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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1848-05-21 · Heft 21 (21.5.1848) · page 4

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
9 (1848)
Issue
Heft 21 (21.5.1848)
Date
1848-05-21
Page
– (sequence 4)
Language
German
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1S4 rechtigung, die sie hieraus für unser gegenwärtiges Bewußtsein abzuleiten sich die Miene giebt, für uns nicht von Belang, da wir unseres guten Rechtes ohne alle diese historischen Titclchcn uns deutlich genug bewußt sind, und würden wir auf dasselbe nicht minder beharrlich pochen, wenn eine andere historische Schule mit noch größerem Aufwand von Gelehrsamkeit den evidentesten Beweis des Ge ge nt Keils führte. (Fortsetzung folgt.) Geschichte deS Tages. Reformbewegnngen. Ungarn. — Wenn wir es nur natürlich finden, daß in Deutschland, wo die Bewegungen auf dem kirchlich-religiösen Gebiete den politischen um eine bedeutende Strecke vorangeeilt waren , dieselben jetzt vor dem in seiner ganzen Stärke erwachten politischen Leben in den Hintergrund zurücktretcn müssen, so iss eS eine erfreuliche Erscheinung, daß anderswo, wie z. B. in Ungarn , wo die geistige Bewegung nach allen Richtungen hin in gleichem Stillstände sich befand, jetzt durch die politische auch die religiöse angeregt werde. Wie dieses auf dem Reformgebiete deS Iudcnthumö in Ungarn der Fall ist, davon geben zwei an Dr. Holdhcim in Berlin gerichtete Schreiben aus Pcsth und Arad vollgültiges Zeugniß, deren Miitheilung in diesein Organ daher Von den Lesern nicht ohne Interesse entgegengenommen werden dürfte. Das erste Schreiben lautet wie folgt: „Pesth, 29. April. Geehrter Herr! Die Allgewalt der Aufklärung hat auch hier in unserer Gemeinde ihren Sieg errungen, das Wort der religiösen Reform ertönt in jedem Munde. Um aber unfern Doppclficg gegen Obskurantismus und Indifferentlsmuö zur Ehre Israels zu vervollständigen, erübrigt nichts mehr, alS daß es uns gelänge, die hiesige Rrsormbewegung in die Bahn zu leiten, auf der die Berliner Rcsonngcnossenschaft Mil so viel Ruhm alS Ausdauer unS vorausgegangen. Wir erfüllen daher eine freudige Pflicht, indem wir unS die Ehre geben, Ew. Wohlgeboren im Namen unserer Neformfreunde zu ersuchen, unS die Statuten und dir darauf bezüglichen Aktenstücke per Adresse .... baldigst zusendcn zu wollen. Sie wollen uns auch gefälligst alle von Ihnen angcnomme. neu Gesangs - und Gebetbücher durch die dortige Buchhandlung mittelst Postpaket zusenden. Im Namen des Neformcomite. Folgen die Unterschriften. DaS Schreiben aus Arad lautet: Arad. 23. Avril. Unter den Bewegungen der jetzigen ere'gnißreichen Zeit mangelt hier nicht die Einsicht, daß zweckmä» ßige Reformen in den Institutionen and äußern Grdräuchen der jüdischen Religion auch in politischer und socialer Hinsicht wünschenswerth seien, und der größte Thcil der hiesigen Israeliten (und wir dürfen hoffen, der größte Thcil sämmtlicher ungarischen Israeliten) sicht die wahre Rothwendigkeit derselben vollkommen ein. Die Unterzeichneten. erkennend Ew. Ehrwürden rühmlichst be. kanntes Streben, im Iuventhmn dahin zu wirken, daß die mosaische Religion geläutert von allen sie verunstaltenden Schlacken und veralteten Gebräuchen durch Einführung zweckmäßiger. den Anforderungen der Jetztzeit entsprechenden Reformen in einer so würdigen Gestalt dastehe, daß die Bekenner derselben in allen so. cialen Verhältnissen die einzuführendcn Gebräuche und Institutioneu befolgen und als gute Israeliten ihre religiöse Beruhigung darin finden könnten, erlauben sich im Namen vieler hiesigen Israeliten, voraussendend, daß sie Ew. Ehrwürden als competente Autorität anerkennen, Ew. Ehrwürdcn döf. tichst zu ersuchen, uns in einer baldigen gefälligen Zuschrift aus. zusprechen, ob wir bei der alleinigen Wahrung und Beobachtung der Zehn Gebote als Juden bestehen können, in dem Sinne, wie die nachstehenden vorzugsweise angeführten Punkte cS darlegen, nämlich: 1) Mittelst der Verlegung deS SaddathS auf den Sonntag, als den 7. Ruhetag; 2) Abschaffung der Speisegesetze; 3) durch Reducirung aller Feiertage mit Ausnahme des -^23 4) durch die Regelung eines möglichst kurzen Gottesdienstes mir Einführung zeitgemäßer Gebete in einer l>bendrn Sprache und Enthaltung aller Abzeichen und der Kopfbedeckung; 5) auch die Erklärung, daß für die Israeliten die Beschneidung nicht ausdrücklich bedingt ist. Letzlich durch die ausdrückliche Erklärung, daß nur die Zehn Gebote als Offenbarung Gottes an Moses bindend feien, daher sowohl der Talmud, alte, selbst in der Bibel rnthak. tene, als auch sämmtliche, in früherer Zeit eingeführte Religionsgebräuche wegfallen. Wir sind überzeugt, dadurch den goldenen Kern der mosai. scheu Religion von der in unserer Gemeinde, wie bekannt, mehr als sonst wo faul und unhaltbar gewordenen Hülle zu retten; da wir jedoch auch mit Bestimmtheit vermuthen, daß Kirchengebrauche, Erinnerungsfeste rc. bestehen muffen, so ersuchen wir Ew. Ehrwürden, die nöthigen Details, wie auch die Gebete in

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