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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1848-05-07 · Heft 19 (7.5.1848) · page 2

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
9 (1848)
Issue
Heft 19 (7.5.1848)
Date
1848-05-07
Page
– (sequence 2)
Language
German
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140 ric Auflösung dcs Gegensatzes zwischen Staat und Ncligion in die reine Tbeocrakie, der Prophetismus als Leute noch zahlreich aufzubringcn. Nach der Meinung dcs Cor- ' rrsvondenten soll die Arbeit der historischen Schule darin bestehen, .den dunkeln Aeußcrungcn eines Entwickclungsganges in! den jüdisch-religiösen Anschauungen, von dem der Talmud nur! Nachricht gicbt, ohne sich zum Organ desselben zu erheben,! nachzugchcn; in diesen Aeußcrungcn erkenne die historische Schule j das unaufhaltsame Drängen des Geisteslebens, das die verhüll-; ten Idee» zu größerer Klarheit zu gestalten bemüht ist, ste in zeitgemäße Formen ausprägt u. f.w. Also findet die bistorische Schule doch in der talmurrschen Croche eine vernünftige Entwickelung der religiösen Anschauungen objcctiv ausgeprägt; nur daß nicht die Talmurifirn die bewußten Träger dieser verjüngten Ueberzeugungen, sonrern daß letztere ein $rotuct eine# unbcsilmmten „Drängens des Geisteslebens" waren. Aber ein solcher abstracter jeder Definition fich entziehender Factor eines Fortschritts, ein Gcistesieben, das nicht in der Literatur der Zeit einen bewußten Ausdruck bat, sondern ohne jedes Substrat in Luftregien herumschwcbt und die Zeitgenossen traumartig aificirt und zu somnambulen Verkündern unbegrissener Gedanken macht, — das ist mir eine anomale und unverständliche Erscheinung. Derjenige Fortschritt, zu dem die materielle Macht der Lebensverhältnissc, rie täglichen Consticte der Satzung mit dem momentanen Bedürfnis. hinfioßen, der Fortschritt der nicht aus der freien Erkcnnlniß und dem Bewußtsein seiner Berechtigung drivorgeht, ist eine bloße Thanachc, die sich allerdings außerhalb dcs Bewußtseins derer, die sich ihr dunkel unter, werfen, vollziehen kann; ab.r cm solcher Vorgang kann unmöglich eine Entwickelung aus dein Drängen dcs Geisteslebens genannt werden. War in der talmudischcn Zeit objcctiv eine Entwickelung der religiösen Ideen vorhanden, so muß auch der serm Sendschreiben an l>r. Herzseld im Israeliten des 19. Zadrh. 1645 Nr. 45 ausmhrlich erörtert. Wenn Geiger noch in neuester Zeit darin beharrt, uns mir Gewalt in einen Gegensatz zur historischen Betrachtungsweise hineinzudrangcn, so werden wrr hoffentlich bald Gelegenheit finden, ihn davon zu überzeugen, daß nach dieser Seile bin, nämlich was die Ausgangs- und Gesichtspunkte unserer reformatorischrn Ansichten betrifft, ein solcher Dissensus zwischen ihm und mir durchaus nicht stattsindet, wenn auch in der Anwendung und consequcnten Durchführung jener Gesichtspunkte allerdings rine kleine Differenz obwalten mag, die wesentlich darm besteht, daß Geiger die Okeratwnen rer Geschichte im Leben nachahinen und unter der Höhe der von ihm erkannten Forderung mit vollem Bewußtsein stehen bleiben will, während ich auf durchgreifende Geltendmachung des erkannten Princivs dringen zu müssen glaube. Im Ausgangswie im Zielpunkte sind wir einig, und nur rm Verfolgen des le^tern verschieden. Es ist auch wahr, eaßcr mehr die verwandten homogenen Elemente und Nc Analogiecn, ich mehr die heterogenen und rie Dckstrcnzen hcrvorhebe, aber nicht minder wahr, daß, io wenig er die verschiedenen, ich die verwandten Gesichtspunkte unberücksichtigt lasse. (Anm. d. Rec.) die Auflösung des Gegensatzes von Monotbeisnms und jüdischer Nationalität in die Perspective des Messiasreichs, der Talmudismus endlich, weil eine unbestreitbare Ermvickelttng ans der mosaischen Theocratie enkbaltend, als die Auflösung des vorhandenen Widerspruchs zwischen einer politischen Religion und einer ans ihrer politischen Form gesprengten cinbeitslosen Nationalität in ein neues geistiges Medium, in die emwickelungsfähige religiöse Toctrin, gefaßt wird —diese Grundzüge zeigen durchweg den Stempel der Hegelschcn Tialecrik an sich, ans der sic dervorgegangcn sind. Eine Kritik des in diesem System verkörperten Princips wird demnach auch aufdccken können, wie derselbe alle jene Selbsttäuschungen und Halbheiten mit sich führt, welche die neueste philosophische Richtung der Hegelschcn Weltanschauung sattsam nachgewiesen hat. — Tie ganze Gedankenentwickelung, auf die dieses historische Princip binführt, besteht aus einer fortlaufenden Erposition von Gegensätzen und deren Auflösung in eine höhere Einheit. Ter Fortschritt wird darum überall nur in der Form des Kampfes, der Negation dargestcllr; der Sieg ist nichts als die Herausarbeirung eines neuen dritten Moments aus den sich bekämpfenden Gegensätzen. Aber wer verbürgt uns, daß der Sieg, den die historische Anschauung proclamirt, wirklich errungen ist, daß die Gegensätze, die sie richtig erkannt, sich wirklich aufgericbcn, und nicht vielmehr in unvermittelter Schärfe sich gegenüberftehen! Wer sieht nicht, daß die Anwendung dieser dialektischen Methode auf die objective Talmud, als der fubjeclive Träger seiner Zeit, als der Ausdruck ihrer geistigen Bewegung, von jener Entwickelung gewußt haben. Weiß er davon Nichts, ist er über die angebliche Bedeutung seines eignen Thuns im Dunkeln und Unklaren, so ist auch Nichts vorgegangen, was wir aus seinen Operationen als eine über und außerhalb seines Bewußtseins sich vollziehende Entwickelung abstrahiren dürsten. Der also annimmt, daß eine Fortschritts-Entwickelung des Judenthums im Talmud enthalten sei, muß auch zugebcn, daß der Talmud mit Bewußtsein reformirt habe. — Wenn der Frankfurter Correspondent ferner meint, ich batte zu sehr den Maaßstab der Savingoschcn historischen Schule in der Jurisprudenz an rie s. g. historische Schule der jüdischen Theologie angelegt. <5 thut er mir offenbar Unrecht da ich ja rie historische Methode der jüdischen Theologen direrr aus der Hegcl'schea Anschauungsweise der Geschichte ableite. In diesem Sinne spricht man in der Jurisprudenz me von einer historischen Schale. Der Bert.

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