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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1848-05-21 · Heft 21 (21.5.1848) · page 2

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
9 (1848)
Issue
Heft 21 (21.5.1848)
Date
1848-05-21
Page
– (sequence 2)
Language
German
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169 der Auserwähltbeit Israels und des Bündnisses zwischen Gott und ihm ankündigt, nannten wir ein politsches, das der Macht der Geschichte verfallen ist; was aber aus dem ursprünglichen Gedanken eines Liebeebündnisscs zwischen Gott und dem Menschengeschlecht überhaupt bcrvorgeht, galt uns als ein Religiöses, der unendlieben Fortbildung Fähiges. Wir haben zufolge dieses Princips nur die Schranke, welche das Verbäln'ß zwischen Gott und Menschen an den israelitischen Volksstamm bindet, zu beseitigen und das Verdältniß auf die ganze Menschheit zu erweitern, und wir sebcn die Theokratie in eine Menschheits- und Weltreligion, die V olksgenossenschaft in eine Religivnsgenossenschaft sich verwandeln und die Reform des Juden« tbums ist im Princi'p vollendet. Tie Gottcsidee, die Sittlichkcitsidee des Iudenlbums, ihre Bildungsfähigkeit zugegeben, läßt nichts zu wünschen übrig. Rur erleidet die Gortesidee eine Trübung, wenn angenommen wird, Gott habe im supcrnatnralen Sinne des Wortes seine Liebe ausschließlich einem einzigen Volksstamm zugewcnder, und alle übrigen Völker stiefväterlich verstoßen; nur cnkbcbrt die Siltlichkeitsircc ihrer wabren Würde, wenn sie engherzig auf Sramlncsgeirossen eingeschränkt wird. Es mußte dabcr zur Ergänzung dieses Princips die ganze supernatnrale Bibclauffassung anfgegcben und die geschichtliche in ibr Recht eingesetzt werden, nach welcher die Bibel das kindliche Gvttesbcwußrsein ibres Zeitalters und wie dieses das göttliche Eingreifen in menschliche Vcrbälmisse sich dachte und dem gemäß altere Traditionen idealisirend ausfaßte, in kindlicher Naivität und Harmlosigkeit ausspricht. Ter Grundgedanke, der sich uns immer klarer berausstclltc und den wir überall als Widerspruch, als Gegensatz der alteren Ncligionsanschaunng, gegenüber stellren, ist namentlich folgender: Tas Iudcnlbuin sei keine Srammesrellgion, das seine Forderung auf einen kleinen, durch gleiche leibliche Abkunft verbundenen Menschenkrcis einsckränkr und die übrige Menschheit von derselben dispensier, kein eontrat-sodal zwischen Gott und der Jüngern Linie der Abrabamiden, kein Zufall der Geburt, der nicht wieder rückgängig zu machen ist und darum alle im Indembum eigentlich von Juden Geborenen ihrer Ucbcrzcugung zum Trotz im Zudcntbum scsthalte und auf daä jüdische Gesetz verpflichte; sondern eine sittliche freie Ueberzeugnng von der göttlichen Ebenbildlichkeit des j Menschen und des Liebcsbündmsses zwischen Gott und ihm, dessen Bedingungen und Consequenzen die Heiligj Haltung des SiltengesetzeS ist. Tie ältere historische Reli« j gionsanschanung des Zndcnthums hat sich das Verhälk- > niß zwischen Gott und dem jüdischen Volk ganz eben so gedacht, wie wir dasselbe uns zwischen Gott und den Menschen denken, es hat statt des Menschengeschlechts daS jüdische Volk gesetzt und auf dieses Verhältniß alle Consequenzen angewendet. Cs spricht zum Juden: Du bist ebne Deinen Willen als Jude geboren und durch diese Geburt auf das jüdische Gesetz verpstichtek, wie wir zum Menschen sprechen: Tu bist als Mensch geboren und deßhalb ans das Menschend. b. auf das Sittlichkeiksgesctz verpflichtet. Es sagt ferner: Du kannst Dich, weit als Jude geboren, des Iudenrbums nicht entäußern, und von der Gesctzesverbindlichkeit nicht befreien, wie wir zum Menschen sagen: Du bist ewig an das Menschentdum gebunden und kannst Tick von der Verpflichtung auf das Sittengcsetz nickt entbinden. Cs betrachtet den Gesetzesübertrcter ganz wie wir den Verbrecher und siebt jenen noch immer als Juden an, wie wir Liesen noch immer als Menschen betrachten. Es verfolgt ihn mir Strafen, zwingt ibn zum Respekt gegen das Gesetz, ehrt in ibm die unveräußerliche moralische Würde der Gesetzcsverbintlichkeit, mit einem Worte, LaS Iudcntbum bat sich ganz nach den 'Analogien des Mcnschenthums gebildet, bat die Grundzüge dieses Verhällnisses in dem engeren Ärcii'e fort- und ausgcbildet, und je mehr man diese Achnlichkeiten verfolgt, je mehr findet inan die Ueberzeugnng bestätigt, daß das Iudentbum sich als Miniatur des Mcnschenthums, als diel scs in verjüngtem Maßstab hinstellr, daß die Ideen! des Mcnschenthums ibm als Vorbild gesessen, daß cs mit j diesem ein C r p er i m e n t aus das jüdische Volk machte, I um dieses wiederum als Prototyp für die Menschheit zu gebrauchen. Man muß gestehen, daß dieser Versuch znm Vortheil der Menschen ausgefallen, daß es die Grundlinien in dem kleinern Gemälde sebr scharf und pünktlich ausgeprägt, und daß die Menschheit daraus unendlich viel lernen kann. Aber kindisch und einfältig wäre cs, fort und fort mir dieser Puppe zu spielen, nachdem der Menschengeist gereift ist, und das Modell als solches anerkennt. Man kann nichts dagegen haben, eS als Antike ewig zu bewahren und cs, da die Lincamenre des Menschenihums in ihm so glücklich ge-

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