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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1848-05-21 · Heft 21 (21.5.1848) · page 6

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
9 (1848)
Issue
Heft 21 (21.5.1848)
Date
1848-05-21
Page
– (sequence 6)
Language
German
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SS6 Die EmancipationSfrage. I Batet n. — Wenn auch seit dem gewichtigen Votum unsrer Stände in der Adresse bezüglich der Gleichstellung derCon-! fesstonen von Seiten der Staatsregkerung nichts in dieser Nicki-! tung geschehen ist, so ist Loch an einem Siege dieses Principö j auch bei uns nicht im mindesten zu zweifeln. So lange aber! rine entschiedene Willensäußerung ohne alle und jede Verklau-! felirung nicht erfolgt, so lange namentlich daS Edikt v. 10. Juni 1813 über unsre Verhältnisse auf dem Wege der Gesetzgebung nicht außer Kraft gesetzt wird, so lange können wir unS nicht beruhigt erklären, weil nicht nur jetzt, sondern auch in der Folge, bei wenn auch nicht wabrschckn>icher Reaktion, eine Rückkehr in einzelnen Brstimmungiii jenes pbaraonischen Gesetzes von Seiten der Untcrbehördcn zu befürchten ist. Darum war eS sehr gut. Laß mehrere Abgeordnete, besonders die Herrn Christmann und Stockinger aus der Pfalz, echte Söhne der Freiheit, in der 9tcn öffentlichen Sitzung den Minister Heinz deßhalb interpcllirten, und von ihm dahin beruhigt wurden, daß wenn schon die Wahl zum ParlamentSglicd an keine Cofcssion gebunden, sie cö zum Abgeordneten in der daicrischen Kammer noch weniger sein werde, was mit Applaus erwidert ward. Und wenn, setzen wir hinzu, ein baicrischerJude Abgeordneter werden kann, so wird er Bierbrauer, Müller re. um so ungehinderter werden dürfen. Mittlerweile bricht sich jene große Zdce der Unabhängigkeit des Glaubens von politischer Berechtigung immer mehr in allen, auch in den bisher engherzigsten Kreisen eine frei Bahn. Zeuge dessen mögen aus vielen derartigen Erscheinungen folgende Einzelfälle sein. Der Magistrat des katholischen Marktes Schnaitt ach hat hei den Ständen eine Petition für Gleichstellung der Juden cingcreicht, desgleichen haben circa 30 Land, gemeinden Obcrbaicrns in ihren 25 Wünschen jenes Princip mitfornuilirt; in Anspach wurde Herr Kitzinger, Vorsteher der israelitischen Gemeinde, in das Wahlkomite mit großer Majorität gewählt, desgleichen in Fürth die Hrn. vr. Lövi, *) vr. Berlin und Lewin! von dem Bürgcrverein in München find außer genanntem Rabbiner auch noch zwei M arr, Israeliten, *) Im Vorbeigehen sei hier bemerkt, daß es Hrn. Rabbiner vr. Lövi kürzlich gelang, einen durch Rohheit eines dortigen jüeischen HaudrlSmanneS entstandnen Volköauflauf, rer von den gefährlichsten Folgen hätte werden können, durch sein muthkgeS Auftreten gänzlich zu beschwichtigen. Sagt ihr Freunde bebärte« ter und unwissender Rabbiner, wäre einem solchen dies auch gelungen und hätte er Muth und Kraft dazu gehabt? — zu ParlamentS-Kandivaten in Vorschlag gebracht worden; bei einem Volksfest in G ün zburg hat ein junger ifr. Lehrer von Jchenhausen als Volksredner viele Anerkennung gefunden; bei einer Dürgervcrsammlung in Erlangen wurde beschlossen, den Magistrat anzugehen, der Aufnahme von Israeliten alS Bürger kein Hindcrniß mebr in den Weg zu legen. DaS Wahl« Comite in Günzenhausen, dessen Magistrat sich noch kürzlich bcrichtlich gegen die Besserstellung anssprach und in deffeu Kasino bisher kein Jude ausgenommen werden durfte, .sprach einstimmig sich für Gleichstellung in allen staatlichen und bürgerlichen Rechten öffentlich auS u. dgl. m. Bei dem in allen Tbcilcn des Reichs am 25. d. M. (April) statthabendcn ersten Wahlakt werden ohne Zweifel an vieltu Punkten Israeliten zu Wahlmännern ernannt werden. Ob aber auch am 23. gleichfalls rer Wahltag im ganzen Lande, mehre oder auch nur ein Jude zum Parlaments-Mitglicde erwählt werden, möchte ich doch noch bezweifeln. Die nächsten Tage werden cs entscheiden. Schmerzlich aber ist's, berichten zu müssen, daß freilich nach Jahresfrist der auf das Rabbinat Wallerstein mit Majorität gewählte Wcißkopf daS Dekret erhalten hat. Man muß wahrlich mit totaler GeistesbUnoheit geschlagen sein, wenn mau die Erneinuing eines solchen Mannes zum Rabbiner unsrer Zeit nicht als eine Ealamität betrachten will. Vor dem Schluß der Jndensrage in Deutschland bat sich noch ein Nachzügler eingestellt. Herr Präceptor Haid in Ellwangea tritt noch einmal mit dem Kedncht ter Juren-EmanciaiisnS-Lireralur und zwar mit der einseitigen Eisenmenger'fchen auf uns gebärdet sich, als müßte er wohl dem deutschen Volke den Staar stechen. Bon Rresser und andern Heroen dieses Gebiets weiß der gute Mann gar nichts. Ihm ist noch die Stelle 2 B. M. 11. 2 u. dgl. das ausschließliche Motiv, ren Juden die bürgerlichen Rechte vorzuenthaltcn; nach ihm sind wir die Feinde und Hasser der Christen und die „gebildeten Juden haben noch nicht den geringsten Versuch gemacht, ihre Glaubensgenossen in Schrift und Vorbild in so weit heranzubikden, daß sie fähig und empfänglich wurden für die Annahme milvrer Glaubensansichtea" o. f. w. Schlafe sürder gut, alter Haid! Deine Schrift wird feine Makulatur adgeben und die Zeit wird dich mitleidig am Wege stehen lassen. ParlameutsWahle». Berlin, im April. — Gestern haben dir jüdischen Preußen bei den stattgehabten Wahlen d;r Wahlmänner für die coaßitnirendea Versammlungen zu Tertia ans Frsnksurt a. M. zu»

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