darzubringen. Ihr Name, geehrter deutscher Mann, und die Namen Ihrer «ackern Genossen in dem heiligen Kampfe für die Sache der Gerechtigkeit, der Herren Eberhard, Haas, Heß und Dekan Seofft, dieses ächten Priesters dcs Herrn, werden in unauslöschlichen Zügen in den dankbaren Herzen ver Israeliten und gewiß auch vieler vorurtheilsfreicn Nichtifraelirea stets fortleben. — Möge Gott Ihre Gesundheit und Kraft Ihnen erhalten, damit Sie. auch in der Ereignivschwangerii Zukunft, der wir cntgcgengrhcn, zum Hcrle unserS nassamschen, zum Heile uasers deutschen Vaterlandes segensreich wirken! Mit vorzüglicher Hochachtung zeichnen Wiesbaden, den 28. März 1843. Süskind, Rabbiner. Sabel. > Jonas.! Vorsteher. Fchr. ) Leipzig. Die allgemeine Zeitung für Chiistenlhum and Kirche enthält folgenden Ausruf: Aufruf au die Mitglieder aLer ÄelrgloLsSeFeArrLrrisse. Liebe Drüderl Religiosität und Sittlichkeit zu fördern, ist die 'gemeinsame Aufgabe aller Religionsbekenntnisse. In der Ancrkeanung ihres gemeinsamen Zweckes sollten sich daher die Glieder ver verschiedenen BekeuÄsrffe vereinige«, m gemeinschaftlich für die Erlangung ihrer WDeLlLWes Rechte Md für die Erfüllung i-nr gemeinsamen Pflichten zn wirken. Wir wellen einig sei», um stark zu werden im Geist; wir wollen stark sei», um thatkrästig uns allgemein dahin zu streben, daß Gottes Gesetz, das Gesetz der Liebe, in aller Sinn gegeben und in aller Her; geschrieben werde» Fern von uns ist jede Bekehrungssucht! Wir leben und Han. deln in der Anerkennung der Wahrheit, daß Gott die Person nicht ansieht, sondern in allerlei Volk, wer ihn fürchtet und recht thut, der ist ihm und daher auch unS angenehm. Jeder von uns soll sich mit Freuden des Guten in seinem Bekenntnisse bewußt sein, aber eben so freudig soll er auch das Gute in den andern 2Bekenntnissen anerkennen. Seien wir verschieden in der kirchlichen Form und Gestaltung, einigen wir unS aber in der Kraft des heiligenden Geistes! DaS Band des Friedens und der Liebe umschlinge alle Religionsbekenntnisse! Wir wollen durch gegenseitiges Geben und Nehmen, durch brüderliches Zusammenwirken heranwachsen zur Einheit im Geist! Mit dieser Gesinnung haben in Leipzig Mitglieder verschiedener Bekenntnisse einen Kirchlichen Verein für alle Religionsbekenntnisse gegründet und sich über folgende Grundzüge vereinigt: 1) Name: Der Verein nennt sich „Kirchlicher Verein", weil er die allgemein kirchlichen Angelegenheiten der verschiedenen Religionsbekenntnisse zum Gegenstände seiner Tbätigkcit macht. 2) Zweck: Fortbildung des religiösen uns kirchlichen Lebens. Insbesondere: Verwirklichung der Selbstständigkeit und Gleichste!, lung aller Confcssionen. Beseitigung der confcssionrllen Mißhcllig. Fetten und M'.ßventaudmsse uns Förderung der kirchlichen Reformen. 3) Standpunkt: Unbedingte Rationalirät auf Grund des religiös-sittlichen Geistes. 4) Wirksamkeit: Der Verein wirkt durch Vorträge und Besprechungen in allgemeinen Versammlungen, so wie durch dir Presse. 5) Mitglieder sind Männer nnv Frauen, welche den Zweck und Standpunkt des Vereins theilcn, ihre» Name» in das Mltgliederverzeichniß eintragew und sich zu einem freiwilligen monatlichen Geldbeiträge verpflichten. 6) Ausschuß: Der Verein wählt einen Ausschuß, in welche« alle Religionsbekenntnisse möglichst vertreten sind. Der Ausschuß wählt den Vorstand, bereitet die allgemeinen Versammlungen vor. entscheidet öder die VereinSfchristen und vertritt überhaupt den Verein. Wir hoffen, daß die hier ausgesprochenen Ansichten und Grund» sätze auch anderwärts §'-'iche Vereine in's Leben rufen werde».