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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1848-05-14 · Heft 20 (14.5.1848) · page 5

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
9 (1848)
Issue
Heft 20 (14.5.1848)
Date
1848-05-14
Page
– (sequence 5)
Language
German
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187 nacb meiner Ueberzeugung gerechten Urthcil, nicht zugleich ein Vrrdammungsurtbeil derjenigen concretcn Erscheinungen finden wollen, in denen jenes Princip wirkend aufgetrercn ist, B. der Rabbiuer-Versammlung, der Reformgenoficnschaft. Etwas Andres ist es, ein Princip in seiner naekren Abstraktion kritifircn und etwas Andres die praktische Wirksamkeit der Vertreter eines Princips würdigen. Meine gegenwärtige Aufgabe ist nur das Erstere: wollte ich das Letztere, so mußte ich auf tausend tbarsächliche Bedingungen Rücksicht nehmen, und würde zu einem Resultat kommen, welches ich, um nicht als übelwollender oder rigoristischcr Theoretiker zu erscheinen, bier auszusprechen mich verpflichtet balte. Bleiben wir z. B. bei der Rabbiner-Versammlung steben, in welcher, trotz einiger hcrvortauchcnd.'n Divergenzen das historische Reformprincip noch die Oberband hat, so muß mau bekennen, daß in Berücksichtigung der influirenden Bcrhältnisie alles Mögliche gegeleistet ist. Tie Versammlung bat das redlichste Bemühen an den Tag gelegt, jenes ohnmächtige Princip, an das sic sich einmal halten zu müssen glaubt, so cmzuspanucn und fruchtbar zu machen, als mau es nur irgend kann. Ein flüchtiger Blick auf die bisher bekannt gewordncn Beschlüsse, so wenig deren noch sein mögen, zeigt dav Gesagte. Tie Versammlung hat das Togma vom Messias in seiner materiellen Auffassung aus der Liturgie verbannt, sie bat die Feier ocr zweiten Festtage als gesetzlich nicht begründet erklärt, sie hat, hinsichtlich der Sabbatfrage, den Anforderungen des Staatsbürgerthums in seine Ecllision mit dem mosaisch -thalmudischen Arbeilsvcrbote das Vorrecht zucrkanm, sie bat jede in das geistige Gebiet gehörende Tbarigk.lt, als der Sabbatfcicr nicht widerstreitend, frei gegeben; sie geht schließlich damit um, das mosaischtbalmudische Eberccht, das sich allein noch aus dem gelammten Peiva.'recht praktisch erhalten bar. einer Revision zu unterwerfen :c. rc. Zndeö kann die Anerkennung, die wir der Rabbincr-Versammlung gern zollen, nicht auf Rechnung des Princips kommen, zu dem sie sich äußerlich bekennt. Tenn man wird es einräumen, daß einige der gefaßten Beschlüsse schon die äußerste Linie des alten Anschauungsgcbictes berühren, oder, genau genommen, dieselbe überschreiten, wenn man sich auch den Anschein giebt, noch immer auf tbalmudischcm Boden ru stehen. Man weiß z. B. wie prccär jene Begründung ist, die für den Vorrang der siaarsbürgcrlichen vor den religiösen Pflichten in dem thalmudischen Grundsätze gesucht wird: „das Staatsgesetz ist geltendes Gesetz"; — in Summa, das historische Princip muß in der Praris sich selber untreu werden und kann sich nur noch durch Inkonsequenzen helfen, ein Beweis, daß seine Herrschaft dem Ende entgegengeht. Geschichte deS Tages. Monatbericht ans Bayern. April. — So hätte denn die Freihcitsstunde geschlagen. Nicht mehr von leidigen Verbesserungen .ist die Rede, nicht mehr Aussichten und Hoffnungen sind cs, die uns beseelen und die bald heller bald düsterer sich gestalten: nein völlige Gleichstellung, ganz gleiche Berechtigung mit allen Staatsbürgern wird uns zu Thril werden, so gewiß zu Thcil werden, als in Deutschland eine neue Zeit hcrangezogen ist, die nicht wieder sich zurückvrängcn läßt. Wir sind Wähler und wahlfähig zur deutschen Nationalversammlung. Die Regierung hat es ausgesprochen, die Kammer hat einstimmig es sanltien'.rt. Wird man aber die Abgeordnetenwahl zur baherischeu Kammer nach einem andern Modus Statt finden lassen können oder wollen als die zur Nationalversammlung? und wirs man ferner für diejenigen, denen man den Abgcordnctensaal öffnet, die Pforte zur bürgerlichen Gleichstellung verschließen können oder wollen? Dieser Schlußsolge laßt sich nichts Erhebliches entgegensetzen und wenn cs möglich wäre, so hat der Minister Heinz jede Besorgnis niedergeschlagen, indem er sic von Seiten rer Regierung in Anspruch nahm, um zu beweisen, daß es der Regierung ernst mit Gleichstellung aller Confessionen sei. Ich zweifle auch keinen Augenblick daran. Unsere Kammer liegt zwar in den letzten Zügen und ihre Auflösung ist nahe bevorstehend, aber als eine Sterbende wird sie' rühmlich scheiden und auf ihr Grab ein Denkmal der Liebe unv des Friedens setzen wollen. Cie wird Gleichstellung aller Kulten aussprechen und als eine Verklärte verjüngt und verherrlicht ein Fest der Auferstehung feiern. Wir können die Emancipation als eine vollendete Thatsache betrachten, denn Bayern will und kann nicht zurückstchcn, nachdem Oestreich und Preußen schon vorangegangea sind. Wie wird es nun mit uu-

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