Mannheim
Compact Memory

Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1848-05-14 · Heft 20 (14.5.1848) · page 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
9 (1848)
Issue
Heft 20 (14.5.1848)
Date
1848-05-14
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2566751-2567071-2567091--3127-2571052
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

158 fern RelkgkonS -Angelegenheiten werde» 1 Wie sollen unsere kirchlichen Verhältnisse sich ordnen? wird eine Organisation zu Stande kommen können, ohne Mitwirkung der Regierung? Diese Fragen werden bald in den Vordergrund treten und ich hege auch in dieser Hinsicht die Hoffnung, daß der Fortschritt siegen wird, obgleich voraussichtlich nicht ohne Kampf. Ein gewisser Haid, Präceptor in Ellwangen, hat ein Schriftchen herausgegeben, Judenemancipatio« betitelt, von welchem ich Ihre Leser in Kenntnis setzen will, damit sie es sich — nicht anschaffea. Der Verfasser, ein Pietist, wie es scheint, steht dabei auf so niedrigem Standpunkte und legt eine so gemeine Gesinnung an den Tag, daß man eme Stimme aus dem fünfzehnten Fahrhundert zu hören meint. Seine Wissenschaftlichkeit ist auch nicht weit her und ist nur schade für den schönen Druck und das schöne Papier. Um indessen Ihre Leser in den Stand zu setzen, selbst ein Urtheil zu fallen, will ich einige Auszüge daraus mittheilen. Daß die Juden eigentlich Juden sich nennen müßten und nicht Israeliten soll zunächst bewiesen werden und dazu braucht er 16 Seiten. Israeliten sei die Benennung für alle 12 Stämme, die jetzigen aber seien Adkömmlinge der beiden Stämme Juda und Benjamin, könnten also (?) nicht Juden heißen. Doch eine herrliche Logik? Für die Richtigkeit seiner Behauptung führt er Tacitus an und für die Ehrlichkeit dieses römischen Geschichtsschreibers Patrolanus, den ersten Herausgeber der Werke des Tacrtus. Der Verfasser hat über auch seine guten Gründe, warum er cs sich so sauer werden läßt, obige Behauptung mit Beweisen zu stützen. Nach seiner Meinung »wird in unseren Tagen die Benennung -Juden" von den Stammgcnossen ängstlich vermieden (eine Lüge bekanntlich!) und es ist nicht schwer zu bemerken, daß sic sich bei derselben verletzt (?) fühlen" und er will also sich sicher stellen, daß Advokaten dieses Volksstammes wegen des in Schriftsätzen (sie!) gebrauchten Ausdrucks Juden keine Beschwerde erheben können oder doch nicht zu begründen vermögen." (S. 16). Ihre Leser haben wohl an dieser Probe genug. aber ich muß schon um Geduld bitten, wenigstens noch ein Pröbchen sich gefallen zu lassen. Um nachzuweisen, wie verderblich der Mosa iSmuS sei, wird die — Geschichte Josephs erzählt und daS ganz wörtlich und ziemlich ausführlich, Nämlich wie Iosepb gegen dre Egppter verfuhr, alS im Lande außer auf den königlichen Speichern kein Getreide mehr za haben war. Dieses harte Verfahren — schließt der Verfasser — müsse nur auf Rechnung Josephs geschrieben werden, denn der gutmüthige Pharao hätte sicherlich so waS nicht geduldet sak dqS Joseph so lieblos war daran sei lediglich schuld — der MsfaismuS! rlsum teaeutl, annei! Und doch ist eS ganz ernstlich bettübend, daß in Deutschland im Jahre 1818 solche Bücher herauskommen und Verfasser solcher Bücher Lehrer der Jugend sind. — Wenden wir unS lieber zu einer andern, wenn auch gegen unS ebenfalls nicht freundlich gesinnten, doch sonst ehrwürdigen Persönlichkeit, ich meine den alten Arndt. Arndt ist in feiner deutschen Gesinnung der alte geblieben, aber auch in seiner vorurtheilsvollen gegen Juden. Arndt und vorurtheilsvoll gegen Juden? Nicht wahr. Du staunst, lieber Leser? und es überläuft Dich eiskalt, von einem Wanne dieses zu hören, den Du alS jüdischer Deutsche verehrst, alS deutscher Jude aber alS Deinen Gegner betrachten sollst. Aber eS ist leider fo. Arndt war im Jahre 1314 schon der deutsche Frecheres - mann, aber auf dem damaligen Standpunkte der Zeitbildung waren seine Freiheitsiveen lediglich naiional und er hatte von einer Freiheit, wie sie jetzt das Ideal rer gebildeten Welk ist» damals keine Ahnung. Arndt ist aber auf feinem Standpunkte stehen geblieben, oder nach ZOjährigcm Stillstände zu alt und zu schwach, sich weiter zu erheben, als er damals sich erhoben hatte. Um diesen Standpunkt kurz zu bezeichnen führe ich nur eine Stelle aus einem Aussatze „über Juden" von ihm an. „Alle unsere Staaten, sagt A., sind mehr oder weniger auf dem Christcnthum und seinen Lehren gegründet, und in unseren Sitten. Ordnungen und Gesetzen, ja auch in unseren kleinsten Einrichtungen und Weisen ist der dunklere oder hellere Wiederschein dieses Christenthums." Dieses müsse so sein, fährt er fort. die Religion als das Wichtigste müsse bis ins innerste Getriebe dcö Staates eindringen, die Juden, außerhalb des Christenlhums stehend, seien daher durchaus unfähig, mehrere Pstichtcn zu erfüllen, deren jeder christliche Mitbürger schuldig ist, sie sind also unfähig, in einem christlichen Staate volle Bürger zu sein. Man sieht aus diesen wenigen Worten die Befangenheit und die Engherzigkeit, welche dis zum Februar und März d. I. in Berlin und anderen Orken Deutschlands festgehalten wurde. Die jetzigen Freiheitsmänner, die eS im Geiste der Gegenwart wurden, sind darüber hinaus, Arndt aber ist es nicht. Seinem Aufsatze: „Noch eine kleine Ausgießung in dis Sündsiuth" sieht man das ganz deutlich an und wir halten es für unsere Pflicht darauf aufmerksam zu machen, damit der alte Vaterlandssänger, dessen Ehrwürdigkeit auch wir theilcn, nutz die ihn leicht zu einer unbestrittenen Autorität stempeln könnte, richtig gewürdigt und ihm da entgegengetreten werde, wo der alte Mann dem frischen Zug der jugendkräftigen Gegenwart z» folgen schon zu schwach ist. Wir freuen unS übrigens, daß diesevon einer Seite schon geschehen ist, nämlich in der Wr-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.