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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1848-05-28 · Heft 22 (28.5.1848) · page 5

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
9 (1848)
Issue
Heft 22 (28.5.1848)
Date
1848-05-28
Page
– (sequence 5)
Language
German
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I7S Boten unB noch mehr als diese, wechseln und ein Wechsel und eine Unbeständigkeit und eine Anarchie in dem ganzen kirchlichen Leben einriße, daS dieses, und mit ihm das religiöse, sittliche auf daS Tiefste erschütterte. Ich fürchte eine solche absolute Abhängigkeit von den Ansichten und dem Willen der einzelnen Gemeinden ganz besonders bei unS, in der Synagoge, weil da die Zeit des Kampfes, der Krisis, der grellsten Verschiedenheit in den Ansichten und Bestrebungen erst begonnen hat und der Wechsel der geistlichen Führer kein Ende nehmen, ja diese durch ihre prekäre und abhängige Stellung jedes entfch'edenen und darum auch segensreichen Auftretens entbehren würden. Nein, ich theile vielmehr den Wunsch und die Hoffnung von Geiger, daß der freie Staat der wahren, der freien, aber einen festen Organismus bildenden Kirche fein werde. Den despotischen Staat, wo der alleinige Wille deS Herrschers regierte, wo sein Glaube der Entscheidende und Maßgebende war, hatte die Kirche (oder Synagoge) wohl zu fürchten, von dem constitutionellen, wo das Volk, die ganze Gesammtheit der Bürger in ihren zahlreichen Vertretern mitregicrt, und ein entscheidendes Wort in Sachen des religiösen Lebens spricht, hat sie nichts zu besorgen; der Polizeistaat, der Alles bevormundete, Alles von seiner Gutheißung abhängig machte, der konnte wohl Sorge einflößrn, der Rechtsstaat, der die Freiheit achtet, in Jedem, darf sie nicht beunruhigen; der christliche Staat konnte einen Strauß, einen Feüerbach von den Lehrstühlen entfernen, und die Synagoge, als eine Privat, angelegenheit, die seiner Obsorge nicht werth sei, betrachten; der humane Staat, mit einem Worte, der freie, der Rechtsstaat, wird cs nicht; diese kostbarste Errungenschaft der neuesten Zeit wird auch der Kirche, der Synagoge, ihre Freiheit zugestehcn, wird sie aus sich selbst entwickeln lassen, wird ihr die freie Presbytcrial- und Synodal-Vcrfassung geben, aber er wird fortan auch ihr Schirmvogt bleiben, wird sie liebend und pflegend in seinem Organismus behalten und ihre Leiter und sie selbst vor der Unbeständigkeit und jenem Uebermaß von Freiheit bewahren, welche ihrer wahren Entwickelung nicht minder schaden dürfte, als Pricstrrhcrrfchaft und Despotie. Darum nochmals, nicht Trennung, sondern Unabhängigkeit der Kirche vom Staate, wie sie, frei und besonnen zugleich, das deutsche Vorparlament zu seinem Beschlüsse proclamirt hat; sie sei fortan unser Losungswort; sie lebe hoch im ganzen deutschen Vaterland! Adresse» an Hergenhahv »Ad Dresel. Wiesbaden im Mai*). An den Präsidenten der zur Entwcrfung eines neuen Wahlgesetzes versammelt gewesenen Stände, nunmehr Ministcrial-Präsident Hergenhahn, wurde von hier aus die folgende Adresse gerichtet: Hochgeehrtester Herr! Sie waren so gefällig, unser an hohe Landes - Drputirten- Versammlung gerichtetes Gesuch, das Recht zur aktiven und passiven Wahl für die Ständeverfarnmlung betreffend auS unfern Händen anzunehmen, um dasselbe mit derselben Hochherzigkeit und Energie zu vertreten, mit welcher Sie die so lange verkannten Rechte des nassauischen Volkes in den denkwürdigen drei Märztagcn ebenso muthig als besonnen vertraten und dadurch zum ewigen Segen wurden für unfern allgcliebtcn Lau. desfürstcn wie für unser Volk, die nun, da die künstlichen Scheidewände gefallen, inniger denn jemals mit einander verbunden sind. Treu ihrem gegebcucn Wort, treu der Idee der ächten Freiheit, als deren würdigsten Träger Einer Sie in unscrm Großhcrroathum wie in dem ganzen deutschen Vatcrlande dastehen, haben Sie die activc unv passive Wahlberechtigung der Israeliten der Landes - Drputkrten-Versammlung vorgeschlagcn, die ihrerseits den Vorschlag einstimmig zum Gesetz erhob. Wir fühlen uns darum gedrungen. Ihnen in unserm wie in dem Namen unserer Religiousgcnossen des HerzogthumS unfern wärmsten Dank hierdurch anszufprechen und bitten Sie, auch bei der hohen Landes-Dcputirten-Verfammlung der Dollmetscher unsers innigsten Dankgefühls fein zu MÜen. Wünschen wir unS und — geben wir der Wahrheit die Ehre — wünschen wir auch der Gesetzgebung Glück, daß die Zeit erschienen ist, in welcher eine Schmach getilgt ward, die auf der Gesetzgebung gewiß nicht minder als auf uns lastete. Mit vorzüglicher Hochachtung zeichnen Wiesbaden, den 26.März 164Z. SüSkind, Rabbiner. S. I. Sabel., B. Jonas. »Vorsteher. Ph.Fehr. ) Unter demselben Datum wurde an Hrn. Dresel auS dem Rheingau die folgende Adresse gerichtet: Gcehrtester Herr! Bei der bevorstehenden Auflösung der dermaligen Ständeversammlung halten wir es für unsere Pflicht, die folgenden *) Wir ersuchen den Hrn. Correspondenten, für die Znkanst seine schätzbaren Mitthcilungen direct und unfrankirt per Post 1 zu senden. Die Redaction.

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